Brennende Autos - Teil 3

Schon in früheren Jahren war es aus dem autonomen Spektrum heraus zu einer Reihe von Anschlägen gekommen, die sich in ihrer Zielsetzung gegen steigende Mieten und eine drohende “Umstrukturierung“ in Kreuzberg gerichtet hatten (der Begriff Gentrification wurde damals noch nicht gebraucht).

Als Teil eines “proletarischen Stadtteilkampfes“ verstanden, hatten sich die damaligen Aktionen dabei gegen eine befürchtete Zerstörung angestammter Kiezstrukturen gewandt, die Verdrängung sozial schwächerer Bewohner durch “Schicki-Mickies und Reiche”.

Im August 1987, ein paar Monate nach den Kreuzberger Mai-Unruhen, hatten Mitglieder der sogenannten “Kübel“-Gruppe das Maxwell, ein für damalige Kreuzberger Verhältnisse überdurchschnittlich teures “Nobelfeinschmecker-Restaurant“, wie es in einem Flugblatt des “Kübels“ hieß, in der Oranienstraße aufgesucht und dort mehrere Eimer mit übel riechenden Fäkalien ausgeschüttet.

Zugleich hatte man den Inhaber des Maxwell dazu aufgefordert, eine Abgabe an die “Knastkasse“ zu leisten, eine Spendenkasse für die rechtliche Unterstützung von Festgenommenen und Beschuldigten in politischen Verfahren.

Dieses Vorgehen aber hatte seinerzeit eine heftige Kontroverse ausgelöst, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Szene.

Während sich dabei die gesamte Medienlandschaft West-Berlins, von der Bild-Zeitung bis zur Taz in scharfer Form gegen die Aktion und Akteure der Kübel-Gruppe gewandt hatte, war der Anschlag auf das Maxwell damals in Kreuzberg selbst nicht nur innerhalb der autonomen Zusammenhänge sondern zum Teil auch jenseits davon auf Sympathien gestoßen, hatten manch andere auch die für sie unerschwinglichen Preise und den Anblick der im Inneren des Restaurants sitzenden, unbekümmert dort speisenden Gäste als Provokation empfunden.

Kaum Verständnis war indessen den Versuchen der Gruppe entgegen gebracht worden, Zahlungen von Spendengeldern zu erzwingen, unabhängig davon, zu welchem Zweck diese letztendlich hatten verwandt werden sollen.

Denn auch andere Gewerbetreibende, nicht allein der Besitzer des Maxwells, waren, wie bekannt werden sollte, gedrängt worden, eine sogenannte “Revolutionssteuer“ zu entrichten.

In der Presse aber war im Folgenden von “Schutzgelderpressungen“ die Rede gewesen, von “mafiosen Strukturen“ und der heimlichen Existenz einer “Kiez-Miliz“ in Kreuzberg. . .

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Ein Kommentar

  1. hansdurst
    Erstellt am 28. September 2011 um 12:45 | Permanent-Link

    stimmt nicht ganz:
    der maxwell-betreiber wurde zu keiner zeit zu einer persönlichen zahlung in eine knastkasse aufgefordert: er wurde lediglich aufgefordert, die aufstellung einer solchen am tresen zu gestatten, was eine weigerung seinerseits nach sich zog. darin liegt wohl in nicht nur in meinen augen ein wesentlicher unterschied zu schutzgeldähnlichen forderungen vor.

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