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	<title>Sebastian Kraus: Wrangelstraße</title>
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	<description>Blogroman aus Berlin Kreuzberg</description>
	<pubDate>Fri, 26 Apr 2013 19:05:09 +0000</pubDate>
	
	<language>de-de</language>
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		<title>Silvester</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 16:09:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[2012]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Jahresende]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Madonna]]></category>

		<category><![CDATA[Silvester]]></category>

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		<description><![CDATA[Letztes Jahr gab es -selbstverständlich begleitet von den unvermeidlichen Danksagungen und Empfehlungen der Geschäftsführung- für jeden Mitarbeiter des Hauses zum Jahresende einen Reisewecker als Präsent, der zugleich auch das Datum und die Zimmertemperatur anzeigen konnte. 
In diesem Jahr war es ein Wandkalender mit den monatlich wechselnden Fotomotiven bekannter Städte. Auf dem vorderen Deckblatt davon ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztes Jahr gab es -selbstverständlich begleitet von den unvermeidlichen Danksagungen und Empfehlungen der Geschäftsführung- für jeden Mitarbeiter des Hauses zum Jahresende einen Reisewecker als Präsent, der zugleich auch das Datum und die Zimmertemperatur anzeigen konnte. </p>
<p>In diesem Jahr war es ein Wandkalender mit den monatlich wechselnden Fotomotiven bekannter Städte. Auf dem vorderen Deckblatt davon ist der Schriftzug <em>Emotions of the World 2012 </em> zu lesen. . .</p>
<p>Ich erinnere mich noch an vergangenes Silvester: Es ist Nachmittag. Mein Zug fährt in Richtung Warschauer Straße. Aus dem Fenster heraus sehe ich auf die Oberbaumbrücke, auf das Wasser, die Ufer der Spree.</p>
<p><em>&#8220;An Silvester führen sie jedes Jahr ihre heimlichen Raketentests durch&#8221;</em>, erklärt einer der beiden Fahrgäste, die mit mir den Waggon teilen. </p>
<p>Sein Gegenüber scheint unsicher und sich darüber unschlüssig zu sein, ob er das Gesagte besser ignorieren sollte, so als hätte er überhaupt nichts gehört, oder ob er dem Unbekannten eine vage und zu nichts verpflichtende Aufmerksamkeit signalisieren solle.</p>
<p>Der aber fährt sogleich unbeirrt fort: <em>&#8220;Ist ja klar, schließlich fällt es dann gar nicht auf zwischen dem ganzen übrigen Feuerwerk. .  .&#8221;</em></p>
<p>Später dann gegen Mitternacht stehe ich zusammen mit Martin draußen vor dem Madonna. Wir betrachten das Feuerwerk. Als es schließlich zu kalt wird, gehen wir wieder rein. Drinnen ist es laut und voll, wird getanzt.</p>
<p><em>&#8220;Was mir übrigens auch noch nicht so ganz klar ist&#8221;</em>, sagt Martin, der an unser voran gegangenes Gespräch wieder anknüpft, &#8220;ist, warum du in deiner Geschichte nicht bei der tatsächlichen Version der Ereignisse bleibst, sondern darin erzählst, Carolin befinde sich im Gefängnis. Ich meine, geht es dabei um den späteren Plot, um mehr Spannung und Dramatik oder einzig und allein um Verfremdung?&#8221;</p>
<p>Ich aber antworte darauf nur unbestimmt: <em>&#8220;Ich weiß nicht, vielleicht.&#8221; </em> Mein Blick fällt auf die Tanzfläche vor uns, auf mein halb volles Bier in der Hand. </p>
<p>Entweder bald gehen, denke ich, oder aber dableiben bis zum Schluss. . .</p>
<p>London, Moskau und der Markusplatz in Venedig, das Jahr 2012-</p>
<p>Im Küchenfenster meiner Nachbarin brennt Licht. Ich schaue hinüber. Mir wird klar, dass ich selbst überhaupt keine Pläne habe für das kommende Jahr, keine besonderen Vorhaben oder Wünsche. . .</p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Teil 7</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2011/08/von-geschichten-und-geschichte-teil-7/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 13:08:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Holzkamera-Christian]]></category>

		<category><![CDATA[Kubatdreieck]]></category>

		<category><![CDATA[Lenne-Dreieck]]></category>

		<category><![CDATA[Mauersprung]]></category>

		<category><![CDATA[Tränengas]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf youtube sehe ich alte Videoaufnahmen vom Norbert-Kubat-Dreieck. Die Kamera schwenkt über selbst gebaute Hütten, Holztürme und Zelte.
Eine Einstellung zeigt die für die Presse aufgereihten etwa eintausend von der Polizei abgeschossenen Tränengasgranaten, deren ausgebrannte Kartuschen nach einem nächtlichen Polizeieinsatz gegen das Zeltdorf dort liegen geblieben sind.
Doch ein nicht unbeträchtlicher Teil jener Granaten war damals im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf<em> youtube </em>sehe ich alte Videoaufnahmen vom <em>Norbert-Kubat-Dreieck</em>. Die Kamera schwenkt über selbst gebaute Hütten, Holztürme und Zelte.</p>
<p>Eine Einstellung zeigt die für die Presse aufgereihten etwa eintausend von der Polizei abgeschossenen Tränengasgranaten, deren ausgebrannte Kartuschen nach einem nächtlichen Polizeieinsatz gegen das Zeltdorf dort liegen geblieben sind.</p>
<p>Doch ein nicht unbeträchtlicher Teil jener Granaten war damals im Zuge der Auseinandersetzungen mit der Polizei von den Besetzerinnen und Besetzern bereits wieder aufgehoben und über die Absperrung des Geländes hinweg auf die andere Seite zurückgeworfen worden.</p>
<p>So könnte es möglicherweise statt der Tausend auch die doppelte Anzahl an Granaten gewesen sein, die in kurzer Zeit zwischen Zelten, Hütten und den Schutz suchenden Menschen niedergegangen waren und CS-Gas verströmt hatten, wer kann das schon sagen- auf einer Fläche übrigens, die kaum größer gewesen sein mochte als zwei Fußballfelder. . .</p>
<p>Auf den Bildern der Nacht sieht man hier die im Schutz eines Wasserwerfers heran rückenden und sich unmittelbar nach dem Abschuss des Tränengases wieder zurück ziehenden Polizisten.</p>
<p>Deutlich ist darauf  zu erkennen, wie manche von ihnen die Granaten dabei nicht in Bogenform in die Höhe sondern gezielt in Kopfhöhe abfeuern.</p>
<p>Von der anderen Seite aus gehen Brandsätze nieder, fliegen qualmende Gaskartuschen zurück, man sieht einen der jungen Besetzer mit einer blutigen Platzwunde an der Stirn.</p>
<p>Der damalige Alltag auf dem Kubatdreieck aber spiegelt sich in den gezeigten Bildern und den sie kommentierenden Worten nur schemenhaft wieder.</p>
<p>Hoffnungen und Erwartungen, Utopien und Wünsche seiner Bewohnerinnen und Bewohner bleiben darin nur vage erahnbar.</p>
<p>Und jener spätere, auch im Film festgehaltene <em>Mauersprung</em>, die Flucht der verbliebenen Besetzerinnen und Besetzer am Tage der gewaltsamen Räumung des Kubatdreiecks über die Mauer hinweg in den damaligen Ostteil der Stadt fokussiert das Vergangene noch einmal auf jenen einen und spektakulären Moment.</p>
<p>Das Vorangegangene, jenes wundersame, nur für wenige Wochen währende Leben also dort indes tritt, aus der späteren Perspektive betrachtet, davor in den Hintergrund. . .</p>
<p>Manchmal, wenn auch selten nur, treffe ich auf der Straße zufällig einen der damaligen Protagonisten.</p>
<p>Ich sehe <em>HG</em>, der in seinem Rollstuhl die Kreuzung von Oranienstraße und Skalitzerstraße überquert und davon fährt. Ich begegne <em>Flugblatt-Stefan</em>, der vor mir an der <em>Warschauer </em>in die Straßenbahn steigt, ohne mich zu erkennen.</p>
<p>Oder <em>Holzkamera-Christian</em>, der es über die Jahre hinweg später sogar zu einer gewissen Berühmtheit bringen sollte. . .<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/df364bc03a95476d9e724a1cced9e074" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Nahtstellen - Teil 5</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2011/07/nahtstellen-teil-5/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 14:19:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Blogroman]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ohne festes Gefühl dafür, welcher der beiden Wege der weitere, längere ist -jener bereits zurückgelegte oder der, der noch vor mir liegt- blicke ich auf den ruhenden Text.
Ich beginne darin zu lesen, blätter weiter zurück:
Wie bei einer Wanderung am Strand, bei der man eine angeschwemmte und im Sand liegende Muschel betrachtet, einen einzelnen Stein aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ohne festes Gefühl dafür, welcher der beiden Wege der weitere, längere ist -jener bereits zurückgelegte oder der, der noch vor mir liegt- blicke ich auf den ruhenden Text.</p>
<p>Ich beginne darin zu lesen, blätter weiter zurück:</p>
<p>Wie bei einer Wanderung am Strand, bei der man eine angeschwemmte und im Sand liegende Muschel betrachtet, einen einzelnen Stein aus den vielen aufhebt,  in der Handfläche wiegt, um ihn hinterher einzustecken für ein mögliches Später, oder aber wieder zurück zu werfen ins Meer, bleibt mein Blick, die Gedanken dabei an manchen Stellen haften, wiederhole ich den gelesenen Satz.</p>
<p><em>Ich spüre, wie ein Riss, der kein neuer ist, sondern ein schon von früher vertrauter, die Vergangenheit teilt. Und mit ihr auch die Gegenwart. . . </em></p>
<p>Das Gesagte, schon Geschriebene mündet, so scheint mir,  in beides, führt mich wieder zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte, so als läge ihr Anfang noch vor mir und nicht schon weit zurück.</p>
<p>Das Ungesagte schwingt darin mit, die dazwischen liegende Zeit:  das Davor, das Danach, alles das: Fragen, Zweifel, <em>immer weitere Möglichkeiten des Vergangenen. . .<br />
</em></p>
<p><em>Klammern, Nahtstellen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen jetzt und davor. . .</em></p>
<p>Spuren, ein Versprechen von Heimkehr-</p>
<p>oder aber nur eine weitere Wiederholung des Gewesenen, die den Augenblick und den Stillstand darin sanft verhüllt, die verloren gegangene Zuversicht, alte, frühere Pläne in neue verwandelt, meine Ungewissheit in Gewissheit:</p>
<p>Punkte die sich zu Linien verbinden, Linien, die sich neu miteinander verknüpfen, Fäden, die sich entwirren und von neuem verlaufen.</p>
<p><em>Nahtstellen, Nähte-</em></p>
<p>Kreise, immer weitere Möglichkeiten der Erinnerung, der Verwechslung, der Verleugnung und Vertauschung, der im Halbbewussten zum Schutze gewobenen Netze, die eine plötzliche Wahrheit mit einem Mal wieder zerreißt.</p>
<p><em>Ohne festes bestimmtes Gefühl für den Augenblick jetzt-</em></p>
<p>Das Erfundene, schon Erzählte vor mir vermischt sich mit den Bildern der vergangenen Nacht, mit den Bildern des  Tages und verliert sich darin: Taggedanken, taggrau.</p>
<p>Das Gewesene, schon Erlebte ist, was vor mir liegt. . . <img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/ac62d93245b54c77af9a6f70009cf5e0" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Winter Teil 3</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 13:14:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Krise]]></category>

		<category><![CDATA[Rostlaube]]></category>

		<category><![CDATA[Selbstexil]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Ende des Wintersemesters und dem Beginn der vorlesungsfreien Zeit- schon nach Weihnachten war es in den Veranstaltungen, Seminaren und Vorlesungen und den Straßen genannten Fluren in der Rostlaube der Freien Universität bereits spürbar leerer geworden- waren auch jene Aktivitäten und Zusammenkünfte des Arbeitskreises, die mich sonst jede Woche nach Kreuzberg geführt hatten, eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Ende des Wintersemesters und dem Beginn der vorlesungsfreien Zeit- schon nach Weihnachten war es in den Veranstaltungen, Seminaren und Vorlesungen und den <em>Straßen </em>genannten Fluren in der <em>Rostlaube </em>der Freien Universität bereits spürbar leerer geworden- waren auch <a href="http://wrangelstrasse-blog.de/2009/10/immer-radikal-niemals-konsequent/">jene Aktivitäten und Zusammenkünfte des <em>Arbeitskreises</em></a>, die mich sonst jede Woche nach Kreuzberg geführt hatten, eine Weile lang zum Erliegen gekommen.</p>
<p>So waren es letztendlich nur wenige Anlässe und Dinge gewesen, die mich dann und wann dazu zwangen, hinaus zu gehen, meine Wohnung zu verlassen.  </p>
<p>Ich selbst aber hatte jene Phase und Zeit der Zurückgezogenheit als eine Art Experiment betrachtet, als Versuch dessen Ausgang mir offen schien, als notwendige Krise.</p>
<p>Denn in jenem Herausgelöstsein aus allen äußeren Bindungen und Verpflichtungen, dem was außerhalb draußen geschah, draußen wichtig sein mochte, aber hier, innerhalb dieser Wände plötzlich in meiner Wahrnehmung an Bedeutung verlor, immer mehr von mir abzurücken begann, befand sich, wie ich glaubte, der Ausgangspunkt, die Bedingung dafür, bislang Ungelöstes zu klären.</p>
<p>Fern von Ablenkungen und Zerstreuungen und der Fülle von Eindrücken, die das Leben, die Stadt und das permanente Geschehen darin bereit hielten, lag der Schlüssel dafür, die Voraussetzung und Bedingung, wie mir schien, Möglichkeiten und Grenzen neu auszuloten und zu einer Gewissheit und Entscheidung zu kommen über mich: über wirkliche oder auch nur vermeintliche Perspektiven und Wege, die sich öffnen mochten. </p>
<p>Oder aber endgültig als Irrtum erweisen.</p>
<p>Ohne Sorge und Angst darum, in der Zwischenzeit etwas Wichtiges und Entscheidendes zu versäumen, bot sich hier, in der äußersten Reduktion auf das Wenige, die Chance, alles bisherige, meine eigene Vergangenheit und Geschichte, das was ich von mir wusste, oder auch nur zu wissen glaubte, die Bestimmungen meiner Gegenwart jetzt, neu zu ordnen.</p>
<p>Und damit eine Antwort zu finden auf eben jene Fragen, die den Grund und die Ursache meiner eigenen Unschlüssigkeit und Ziellosigkeit bildeten. . .</p>
<p> <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/ee14a601cdbe4a529166700f63ea3071" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Winter Teil 2</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 17:56:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Müdigkeit]]></category>

		<category><![CDATA[Selbstexil]]></category>

		<category><![CDATA[Stillstand]]></category>

		<category><![CDATA[Winter]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich erinnere mich noch an die Besuche Carolins, die mich, Teil jenes rätselhaften Geflechts und Netzwerks von Menschen, in dem sie sich bewegte, von Zeit zur Zeit in meiner Wohnung aufgesucht hatte, meist spontan, ohne sich vorher anzukündigen, unbekannten Gedanken, Impulsen und Anziehungskräften dabei folgend, nie vorhersagbaren Gezeiten und Plänen. . .
Ich erinnere mich daran, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich erinnere mich noch an die Besuche Carolins, die mich, Teil jenes rätselhaften Geflechts und Netzwerks von Menschen, in dem sie sich bewegte, von Zeit zur Zeit in meiner Wohnung aufgesucht hatte, meist spontan, ohne sich vorher anzukündigen, unbekannten Gedanken, Impulsen und Anziehungskräften dabei folgend, nie vorhersagbaren Gezeiten und Plänen. . .</p>
<p>Ich erinnere mich daran, dass sie stets etwas mitgebracht hatte, wenn sie zu mir gekommen war, ein Geschenk: Blumen, eine einzelne Rose, eine Tüte mit Mandarinen, Orangen, Mandelhörnchen oder Schokolade, ein Buch- an ihr Lächeln, mit dem sie plötzlich vor meiner Tür stehend die unwillkürliche Überraschung in meiner Miene gelesen hatte, an ihr Stirnrunzeln, ein winziges Zögern, mit dem sie mich gefragt hatte: „Na- stör ich dich gerade? </p>
<p>Deutlich sehe ich ihren prüfenden kurzen Blick, mit dem sie, Carolin, im Hereinkommen wie zufällig meinen Schreibtisch gestreift hatte, aufgeschlagene Bücher darauf, Zettel, Skizzen, Papiere und das angefangene schon beschriebene oder noch leere Blatt in der Schreibmaschine registrierend, so als wolle sie sich davon überzeugen, sicher gehen, dass ich an etwas arbeite. . .</p>
<p>Ich sehe Carolin, wie sie, unbekümmert um die Unordnung, die sie umgab -ich selbst hatte geraume Zeit schon nicht mehr aufgeräumt- unbekümmert auch um die Kälte, ihren Mantel und Schal abgelegt und sich dann irgendwo auf dem Teppichboden, da wo  Platz gewesen war, niedergelassen hatte, sehe Carolins Bild deutlich vor mir: den frisch aufgebrühten Kaffee hastig trinkend und die mitgebrachte Schokolade, das Obst mit mir teilend, eine Zigarette drehend für mich und danach für sich selbst, so wie  <a href="http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/der-morgen-danach/">an jenem fernen Morgen</a>. . .</p>
<p>Jene Seiten und Blätter mit Entwürfen, Notizen und Skizzen, die sich auf meinem Schreibtisch zu stapeln begannen, aber schienen mir, in Momenten der Klarheit entstanden, von mir rasch zu Papier gebracht, bei der späteren Durchsicht mit einem Mal seltsam unbestimmt, vage, leer, gültig nur für den Augenblick selbst. </p>
<p>So war jenen Momenten des Aufbruches und des produktiven Fiebers ebenso unvermeidbar und schnell die Ernüchterung gefolgt, ein stets wiederkehrender Zweifel.</p>
<p>Von der Kraft die mich eben noch trug, der Gewissheit und plötzlichen Eingebung aber blieb letztlich nichts zurück als ein Gefühl der Ziellosigkeit und des Stillstands- ein Zustand, in dem sich vielleicht schemenhaft schon der Beginn jener späteren Müdigkeit abzuzeichnen begann, von der ich bereits sprach. . .<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/134fdbf37274446b9719f1fe9c3d6f58" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Winter</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2011/02/winter/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Feb 2011 15:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Wedding]]></category>

