Vom Leben als Kunstwerk Teil 6

Ein paar Tage nach meiner Rückkehr aus New York hatte ich mich am Nachmittag mit Martin in der O-Bar verabredet. Auf dem Wege dorthin hatte ich mich entschlossen, Martin gegenüber über alles das, was meine künftigen Vorhaben und Pläne betraf, zu schweigen, solange diese noch so im Unklaren lagen.

Stattdessen hatte ich ihm von der Stadt erzählt, von New York, von Soho und von China-Town, von den jüdischen Imbissen und den russischen Restaurants im East-Village, vom Pyramid-Club und vom CBGB´s.

Beide hatten wir vor einer Tasse mit Michkaffee gesessen und geredet, geraucht als mit einem Mal von draußen die Tür aufgerissen worden war und ein Mann von der Straße herein kam, der ganz offensichtlich gerannt war, und der sich beim Hereinkommen hastig um geblickt hatte: atemlos und gehetzt wirkend, so als würde ihn jemand verfolgen.

Ich erinnere mich noch genau daran,dass im gleichen Moment die Gespräche an sämtlichen Tischen um uns herum verstummt waren, und dass alle anwesenden Gäste, auch wir, wie gebannt auf den Mann geblickt hatten, in dessen Miene sich eine geradezu panische Angst widergespiegelt hatte.

Der Mann hatte sich einen Augenblick über verzweifelt umgesehen, so als suche er einen Platz, an dem er sich verbergen könne. Dann war er hinter der Tür, die zu den Toiletten führte, verschwunden.

Keine zwanzig Sekunden später waren ein weiterer Mann und eine junge Frau mit blond gefärbten kurzen Haaren von draußen herein gestürzt, offenbar die Verfolger, vor denen der Mann geflohen war.

Beide waren zunächst vorn am Eingang stehen geblieben, um von dort aus den Raum zu überblicken.

Die Frau aber hatte eine Waffe bei sich geführt und in der Hand gehalten, eine dunkle Pistole, welche sie, mit dem Arm dabei ringsherum an den Menschen und Tischen entlang schwenkend, auf die Anwesenden gerichtet hielt, während sie zugleich nach dem Flüchtigen Ausschau hielt.

Schließlich hatte sie ihrem Begleiter ein Zeichen gegeben und schweigend auf die Tür gedeutet, hinter der kurz zuvor der Geflohene verschwunden war. Und im nächsten Moment waren beide ihm dorthin nach geeilt. . .

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Ein Kommentar

  1. Beate
    Erstellt am 10. Mai 2009 um 16:11 | Permanent-Link

    lieber Sebastian, es macht Spaß, Dir bei deinen Gedanken und Geschichten zu folgen, etwas Wehmut ist manchmal auch dabei. Ich finde aber, dass du die damalige Zeit auch gedanklich sehr lebendig rüber bringst.
    Und nun, wo es richtig spannend wird, hört es plötzlich auf…. Freue mich auf die Fortsetzung. Alles Liebe, beate

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