Nahtstellen - Teil 4

Mir wird klar, dass der Unruhe, die mich drängt, die Erzählung an diesem Punkt der Geschichte wieder aufzunehmen und von Carolin, dem was später geschah zu erzählen, etwas ebenso starkes entgegensteht, eine ebenso starke Bereitschaft, den Zeitpunkt dafür noch hinauszuschieben und stattdessen auf anderes auszuweichen, über andere Begebenheiten zu sprechen-

Über aktuelle Ereignisse wie die Demonstration auf dem Alexanderplatz etwa vor wenigen Wochen und die fehlerhafte Berichterstattung darüber in den Medien, die zunächst danach ausgestreute Falschmeldung, Autonome hätten dort eine Splitterbombe geworfen, Anlass für eine aktuelle Stunde im Bundestag über das bedrohliche Anwachsen linksextremer Straftaten in Deutschland. . .

Über die noch am gleichen Tage versuchte Wiederbesetzung des Bethaniens am Mariannenplatz.

Oder aber auch über andere, ganz alltägliche Dinge, einen Dialog, ein Gespräch dass ich zufällig draußen auffing, gestern Nachmittag, als ich gerade am Shisha vorbei lief.

Beidem aber, jener Notwendigkeit, die Geschichte hier fort zu setzen, und dem Zögern davor, das mich gleichzeitig immer neue Gelegenheiten und Gründe erfinden lässt, dies an anderer späterer Stelle erst zu tun, liegt, so scheint mir die gleiche Ursache zugrunde.

Ich spüre, wie ein Riss, der kein neuer ist, sondern ein schon von früher vertrauter, die Vergangenheit teilt. Und mit ihr auch die Gegenwart jetzt.

Und ich denke an Carolin, die in einigen Wochen, wenn genug neue Seiten beisammen sind und es lohnt, diese auszudrucken und ihr in einem Brief zuzusenden, diese Zeilen lesen wird,wie zuvor bereits die vorangegangen Kapitel: mit der Aufmerksamkeit, dem Interesse, das sie allen zuteil werden läßt, die aus welchem Grund unter welchen Vorzeichen auch immer ihre Freundschaft und Zuneigung gewonnen haben. . .

Vor mir auf dem Tisch aber liegt die gerade gelesene Broschüre der Kampagne Wir bleiben Alle, die man mir während meines letzten Besuchs im Papiertiger in die Hand gedrückt hat: „Hier, vielleicht passt das zu dem was Du suchst. Du kannst ja mal rein schauen.“

Ich beginne noch einmal den Text auf der Rückseite davon zu lesen: “Wir träumen von einem guten Leben, ohne Angst für alle. Ein Leben ohne finanzielle Not- nicht nur heute und morgen, sondern auch nächstes Jahr. Ein Leben ohne Angst vor Arbeitslosigkeit. Ein Leben mit guten Schulen für unsere Kinder und kostenlosen Universitäten. Wir träumen? Fangen wir an für unsere Träume zu kämpfen. . .”

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 6. Juli 2010 um 14:43 | Permanent-Link

    Hallo!

    Ich bin durch Zufall hier gelandet und finde das Konzept dieses Blogs außergewöhnlich und interessant. Werde wohl jetzt öfter vorbeischauen. :-)

    Herzliche Grüße aus Charlottenburg schickt Dir
    Coralita

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