		<category><![CDATA[Winter]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich erinnere mich noch genau an die alles durchdringende Kälte jener eisigen Januar- Februartage am Beginn des Jahres 1985: an das kaum beheizbar gewesene und niemals wirklich warm werdende Zimmer, jene Einzimmerwohnung im Wedding, in der ich damals wohnte, ein paar Monate zuvor eingezogen war.
Ich erinnere mich an den Kohlengeruch und den aufwirbelnden rötlichen Staub [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich erinnere mich noch genau an die alles durchdringende Kälte jener eisigen Januar- Februartage am Beginn des Jahres 1985: an das kaum beheizbar gewesene und niemals wirklich warm werdende Zimmer, jene Einzimmerwohnung im Wedding, in der ich damals wohnte, ein paar Monate zuvor eingezogen war.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Kohlengeruch und den aufwirbelnden rötlichen Staub der verbrannten Briketts beim Entleeren der Asche.</p>
<p>Daran wie ich in meinem Mantel, den glühenden Radiator nahe an meiner Seite an der Schreibmaschine gesessen hatte.</p>
<p>Wie ich dann und wann, wenn ich nach gelegt  und den Ofen neu angeheizt hatte, meine Handflächen an dessen Kacheln gelegt hatte, um die Wärme zu spüren, durch die Haut hindurch aufzunehmen.  </p>
<p>Und wie ich meinen Atem von Zeit zu Zeit gesammelt und prüfend in die Luft gehaucht hatte, um zu sehen, ob er darin noch sichtbar war oder nicht.   </p>
<p>Die Kälte aber schien der äußeren Welt eine klarere Kontur zu verleihen, eine beinahe greifbare Räumlichkeit zwischen Gegenständen und Dingen, eine reduzierte und im gleichen Moment intensivere Wirklichkeit. die im Widerspruch stand zu der Unklarheit meiner eigenen Gedanken, meiner Unruhe und Zerstreutheit.</p>
<p>Sie schien mir gleichsam Ursache und die äußere Grenze zu sein jener Rastlosigkeit, die mich in meinem Inneren trieb und mich gleichzeitig lähmte, während ich ohne anderes Ziel eine warme Tasse Kaffee mit den Fingern umschließend, auf- und abgehend, rauchend durch die Wohnung gestreift war: aus dem Zimmer hinaus in den Flur, in die Küche, die ich längst aufgegeben hatte zu heizen und deren eine Wand unmittelbar an die Nachbarwohnung grenzte.</p>
<p>Dort aber hatte ich durch jene Wand hindurch bisweilen die Schritte meiner neben mir wohnenden Nachbarin auf den knarrenden Dielen vernommen- Schritte, die sich näherten oder wieder entfernten, und denen ich, selber innehaltend, manchmal lauschte, eine Tür, die sich öffnete oder schloss, das Geräusch von Musik aus dem Radio oder laufendem nebenan aus dem Wasserhahn fließenden Wasser. . . <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/972592516f31499a98446a27a835bc25" width="1" height="1" alt=""></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Stimmen</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 15:10:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Liebigstraße]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Stimmenchor]]></category>

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		<description><![CDATA[Und wie soll es nun weitergehen? fragt mit einem Mal eine der beiden Stimmen in das entstandene Schweigen, die Stille hinein.
Ich weiß nicht. . .
Einfach weiter erzählen?
Du meinst?
Ja-
Aber wie-  und wo fortfahren? 
Tja- 
Und was denkst Du?
Ich weiß es nicht. . . 
Eine Pause entsteht. 
War ja irgendwie klar, dass das nicht funktionieren kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Und wie soll es nun weitergehen?</em> fragt mit einem Mal eine der beiden Stimmen in das entstandene Schweigen, die Stille hinein.<br />
<em>Ich weiß nicht. . .</em><br />
<em>Einfach weiter erzählen?</em><br />
<em>Du meinst?</em><br />
<em>Ja-</em><br />
<em>Aber wie-  und wo fortfahren? </em><br />
<em>Tja- </em><br />
<em>Und was denkst Du?</em><br />
<em>Ich weiß es nicht. . . </em></p>
<p>Eine Pause entsteht. <em></em></p>
<p><em>War ja irgendwie klar, dass das nicht funktionieren kann so</em>, meldet sich schließlich eine dritte Stimme zu Wort. <em>. . . und das Ganze sich so im Sande verlieren wird</em>, ergänzt gleich darauf eine andere. <em>So wie sich damals auch irgendwann schließlich alles im Sande verloren hat . . . und von Anfang an schon im Sande verlieren musste, schon von Anfang an sinnlos war,</em> fügt eine weitere Stimme hinzu. . .</p>
<p><em>Na ja gut, hinterher ist man immer schlauer, </em>widerspricht eine andere Stimme. <em>Und was heißt überhaupt schon von Anfang an sinnlos?</em></p>
<p><em>Genau das, was es heißt. . .</em></p>
<p><em>Blödsinn, Quatsch-</em></p>
<p>Eine weitere Pause entsteht.</p>
<p><em>Und was nun? Wie soll´s weitergehen?</em></p>
<p><em>Vielleicht sollte erst einmal immer nur eine oder einer von uns auf einmal erzählen. . .</em></p>
<p><em>Ganz genau,</em> stimmt darauf eine andere Stimme zu, die bislang geschwiegen hat<em>. Ganz genau. Und nicht alle zugleich. . .</em></p>
<p>Und mit einem Mal sagen alle Stimmen gemeinsam im Chor: </p>
<p><em>Eben, ja</em>. . .</p>
<p><em>Ihr meint? </em></p>
<p><em>Ja. . .</em></p>
<p>Ich aber denke in diesem Moment an die vergangenen Monate zurück- </p>
<p>Angefangene Tage, Wochen, von denen ich seltsam wenig weiß, im Gedächtnis behalten habe und für deren Wirklichkeit und Beweis andere, äußere Ereignisse herhalten müssen, wenn ich darauf zurückblicke, das Geschehene, meine eigene Gegenwart darin sichtbar zu machen versuche.</p>
<p>Dinge, die sich fernab ereignet haben, Bilder von den Massenprotesten in Tunesien und den Straßenkämpfen in Ägypten neben Bildern von hier-  </p>
<p>Blaulicht, das Geräusch der vorbeifahrenden Polizeitransporter, die sich über die Skalitzer Straße an mir vorbei in Richtung Oberbaumbrücke bewegen, Richtung Friedrichshain-</p>
<p>Bilder von der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße, Bilder, die sich innerhalb der Erinnerung mit anderen verbinden und das Frühere und das Jetzt miteinander verweben. . .<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/5527e2ed6dba4ddf87196d193822f29f" alt="" width="1" height="1" /></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Von Geschichten und Geschichte - Teil 6</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 09:16:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Linke Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Situationismus]]></category>

		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Geschichte von unten gegen die Geschichtsschreibung von oben&#8221;- mein Blick fällt auf das neue Plakat – ist es tatsächlich neu, oder habe ich es beim letzten Mal vielleicht nur übersehen? - das im Fensterglas an der Ladenfront des Papiertigers angebracht worden ist.
Drinnen aber stapeln sich an den Wänden die Ordner mit Zeitungsberichten, tausenden von Artikeln, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Geschichte von unten gegen die Geschichtsschreibung von oben&#8221;- mein Blick fällt auf das neue Plakat – ist es tatsächlich neu, oder habe ich es beim letzten Mal vielleicht nur übersehen? - das im Fensterglas an der Ladenfront des <em>Papiertigers </em>angebracht worden ist.</p>
<p>Drinnen aber stapeln sich an den Wänden die Ordner mit Zeitungsberichten, tausenden von Artikeln, sorgsam ausgewählt, ausgeschnitten, thematisch geordnet, sortiert, findet sich was in mühsamer Arbeit zusammengetragen und archiviert worden ist:  Flugblätter, Zeitschriften und Broschüren aus vergangenen Jahren und Jahrzehnten, Aufrufe und politische Texte, Streitschriften, ökonomische und gesellschaftliche Utopien. . .</p>
<p>Hier also schlummert, aufgehoben, behütet und bewahrt für ein Irgendwann, das <em>Gedächtnis der Bewegung</em>.</p>
<p>Das Vergangene aber bietet nicht allein Orientierung und mögliche Anknüpfungspunkte sondern bedeutet ebenso sehr eine Last, das Gewicht jener uneingelösten Möglichkeit, die ihm anhaftet, die Erfahrung des Scheiterns.</p>
<p>Also wendet man sich davon ab, wendet man sich dem Jetzt und dem Kommenden zu, einem neuen Beginn, unbeschwert von den früheren Antworten, Fragen. . .</p>
<p>Durch das Fensterglas blicke ich in das schummrige Halbdunkel, auf die  lang gezogenen bis zur Decke reichenden Regale.</p>
<p>Vielleicht waren darin auch ein paar jener spätsituationistischen Texte erhalten geblieben, jener wundersamen Manifeste, wie sie seinerzeit in der Mitte der 80er Jahre in Umlauf gebracht worden waren: von den<em> Kindern der Leidenschaft </em>oder aber der <em>Agentur für die Selbstaufhebung des Proletariats</em> . .</p>
<p>Und vielleicht, denke ich, findet sich irgendwo darin auch in einem der zahllosen Ordner eines jener Flugblätter des  <em>Arbeitskreises</em>, an deren Inhalten manchmal auch Carolin und ich selbst mitgewirkt hatten- oft im Anschluss an eines der Treffen, manchmal konzentriert, rauschhaft klar Worte, Sätze findend oder aber auch mühsam und kontrovers, zäh um jede einzelne Formulierung und Aussage miteinander ringend.</p>
<p>Bis es irgendwann schließlich zum Bruch und zur Auflösung der Gruppe gekommen war. . . <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/71364aa1ed4e4e3398ce10cf6e84b16e" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 13</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 14:33:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>

		<category><![CDATA[Städtischer Raum]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Was vom Krieg nicht zerstört oder was in den Jahren danach wieder aufgebaut worden war:  Was die  Stadtteilsanierung der 60er und der 70er Jahre überstanden hat und die postmodernen Architektenentwürfe der 80er- Was den spekulativen Leerstand und Verfall ganzer Straßenzüge überdauerte und zugleich  für die unterschiedlichsten Menschen zur Zuflucht wurde,  hat nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Was vom Krieg nicht zerstört oder was in den Jahren danach wieder aufgebaut worden war:  Was die  Stadtteilsanierung der 60er und der 70er Jahre überstanden hat und die postmodernen Architektenentwürfe der 80er- Was den spekulativen Leerstand und Verfall ganzer Straßenzüge überdauerte und zugleich  für die unterschiedlichsten Menschen zur Zuflucht wurde,  hat nach seiner Entdeckung und voranschreitenden Erschließung als Investitionsfeld und begehrte Wohnlage auch für neue und einkommensstärkere Bevölkerungsschichten bereits jetzt einen guten Teil seiner einstigen Charakteristika verloren.</em></p>
<p><em>Der begonnene Prozess der Umstrukturierung, der Veränderung und Verdrängung hinterlässt dabei tiefe Spuren im Leben und Alltag der Menschen.</em></p>
<p><em>Die Verwandlung ganzer Straßenzüge in touristische Erlebniswelten führt im gleichen Zug zu einer wachsenden Angleichung und Nivellierung der vorhandenen städtischen Räume im Zentrum der Stadt.</em></p>
<p><em>Wie in anderen Bereichen des sozialen Lebens zur gleichen Zeit auch findet hier eine spürbare Umkehrung und Verschiebung statt, wird das Öffentliche privat und das Private öffentlich. </em></p>
<p><em>Und während hierbei aus einst reinen Wohnstraßen, die beinahe ausschließlich von den dort lebenden oder arbeitenden Menschen genutzt worden waren, nach und nach Einkaufs-und Ausgehmeilen für den wachsenden Strom der Besucher werden und die Hauseingänge und Hinterhöfe darin zum Erkundungsfeld der Touristen, sollen die zuvor noch der Allgemeinheit  zugänglichen Spreeufer in Teilen in die Hand privater Investoren gelangen.</em></p>
<p><em>Die Entwicklung, so scheint es, wiederholt sich. </em></p>
<p><em>“Brennende Autos“ mögen dabei womöglich in gewissem Maße und Umfang den Zuzug wirklich Reicher und mit ihm auch die Ausweitung luxuriöser Bauvorhaben und Projekte wie den bereits erwähnten Carlofts bremsen, nicht aber den längst begonnenen Gentrifzierungsprozess in seiner ihm eigenen Dynamik zum Stillstand bringen.</em></p>
<p><em>Die Zusammenarbeit und Vernetzung von Stadtteilgruppen und Mieterinitiativen, Anwohnern und Betroffenen über unterschiedliche politische Standpunkte und Sichtweisen hinweg ist ein erster Schritt, der in anderen sozialen Kämpfen innerhalb der Vergangenheit bereits mitunter zum Erfolg geführt hat. </em></p>
<p><em>Inwieweit indessen auch hier eine realistische Chance besteht, die sich abzeichnenden Entwicklungstendenzen aufzuhalten, ist im Augenblick ungewiss.</em></p>
<p><em>Unterdessen haben viele bereits den Wrangelkiez und Kreuzberg verlassen, nicht nur wegen der steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten.</em></p>
<p><em>Andere hingegen warten ab, harren aus in der Hoffnung, dass die augenblickliche Welle irgendwann einmal abebben, weiterwandern möge. </em></p>
<p><em>Und die Wrangelstraße zurückkehren werde zu dem, was sie </em><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/486beecc4b12440c8dfeba3cbd530884" alt="" width="1" height="1" /><em>war</em><em>: eine Tagesstraße, eher schmucklos und schlicht, schmuddelig, nüchtern, grau, ruhig und selbstvergessen dort am Rande von  Kreuzberg gelegen. . .<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/486beecc4b12440c8dfeba3cbd530884" alt="" width="1" height="1" /></em></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 12</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 13:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Andrej Holm]]></category>

		<category><![CDATA[Autobrände]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Berliner Innensenat]]></category>

		<category><![CDATA[Brandanschläge]]></category>

		<category><![CDATA[Medienberichterstattung]]></category>

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		<description><![CDATA[Insgesamt 216 Brandanschläge auf Autos: Diese Zahl zumindest nennt eine eigens im Internet eingerichtete und unter www.brennende-autos.de nachzulesende “Chronologie der Brandanschläge“ für das vergangene Jahr in Berlin. 
Dabei gehe man, laut einem im November 2009 im Berliner &#8220;Tagesspiegel&#8221; erschienenen Zeitungsartikel, seitens des Berliner Innensenats davon aus, dass „rund die Hälfte der Brandanschläge auf Autos in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Insgesamt 216 Brandanschläge auf Autos: Diese Zahl zumindest nennt eine eigens im Internet eingerichtete und unter www.brennende-autos.de nachzulesende “Chronologie der Brandanschläge“ für das vergangene Jahr in Berlin. </p>
<p>Dabei gehe man, laut einem im November 2009 im Berliner &#8220;Tagesspiegel&#8221; erschienenen Zeitungsartikel, seitens des Berliner Innensenats davon aus, dass „rund die Hälfte der Brandanschläge auf Autos in Berlin auf das Konto von Linksextremisten gehen.“</p>
<p>Für die übrigen Brandanschläge seien, so Innensenator Körting im Tagesspiegel, „Trittbrettfahrer, Versicherungsbetrüger und Zerstörungswütige“ verantwortlich, „vereinzelt sicherlich auch rachsüchtige Ehepartner und vor allem Pyromanen. . .“</p>
<p>Die Berichterstattung darüber in den unterschiedlichen Berliner Tageszeitungen, im Radio oder Fernsehen aber wechselt und schwankt mit den jeweiligen Medienbedürfnissen. </p>
<p>Sie changiert je nach Situation und Interesse: Hintergründe und politische Motivationen der Anschläge werden darin genannt oder aber auch völlig ausgeblendet, dunkel angedeutet oder aber auch psychologisch erklärt.</p>
<p>So erscheinen die “Brennenden Autos“ denn auch wahlweise als Ausdruck und Resultat eines bloßen Vandalismus oder Ressentiments, als Zeichen von Intoleranz, Wut oder verzweifeltem Protest, als Beweis für die weitere Zunahme linker Gewalt, für die Notwendigkeit eines härteren Eingreifens seitens des Staats. . .</p>
<p>‘Brennende Autos’, stellt  der Gentrifzierungskritiker und Stadtsoziologe Andrej Holm mit Blick auf die aktuelle politische Debatte fest,  hätten sich dabei  “ in der lokalpolitischen Auseinandersetzung Berlins zum Mantra der pauschalen Kritik an Anti-Gentrification-Protesten entwickelt.“</p>
<p>Holm verweist dabei auf einen „in anderen Bereichen unbekannten Ermittlungseifer“ der Berliner Justiz, in dessen Folge innerhalb der vergangenen  Monate gleich mehrfach Tatverdächtige ohne stichhaltige Beweise festgenommen und in Untersuchungshaft gehalten worden waren, die dann späterhin wieder freigelassen werden mussten.</p>
<p>Doch es sind nicht allein junge Männer und Frauen in „szenetypischer Kleidung“ die aufgrund oftmals vager Analogien und Anhaltspunkte ins Visier der Ermittler geraten.</p>
<p>Auch Teile der kritischen Öffentlichkeit, die sich hierzulande thematisch mit der Problematik von Stadtentwicklung und Gentrifizierung auseinandersetzen geraten zunehmend unter Druck.  </p>
<p>So wurde Holm selbst  u.a. wegen des Gebrauchs des Begriffs Gentrification im Rahmen seiner Schriften,  der auch in den Bekennerschreiben der Militanten Gruppe (mg) aufgetaucht war, der intellektuellen Mittäterschaft in einer terroristischen Vereinigung verdächtigt und zeitweilig in U-Haft genommen. . .<br />
</em><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/2384afd151a34835aa07ce6273be6ffd" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 11</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 12:52:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Bürgerentscheid]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Mediaspree versenken]]></category>

