Eine Liebesgeschichte in Kreuzberg: Letzter Teil

Hermann, der nicht weiß, wohin man Lena gebracht hat, und wo er mit der Suche nach ihr beginnen soll, bleibt nichts anderes übrig als auf eine Nachricht von ihr zu warten. Endlich klingelt das Telefon in seiner Wohnung. Rasch greift er zum Hörer. Doch es ist nur das Möbelhaus. In der kommenden Woche würde das Wohnzimmer kommen. Hermann legt wortlos auf.

Als das Telefon gleich darauf wieder läutet, geht Hermann, der glaubt, dass es wieder das Möbelhaus sei, gar nicht erst ran. Er ahnt nicht, dass es Lena ist, die ihn in diesem Moment von einer Telefonzelle in Russland aus zu erreichen versucht.

Lena, die nur Hermanns Anrufbeantworter erreicht, zögert einen Moment. Schließlich sagt sie: „Hermann? Ich bin es, Lena. Ich versuche es später dich anzurufen.“ Schon will Lena den Hörer auflegen, als sie plötzlich am anderen Ende Hermanns Stimme hört :“Lena?“

Einige Tage später sitzt Hermann in einem Zugabteil. Durch das Fenster hindurch blickt er aus dem fahrenden Zug hinaus auf die unbekannte Landschaft. Ein Schaffner kommt herein und bittet Hermann auf Russisch seine Fahrkarte vorzuzeigen.

Schließlich hält der Zug an einer kleinen Bahnstation irgendwo in der russischen Provinz. Hermann hat die Koffer mit Lenas Sachen dabei und steigt damit aus. Es ist Nacht, bereits dunkel. Draußen auf dem Bahnsteig wartet Lena.

Gerade einmal eine Woche ist seit Lenas Verschwinden vergangen, und doch ist in der Zwischenzeit vieles anders geworden, viel geschehen. Und so liegt im Moment ihres Wiedersehens eine Frage und Ungewissheit, sehen beide sich plötzlich neu, zögern sie einen Augenblick, bevor sie aufeinander zugehen, sich umarmen.

Lena, die nach ihrer Abschiebung erst einmal wieder zu ihrer Mutter gezogen ist und in deren Haus wohnt, führt Hermann in ein kleines Zimmer unterm Dachboden. Es ist Lenas altes Mädchenzimmer. An den Wänden hängen Bilder von Schauspielern und Pop-Stars. “Möchtest Du etwas essen und Tee?“ fragt Lena. Hermann nickt.

Lena geht hinaus. Als sie wenig später mit einem Tablett in der Hand zurück kommt, findet sie Hermann, der von der langen Reise müde und erschöpft ist, schlafend vor. Lena stellt das Tablett ab und legt sich zu ihm aufs Bett.

“Und wie soll es jetzt weiter gehen?”, fragt sie Hermann am nächsten Morgen. Hermann ist fest entschlossen dazu, sie nach Deutschland zurück zu holen. Das jedoch scheint unmöglich. Denn in Lenas Pass prangt ein Stempel, der Lena die Wiedereinreise verwehrt.

Hermann schaut sie an: “Und was wäre, wenn wir heiraten würden? Ich meine, würdest du- willst du denn- würdest du mich denn haben wollen?”, fragt er stockend.

Lena will. Beide, Lena und er, heiraten in Lenas Heimatstadt. Wieder in Berlin findet draußen im Biergarten des Haus Zenner in Treptow ein kleines Fest statt und alle sind sie da: Addi und Margot, Hermanns Schwester mit Sandra, die ihre Hochzeitsbarbie im Arm hält, Thinh und dessen Frau.

Lena aber hat das gleiche Kleid an, wie an jenem ersten gemeinsamen Tag mit Hermann. Und sie trägt auch ihre Haare genauso wie damals. Draußen auf der Freilichtbühne legt ein Alleinunterhalter Tanzmusik auf. Auf der Tanzfläche sieht man mehrere Paare. Es sind Arbeiter, kleine Angestellte und Rentner im einfachen Sonntagsstaat.

Margot hat einen jungen Verehrer gefunden. Lutz tanzt mit der zierlichen kleinen Frau von Thinh. Addi und Thinh sitzen nebeneinander am Tisch und trinken Bier.

“Pass nur auf, dass der Dicke Dir nicht noch die Frau wegschnappt”, feixt Addi. Doch Thinh lächelt nur geringschätzig: “Ah-”. Und den Satz etwas ungewohnt auf dem letzten Wort betonend sagt er mit seiner schnarrenden Stimme: “So schnell schießen die Preußen nicht.” Beide schauen zurück zur Tanzfläche.

Da zu wenige männliche Tanzpartner zur Verfügung stehen, tanzen manche der Frauen allein oder mit einer anderen Frau. Hermann aber tanzt mit Lena . . .

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Ein Kommentar

  1. Marion Bühler
    Erstellt am 20. März 2009 um 19:56 | Permanent-Link

    Hatte wenig Zeit und habe jetzt erst die Liebesgeschichte zu Ende gelesen.Schade,dass sie schon zu Ende ist.Den Film im Kopf hätte ich gern weiter gesponnen.

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