Wrangelstraße - Fortsetzung Teil 2

Später hat man das Obdachlosenheim in der Schlesischen Straße geschlossen und stattdessen im gleichen Gebäude das Standesamt untergebracht. . .

Seine ehemaligen Bewohner aber wurden aus dem Ihnen vertrauten Alltag und Umfeld herausgerissen und danach auf verschiedenste andere Heime und Unterkünfte quer über die ganze Stadt hinweg verteilt.

So ist das Straßenbild in der Wrangelstraße heute “aufgewertet”, bereinigt und weitgehend frei vom Anblick der Obdachlosen: sieht man von den Besuchern der Suppenküche ab, deren Betreiber bislang allem Drängen und allen Versuchen von Außen, sie gleichfalls zu schließen, Stand gehalten haben.

Wie auch immer- Jene Stadtrundfahrten, von denen ich erzählte, und die zunehmend mit ihnen in den Kiez gelangenden Reisegruppen hatten damals in wachsendem Maße den Unmut und Zorn vieler Anwohner zu erwecken begonnen- nicht nur den der Autonomen aus der Wrangel 90 und deren Umfeld.

Dies mag aus heutiger Sicht heraus den einen oder anderen Leser womöglich verwundern- in einer Zeit, in der das Private sich, wie mir mitunter scheint, auf dem Rückzug befindet und sich neu definiert, in der das Öffentliche privat und das Private öffentlich wird, und in der man mittlerweile jederzeit allen Ortes gewahr sein muss, von irgendeinem Mobiltelefon aus gefilmt oder fotografiert zu werden. . .

Manche mögen es sonderbar finden, sich so fest an das eigene Bild zu klammern.

Und sie mögen sich hier vielleicht an den Aberglauben mancher Kulturen erinnert fühlen, in deren Kontext die Menschen davon überzeugt sind, mit dem eigenen Abbild zugleich auch die eigene Identität und Seele preis zugeben-

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Wrangel 90 jedenfalls hatten draußen an ihrem Haus zur Abschreckung und Warnung jenes genannte Transparent angebracht.

Und sie waren, gemeinsam mit den Gästen und Besuchern des Wrangelladens, einer Ladenwohnung im Haus, in der heute die Bull Bar untergebracht ist, und die damals noch als Nachbarschaftsladen genutzt wurde, zu guter Letzt zur Gegenwehr übergegangen. . .

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