		<category><![CDATA[Mieterinitiativen]]></category>

		<category><![CDATA[Rot-roter Senat]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Während Stadtentwickler, Eigentümer und Investoren auf eine weitere &#8220;Aufwertung&#8221; und &#8220;Veredelung des Wohnumfeldes&#8221; im Wrangelkiez und in anderen Teilen Kreuzbergs setzen, regt sich unter den von der fortschreitenden Umstrukturierung im Stadtteil betroffenen Menschen zunehmend Widerstand. 
Anders als noch in den Neunzigerjahren setzen neue gentrifzierungskritische Initiativen wie die &#8220;Wir bleiben Alle!&#8221;- Kampagne in Berlin heute auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Während Stadtentwickler, Eigentümer und Investoren auf eine weitere &#8220;Aufwertung&#8221; und &#8220;Veredelung des Wohnumfeldes&#8221; im Wrangelkiez und in anderen Teilen Kreuzbergs setzen, regt sich unter den von der fortschreitenden Umstrukturierung im Stadtteil betroffenen Menschen zunehmend Widerstand. </p>
<p>Anders als noch in den Neunzigerjahren setzen neue gentrifzierungskritische Initiativen wie die &#8220;Wir bleiben Alle!&#8221;- Kampagne in Berlin heute auf gemeinsame Bündnisse aller Betroffenen, auf ein gleichberechtigtes Nebeneinander unterschiedlicher politischer Ansätze, Interventions – und Aktionsformen.</p>
<p>Mieterprojekte wie die &#8220;Steigende Mieten Stoppen!&#8221;-Kampagne arbeiten an einer breiten Vernetzung von Stadtteilgruppen und Mieterläden, Basisinitiativen und alternativen Hausprojekten, die  zugleich aber auch längst bestehende Institutionen wie die Mieterberatungen von Mieterbund und Mieterverein mit einzubeziehen versucht:</p>
<p>Eine Entwicklung die von Seiten der offiziellen Politik, so scheint es,  nicht voraus gesehen worden war und mit Sorge betrachtet wird. Und deren mögliche Konsequenzen für die eigenen Stadtentwicklungsvorhaben man auf unterschiedliche Art und Weise einzudämmen versucht.</p>
<p>So wurde der im Jahre 2008 von der &#8220;Bürgerinitiative Mediaspree versenken!&#8221; initierte und mit einem Wählervotum von knapp 87  Prozent der Wähler entschiedene Bürgerentscheid, der sich gegen die geplante Bebauung des Spreeufers im Rahmen des Mediaspreeprojekts gerichtet hatte, vom Berliner Senat schlichtweg übergangen: mit dem Hinweis darauf, dass das Votum rein rechtlich gesehen nicht bindend sei.</p>
<p>Öffentliche Demonstrationen, die sich mit der heiklen Thematik von Mieterhöhungen und Gentrifizierung befassen, werden von massiven Polizeiaufgeboten flankiert- mit Verweis auf die vermeintlich hohe Gewaltbereitschaft der Demonstranten, zu deren neuerlichem Beweis unlängst erst in einem anderen Zusammenhang die Falschmeldung über eine angeblich von Linksautonomen im Verlauf einer Demonstration gegen Sozialabbau in Berlin gezündete Splitterbombe in den Medien lanciert wurde.</p>
<p>Im gleichen Zug werden Hausbesetzungen mit dem Ziel einer alternativen Nutzung leer stehender Gebäude in der Stadt seitens des derzeit regierenden Rot-roten Berliner Senats ebenso rasch und gewaltsam unterbunden, wie einst unter den CDU-Senatoren Kewenig und Lummer. . .</em><br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e1b8171afe634e4f9c9c995250b13831" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Nahtstellen - Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/06/nahtstellen-teil-4/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 11:38:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bethanien]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Mariannenplatz]]></category>

		<category><![CDATA[Träumen]]></category>

		<category><![CDATA[Wir bleiben Alle]]></category>

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		<description><![CDATA[Mir wird klar, dass der Unruhe, die mich drängt, die Erzählung an diesem Punkt der Geschichte wieder aufzunehmen und von Carolin, dem was später geschah zu erzählen, etwas ebenso starkes entgegensteht, eine ebenso starke Bereitschaft, den Zeitpunkt dafür noch hinauszuschieben und stattdessen auf anderes auszuweichen, über andere Begebenheiten zu sprechen-
Über aktuelle Ereignisse wie die Demonstration [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir wird klar, dass der Unruhe, die mich drängt, die Erzählung an diesem Punkt der Geschichte wieder aufzunehmen und von Carolin, dem was später geschah zu erzählen, etwas ebenso starkes entgegensteht, eine ebenso starke Bereitschaft, den Zeitpunkt dafür noch hinauszuschieben und stattdessen auf anderes auszuweichen, über andere Begebenheiten zu sprechen-</p>
<p>Über aktuelle Ereignisse wie die Demonstration auf dem Alexanderplatz etwa vor wenigen Wochen und die fehlerhafte Berichterstattung darüber in den Medien, die zunächst danach ausgestreute Falschmeldung, Autonome hätten dort eine Splitterbombe geworfen, Anlass  für eine aktuelle Stunde im Bundestag über <em>das bedrohliche Anwachsen linksextremer Straftaten in Deutschland</em>. . .</p>
<p>Über die noch am gleichen Tage versuchte Wiederbesetzung des Bethaniens am Mariannenplatz.</p>
<p>Oder aber auch über andere, ganz alltägliche Dinge, einen Dialog, ein Gespräch dass ich zufällig draußen auffing, gestern Nachmittag, als ich gerade am Shisha vorbei lief.</p>
<p>Beidem aber, jener Notwendigkeit, die Geschichte hier fort zu setzen, und dem Zögern davor, das mich gleichzeitig immer neue Gelegenheiten und Gründe erfinden lässt, dies an anderer späterer Stelle erst zu tun, liegt, so scheint mir die gleiche Ursache zugrunde.</p>
<p>Ich spüre, wie ein Riss, der kein neuer ist, sondern ein schon von früher vertrauter, die Vergangenheit teilt. Und mit ihr auch die Gegenwart jetzt.</p>
<p>Und ich denke an Carolin, die in einigen Wochen, wenn genug neue Seiten beisammen sind und es lohnt, diese auszudrucken und ihr in einem Brief zuzusenden, diese Zeilen lesen wird,wie zuvor bereits die vorangegangen Kapitel:  mit der Aufmerksamkeit, dem Interesse, das sie allen zuteil werden läßt, die aus welchem Grund unter welchen Vorzeichen auch immer ihre Freundschaft und Zuneigung gewonnen haben. . .</p>
<p>Vor mir auf dem Tisch aber liegt die gerade gelesene Broschüre der Kampagne Wir bleiben Alle, die man mir  während meines letzten Besuchs im <em>Papiertiger</em> in die Hand gedrückt hat: „Hier, vielleicht passt das zu dem was Du suchst. Du kannst ja mal rein schauen.“ </p>
<p>Ich beginne noch einmal den Text auf der Rückseite davon zu lesen: <em>&#8220;Wir träumen von einem guten Leben, ohne Angst für alle. Ein Leben ohne finanzielle Not- nicht nur heute und morgen, sondern auch nächstes Jahr.  Ein Leben ohne Angst vor Arbeitslosigkeit. Ein Leben mit guten Schulen für unsere Kinder und kostenlosen Universitäten. Wir träumen? Fangen wir an für unsere Träume zu kämpfen. . .&#8221;</em></p>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/37691a60cdce423d9d3522b366663105" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Nahtstellen - Teil 3</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 10:03:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Innerer Monolog]]></category>

		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Netzprosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder geht es darum, alte Rechnungen zu begleichen und im Nachhinein Recht zu behalten, deine einstigen eigenen Ahnungen und Voraussagen nun bestätigt zu sehen? Darum Notwendigkeiten und Bestimmungen zu konstruieren, Gründe für dein früheres Handeln und zugleich für dein späteres Schweigen?
Geht es dir nur darum deine Wirklichkeit, deine eigenen Widersprüche und Versäumnisse darin von dir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oder geht es darum, alte Rechnungen zu begleichen und im Nachhinein Recht zu behalten, deine einstigen eigenen Ahnungen und Voraussagen nun bestätigt zu sehen? Darum Notwendigkeiten und Bestimmungen zu konstruieren, Gründe für dein früheres Handeln und zugleich für dein späteres Schweigen?</p>
<p>Geht es dir nur darum deine Wirklichkeit, deine eigenen Widersprüche und Versäumnisse darin von dir abzurücken und in einem inneren Monolog aufzulösen, zu entschärfen, in dem niemand dir widerspricht, außer uns, die wir ja, wie Du immer noch glaubst, nur Erfindung sind-</p>
<p>Oder willst Du uns damit letztlich nur auf ein sanft eingebettetes Scheitern einstimmen, das zugleich deine Müdigkeit zu erklären vermag, deine ewige Inkonsequenz und die Unschärfe deiner eigenen Gedanken und Worte?</p>
<p><em>„Eine solche Perspektive und Sicht auf die Gegenwart aber enthebt den Betrachter von der Mühe, die Wirklichkeit zu durchdringen. Sie ist letztendlich weich, komfortabel, bequem. Sie ummantelt uns sanft mit der Aura des Kritischen und entbindet uns dabei in wundersamer Weise zugleich von der Notwendigkeit einzugreifen oder irgendetwas am Lauf und Geschehen der Dinge zu ändern.“ </em></p>
<p>Waren das nicht vor gut einem Jahr deine eigenen Worte gewesen?</p>
<p>Du aber türmst immer weitere Möglichkeiten des Vergangenen vor dir auf, um sie anschließend zu widerlegen und  zum Einsturz zu bringen, suchst Beweise darin für die Unmöglichkeit einer anderen Gegenwart und Geschichte, eines anderen Lebens darin, für die Zwangsläufigkeit des Geschehenen, deiner eigenen unbedeutend gebliebenen Rolle darin, deines eigenen Nichtstuens jetzt. . .</p>
<p>Ohne Antwort darauf, ohne zu widersprechen lausche ich den verschiedenen Stimmen, meinen eigenen darin wiederkehrenden Zweifeln.  <em></em></p>
<p><em>Eine andere Geschichte, glücklicher als deine eigene</em>- Warum denke ich dabei ausgerechnet an Carolin, die seit etlichen Jahren in Haft ist?</p>
<p>Und warum stelle ich mir ihr Leben auch heute noch, selbst in dieser Situation und in diesem Moment, während ich an sie denken muss, reicher und erfüllter vor als das eigene?</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c0648810987f4380bebbed1d9f4f9ef9" alt="" width="1" height="1" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Nahtstellen - Teil 2</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/06/nahtstellen-teil-2/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 12:10:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[blog novel]]></category>

		<category><![CDATA[eliterature]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Online Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Und warum überhaupt alles das noch einmal wiederholen und an dieser Stelle erzählen- die vergessenen Aufbrüche, all die kurzlebigen Überzeugungen und Ideen, Hoffnungen und Illusionen einer Generation, die nur eine ist von den vielen, die gekommen sind, und die noch kommen werden, eingeholt von der Wirklichkeit, den Erfordernissen des Alltags wie vorausgesehen, längst verschwunden im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Und warum überhaupt alles das noch einmal wiederholen und an dieser Stelle erzählen- die vergessenen Aufbrüche, all die kurzlebigen Überzeugungen und Ideen, Hoffnungen und Illusionen einer Generation, die nur eine ist von den vielen, die gekommen sind, und die noch kommen werden, eingeholt von der Wirklichkeit, den Erfordernissen des Alltags wie vorausgesehen, längst verschwunden im Leben, wie auch Du längst verschwunden bist.</em></p>
<p><em>Wozu Antworten finden auf vergangene Fragen, wozu Deutungen und Erklärungen, jetzt, wo es doch keine Rolle mehr spielt und es dafür zu spät ist?</em></p>
<p><em>Wozu Irrtümer, Fehler aufspüren, die längst niemandem mehr schaden und deren Aufdeckung und Begreifen die Entstehung neuer Täuschungen und Enttäuschungen nicht zu verhindern vermögen wird, wie auch Du Deine eigene Geschichte nicht zu steuern, zu ändern vermagst und noch immer, auch jetzt, nicht begreifst, Deine eigenen Fehler und Irrtümer darin stets aufs neue wiederholst?</em></p>
<p><em>Hast du selbst es nicht schon ganz am Anfang gesagt, von Beginn an gewusst?</em></p>
<p><em>Wozu möglich gewesenes ausloten oder Rückschlüsse ziehen, wo es niemand mehr nützt und dadurch weder das Zurückliegende ungeschehen gemacht noch der Verlauf des Kommenden beeinflusst werden und in andere Bahnen gelenkt werden kann?</em></p>
<p><em>Wozu nachträglich Lösungen suchen, wo es seinerzeit keine gab? Und wozu das Vergangene noch einmal durchlaufen? Für welche Zeit, welche Gegenwart, welches Später? Für wen?</em></p>
<p><em>Denk an Dich, deine eigene Geschichte voller Unschlüssigkeiten, nur zur Hälfte gegangener Wege und zu Ende gedachter Gedanken- deine eigene unbewiesene Vergangenheit, Jahre, Monate, Wochen, die Du nunmehr zu ordnen versuchst, wieder aufsuchst, so als gäbe es darin einen bislang verborgenen verspäteten Sinn, eine mögliche Wiederanknüpfung und Rückkehr.</em></p>
<p><em>Denk an das, was Du dir und den anderen darin schuldig geblieben und auch uns schuldig bist.</em></p>
<p><em>Warum erzählst Du gerade diese und nicht eine andere Geschichte, spannender und interessanter, glücklicher als deine eigene?</em><br />
<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/f0ac1a8a9ad1461e85e782a7d12c8ee6" alt="" width="1" height="1" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Nahtstellen</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/06/nahtstellen/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 13:19:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Räumung Kuckuck]]></category>

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		<description><![CDATA[Vielleicht bedeuten die Worte ja gar nichts, vielleicht klingen sie nur. . . wie so viele Male zuvor suche ich jenen imaginären Anfangspunkt innerhalb meiner Gegenwart, meiner eigenen Geschichte. Doch es will nicht gelingen. 
Ungewiss, wie in einem Notizbuch voller angefangener Entwürfe, rasch notierter Gedanken, flüchtig festgehaltener Momente und dazwischen liegender unbeschriebener Seiten, in dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wrangelstrasse-blog.de/2009/01/prolog/"><em>Vielleicht bedeuten die Worte ja gar nichts, vielleicht klingen sie nur. . .</em></a> wie so viele Male zuvor suche ich jenen imaginären Anfangspunkt innerhalb meiner Gegenwart, meiner eigenen Geschichte. Doch es will nicht gelingen. </p>
<p>Ungewiss, wie in einem Notizbuch voller angefangener Entwürfe, rasch notierter Gedanken, flüchtig festgehaltener Momente und dazwischen liegender unbeschriebener Seiten, in dem ich auf der Suche nach Hinweisen nach zuschlagen beginne und dabei auf Vergessenes und Verborgenes zu stoßen hoffe, blicke ich auf das noch zu Erzählende, auf das bereits Erzählte: </p>
<p>Klammern, Nahtstellen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen jetzt und davor; Nähte, die Erfundenes und tatsächlich Geschehenes miteinander verbinden, Ungesagtes und Gesagtes. . .</p>
<p>Die Gedanken in mir schweifen ab, wandern, kreisen-  </p>
<p>Ohne innere Überzeugung, in der Hoffnung darauf und dem Trost, dass er irgendwann, wenn nicht jetzt, dann zu späterer Zeit wieder seine alte Wirkung entfalten wird, wiederhole ich jenen Satz, den Andreas mir einst gesagt hat: ohne wirkliche Kraft oder Zuversicht, so wie man während einer Demonstration, eine kämpferische Parole skandiert, die, man weiß es, einer bereits verlorenen Sache gilt, die in diesem Moment nicht zu tragen vermag und nicht stimmt, aus dem eigenen Mund seltsam fremd klingt und fern, so wie damals etwa nach der Räumung des <em>Kuckucks</em>. . .  </p>
<p>Die Verwandlung des Augenblicks will nicht eintreten. Die begonnene Erzählung vor mir aber bringt Ungelöstes zutage:</p>
<p>Kreuzberg Mai 87, IWF-Kongress, Kübelgruppe, Mauerfall, Mainzer Straße- Welche Identität soll vor diesem Hintergrunde entstehen? Wessen eigene Geschichte?</p>
<p><em>Braucht der Text eigentlich tatsächlich einen Anhang?</em> fragt mich eine der Stimmen. <em> Und falls ja</em>, fragt darauf eine andere, <em>falls ja, warum schreibst Du ihn nicht ganz zum Schluss? Und fährst erst einmal fort zu erzählen?</em></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 10</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 07:32:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Carlofts]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Marktethik]]></category>

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		<description><![CDATA[Parallel dazu setzt sich indessen auch der begonnene Prozess der Umwandlung von Mietraum in Eigentumswohnungen weiter fort. So werden nach und nach ganze Häuserblocks der Verfügbarkeit für die Allgemeinheit entzogen.

