Waschsalon Teil 5

Der Waschsalon in der Wiener Straße gehörte, so wie der zuvor in der Oppelner Straße auch, noch zu einem Typ, einer Generation von Waschsalons, wie man sie heutzutage schon längst nicht mehr antrifft.

Um dort waschen und eine der Maschinen starten zu können, musste man zunächst eine sogenannte Waschpolette kaufen, eine Art Münze, die man vor dem Waschen in einen Münzschlitz an der Maschine einwerfen musste.

Diese Waschpoletten mussten wiederum an einem Automaten gezogen werden, der weder Geldscheine annehmen, noch Wechselgeld herausgeben konnte.

So drehte sich stets ein nicht unerheblicher Teil der Gespräche und Aktivitäten der dort anwesenden Personen um die Suche und das gegenseitige Tauschen und Wechseln von passendem Kleingeld.

Den Poletten selbst aber kam somit, ähnlich wie den italienischen Telefonmünzen, den Gettoni, quasi die Funktion einer Art Zweitwährung zu. Und mitunter kam es vor, dass man sie weit entfernt von ihrem eigentlichen Bestimmungsort, etwa an einem Kiosk, auch als Wechselgeld in die Hand bekam.

Auch sollen findige Menschen sie von Zeit zu Zeit kopiert und durch passende Rohlinge ersetzt haben, so sagt man. . .

Der Erfolg und das jeweilige Resultat des Waschganges war auch hier ebenso unvorhersehbar gewesen wie zuvor in der Oppelner Straße. Stets aber war die Wäsche am Ende des Waschens noch so nass gewesen, dass man nicht umhin kam, sie in einer der tonnenförmigen Schleudern im Anschluss daran noch zu schleudern.

Dafür musste zunächst eine weitere, dieses Mal jedoch eine andere Art von Polette am Automaten gezogen werden. Die nasse Wäsche wiederum konnte nicht einfach so in die Schleuder getan und geschleudert werden, sondern musste zuvor erst noch sorgsam darin verteilt werden.

Waren aber leichte und schwerere Wäschestücke innerhalb der Trommel nicht in einem ausgewogenen und genau berechnetem Verhältnis verteilt, kam es vor, dass die Schleuder sich gar nicht erst in Betrieb zu setzen begann.

Tat sie es aber doch, geschah dies unter einem zuweilen nahezu infernalischen Lärm, einem Ruckeln und Schütteln, Brummen und Vibrieren, dass nicht alleine die eigenen Nerven strapazierte, sondern einem zugleich auch die vorwurfsvollen und missbilligenden
Blicke aller übrigen Anwesenden einbrachte. . .

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 20. August 2009 um 09:40 | Permanent-Link

    Sehr spannend meines Erachtens. Bin neugierig was noch zu kommen ist!

    Gruß

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