Brennende Autos - Teil 13

Was vom Krieg nicht zerstört oder was in den Jahren danach wieder aufgebaut worden war:  Was die Stadtteilsanierung der 60er und der 70er Jahre überstanden hat und die postmodernen Architektenentwürfe der 80er- Was den spekulativen Leerstand und Verfall ganzer Straßenzüge überdauerte und zugleich für die unterschiedlichsten Menschen zur Zuflucht wurde, hat nach seiner Entdeckung und voranschreitenden Erschließung als Investitionsfeld und begehrte Wohnlage auch für neue und einkommensstärkere Bevölkerungsschichten bereits jetzt einen guten Teil seiner einstigen Charakteristika verloren.

Der begonnene Prozess der Umstrukturierung, der Veränderung und Verdrängung hinterlässt dabei tiefe Spuren im Leben und Alltag der Menschen.

Die Verwandlung ganzer Straßenzüge in touristische Erlebniswelten führt im gleichen Zug zu einer wachsenden Angleichung und Nivellierung der vorhandenen städtischen Räume im Zentrum der Stadt.

Wie in anderen Bereichen des sozialen Lebens zur gleichen Zeit auch findet hier eine spürbare Umkehrung und Verschiebung statt, wird das Öffentliche privat und das Private öffentlich.

Und während hierbei aus einst reinen Wohnstraßen, die beinahe ausschließlich von den dort lebenden oder arbeitenden Menschen genutzt worden waren, nach und nach Einkaufs-und Ausgehmeilen für den wachsenden Strom der Besucher werden und die Hauseingänge und Hinterhöfe darin zum Erkundungsfeld der Touristen, sollen die zuvor noch der Allgemeinheit zugänglichen Spreeufer in Teilen in die Hand privater Investoren gelangen.

Die Entwicklung, so scheint es, wiederholt sich.

“Brennende Autos“ mögen dabei womöglich in gewissem Maße und Umfang den Zuzug wirklich Reicher und mit ihm auch die Ausweitung luxuriöser Bauvorhaben und Projekte wie den bereits erwähnten Carlofts bremsen, nicht aber den längst begonnenen Gentrifzierungsprozess in seiner ihm eigenen Dynamik zum Stillstand bringen.

Die Zusammenarbeit und Vernetzung von Stadtteilgruppen und Mieterinitiativen, Anwohnern und Betroffenen über unterschiedliche politische Standpunkte und Sichtweisen hinweg ist ein erster Schritt, der in anderen sozialen Kämpfen innerhalb der Vergangenheit bereits mitunter zum Erfolg geführt hat.

Inwieweit indessen auch hier eine realistische Chance besteht, die sich abzeichnenden Entwicklungstendenzen aufzuhalten, ist im Augenblick ungewiss.

Unterdessen haben viele bereits den Wrangelkiez und Kreuzberg verlassen, nicht nur wegen der steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten.

Andere hingegen warten ab, harren aus in der Hoffnung, dass die augenblickliche Welle irgendwann einmal abebben, weiterwandern möge.

Und die Wrangelstraße zurückkehren werde zu dem, was sie war: eine Tagesstraße, eher schmucklos und schlicht, schmuddelig, nüchtern, grau, ruhig und selbstvergessen dort am Rande von Kreuzberg gelegen. . .

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