An der Spitze dieser Entwicklung steht dabei die Schaffung von Luxuswohnungen in Kreuzberg, der Bau sogenannter &#8220;Carlofts&#8221; mit “Garten und eigener Garage auf jeder Etage“, deren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Parallel dazu setzt sich indessen auch der begonnene Prozess der Umwandlung von Mietraum in Eigentumswohnungen weiter fort. So werden nach und nach ganze Häuserblocks der Verfügbarkeit für die Allgemeinheit entzogen.</em><br />
<em><br />
An der Spitze dieser Entwicklung steht dabei die Schaffung von Luxuswohnungen in Kreuzberg, der Bau sogenannter &#8220;Carlofts&#8221; mit “Garten und eigener Garage auf jeder Etage“, deren Eigentümer ihr Auto per Aufzug mit nach oben hinauf nehmen können direkt bis vor die eigene Wohnung. . .</em><br />
<em><br />
Die Kaufpreise für diese “Innovativen Lofts“ liegen dabei zwischen einer knappen halben Million und anderthalb Millionen Euro- in einem Gebiet, in dem- ungeachtet des bereits vollzogenen Wandels innerhalb der Bevölkerungsstruktur- das Durchschnittseinkommen der Menschen nach wie vor zu den niedrigsten im gesamten Bundesgebiet zählt, und in welchem die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr um die  20 Prozent betrug.</em><br />
<em><br />
Dass dies anscheinend weder Planer noch Investoren zu stören vermag, lässt auf unterschiedliche Ursachen schließen, mag im gleichen Maß Ausdruck der Gleichgültigkeit gegenüber der sozialen Situation und den materiellen Problemen in der unmittelbaren Nähe und Nachbarschaft sein, Ausdruck von Ignoranz und einer selbst bezogenen, nur den eigenen Interessen und der Ethik des Marktes verpflichteten Wahrnehmung und Perspektive.</em><br />
<em><br />
Oder aber auch eines festen Vertrauens darauf, dass das augenblickliche soziale Ungleichgewicht, jene Kluft zwischen eigenem Wohlstand und der Mittellosigkeit der Anderen sich im Zuge der voran schreitenden Aufwertung und Gentrifizierung schließlich irgendwann quasi von selber aufheben wird: durch eine weitere Abwanderung, das Verschwinden jener einkommensschwächeren Bevölkerungsanteile aus dem Stadtteil.</em><br />
<em><br />
Bis dahin aber wird für Vorhaben wie das “Carloft“-Projekt  mit der malerisch scheinenden Alltagswelt ausgerechnet derjenigen geworben, die man selbst im Begriff ist, sukzessive von dort zu verdrängen.</em></p>
<p><em>So wird auf den Internetseiten des Anbieters versucht, potentielle Interessenten und Käufer der Lofts mit der Aussicht auf das lebhafte Straßenleben in der unmittelbaren Umgebung zu locken: „Ihre Nachbarschaft ist lebendig und kreativ: Bummeln Sie über einen der Märkte oder durch die kleinen Läden. Zahlreiche kleine Biergärten laden zu einer kleine Pause ein, ebenso der Boule-Platz am Paul- Lincke-Ufer. . .“ </em></p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7e18c4486d064cfa9627e3a55af08b46" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 9</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/05/brennende-autos-teil-9/</link>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 13:50:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Berliner Senat]]></category>

		<category><![CDATA[Freiräume]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Entwicklung, so scheint es, wiederholt sich nach einem stets wiederkehrenden Muster- auch wenn ihr letztendlicher Ausgang in diesem Falle noch nicht absehbar und entschieden sein mag. Was mag in fünf, was in zehn Jahren sein?

Zu der plötzlichen Anziehungskraft des einstigen “Problembezirks“ und “sozialen Brennpunktes“ auch für einkommensstärkere Schichten und der ungebrochenen Attraktivität von Gebieten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Entwicklung, so scheint es, wiederholt sich nach einem stets wiederkehrenden Muster- auch wenn ihr letztendlicher Ausgang in diesem Falle noch nicht absehbar und entschieden sein mag. Was mag in fünf, was in zehn Jahren sein?</em><br />
<em><br />
Zu der plötzlichen Anziehungskraft des einstigen “Problembezirks“ und “sozialen Brennpunktes“ auch für einkommensstärkere Schichten und der ungebrochenen Attraktivität von Gebieten wie dem Wrangelkiez etwa für Studenten oder Medien- und Kulturschaffende aus dem westlichen Ausland, die trotz steigender Mieten hier immer noch weitaus günstiger wohnen und leben können, als in anderen europäischen Metropolen oder aber den USA, kommen weitere Faktoren hinzu, die den eingeleiteten Wandel voran treiben und beschleunigen.</em><br />
<em><br />
So hat- neben der durch gezielte Ansiedlungen und durch groß angelegte Investoren-Vorhaben wie das Mediaspree-Projekt forcierten und von Seiten des Berliner Senats geförderten “Aufwertung“ und “Belebung“ des Kiezes-  nicht zuletzt auch die Entstehung touristischer Zonen wie etwa in der Schlesischen Straße zu einer sukzessiven Verdrängung der  “Locals“ aus den ihnen vertrauten Wohngebieten und nachbarschaftlichen Strukturen beigetragen.</em><br />
<em><br />
Die rasante Entwicklung der Gegend um das Schlesische Tor herum zur Ausgehmeile und zum Ausflugsziel und  touristischen Urlaubsgebiet hat dabei nicht allein die Gewerbemieten für die Laden und Kioskbesitzer in die Höhe getrieben.</em><br />
<em><br />
Ebenso angestiegen sind in diesem Zusammenhang auch die Lebenshaltungskosten und Preise für die übrige dort im Kiez lebende Bevölkerung. Der Umbau ehemaliger Mietshäuser zu Gästeunterkünften und Hostels wiederum brachte zu der ohnehin stark angestiegenen Nachfrage nach Wohnraum eine zusätzliche Verknappung des vorhandenen Angebotes an Mietwohnungen in Kreuzberg mit sich und zugleich einen weiteren Zustrom von Besuchern.</em><br />
<em><br />
Dies aber führt zu einer zunehmenden Überlagerung von Alltags- und Lebenswelt der hier wohnenden Menschen durch das touristische Leben, dessen Präsenz und Infrastruktur: zu einer fortschreitenden Entwirklichung des urbanen Raumes, der Verwandlung von Straßen und Plätzen in Foto- und Postkartenmotive, Bilder und Kulissen.</em><br />
<em><br />
Und im gleichen Zug zu einem Verlust städtischer und gesellschaftlicher Freiräume und Nischen, dem Verschwinden authentischer Orte. . .<br />
</em><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/8ec44ffa44584558bf4e82d0e5e137b1" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 8</title>
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		<pubDate>Tue, 11 May 2010 14:49:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Mediaspree]]></category>

		<category><![CDATA[Mediaspree-Projekt]]></category>

		<category><![CDATA[Office- und Gewerbelofts]]></category>

		<category><![CDATA[Spreeufer]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute, mehr als anderthalb Jahrzehnte danach, ist der Gentrifizierungsprozess in Kreuzberg bereits weit voran geschritten. Wohnungs- und Gewerbemieten im Stadtteil sind teilweise dramatisch gestiegen und erreichen mancherorts schon die gleiche Höhe wie in Berlin-Wilmersdorf und Charlottenburg.
Investorenprojekte wie das “Mediaspree-Projekt“  haben in den ehemaligen Lagerhallen, Kühlhäusern und Speichern beidseits der Spree und mit ihnen auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute, mehr als anderthalb Jahrzehnte danach, ist der Gentrifizierungsprozess in Kreuzberg bereits weit voran geschritten. Wohnungs- und Gewerbemieten im Stadtteil sind teilweise dramatisch gestiegen und erreichen mancherorts schon die gleiche Höhe wie in Berlin-Wilmersdorf und Charlottenburg.</p>
<p>Investorenprojekte wie das “Mediaspree-Projekt“  haben in den ehemaligen Lagerhallen, Kühlhäusern und Speichern beidseits der Spree und mit ihnen auch den Fabriketagen und Gewerbehöfen auf der Kreuzberger Uferseite “neue Investitionsfelder&#8221; und “optimale Standortbedingungen“ für die Schaffung sogenannter “Office- und Gewerbelofts“ entdeckt.</p>
<p>Sie locken mit den &#8220;überaus günstigen Gewerbemieten&#8221;, einem &#8220;industriellen Charme der Gegend&#8221; und &#8220;vorhandenen Flächen- und Infrastrukturangeboten&#8221; für Unternehmen der “Medien-, Musik- und Modebranche“. Und betreiben derzeit deren gezielte Ansiedlung.</p>
<p>Unter Schlagworten wie der “Restaurierung und Wiederbelebung“ der alten Gewerbehöfe wurden Privatisierung und Verschwinden des öffentlichen Raumes am Spreeufer dabei positiv umgedeutet, mit der hierbei in Aussicht gestellten Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Medienwirtschaft die sozialen Folgen, die mit steigenden Preisen und Mieten infolge der “Aufwertung“ der umliegenden Wohngegend zugleich zwangsläufig einhergehen, hingegen verschwiegen.</p>
<p>Stattdessen war und ist vielmehr von &#8220;bedeutenden Ansiedlungen&#8221; die Rede, einem “idealen Nährboden für die Kreativszene“ und &#8220;Durchbruch&#8221; als neuer Medienstandort. </p>
<p>Und, &#8220;last not least&#8221;, von der schönen und gleichsam zentralen Wasserlage des gesamten Areals.</p>
<p>So hieß es in einem der PR-Texte, in denen für das Projekt und die kommenden Vorhaben der “Investoren- und Standortgemeinschaft mediaspree“ geworben wurde: </p>
<p>„Die zahlreichen Institutionen und Unternehmen profitieren in gleichem Maße von den optimalen Standortbedingungen. Dazu gehört nicht zuletzt die Aussicht: An keiner anderen Stelle Berlins verläuft der Fluss so geradlinig und mit einer Breite von durchschnittlich 150 Metern. Von beiden Uferseiten und insbesondere von den fünf Brücken ergeben sich wunderbare Panoramablicke auf den Fluss und die charakteristische Industriekulisse. . .“</em><br />
<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/74d8517dc2984c4b9aef4b768b5c6144" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos -  Teil 7</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 2010 17:05:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Bild am Montag]]></category>

		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberger Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[Nachrichtenmagazin]]></category>

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		<description><![CDATA[In ihrer Kritik der “derzeitigen Situation in proletarischen Stadtteilen“ hatte die Gruppe die “vielfach tiefe“ Spaltung der eigenen Klasse beklagt, Nihilismus und Sprachlosigkeit. In der eigenen Sprache aber hatte man, ohne Blick und Gespür für die jüngere deutsche Vergangenheit, die vermeintlichen Klassenfeinde mit Schädlingen verglichen und als &#8220;Parasiten&#8221; bezeichnet.
Die Gedankenlosigkeit in der Wortwahl, der oftmals [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>In ihrer Kritik der “derzeitigen Situation in proletarischen Stadtteilen“ hatte die Gruppe die “vielfach tiefe“ Spaltung der eigenen Klasse beklagt, Nihilismus und Sprachlosigkeit. In der eigenen Sprache aber hatte man, ohne Blick und Gespür für die jüngere deutsche Vergangenheit, die vermeintlichen Klassenfeinde mit Schädlingen verglichen und als &#8220;Parasiten&#8221; bezeichnet.</p>
<p>Die Gedankenlosigkeit in der Wortwahl, der oftmals martialisch anmutende Ton in den eigenen Stellungnahmen, die fragwürdige Definition von politischen Gegnern und die umstrittene Auswahl von Anschlagszielen und Mitteln hatten indes nicht allein jene weitgehende Isolierung der Gruppe innerhalb der Linken zur Folge gehabt.</p>
<p>Sie hatten gleichzeitig auch den Blick von den eigentlichen Problemen im Stadtteil, dem voranschreitenden Gentrifizierungsprozess abgelenkt, und einen möglichen Zusammenschluss aller davon Betroffenen mehr erschwert als erleichtert.</p>
<p>Während jedoch den Mitgliedern von Klasse gegen Klasse mangelnde Resonanz und der fehlende Rückhalt innerhalb der “eigenen Klasse“ nicht entgangen waren, und man selbst diese auf &#8220;die Identifizierung vieler mit der kapitalistischen Dreckskultur“ zurück zu führen versucht hatte, eine “relative materielle Abgesichertheit von Teilen unserer Klasse“ und “fehlende proletarische Widerstandstradition in ganz Deutschland“ , war die Gruppe in den Leitmedien jener von ihr bekämpften “Mittelklasse“ längst zum Mythos erhoben worden.</p>
<p>Wie zuvor, in den 80er Jahren schon die Kübel-Gruppe und die sogenannte “Kiez-Miliz“, wurde sie in der Öffentlichkeit als Phänomen behandelt, dessen eigentliche Bedrohlichkeit gerade deswegen erwiesen zu sein schien, weil man so wenig darüber aussagen konnte und wusste. .  .</p>
<p>Der “Spiegel“, dem es seinerzeit dabei nie hatte richtig gelingen wollen, an verwertbare Insiderinformationen zu gelangen, und der angesichts seiner mitunter offensichtlichen Ahnungslosigkeit, was die tatsächlichen Zusammenhänge und Strukturen innerhalb der  autonomen Szene betraf, in dieser selbst damals spöttisch als “Bild am Montag“ bezeichnet worden war, hatte aus der Not schließlich eine Tugend gemacht:</p>
<p>Da es offenbar an geeigneten Informanten aus der Szene mangelte, die bereit waren mit den eigenen Reportern zu reden, hatte man in einem Spiegel-Artikel von einem “Gesetz des Schweigens“ in Kreuzberg gesprochen.</p>
<p>Die Gruppe Klasse gegen Klasse aber, über deren mögliche Zusammensetzung und Mitgliederzahl man dabei stets im Ungewissen  geblieben war, war im gleichen Artikel als “Geheimbund“ bezeichnet worden. So war zuguter Letzt zum Geheimnis erklärt worden, was in Wirklichkeit mehr Ernüchterndes als Geheimnisvolles beinhaltet hatte. . .</em><br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/cb6f0a99ae9a45848048f6e98986f3f7" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 6</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/04/brennende-autos-teil-6/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 11:59:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Anschläge Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Stadtteilkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Die politische, ökonomische und soziale Wirklichkeit, auf deren Boden man sich bewegt hatte, war jedoch weitaus vielschichtiger, als der Gruppe, so scheint es, bewusst gewesen war, die Zusammenhänge, wechselseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen darin zweifellos komplexer.  
So war es letzten Endes wohl kaum vermeidbar gewesen, dass man sich dabei in der Widersprüchlichkeit der Verhältnisse selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die politische, ökonomische und soziale Wirklichkeit, auf deren Boden man sich bewegt hatte, war jedoch weitaus vielschichtiger, als der Gruppe, so scheint es, bewusst gewesen war, die Zusammenhänge, wechselseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen darin zweifellos komplexer.  </p>
<p>So war es letzten Endes wohl kaum vermeidbar gewesen, dass man sich dabei in der Widersprüchlichkeit der Verhältnisse selbst verfangen musste und zugleich mit den eigenen Verlautbarungen und Aktionen auch innerhalb der Szene isoliert blieb, statt wie angestrebt und erhofft Einzelkämpfertum und Vereinzelung zu überwinden.</p>
<p>Bei den Angriffen auf verschiedene Einrichtungen und Geschäfte waren seinerzeit dabei auch ein Kreuzberger Bioladen ins Visier von Klasse gegen Klasse geraten und ein Laden am Heinrichplatz, in dem Frauen selbst entworfene und genähte Kleidung zu verkaufen versucht hatten- nicht aber etwa ein nahe gelegenes Geschäft, in dem herkömmliche und in Massenproduktion gefertigte Jeans und T-Shirts verkauft worden waren.</p>
<p>War es demnach aus der damaligen &#8220;proletarischen&#8221; Perspektive der Gruppe heraus richtiger gewesen, Waren zu verkaufen, die zu Niedrigstlöhnen in den Ländern der Dritten Welt produziert worden waren - denn unter welchen Verhältnissen, welchen Zwängen und wo waren jene T-Shirts und Jeans zuvor hergestellt worden- als die selbst gefertigte Kleidung von Frauen, die versucht hatten, jenen hierzulande in Textilfabriken und Sweatshops herrschenden Produktionsbedingungen zu entkommen und stattdessen vielmehr selbstbestimmt zu arbeiten?</p>
<p>Und wie teuer durften Produkte, die aus biologischem Anbau, biologischer Herstellung stammten, sein? Wie hoch Einkünfte und Gehälter von Landwirten und Kooperativen, von Verkäuferinnen und Verkäufern in den Läden?</p>
<p>Hätte man im Interesse der &#8220;Klasse&#8221; also jene preiswerteren Pestizid gespritzten Gemüse dort verkaufen sollen, die von nordafrikanischen Tagelöhnern unter unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen in den Gewächshäusern Südspaniens geerntet worden waren? </p>
<p>Oder hatte es in ganz Kreuzberg an der Stelle von Bioläden stattdessen von vorneherein nur noch Aldi-Märkte geben sollen, Schlecker, Pennymarkt oder Plus? </em></p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d65a8d23c3a741c1af0ada54429e94d9" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 5</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/04/brennende-autos-teil-5/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 16:59:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Klassenbegriff]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Subkultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Anders als von einigen ein paar Jahre zuvor noch geglaubt, hatte sich jene neu entstehende Mittelschicht indes keineswegs nur infolge eines wachsenden Zustroms von Außen gebildet, eines Zuzugs der “Reichen“ und “Yuppies“ nach Kreuzberg. Sie war ebenso das Ergebnis einer nach und nach sichtbar werdenden Entwicklung gewesen, eines Wandels, der sich innerhalb der vorhandenen Bevölkerung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Anders als von einigen ein paar Jahre zuvor noch geglaubt, hatte sich jene neu entstehende Mittelschicht indes keineswegs nur infolge eines wachsenden Zustroms von Außen gebildet, eines Zuzugs der “Reichen“ und “Yuppies“ nach Kreuzberg. Sie war ebenso das Ergebnis einer nach und nach sichtbar werdenden Entwicklung gewesen, eines Wandels, der sich innerhalb der vorhandenen Bevölkerung selbst zu vollziehen begonnen hatte. </p>
<p>Denn aus ehemaligen Hausbesetzern, aus Studenten, die am Anfang der 80er Jahre nach Kreuzberg gezogen waren, waren unterdessen auch Ärzte und Architekten geworden, Rechtsanwälte und Lehrer.</p>
<p>Dies war auch den damaligen Protagonisten von Klasse gegen Klasse nicht entgangen. Und so hatte man selbst einen klaren Trennstrich zu ziehen versucht zwischen sich und den anderen: einer “pseudoalternativen Mittelklasse“ und “Mittelschichtslinken“, die “nach ein paar wilden autonomen Jahren wieder in ihre Klasse zurückkehren.“</p>
<p>Demgegenüber hatte man das Bild einer proletarischen Klasse entworfen, die sich gleichermaßen aus Arbeitern, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern zusammensetzte, aus Obdachlosen und Flüchtlingen, &#8220;aus der Mehrzahl der Heim- und Knastinsassen“ und all denjenigen &#8220;aus den Mittel-und Oberklassen, die sich bewusst und tatkräftig auf die Seite unserer Klasse stellen“, wie es in einem Positionspapier der Gruppe geheißen hatte.</p>
<p>Nicht dazu gehörten hingegen, so die Vorstellung, “Personen, die an sich nach vorangegangener Definition Teil der proletarischen Klasse sind, aber auf Grund schwerwiegender, antisozialer Vergehen sich selbst ausserhalb ihrer Klasse gestellt haben“, oder aber auch Vorarbeiter, Meister und Gewerkschaftsfunktionäre. . . </p>
<p>Eine Definition, die in ihrer gleichzeitigen Verengung und Vermischung ökonomischer, ideologischer und sozialer Merkmale dabei keineswegs unproblematisch gewesen war, und in welcher sich weniger das Ergebnis einer eingehenden Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen widergespiegelt hatte als das eigene subkulturelle Verständnis, eine Suche nach Identität. </p>
<p>Und mit ihr jene uneingelöste Sehnsucht der politischen Linken nach Gemeinsamkeit und Verschmelzung mit der Arbeiterklasse. . . </em><br />
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/17cb40ced4a54f2193959e73a0addbd6" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<item>
		<title>Brennende Autos - Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/04/brennende-autos-teil-4/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 17:27:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[Brandanschläge]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Klasse gegen Klasse]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Einige Jahre später hatte eine andere neu gegründete militante Gruppe an die früheren Aktionen der einstmaligen Kübel-Gruppe angeknüpft und unter dem Namen “Klasse gegen Klasse“ unter anderem eine Reihe von Brand- und von Sprengstoffanschlägen verübt, nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb Kreuzbergs.
Auch hier war mit dem “Auerbach“ in der Köpenicker Straße, analog zum damaligen Anschlag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Einige Jahre später hatte eine andere neu gegründete militante Gruppe an die früheren Aktionen der einstmaligen Kübel-Gruppe angeknüpft und unter dem Namen “Klasse gegen Klasse“ unter anderem eine Reihe von Brand- und von Sprengstoffanschlägen verübt, nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb Kreuzbergs.</em></p>
<p><em>Auch hier war mit dem “Auerbach“ in der Köpenicker Straße, analog zum damaligen Anschlag auf das Maxwell, ein teureres Restaurant zunächst zum Ziel einer Kübel-Attacke geworden, bevor Mitglieder von Klasse gegen Klasse später eine Handgranate in das Restaurant warfen und sich anschließend zu dem Anschlag bekannten. </em></p>
<p><em>In der Folgezeit aber hatten sich die Aktionen von Klasse gegen Klasse auf verschiedenste Art und Weise gegen die in den eigenen Augen für die begonnene Umstrukturierung  des Stadtteiles Verantwortlichen gerichtet, gegen unterschiedlichste Einrichtungen, Orte und Personen.</em></p>
<p><em>So waren nicht allein Restaurants und Geschäfte, deren Angebote und Preise, wie man glaubte, auf die Möglichkeiten und Wünsche der Mittel- und Oberklasse und ihres “parasitären Lebensstils“  ausgerichtet waren, auf &#8220;Yuppies und schmierige Karrieristen&#8221;,  zu  Anschlagszielen erklärt, sondern ebenso  “Nobelautos“ und “Luxuskarossen“ in Kreuzberg in Brand gesetzt worden.</em></p>
<p><em>Den Bewohnern teurer modernisierter Dachgeschosswohnungen war  in unmissverständlicher Weise die Aufforderung zugegangen, von dort auszuziehen und Kreuzberg zu verlassen. </em></p>
<p><em>Es hatte Anschläge auf  die Autos von Stadtplanern und das Wohnhaus eines Architekten gegeben, die an Planungen für den “Umbau“, die Sanierungsmaßnahmen im Stadtteil beteiligt gewesen waren, in deren Folge sich der einstmals billige Wohnraum in Kreuzberg vielerorts zu verteuern drohte, wie man glaubte.</em></p>
<p><em>Und man hatte die Wagen von Politikern angezündet, denen man die politische Verantwortung hierfür zu schrieb: die Autos des Bezirksbürgermeisters von Kreuzberg Peter Strieder und des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Momper.</em></p>
<p><em>In einer an verschiedene Kreuzberger Ladeninhaber und Gewerbetreibende gerichteten Botschaft aber hatte man eine unmissverständliche Warnung ausgesprochen. </em></p>
<p><em>&#8220;Der einzige Platz für Mittelklasse-Schmarotzer&#8221;, hatte es damals darin geheißen, &#8220;liegt zwischen Mündungsfeuer und Einschuß. . .&#8221; </em><br />
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/56211ea450254cbab4bc423ab29fb2ef" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 3</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 13:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Kiez-Miliz]]></category>

		<category><![CDATA[Knastkasse]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Kübel-Gruppe]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon in früheren Jahren war es aus dem autonomen Spektrum heraus zu einer Reihe von Anschlägen gekommen, die sich in ihrer Zielsetzung gegen steigende Mieten und eine drohende “Umstrukturierung“ in Kreuzberg gerichtet hatten (der Begriff Gentrification wurde damals noch nicht gebraucht).
Als Teil eines “proletarischen Stadtteilkampfes“ verstanden, hatten sich die damaligen Aktionen dabei gegen eine befürchtete [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Schon in früheren Jahren war es aus dem autonomen Spektrum heraus zu einer Reihe von Anschlägen gekommen, die sich in ihrer Zielsetzung gegen steigende Mieten und eine drohende “Umstrukturierung“ in Kreuzberg gerichtet hatten (der Begriff Gentrification wurde damals noch nicht gebraucht).</p>
<p>Als Teil eines “proletarischen Stadtteilkampfes“ verstanden, hatten sich die damaligen Aktionen dabei gegen eine befürchtete Zerstörung angestammter Kiezstrukturen gewandt, die Verdrängung sozial schwächerer Bewohner durch “Schicki-Mickies und Reiche&#8221;. </p>
<p>Im August 1987, ein paar Monate nach den Kreuzberger Mai-Unruhen, hatten Mitglieder der sogenannten “Kübel“-Gruppe das Maxwell, ein für damalige Kreuzberger Verhältnisse überdurchschnittlich teures “Nobelfeinschmecker-Restaurant“, wie es in einem Flugblatt des “Kübels“ hieß, in der Oranienstraße aufgesucht und dort mehrere Eimer mit übel riechenden Fäkalien ausgeschüttet. </p>
<p>Zugleich hatte man den Inhaber des Maxwell dazu aufgefordert, eine Abgabe an die “Knastkasse“ zu leisten, eine Spendenkasse für die rechtliche Unterstützung von Festgenommenen und Beschuldigten in politischen Verfahren. </p>
<p>Dieses Vorgehen aber hatte seinerzeit eine heftige Kontroverse ausgelöst, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Szene.</p>
<p>Während sich dabei die gesamte Medienlandschaft West-Berlins, von der Bild-Zeitung bis zur Taz in scharfer Form gegen die Aktion und Akteure der Kübel-Gruppe gewandt hatte, war der Anschlag auf das Maxwell damals in Kreuzberg selbst nicht nur innerhalb der autonomen Zusammenhänge sondern zum Teil auch jenseits davon auf Sympathien gestoßen, hatten manch andere auch die für sie unerschwinglichen Preise und den Anblick der im Inneren des Restaurants sitzenden, unbekümmert dort speisenden Gäste als Provokation empfunden.</p>
<p>Kaum Verständnis war indessen den Versuchen der Gruppe entgegen gebracht worden, Zahlungen von Spendengeldern zu erzwingen, unabhängig davon, zu welchem Zweck diese letztendlich hatten verwandt werden sollen.</p>
<p>Denn auch andere Gewerbetreibende, nicht allein der Besitzer des Maxwells, waren, wie bekannt werden sollte, gedrängt worden, eine sogenannte “Revolutionssteuer“ zu entrichten.</p>
<p>In der Presse aber war im Folgenden von “Schutzgelderpressungen“ die Rede gewesen, von “mafiosen Strukturen“ und der heimlichen Existenz einer “Kiez-Miliz“ in Kreuzberg. . . </em></p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/e71131d0781f4cc4a984fac7917ae488" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Stimmen - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 23:05:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Kollaboratives Schreiben]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Roman]]></category>

		<category><![CDATA[Stimmenchor]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo wir jetzt bereits zu dem Schluss gelangt sind, das dies alles hier, der gesamte Moment nicht real ist, und auch wir darin nur Erfindung sind; Sollten wir uns da nicht die gleiche Frage ebenso auch noch mal in Bezug auf den Autor stellen? schlägt eine der Stimmen vor. . . 
Ach das hatten wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wo wir jetzt bereits zu dem Schluss gelangt sind, das dies alles hier, der gesamte Moment nicht real ist, und auch wir darin nur Erfindung sind; Sollten wir uns da nicht die gleiche Frage ebenso auch noch mal in Bezug auf den Autor stellen? </em><span style="font-style: normal;">schlägt eine der Stimmen vor. . . </span><em></em></p>
<p><em>Ach das hatten wir doch schon einmal, </em><span style="font-style: normal;">widerspricht gleich darauf eine zweite. Eine dritte Stimme seufzt:</span><em> Bitte nicht, nicht schon wieder. . .</em></p>
<p><em>Warum eigentlich nicht?  Denn was wissen wir schon Genaues? . . . Vielleicht schreibt ja in Wirklichkeit jemand Anderes hier unter Pseudonym, jemand ganz Bekanntes. Zumindest stand so was gerade unlängst im Netz. . . Hab ich auch irgendwas von gelesen. . . Aber das hat sich danach doch als Irrtum erwiesen. . . </em></p>
<p><em>Vielleicht sind`s  ja tatsächlich auch mehrere Autoren, die gemeinsam hier schreiben. . . </em></p>
<p><em>Zumindest würde das wenigstens die vielen Sprünge im Text und die immer wieder abreißenden Erzählfäden innerhalb der Geschichte erklären, </em><span style="font-style: normal;">erwidert eine andere Stimme daraufhin</span> <span style="font-style: normal;">leicht gequält. Und fügt missmutig noch hinzu: </span><em>und die mitunter doch eher wechselhafte Qualität der einzelnen Kapitel. . . </em></p>
<p><em>So etwas nennt man auch kollaboratives Schreiben, ich meine, wenn verschiedene Autoren gemeinsam im Netz einen Text schreiben,</em><span style="font-style: normal;"> ergänzt dazu eine weitere Stimme</span><em> . . . Und die jeweiligen Autorinnen und Autoren  dabei nennt man Kollaborateure, </em><span style="font-style: normal;">antwortet ihr gleich darauf eine andere</span><em> . . . Witzbold! Wirklich komisch . . . hihi .  . .</em></p>
<p><em>Vielleicht sollte man das Ganze eher in einem übertragenen Sinne auffassen und betrachten</em><span style="font-style: normal;">, schlägt eine andere Stimme vor, D</span><em>enkt doch mal nach: Ein Autor, der in seinem Inneren Stimmen hört  . . . </em></p>
<p><em>Du glaubst?. . . Ich fürchte, ja. Eine Form von Persönlichkeitsspaltung vielleicht . . .Oder auch von multipler Persönlichkeit. . . Hm, schon verrückt . . . hihihi. . . </em></p>
<p>Ich aber denke bei alledem im Moment weniger an die Stimmen des Chors im antiken Theater, wie ich es kürzlich in einem Kommentar einer Leserin zum Roman  las, eher schon an die Muppets-Show. . .</p>
<p>Einen Augenblick über herrscht Stille.</p>
<p>Doch dann setzt das Gespräch wieder ein. Es sind wieder die einzelnen beiden Stimmen, die sprechen. . .</p>
<p><em>Gar nicht hin hören. . . </em><span style="font-style: normal;">läßt sich</span><em> </em><span style="font-style: normal;">eine der beiden vernehmen. . . </span><span style="font-style: normal;"><em></em></span></p>
<p><span style="font-style: normal;"><em>Nein. . .</em><br />
</span></p>
<p><em>Und nun? . . . <em>Nun, ich denke mal</em>, es ist allmählich Zeit, das Ruder einfach selbst in die Hand zu nehmen. . . Du meinst?. . . Ja. Die Geschichte von diesem Punkt an selber weiter erzählen. . .</em><br />
<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/f968de24447847129621f49c518fce99" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Stimmen</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Apr 2010 14:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Debatte]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

		<category><![CDATA[Stimmen]]></category>

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		<description><![CDATA[Pass bloß auf, dass du dir dabei nicht die Finger verbrennst, wenn du über die Brandanschläge in Kreuzberg schreiben willst, rät mir eine der Leserstimmen verschwörerisch, im Moment sind die da glaube ich ziemlich scharf hinterher. . . Und wen meinst du mit “Die“?  fragt im nächsten Moment eine zweite Stimme zweifelnd.  .  .  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Pass bloß auf, dass du dir dabei nicht die Finger verbrennst, wenn du über die Brandanschläge in Kreuzberg schreiben willst</em>, rät mir eine der Leserstimmen verschwörerisch,<em> im Moment sind die da glaube ich ziemlich scharf hinterher. . . Und wen meinst du mit “Die“? </em> fragt im nächsten Moment eine zweite Stimme zweifelnd.  <em>.  .  Na wen wohl? . . .<br />
</em></p>
<p><em> Also darüber nachzudenken und zu schreiben wird, so denke ich mal, wohl noch erlaubt sein</em>, wirft sogleich eine dritte Stimme ein,<em> ich versteh nur nicht ganz den Zusammenhang mit der übrigen Geschichte. . .</em></p>
<p><em>Wieso das denn nicht? Der Zusammenhang liegt doch eigentlich ziemlich klar auf der Hand. Vorher ging es noch um die Wahrnehmung der Veränderungen im Wrangelkiez und jetzt um deren Ursachen und Gründe, um die gegenwärtige Situation. . . </em><em>Schön, aber musss man denn dazu tatsächlich so weit ausholen. Außerdem wurde doch auch in letzter Zeit schon an anderer Stelle bereits mehr als genug über Gentrifizierung geschrieben. Oder auch zu den Anschlägen. . .</em></p>
<p><em>Ich bin eigentlich ganz gespannt darauf, gerade hier auch darüber zu lesen</em>, sagt darauf eine vierte Stimme. Eine weitere stimmt ihr zu:<em> Also, ich eigentlich auch. . .</em></p>
<p>Eine Pause entsteht.</p>
<p>Schließlich meldet sich eine neue Stimme zu Wort, wirkt dabei aufgebracht und erregt:<em> <em>Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass bei dem immer wieder durch klingenden Verständnis für die Anschläge und Motive der Täter ganz vergessen wird, dass es sich dabei keineswegs nur um friedlichen Protest handelt, sondern um Gewalttaten. . .</em> </em></p>
<p>Eine weitere Stimme kommt hinzu und erwidert ihr darauf: <em> <em>Soso. Und wenn man Menschen einfach aus ihren Wohnungen und ihren angestammten sozialen Strukturen vertreibt ist das in deinen Augen keine Gewalt. . . Na, das kann man ja wohl nicht so ganz miteinander vergleichen</em>, </em>erwidert die andere Stimme.<em> <em>A</em>ußerdem. . . </em></p>
<p><em><em><em>Der Hauptunterschied zwischen beidem</em>,</em></em> unterbricht sie an dieser Stelle die Stimme vom Anfang<em><em>, <em>liegt darin, dass die eine Form der Gewalt hierzulande strafbar ist, die andere dagegen ganz legal. Und dass sich hier die eine Form der Gewalt nur gegen Sachen wendet, gegen Autos, die andere aber gegen Menschen. . .</em> </em></em></p>
<p><em><em>Außerdem, </em> </em>fährt die andere Stimme unbeirrt davon fort,<em> <em><em> was sind das eigentlich für soziale Strukturen, die ihr unbedingt  schützen wollt und erhalten? War denn jemand von euch hier in letzter Zeit selber mal in Neukölln auf der Sonnenallee oder Hermannstraße und hat sich dort mal umgesehen? Gibt es dort etwa keine Gewalt in den Schulen, im Alltag, auf der Straße? . . .<br />
</em></em></em></p>
<p><em><em><em><em>Sicher gibt es dort eine Reihe sozialer Probleme</em>. </em></em></em><em><em><em><em>Aber man kann die vorhandenen Probleme nicht  lösen, indem man die Menschen, die dort leben, einfach von dort verdrängt. . .<br />
</em></em></em></em></p>
<p>Nein, das kann man auch nicht, denke ich. Doch bevor ich dazu etwas sagen, selbst erwidern kann läuft die Diskussion bereits weiter. . .<em><em><em> </em></em></em></p>
<p><em><em><em>Und es geht ja in Wirklichkeit dabei auch gar nicht darum, irgendwelche Probleme tatsächlich zu lösen, sondern letztendlich nur um soziale Befriedung. . . Eben. . . Und um Geld, Kapital, Investoreninteressen. . . Ganz genau. . .Vielleicht geht’s ja auch noch etwas plakativer. . . Was heißt hier plakativ?. . .  Ist doch wahr, was die anderen hier sagen. . .</em></em></em></p>
<p><em><em><em> </em></em>Welche anderen denn? </em> fragt an diesem Punkt eine weitere Stimme, die sich bislang im Hintergrund  gehalten hat.</p>
<p><em>Du meinst? </em></p>
<p><em>Ja. . .<br />
</em></p>
<p><em>Also alles das, unser ganzes Gespräch zuvor nur erfunden? Ja. . . Und auch wir beide, jetzt in diesem Moment? Ja. . . Und was sollen wir jetzt machen? Ich weiß nicht.  . . Einfach weiter reden? Ja</em>. . .</p>
<p><em><em><em><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/839057fa5c014be69e697779070a808a" alt="" width="1" height="1" /></em></em></em></p>
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		<title>Brennende Autos - Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Mar 2010 14:54:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Entwicklung, so scheint es, wiederholt und vollzieht sich nach einem stets wiederkehrenden Muster. Zuerst kommen die Jungen und Kreativen in ein bis dahin kaum als attraktiv wahr genommenes Stadtviertel: Freiberufler, Künstler und Studenten auf der Suche nach preiswerten Wohnungen, nach Büroräumen, Werkstätten und Ateliers.
Kleine Gallerien und Läden entstehen, neue Restaurants, Bars und Cafés. So [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Entwicklung, so scheint es, wiederholt und vollzieht sich nach einem stets wiederkehrenden Muster. Zuerst kommen die Jungen und Kreativen in ein bis dahin kaum als attraktiv wahr genommenes Stadtviertel: Freiberufler, Künstler und Studenten auf der Suche nach preiswerten Wohnungen, nach Büroräumen, Werkstätten und Ateliers.</p>
<p>Kleine Gallerien und Läden entstehen, neue Restaurants, Bars und Cafés. So beginnt sich der Kiez Stück für Stück zu verändern und neu zu beleben, an Bekanntheit und Beliebtheit zu gewinnen, nach und nach auch Besucher von Außerhalb anzuziehen. </p>
<p>Zu den bereits entstandenen neuen Läden, Restaurants und Cafés kommen neue hinzu. Weitere Menschen ziehen nach. Wohnungen und Geschäftsräume fangen an zu knapp werden. Preise und Mieten steigen an und aus ehemaligen Mietwohnungen werden Eigentumswohnungen. . .</p>
<p>Was dabei scheinbar zufällig nur beginnt und wie ungewollt seinen Lauf nimmt, um erst an einem späteren Punkt der Entwicklung eine zwangsläufige, den Gesetzen des Marktes folgende Dimension zu erreichen, ist indessen längst zu einem städteplanerischen Modell geworden, einem Werkzeug der Intervention.</p>
<p>Um urbane Problemzonen in der Stadt, sogenannte Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf, zu &#8220;reintegrieren&#8221;, wird die Ansiedlung von Gewerbe und der Zuzug von Menschen aus “intakteren“ sozialen Schichten in die sogenannten Problemkieze gleichsam initiiert und gesteuert, die Bevölkerung neu &#8220;durchmischt&#8221;, kulturelle Projekte gefördert, das Gebiet aufgewertet.</p>
<p>Im Fall des Wrangelkiezes etwa hatte man in den leer stehenden Ladenwohnungen in der Schlesischen Straße und den umliegenden Straßen, zunächst Künstlerinnen und Künstlern Raum für Ausstellungen und für Installationen überlassen.</p>
<p>Später dann waren Ladenwohnungen eine Zeit lang befristet zu einem niedrigen und eher symbolischen Preis vermietet worden, um so neue Inhaber zu gewinnen, die dort ihre Geschäfte eröffnen wollten.</p>
<p>Heute schießen die Gewerbemieten im Kiez in die Höhe, ganze Mietshäuser werden zu Wohneigentum, die Bevölkerungsstruktur ist im Wandel. . .</p>
<p>Der jeweilige Zeitpunkt dieser Interventionen scheint dabei nicht zuletzt in Zusammenhang mit der gerade aktuellen Politischen Agenda zu stehen, dem Interesse der Öffentlichkeit und der Medien.</p>
<p>So war der Wrangelkiez zunächst auch eine Weile lang als &#8220;Problemkiez&#8221; durch die Schlagzeilen der Berichterstattung gegangen, ist es nunmehr Neukölln, das Kreuzberg als Problembezirk in der medialen Aufmerksamkeit abgelöst hat. Und dass mittlerweile im Brennpunkt des Interesses von Stadtplanern und Quartiersmanagern steht. . .</em><br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/ee161b84e9f94584a00d3b2923faf71e" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brennende Autos</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 16:42:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Anschläge]]></category>

		<category><![CDATA[Autos]]></category>

		<category><![CDATA[Brandanschläge]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Jugendgangs]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Was vom Krieg nicht zerstört worden oder was in den Jahren danach wieder aufgebaut worden war,- was nicht während der Sechziger und der Siebziger Jahre im Zuge der Stadtteilsanierung abgerissen wurde oder aber von Hauseigentümern und Immobiliengesellschaften aus Spekulationsgründen dem Verfall überlassen und unbewohnbar gemacht worden war, sollte zu einer Zuflucht werden:  einem Ort für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Was vom Krieg nicht zerstört worden oder was in den Jahren danach wieder aufgebaut worden war,- was nicht während der Sechziger und der Siebziger Jahre im Zuge der Stadtteilsanierung abgerissen wurde oder aber von Hauseigentümern und Immobiliengesellschaften aus Spekulationsgründen dem Verfall überlassen und unbewohnbar gemacht worden war, sollte zu einer Zuflucht werden:  einem Ort für all diejenigen, für die es keinen anderen gab.</em></p>
<p><em>Einwanderer, die hier Arbeit gesucht hatten oder Schutz vor politischer Verfolgung, Kriegsdienstgegner, die vor ihrer drohenden Einberufung in die Bundeswehr geflüchtet waren und hier Unterkunft fanden, Frauen und Männer, die hierher gekommen waren,  um in einer Atmosphäre des Aufbruches und der Toleranz offen und ungestört ihre gleichgeschlechtliche Identität ausleben zu können, junge Menschen, die der Rückständigkeit und der Enge ihrer westdeutschen Heimatstädte entflohen waren, um in Hausprojekten, Wohngemeinschaften und Kommunen zusammen zu leben, Leute, die in aufgegebenen Werkstätten und in leer stehenden Fabriketagen Raum für neu gegründete und in Selbstverwaltung geführte Kleinbetriebe und Kollektive gefunden hatten, Trebegänger und Aussteiger, Träumer und politische Aktivisten.</em></p>
<p><em>So war eine Art von Insel entstanden </em><em> inmitten der Insel</em><em>, jenes damaligen ringsherum von der DDR, von der Mauer umsäumten West-Berlin.</em></p>
<p><em>Kreuzberg, hatten einige auf dem Höhepunkt der Hausbesetzungen Anfang der Achtziger Jahre kurze Zeit lang geglaubt, sei bereits eine Art von befreitem Gebiet, von befreiter Gesellschaft, ein vom Staat, von der übrigen Welt nicht mehr kontrollierbares quasi eigenständiges Territorium.</em></p>
<p><em>Kreuzberg, hatten andere später mutmaßt, werde nach und nach zu einer Art Ghetto amerikanischen Vorbildes werden:  einem Zentrum des Drogenhandels und der Straßengewalt, kontrolliert und beherrscht von einander bekämpfenden rivalisierenden ausländischen Jugendgangs. Und auch sie sollten sich darin irren.</em></p>
<p><em>Kreuzberg wurde gerne als Beispiel für ein funktionierendes Zusammenleben von ganz unterschiedlichen sozialen Gruppen angeführt, von </em><em>Ausländern und</em><em> Deutschen , von hier aufgewachsenen, geborenen und von zugezogenen Menschen, ein gesellschaftliches Idyll, das es jedoch in Wirklichkeit so niemals war.</em></p>
<p><em>Eher vielleicht ein Nebeneinander vieler paralleler Kulturen und Subkulturen, Lebenswelten und Szenen, die sich an manchen Stellen überschneiden, sich im Alltag berühren, hier und da miteinander verschmelzen. . .</em></p>
<p><em>Und zugleich ein Gebiet, das auch Möglichkeiten, Raum und Schutz bot für Menschen mit wenig Geld oder am sozialen Rand: Arbeitslose und Geringverdiener, Menschen, die von knapp bemessenen Renten leben müssen oder ungewissen Einkünften, Kleindarsteller mit Gelegenheitsengagements, Künstler, Musiker und Studenten.</em></p>
<p><em>Wird all das, was die wechselnden politischen und historischen Gezeiten überstanden hat, Spekulation und Kahlschlagsanierung, die behutsame Stadterneuerung und die</em><em> Berliner Linie, wird dies nun nach und nach von einer unaufhaltsam voran schreitenden Erosion zerstört werden, dem von außen nach Kreuzberg einströmenden Kapital und der damit einhergehenden Verdrängung vorhandener sozialer Strukturen?</em></p>
<p><em><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/da9355ee1ff7411c8c52c503539a15a6" alt="" width="1" height="1" /></em></p>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung Teil 5</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 21:07:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[36]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Shisha]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Draußen vor dem Shisha indes werden die Gespräche an den Nachbartischen wiederum um die unterschiedlichsten Fragen und Inhalte kreisen, keineswegs nur um Kiez- und um Nachbarschaftsklatsch, um Alltägliches und Banales.
Und genauso überraschend vielleicht wie die unverhoffte Vielfalt und Bandbreite ihrer Themen, wie der mitunter plötzliche Sprung und Wechsel von einem hin zum anderen wird dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Draußen vor dem Shisha indes werden die Gespräche an den Nachbartischen wiederum um die unterschiedlichsten Fragen und Inhalte kreisen, keineswegs nur um Kiez- und um Nachbarschaftsklatsch, um Alltägliches und Banales.</p>
<p>Und genauso überraschend vielleicht wie die unverhoffte Vielfalt und Bandbreite ihrer Themen, wie der mitunter plötzliche Sprung und Wechsel von einem hin zum anderen wird dem außen stehenden und zum Zuhörer werdenden Zeugen womöglich auch ihr jeweiliger Wortlaut erscheinen, ihr stets unvorhersehbarer Verlauf. . . </p>
<p>Denn auch dies, diese bestimmte Art von Dialog und Gespräch, die so denke ich manchmal, gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass sie weder einen wirklichen Anfang hat, noch ein Ende findet, oder eines von beidem benötigt: die sich einfach nur fortsetzt, wie das übrige Leben auch, und die ganz allein um ihrer selbst willen geführt wird, wie mir scheint, ohne andere Absicht und Ziel, wird man in dieser speziellen Form vielleicht nirgendwo sonst vernehmen. </p>
<p>Worüber aber wird gesprochen? </p>
<p>Über alles und nichts. Oder anders gesagt, je nachdem- Über Sternzeichen und Horoskope, Zimmerpflanzen oder antiautoritäre Erziehung, über Wandfarben und das fachgerechte Abschleifen von Böden und Dielen, über Schrauben und Dübel, Fußball oder Schach, Wahlen und Politik, die Finanzkrise und Hartz IV, das politische Tagesgeschehen, über unterschiedliche Biersorten oder <em>Luhmanns Systemtheorie</em>, Mahler oder Bruckner, den Zusammenbruch unseres Renten- und Gesundheitssystems, Westerwelle und Merkel, den Irak und Afghanistan, die bevorstehende Klimakatastrophe oder auch nur das mögliche Wetter von morgen. . .</p>
<p>Alles das aber wird wieder mit der Unbeirrbarkeit, mit der unerschütterlichen Gewissheit von Experten erörtert werden, vorgetragen, diskutiert und erwogen, wiederholt, widerlegt, untermauert- unabhängig davon, worum sich das Gespräch letztlich drehen wird, um Persönliches und Privates oder um die globalen Probleme der Menschheit und ob es dabei mehrere oder aber zum Ende hin nur noch zwei übrig gebliebene Gäste sind, die es fortsetzen bis zum kommenden Morgen. . .</p>
<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/a725f1413b32427992c27669060cdf28" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/03/wrangelstrasse-fortsetzung-teil-4/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/03/wrangelstrasse-fortsetzung-teil-4/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 17:01:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Café Kloster]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Mysliwska]]></category>

		<category><![CDATA[Risiko]]></category>

		<category><![CDATA[Shisha Kiosk]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute, also nach jener wundersamen Verwandlung, in deren Folge die Wrangelstraße und der gesamte Kiez nunmehr zur  Ausgehmeile geworden ist und zum neuen Paradies für Nachtschwärmer, wie ich irgendwo neulich las- heute weiche ich an den Wochenenden manchmal notgedrungen beim Laufen vom Bürgersteig auf die Fahrbahn aus, wenn im dichten Gedränge dort, an den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute, also nach jener wundersamen Verwandlung, in deren Folge die Wrangelstraße und der gesamte Kiez nunmehr zur  Ausgehmeile geworden ist und zum neuen <em>Paradies für Nachtschwärmer</em>, wie ich irgendwo neulich las- heute weiche ich an den Wochenenden manchmal notgedrungen beim Laufen vom Bürgersteig auf die Fahrbahn aus, wenn im dichten Gedränge dort, an den vollbesetzten vor den Restaurants, Bars und Cafés aufgebauten Tischen kein Vorbeikommen mehr für mich ist. </p>
<p>Im Vorübergehen erkenne ich selten nur ein vertrautes Gesicht wieder, einen Anwohner aus der Nachbarschaft.</p>
<p>Und die Wirtin im <em>Mysliwska</em> schaut mich beim Hereinkommen mit einem ungewissen und verlorenen Lächeln an, wenn ich einmal von Zeit zu Zeit dort mit Martin verabredet bin, so als hätte sie keinen früheren Stammgast erblickt, sondern einen Geist. . . </p>
<p>Wie würde mittlerweile im Zuge und Bann jenes unaufhaltsamen Wandels wohl das <em>Kloster</em> in der Skalitzer Straße aussehen, hätte es nicht schon vor Jahren geschlossen? </p>
<p>Und was mag, frage ich mich im gleichen Moment, aus den Leuten geworden sein, die dort einst an der Bar gearbeitet hatten, aus der <em>Chefin</em>, die zuvor, in noch fernerer Zeit und Vergangenheit, schon im <em>Risiko</em> an den Yorckbrücken hinterm Tresen gestanden hatte. </p>
<p>Und aus <em>Uschi</em> deren Bild manchmal immer noch plötzlich unverhofft in meinen Gedanken erscheint, darin kreist, sie für kurze Zeit in Verwirrung bringt und Geschehenes und Erfundenes dabei in mir wachruft, miteinander vertauscht. . .</p>
<p>So werde ich denn wohl, wenn es mich an den warmen Abenden, die nun bald wieder kehren, hinaus zieht, statt in eines der neuen Cafés zu gehen, eine der neuen Bars oder Kneipen wieder an meinem Tisch vor dem Shisha Platz nehmen, die Passanten, die an mir auf der Straße entlang strömen, betrachten, mich den inneren und den äußern Bildern überlassen: Jenem Leben also, das an diesem Ort hier wie an keinem anderen und vergleichbaren seinem ihm eigenen Lauf folgt. . .<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/770df686e9e04e568d49bef3108ca885" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung Teil 3</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 09:39:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Ghettotouristen]]></category>

		<category><![CDATA[Kiezküche]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberger Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[SO36]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwann, auf wessen Einfall und Inspiration hin auch immer, hatten die Leute aus dem Wrangelladen damit begonnen, die gebrauchten Filtertüten mit Kaffeesatz, die beim sonntäglichen Frühstückbuffet oder aber nach der jeden Mittwoch dort stattfindenden Kiezküche übrig geblieben waren, aufzuheben und zu sammeln, anstatt sie in den Müll zu werfen.
Wenn sich aber nun einer jener ungeliebten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwann, auf wessen Einfall und Inspiration hin auch immer, hatten die Leute aus dem <em>Wrangelladen</em> damit begonnen, die gebrauchten Filtertüten mit Kaffeesatz, die beim sonntäglichen Frühstückbuffet oder aber nach der jeden Mittwoch dort stattfindenden <em>Kiezküche</em> übrig geblieben waren, aufzuheben und zu sammeln, anstatt sie in den Müll zu werfen.</p>
<p>Wenn sich aber nun einer jener ungeliebten Busse mit <em>Ghettotouristen</em> auf der Wrangelstraße gezeigt und sich draußen, am Schaufenster des Wrangelladens entlang, in sorgloser Langsamkeit vorbei bewegt hatte, hatten Gäste und Betreiber des Ladens gemeinsam wie auf ein plötzliches Signal hin nach jenen Kaffeefiltern zu greifen begonnen, die zu diesem Zweck in einer Schublade unterm Tresen verwahrt worden waren, waren damit bewaffnet hinaus auf die Straße gestürzt und dem Bus hinterher geeilt. . . </p>
<p>Die Teilnehmer der Stadtrundfahrt, die dies bald darauf bemerkten, hatten dabei zunächst eher noch überrascht als erschrocken wirkend, gleichsam ungläubig und verdutzt aus dem Inneren ihres Busses heraus auf die seltsame Schar von Menschen geblickt, die mit einem Male dort aufgetaucht war, und dem Bus auf der Straße zu folgen begann.</p>
<p>Einen Augenblick später bereits aber hatten sie sich in plötzlichem Begreifen und mit jähem Entsetzen in den Blicken und Mienen auf ihren Sitzplätzen zu ducken begonnen.</p>
<p>Denn die ihnen nach setzenden Verfolger waren schließlich in geeigneter Distanz draußen stehen geblieben und hatten, in nun unzweifelhafter Absicht mit den Armen weit ausholend, Ziel genommen und die Filtertüten in ihren Händen in Richtung des Reisebusses geschleudert.</p>
<p>Von dort, aus der Perspektive der Fahrgäste heraus, wird in diesem Moment jedoch kaum zu erkennen gewesen sein, dass es sich bei den nahenden, ihnen geltenden Wurfgeschossen in Wirklichkeit nur um harmlose gebrauchte Kaffeefilter handelte.</p>
<p>Diese wiederum aber waren, sofern sie ihr Ziel nicht versehentlich verfehlten, gleich darauf an der Fensterfront des Busses zerplatzt. </p>
<p>Und der in ihnen enthaltene alte Kaffeesatz hatte sich dabei schmutzig braun und beim Aufprall in alle Richtungen streuend weithin über die Glasscheiben verteilt. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/96d71d49d8de463dbfcf83179f1f43ac" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 14:01:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bull Bar]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Umstrukturierung]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Später hat man das Obdachlosenheim in der Schlesischen Straße geschlossen und stattdessen im gleichen Gebäude das Standesamt untergebracht. . .
Seine ehemaligen Bewohner aber wurden aus dem Ihnen vertrauten Alltag und Umfeld herausgerissen und danach auf verschiedenste andere Heime und Unterkünfte quer über die ganze Stadt hinweg verteilt. 
So ist das Straßenbild in der Wrangelstraße heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Später hat man das Obdachlosenheim in der Schlesischen Straße geschlossen und stattdessen im gleichen Gebäude das Standesamt untergebracht. . .</p>
<p>Seine ehemaligen Bewohner aber wurden aus dem Ihnen vertrauten Alltag und Umfeld herausgerissen und danach auf verschiedenste andere Heime und Unterkünfte quer über die ganze Stadt hinweg verteilt. </p>
<p>So ist das Straßenbild in der Wrangelstraße heute &#8220;aufgewertet&#8221;, bereinigt und weitgehend frei vom Anblick der Obdachlosen: sieht man von den Besuchern der <em>Suppenküche</em> ab, deren Betreiber bislang allem Drängen und allen Versuchen von Außen, sie gleichfalls zu schließen, Stand gehalten haben.</p>
<p>Wie auch immer- Jene Stadtrundfahrten, von denen ich erzählte, und die zunehmend mit ihnen in den Kiez gelangenden Reisegruppen hatten damals in wachsendem Maße den Unmut und Zorn vieler Anwohner zu erwecken begonnen- nicht nur den der Autonomen aus der <em>Wrangel 90</em> und deren Umfeld.</p>
<p>Dies mag aus heutiger Sicht heraus den einen oder anderen Leser womöglich verwundern- in einer Zeit, in der das Private sich, wie mir mitunter scheint, auf dem Rückzug befindet und sich neu definiert, in der das Öffentliche privat und das Private öffentlich wird,  und in der man mittlerweile jederzeit allen Ortes gewahr sein muss, von irgendeinem Mobiltelefon aus gefilmt oder fotografiert zu werden. . .</p>
<p>Manche mögen es sonderbar finden, sich so fest an das eigene Bild zu klammern. </p>
<p>Und sie mögen sich hier vielleicht an den <em>Aberglauben </em>mancher Kulturen erinnert fühlen, in deren Kontext die Menschen davon überzeugt sind, mit dem eigenen Abbild zugleich auch die eigene Identität und Seele preis zugeben-  </p>
<p>Die Bewohnerinnen und Bewohner der Wrangel 90 jedenfalls hatten draußen an ihrem Haus zur Abschreckung und Warnung jenes genannte Transparent angebracht. </p>
<p>Und sie waren, gemeinsam mit den Gästen und Besuchern des <em>Wrangelladens</em>, einer Ladenwohnung im Haus, in der heute die<em> Bull Bar </em>untergebracht ist, und die damals noch als Nachbarschaftsladen genutzt wurde, zu guter Letzt zur Gegenwehr übergegangen. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/e5779ee865724ce78b92e83c3db44045" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 14:55:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Stift]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelstraße]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher, in der Zeit vor dem Mauerfall noch, waren, wie bereits am Anfang der Geschichte erzählt, kaum Besucher und Touristen in den Wrangelkiez und die Gegend um das Schlesische Tor herum gelangt.
Diejenigen aber, die hierher gefunden hatten, waren zumeist junge Rucksacktouristen gewesen: angezogen von der Szenekultur und dem anderen Leben im damaligen West-Berlin, von der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Früher, in der Zeit vor dem Mauerfall noch, waren, wie bereits am Anfang der Geschichte erzählt, kaum Besucher und Touristen in den Wrangelkiez und die Gegend um das Schlesische Tor herum gelangt.</p>
<p>Diejenigen aber, die hierher gefunden hatten, waren zumeist junge Rucksacktouristen gewesen: angezogen von der Szenekultur und dem anderen Leben im damaligen West-Berlin, von der  längst legendär gewordenen Atmosphäre in Kreuzberg und den Möglichkeiten, die sich damit für sie zu eröffnen schienen, so wie wir damals in der gleichen Zeit nach Amsterdam gefahren waren, nach Brixton oder nach Christiania.</p>
<p>Oder es hatte sich um vereinzelte Reisende gehandelt, die auf ihrer Suche nach dem “echten“ Berlin jenseits von Kurfürstendamm, von Europa-Center und Breitscheidplatz  bis nach Kreuzberg 36 gekommen und dabei schließlich über die Wiener Straße oder den Mariannenplatz hinaus bis in die Wrangelstraße hinein vorgedrungen waren. . .</p>
<p>Ungeachtet dieser eher geringen Anzahl von Menschen, hatte von der Häuserwand des von Autonomen bewohnten Hauses in der Wrangelstraße 90 herab ein Transparent gehangen, welches eigens zur Abschreckung allzu neugieriger Besucher dort angebracht worden war. </p>
<p>Auf diesem Transparent aber stand, diesen zur Warnung, in deutlichen, weithin sichtbaren Lettern geschrieben: <em>Scheiß Touris, verpisst Euch! Hier nix Zoo!</em> </p>
<p>Gemeint damit waren indessen wohl weniger die bereits erwähnten Besuchergruppen, als die Teilnehmer jener wiederkehrenden durch den Wrangelkiez führenden Stadtrundfahrten gewesen.  </p>
<p>Von ihren doppelstöckigen Reisebussen aus hatten diese, langsam, nur im Schritttempo durch die schmale Wrangelstraße fahrend, ihre Fotoapparate bereit, durch das Fensterglas auf die schadhaften alten Fassaden der Häuser blicken können: auf die fremdländisch, orientalisch anmutenden türkischen Läden, den schmutzigen Bürgersteig und das Straßenleben, das sich vor ihnen darauf abspielte.</p>
<p>Auf ihren Aufnahmen mögen Alteinwohner neben zugezogenen Migranten zu sehen sein, die vor ihren Geschäften sitzen, schwarz gekleidete Autonome neben bunt angezogenen<em> Ökos</em>, Studenten und Punks.</p>
<p>Oder aber die kleinen Grüppchen von Obdachlosen, die im Innenhof des <em>Stifts</em> auf die Essensausgabe der Suppenküche gewartet, oder auch, je nach Vorliebe und Gewohnheit, draußen vor dem Penny-Markt gesessen hatten, vor Kaisers oder Rewe. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/d07dddd1c2c94a17bf9a18587e369891" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kreise - Fortsetzung Teil 3</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 14:46:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[1.Mai Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Bolle]]></category>

		<category><![CDATA[Konsumterror]]></category>

		<category><![CDATA[RAF Kaufhausbrand]]></category>

		<category><![CDATA[Ton Steine Scherben]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bringt Menschen dazu ihre eigene Wirklichkeit und Geschichte, die politischen und sozialen Verhältnisse, unter denen sie leben, verändern zu wollen, was hält sie davon ab?
In Der eindimensionale Mensch hatte Herbert Marcuse die Freiheit von Mangel als konkrete Substanz aller Freiheit bezeichnet und zugleich die Befriedigung der vitalen Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu ihre eigene Wirklichkeit und Geschichte, die politischen und sozialen Verhältnisse, unter denen sie leben, verändern zu wollen, was hält sie davon ab?</p>
<p>In <em>Der eindimensionale Mensch</em> hatte Herbert Marcuse die<em> Freiheit von Mangel</em> als <em>konkrete Substanz aller Freiheit</em> bezeichnet und zugleich die <em>Befriedigung der vitalen Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung auf dem erreichbaren Kulturniveau</em> zur Vorbedingung für die Verwirklichung aller Bedürfnisse erklärt.</p>
<p>Der <em>Charakter menschlicher Bedürfnisse, die über das biologische Niveau hinausgehen</em>, sei dabei historisch bestimmt. </p>
<p><em>Falsch</em> seien dabei <em>diejenigen Bedürfnisse, die dem Individuum</em>, so Marcuse,<em> durch partikuläre gesellschaftliche Mächte, die an seiner Unterdrückung interessiert sind, auferlegt werden und die harte Arbeit, Aggressivität, Elend und Unterdrückung verewigen</em>. . .</p>
<p>Die hier vorgenommene Unterscheidung zwischen <em>wahren Bedürfnissen</em> auf der einen Seite und den <em>repressiven </em>und <em>falschen Bedürfnissen</em> auf der anderen findet auch in den späteren Losungen und politischen Aktionen der Studentenbewegung ihren Niederschlag. Und bleibt insgesamt problematisch.</p>
<p>Sie berührt- gerade auch im Hinblick auf die Außerparlamentarische Opposition der 68er-Bewegung - einen wesentlichen und zugleich wunden Punkt: Denn mit der Freiheit vom Mangel in der westlichen Industriegesellschaft war ja eben jene konkrete Substanz aller Freiheit bereits vorhanden, ohne dass sich daraus jedoch das Bedürfnis nach einer weitergehenden sozialen Befreiung bei der Mehrheit der Menschen entwickelt hatte.</p>
<p>So stand mit einem Mal, anders noch als bei Marx, nicht mehr länger die materielle Unterversorgung der Arbeiterklasse innerhalb der Gesellschaft im Focus der Kritik, sondern in gewisser Weise sogar deren Gegenteil: die Bedürfnisse, die von dieser entwickelt wurden. Und mit ihnen die Auswirkungen des Konsums.</p>
<p><em>Die Menschen erkennen sich in ihren Waren wieder;</em>  hatte Marcuse geschrieben, <em>sie finden ihre Seele in ihrem Auto, ihrem Hi-Fi-Empfänger, ihrem Küchengerät. . .</em></p>
<p><em>Macht kaputt was euch kaputt macht</em>, hatte die Berliner Band Ton Steine Scherben 1970 gesungen und damit die Konsum- und Gesellschaftskritik der Studentenbewegung auf den Punkt gebracht. Zwei Jahre zuvor bereits waren in Frankfurt am Main Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser verübt worden: die Geburtsstunde der späteren RAF.</p>
<p>Der in diesem Zusammenhang häufig gebrauchte Begriff des Konsumterrors war indessen auch damals bereits innerhalb der Linken keineswegs unumstritten gewesen. So hatte auch Peter-Paul Zahl sich in ironischer Anspielung darauf in den <em>Glücklichen</em> für eine andere Form der Verteilung ausgesprochen, einen besseren Zugang zu den Waren für Alle, anstatt diese zu zerstören.</p>
<p>Und knapp zwei Jahrzehnte nach jenen Kaufhausbränden in Frankfurt hatten Anwohner und Autonome in Berlin-Kreuzberg gemeinsam in der Nacht des 1. Mai 1987 den <em>Bolle-Markt</em> an der Wiener-Straße zunächst sorgsam bis in die letzten Regale und Kühlräume hinein ausgeräumt und geplündert, bevor dieser zuguterletzt leer in Brand gesetzt worden war.</p>
<p>Doch ich greife erneut der Erzählung voraus. . . </p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/6502aac371fe43b49f5ad1284fbcf76b" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 5</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/03/von-geschichten-und-geschichte-fortsetzung-teil-5/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 16:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Gaza Streifen]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte der sozialen Bewegungen]]></category>

		<category><![CDATA[Second Life]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Kämpfe]]></category>

		<category><![CDATA[Virtuelle Realität]]></category>

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		<description><![CDATA[So mögen Vorstellungen vom Verschwinden der Geschichte und der darin handelnden Subjekte, vielleicht eher unsere persönliche Wahrnehmung der Realität beschreiben und die angesichts der globalen Entwicklungen verspürte eigene Machtlosigkeit wider spiegeln, als die Wirklichkeit geschichtlicher Prozesse.
Und manche Kritiker der postmodernen Philosophie, wie sie in den Schriften Beaudrillards zum Ausdruck kommt, mögen hier einen weiteren Anhaltspunkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So mögen Vorstellungen vom Verschwinden der Geschichte und der darin handelnden Subjekte, vielleicht eher unsere persönliche Wahrnehmung der Realität beschreiben und die angesichts der globalen Entwicklungen verspürte eigene Machtlosigkeit wider spiegeln, als die Wirklichkeit geschichtlicher Prozesse.</p>
<p>Und manche Kritiker der postmodernen Philosophie, wie sie in den Schriften Beaudrillards zum Ausdruck kommt, mögen hier einen weiteren Anhaltspunkt und Beweis dafür finden, dass es sich dabei eher um <em>Literatur </em>handle, als um wissenschaftlich begründete Analysen- sofern man dies überhaupt als Kritik auffassen mag.</p>
<p>Dennoch gibt es eine Tendenz der Entwirklichung innerhalb unserer Realität.</p>
<p>Und zugleich die Tendenz ihrer zunehmenden Sichtbarmachung, Abbildung und Erfassung, wie in <em>Google Earth </em>und in <em>Google Streetview</em>, ihrer Nachbildung und Vervielfachung: So gibt es in der virtuellen Welt von <em> Second Life</em> auch einen virtuellen Gaza-Streifen, in dem wechselweise pro-israelische oder pro-palästinensische Proteste stattfinden und Kundgebungen abgehalten werden. . .  .</p>
<p><em>Ohne eigene Geschichte, keine eigene Identität</em>- als ich mit diesen Worten vor einiger Zeit eine der vorangegangenen Kapitelsequenzen abschloss, blieben am Ende Zweifel.</p>
<p>Dieser Schluss schien mir nachträglich allzu sicher zu klingen und zugleich, gerade auch im Zusammenhang mit einer möglichen Identität der Sozialen Bewegungen, zu optimistisch.</p>
<p>Sicher ist dabei Identität- genau wie Geschichte- auch hier das Ergebnis eines Prozesses, einer fortwährenden Suche.</p>
<p>Doch scheint hier die Geschichte rückblickend in viele einzelne unverbundene Abschnitte zu zerfallen, viele Anfänge und Enden, auf den ersten Blick kaum geeignet dazu eine Kontinuität und Gemeinsamkeit erkennen zu lassen, eine darauf basierende Identität.</p>
<p>Sie erscheint gleichermaßen als Geschichte voller Aufbrüche, von Kampagnen, Aktionen und sozialen Kämpfen, als Geschichte von  Hoffnungen, Sehnsüchten, hoch gesteckten Zielen und Erwartungen, von vereinzelten Erfolgen, einem wiederkehrenden Scheitern: an der Übermacht der gesellschaftlichen Gegenkräfte, an der Gleichgültigkeit der Anderen.</p>
<p>Aber auch an sich selbst.</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/1f0c045e1db3479ba1a6fe700f6344f5" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/02/von-geschichten-und-geschichte-fortsetzung-teil-4/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 14:17:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Entindividualisierung]]></category>

		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeitsverlust der Politik]]></category>

		<category><![CDATA[Politisches Bewusstsein]]></category>

		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>

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		<description><![CDATA[Macht es tatsächlich Sinn von einem Verschwinden des Subjekts zu sprechen? Oder aber von einem Verschwinden der Geschichte? Ich denke, nein-
Auch wenn uns unsere eigene Gegenwart und Geschichte immer wieder entgleitet, aus den Händen gerät, die Vergangenheit uns im Rückblick darauf unbewiesen erscheinen mag  und vielleicht unbeweisbar.
Oder uns zuweilen das Gefühl eines Stillstands darin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Macht es tatsächlich Sinn von einem <em>Verschwinden des Subjekts </em>zu sprechen? Oder aber von einem <em>Verschwinden der Geschichte</em>? Ich denke, nein-</p>
<p>Auch wenn uns unsere eigene Gegenwart und Geschichte immer wieder entgleitet, aus den Händen gerät, die Vergangenheit uns im Rückblick darauf unbewiesen erscheinen mag  und vielleicht unbeweisbar.</p>
<p>Oder uns zuweilen das Gefühl eines Stillstands darin überkommt und wir selbst das Gefühl haben, dass in unserem Leben eigentlich nichts geschieht.</p>
<p>Und auch wenn die geschichtlichen Entwicklungen und Bewegungen um uns herum sich zu wiederholen scheinen oder aber  in sich zu kreisen, die Geschehnisse darin scheinbar selbst laufend und entkoppelt sind von den individuellen Akteuren.</p>
<p>Geschichte entsteht dort, wo sich Dinge ereignen, über die berichtet wird, wo Geschehenes überliefert wird. Ihr Verschwinden setzt ein Ende der Ereignisse voraus. Oder aber der Nachricht davon.</p>
<p>Was aber lässt uns annehmen, dass die Menschen in früheren Zeiten mehr Subjekt waren als jetzt? Dass sie in ihren Entscheidungen, ihrem Willen und Bewusstsein, ihrer Information, ihrer Wahrnehmung und Deutung der Welt autonomer waren und mehr Individuum als heute?</p>
<p>Wo liegt hier das Verschwundene, das Verschwinden?</p>
<p>Die von Herbert Marcuse beschriebenen Mechanismen der Manipulation durch das Fernsehen, durch Werbung und Politik zeigen wie die von Burroughs entworfenen alptraumhaften Bilder und Szenarien des modernen Amerikas den Zustand einer weitgehenden Entindividualisierung des Einzelnen in der Gesellschaft.</p>
<p>Mit der zunehmenden Flut an Informationen und Bildern durch die Medien findet mittlerweile indes zugleich auch eine fortschreitende Entwertung der darin transportierten Inhalte statt: eine wachsende Inflation der in ihnen enthaltenen Bedeutungen, die die Wirkungen jener manipulativen Mechanismen in gewisser Weise wieder aufhebt, und  in deren Kontext auch die Losungen und Versprechen der offiziellen Politik im Bewusstsein der Menschen zunehmend an Wahrheit verlieren, was im Umkehrschluss jedoch, wie Marcuse bemerkte, nicht bedeute, dass <em>die Macht der Berufspolitiker abgenommen</em> habe. . .</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1e4a84e99c6c40ca8d830156937d6403" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/02/von-geschichten-und-geschichte-fortsetzung-teil-3/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/02/von-geschichten-und-geschichte-fortsetzung-teil-3/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 19:32:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Verschwinden der Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Verschwinden des Subjekts]]></category>

		<category><![CDATA[W. S. Burroughs]]></category>

		<category><![CDATA[Wirklichkeitsfilm]]></category>

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		<description><![CDATA[Der seit seiner Emigration aus Deutschland in den USA lebende Herbert Marcuse hatte mit Blick auf die moderne westliche Industriegesellschaft von einer Gesellschaft ohne Opposition gesprochen, einer Einebnung des Gegensatzes zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen, in deren Folge auch die Möglichkeit der Veränderung der eigenen gesellschaftlichen Wirklichkeit aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinde.
Von diesen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der seit seiner Emigration aus Deutschland in den USA lebende Herbert Marcuse hatte mit Blick auf die moderne westliche Industriegesellschaft von einer <em>Gesellschaft ohne Opposition</em> gesprochen,<em> einer Einebnung des Gegensatzes zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen</em>, in deren Folge auch die Möglichkeit der Veränderung der eigenen gesellschaftlichen Wirklichkeit aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinde.</p>
<p>Von diesen Überlegungen aus scheint, aus heutiger Sicht betrachtet, der gedankliche Weg vielleicht nicht mehr allzu weit zu den späteren Thesen vom <em>Verschwinden des Subjekts</em> in der postmodernen Philosophie, vom <em>Verschwinden der Geschichte</em>. Dies aber hatte Marcuse selbst seinerzeit nicht gemeint.</p>
<p>Während Marcuse in <em>Der eindimensionale Mensch </em> von <em>hypnotischen Definitionen und Diktaten</em> schrieb, mit deren Hilfe seitens der Politik und der Massenmedien jenes <em>eindimensionale Denken systematisch gefördert </em>und das<em> individuelle aufgesogen werde</em>, hatte der ebenfalls in den USA lebende Schriftsteller <em>William S. Burroughs</em>, in seinem im gleichen Jahre veröffentlichten Roman <em>Nova Express</em> die amerikanische Realität als bizarren Alptraum beschrieben.</p>
<p>In Nova Express und dem einige Jahre zuvor erschienenen<em> Soft Machine </em> bestimmen Manipulation, Suggestion und soziale Kontrolle die Gegenwart, werden Lebenswelt und Bewußtsein der Menschen durch den Einfluss von Fernsehen, Werbung und Medien und die hinter ihnen stehenden Interessen von Aufsichtsräten, Politik und Polizei dabei nicht alleine beeinflusst und gleich geschaltet, sondern vollständig bestimmt.<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/424b8f7e14f04c50aa67856d2a44eb74" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Die vom Einzelnen selbst erfahrbare und erlebbare Realität erscheint in Burroughs Romanwelt nur noch als Junk und als bloße Fiktion.</p>
<p>Die vermeintliche Wirklichkeit, in der das Leben sich abspielt, ist hier nichts weiter mehr als eine vorgegebene Endlosschleife aus wiederkehrenden Handlungen, Rollen, Bildern und Dialogen, ein Film.</p>
<p>Die in seinen Geschichten auftretenden Partisanen versuchen der Totalität der sie umgebenden Bilderwelt zu entfliehen, sie mit Mitteln der Sabotage anzugreifen, ihre eigene Gegenbotschaft zu verbreiten und dabei die verloren gegangene Realität zurück zu gewinnen.</p>
<p>Und erinnern damit in gewisser Weise an die Graffiti-Sprayer in Beaudrillards <em>Aufstand der Zeichen</em>. . .</p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 15:09:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Der eindimensionale Mensch]]></category>

		<category><![CDATA[Frankfurter Schule]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Veränderung]]></category>

		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte verändern und die ihnen gesetzten Grenzen überschreiten zu wollen? Welche äußeren oder inneren Umstände und Ereignisse, welche individuellen oder kollektiven Bedürfnisse und Motive?
Oder anders gefragt: Was hält sie davon ab, die sozialen Verhältnisse und die vorgefundenen Bedingungen  ihres Alltags neu zu ordnen, und von sich aus, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte verändern und die ihnen gesetzten Grenzen überschreiten zu wollen? Welche äußeren oder inneren Umstände und Ereignisse, welche individuellen oder kollektiven Bedürfnisse und Motive?</p>
<p>Oder anders gefragt: Was hält sie davon ab, die sozialen Verhältnisse und die vorgefundenen Bedingungen  ihres Alltags neu zu ordnen, und <em>von sich aus</em>, wie es <em>Herbert Marcuse</em> in seinem 1964 erschienenen Buch <em>Der eindimensionale Mensch </em>formuliert hatte, <em>die Bedingungen der Freiheit herbeizuführen</em>?</p>
<p>Sind es Einverständnis und Zufriedenheit mit den eigenen Lebensbedingungen und dem Zustand der Welt oder eher der fehlende Glaube an ihre Veränderbarkeit? </p>
<p>Sind es Angst vor der Ungewissheit, vor der möglichen Gefahr, in die man sich begibt, sobald man existierende Normen, Gesetze und Regeln verletzt? Oder Gleichgültigkeit und Indolenz?</p>
<p>Welche Rolle spielen Erfahrungen mit dem Scheitern vergangener historischer Aufbrüche und dem individuellen Scheitern an eigenen Vorhaben und Plänen? </p>
<p>Welche Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem Geschichtenerzählen zu, der Erzählung und Deutung der Vergangenheit in ihrer geschichtlichen Möglichkeit? Welche Rolle der Sprache, als Raum, in dem Veränderbarkeit überhaupt erst einmal denkbar werden kann?</p>
<p>Ist das momentan herrschende <em>Universum der Sprache, in dem die Kategorien der Freiheit mit ihrem Gegenteil austauschbar, ja identisch geworden sind</em>, wie Marcuse schrieb, <em>die Grundlage für die Unterdrückung der eigenen Vergangenheit der Gesellschaft</em> und ihrer Zukunft?</p>
<p>Ist die Eindimensionalität im Bewusstsein, den von Menschen verspürten, an sich selbst wahrgenommenen Bedürfnissen eine Folge der Gleichschaltung und der Manipulationen durch die Werbung, durch Medien und Politik? </p>
<p>Ist sie tatsächlich Grund und Ursache für eine Stagnation unserer eigenen Gegenwart und Geschichte?</p>
<p>Und falls ja, welche Sprache, welcher Weg führt uns daraus hinaus?</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/aef3809cb0fd427db14b7dbbb60296d5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 16:21:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Anderes Leben]]></category>

		<category><![CDATA[Evolution]]></category>

		<category><![CDATA[Menschheitsgeschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Utopie]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte in Frage zu stellen?  Was lässt sie an den scheinbar unverrückbaren Bestimmungen ihres Daseins zweifeln, an der Selbstverständlichkeit, den Bedingungen ihrer Wirklichkeit, und mit einem Mal das Wagnis eingehen, sich ihnen entgegen zu stellen?
Sind es Vorstellungen von Gerechtigkeit und von solidarischem Handeln, eine Ahnung von Freiheit, einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte in Frage zu stellen?  Was lässt sie an den scheinbar unverrückbaren Bestimmungen ihres Daseins zweifeln, an der Selbstverständlichkeit, den Bedingungen ihrer Wirklichkeit, und mit einem Mal das Wagnis eingehen, sich ihnen entgegen zu stellen?</p>
<p>Sind es Vorstellungen von Gerechtigkeit und von solidarischem Handeln, eine Ahnung von Freiheit, einem möglichen Glück, die sie an einem bestimmten Punkt ihres Lebens zum Handeln bewegen und das Unerwartete tun lassen? Überzeugungen, Glauben, Wissen,  Ideen, Utopien und Ideale?</p>
<p>Oder letztendlich doch eher nackte Notwendigkeit, Überlebenstrieb, materieller Zwang, Armut, Hunger und Not?</p>
<p>Worauf gründen sich unsere Hoffnungen und Erwartungen auf das Nachfolgende? Woher rührt unsere Unzufriedenheit? Was erfüllt uns mit Unruhe, Sehnsucht, Wut und Verzweiflung? </p>
<p>Macht es tatsächlich Sinn, von einem richtigen oder falschen Leben zu sprechen, einem selbst bestimmten gegenüber einem entfremdeten? Und falls ja, wo verläuft zwischen beidem die Grenze?</p>
<p>Was ist fremd und was nah an uns selbst? Was sind elementare Bedürfnisse?</p>
<p>Welche Kraft lässt sich aus der gedachten Möglichkeit heraus entwickeln, der Vision eines anderen, freieren, überraschenderen, intensiveren Lebens, wie sie aus den Schriften der Situationisten hervor leuchtet, gegenüber der Trägheit und Macht des Bestehenden?</p>
<p>Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem bisher Geschehenen ziehen und dem bisher Versuchten, der Vergangenheit und der Gegenwart jetzt? Welche Aussichten und Prognosen?</p>
<p>Gibt es irgendeinen Zusammenhang zwischen evolutionärer Entwicklung und  Menschheitsgeschichte, ein gemeinsames, vielleicht beiden zu Grunde liegendes Entwicklungsgesetz? Und gibt es ein Voranschreiten, einen Fortschritt innerhalb der Geschichte, ein Ziel? </p>
<p>Oder gibt es das alles nicht? </p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/2ab47e3211ad462889520c27dc4ce1a0" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kreise - Fortsetzung Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 15:36:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Godesberger Programm]]></category>

		<category><![CDATA[Krisis]]></category>

		<category><![CDATA[Tendenzieller Fall der Profitrate]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor dem Hintergrund eines rasch sich vollziehenden Wiederaufbaus und prosperierenden Marktes aber schienen auch jene kritischen Stimmen, die nach Kriegsende mit Blick auf das Scheitern der Weimarer Republik eine zentrale Planung der Wirtschaft durch Staat und Gesellschaft im Westen Deutschlands und im gleichen Zug die Verstaatlichung wichtiger Schlüsselindustrien gefordert hatten, in ihren Mahnungen und Befürchtungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Hintergrund eines rasch sich vollziehenden Wiederaufbaus und prosperierenden Marktes aber schienen auch jene kritischen Stimmen, die nach Kriegsende mit Blick auf das Scheitern der Weimarer Republik eine zentrale Planung der Wirtschaft durch Staat und Gesellschaft im Westen Deutschlands und im gleichen Zug die Verstaatlichung wichtiger Schlüsselindustrien gefordert hatten, in ihren Mahnungen und Befürchtungen widerlegt.</p>
<p>So hatte sich schließlich auch die SPD in ihrem Godesberger Programm Ende der Fünfziger Jahre von ihren einstigen Forderungen und Zielen abgewandt und darin nunmehr offen zu einem freien Markt bekannt.</p>
<p>Die Erbitterung über die Verdrängung der eigenen Geschichte und die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft, eine der Ursachen, die ein Jahrzehnt später die 68er-Generation auf die Straße getrieben hatte, aber war auf eine kritische Minderheit im Lande beschränkt geblieben.</p>
<p>Die Empörung, der Protest gegenüber dem von den USA geführten und von ihren westlichen Verbündeten politisch und logistisch unterstützen Krieg in Vietnam, waren am Gros der Bevölkerung vorbei gegangen. Die Entstehung einer außerparlamentarischen Opposition hatte keinen grundsätzlichen Wandel der politischen und sozialen Verhältnisse auszulösen vermocht.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund hatten Teile jener oppositionellen Gegenbewegung innerhalb der Gesellschaft ihre Hoffnungen auf  eine künftige Veränderung des Bestehenden auf die kommende und in ihren Augen letztlich unvermeidbare ökonomische Krise hin verlagert: auf ein vorerst noch aufgeschobenes aber letztendlich unvermeidbares Scheitern des kapitalistischen Systems, welches ihrer Auffassung nach bereits in seinem innersten Kern, seiner ihm immanenten Gesetzlichkeit angelegt und vorher bestimmt war.</p>
<p>Andere aber hatten weder darauf vertrauen noch abwarten wollen, dass eine <em>Krisis</em> des Markts und ein <em>tendenzieller Fall der Profitrate </em>das bestehende System quasi irgendwann von allein zum Zusammenbruch führen würden. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/e9b075a7cbd04e9c9400b8e28c8b93d3" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kreise - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 13:24:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Deutsche Teilung]]></category>

		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Marktwirtschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Wirtschaftswunder]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Verlauf jenes mit der Teilung Deutschlands und der Bildung zweier deutscher Staaten einsetzenden Wettstreits der gegensätzlichen und miteinander konkurrierenden Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme war der Westen dem Osten auf ökonomischem Gebiet schließlich uneinholbar davon geeilt.  
Das aus konservativen Kreisen heraus nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Westdeutschland in aller Eile als Gegenmodell zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Verlauf jenes mit der Teilung Deutschlands und der Bildung zweier deutscher Staaten einsetzenden Wettstreits der gegensätzlichen und miteinander konkurrierenden Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme war der Westen dem Osten auf ökonomischem Gebiet schließlich uneinholbar davon geeilt.  </p>
<p>Das aus konservativen Kreisen heraus nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Westdeutschland in aller Eile als Gegenmodell zur sozialistischen Planwirtschaft entwickelte ideologische Konzept einer Sozialen Marktwirtschaft hatte sich in den Folgejahren als das wirtschaftlich effizientere erwiesen. </p>
<p>Das darin propagierte Programm der <em>Verbindung einer Freiheit des Marktes mit dem Prinzip eines sozialen Ausgleichs</em> war aus dieser Perspektive heraus betrachtet aufgegangen und erfolgreich gewesen. </p>
<p>Denn mit dem Wirtschaftswunder der Fünfziger Jahre hatte der beginnende Wohlstand nach den Zeiten des Mangels in den ersten Nachkriegsjahren nun auch die unteren Gesellschaftsschichten in Westdeutschland zu erreichen begonnen. </p>
<p>Und im gleichen Zug mit dem wirtschaftlichen Aufschwung waren auch die notwendigen Voraussetzungen und Spielräume für die Schaffung eines sozialen Netzes entstanden.</p>
<p>Was aber hätte die Überlegenheit jener westlichen Marktwirtschaft deutlicher zum Ausdruck bringen können, als die Tatsache, dass selbst Arbeitslose und Empfänger von Sozialleistungen im Westen materiell nicht schlechter gestellt waren, als die Masse der Werktätigen in der DDR?</p>
<p>Oder anders herum gefragt: Was konnte die Unterlegenheit jener Planwirtschaft in der DDR in den Augen der Meisten deutlicher demonstrieren, als die Tatsache, dass ein durchschnittlicher <em>Werktätiger </em>drüben mit seiner Arbeit keinen wesentlich höheren Lebensstandard erreichen konnte als ein Arbeitsloser im Westen?</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/601804efc59a4e3180e44b2cae67eaa5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Zweiter Teil</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 13:25:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berliner Mauer]]></category>

		<category><![CDATA[DDR]]></category>

		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>

		<category><![CDATA[Real existierender Sozialismus]]></category>

		<category><![CDATA[Westpakete]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Wirklichkeit des real existierenden Sozialismus im anderen Teil Deutschlands konfrontiert hatten die Studentenbewegung der 68er oder aber die nach ihr entstehenden linken Strömungen in den Siebziger Jahren kaum eine reale Chance gehabt, die Bevölkerungsmehrheit in West-Deutschland und in West-Berlin für die eigenen Zielsetzungen zu gewinnen.
Angesichts einer Deutschen Demokratischen Republik, die eine weitere massive [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Wirklichkeit des<em> real existierenden Sozialismus</em> im anderen Teil Deutschlands konfrontiert hatten die Studentenbewegung der 68er oder aber die nach ihr entstehenden linken Strömungen in den Siebziger Jahren kaum eine reale Chance gehabt, die Bevölkerungsmehrheit in West-Deutschland und in West-Berlin für die eigenen Zielsetzungen zu gewinnen.</p>
<p>Angesichts einer <em>Deutschen Demokratischen Republik</em>, die eine weitere massive Abwanderung der eigenen Bevölkerung nur durch die Schaffung einer innerdeutschen Grenze mit Stacheldraht, Minenfeldern und Selbstschuss-Anlagen, zu verrhindern gewust hatte,  einer Mauer mit Wachttürmen und Todesstreifen in Berlin, die eine Flucht in den Westteil der Stadt nunmehr nahezu unmöglich gemacht hatte, schien das sozialistische Gesellschaftsmodell in den Augen der Meisten offenkundig gescheitert zu sein.</p>
<p>Doch es waren es nicht alleine die autoritäre Herrschaft von Staat und Partei gewesen, nicht die fehlende Freizügigkeit und die stark eingeschränkte persönliche Freiheit des Einzelnen, die Verfolgung von Andersdenkenden und die Existenz einer allgegenwärtigen Staatssicherheit, die die Perspektive der Menschen im Westen auf jene DDR bestimmt hatten, sondern nicht zuletzt auch der geringere Lebensstandard dort. </p>
<p>Denn zwischen Ost und West hatte sich in den Jahren des Kalten Krieges auch ein immer weiter aufklaffendes Wohlstandsgefälle heraus gebildet. </p>
<p><em>Westpakete</em> mit Kaffee, Schokolade, mit <em>West-Zigaretten</em> und mit anderen in der DDR raren und nur schwer erhältlichen Waren waren geschnürt und zu Weihnachten und Ostern den bedauernswerten Verwandten im Osten geschickt worden, bei <em>denen es ja drüben nichts gab.<br />
</em><br />
Die westdeutsche D-Mark aber war in der DDR zu einem begehrten Tauschmittel geworden, einer heimlichen Zweitwährung, die den Zugang und Weg zu sonst unerreichbaren Gütern eröffnete.</p>
<p>So hatten Vorstellungen von Unterversorgung und Mangel, hatten Bilder von Menschen, die in langen Schlangen vor Geschäften selbst nach einfachen Artikeln des täglichen Bedarfes anstehen mussten, Dingen, die im Westen in der Folge des Wirtschaftswunders mittlerweile ganz selbstverständlich und jederzeit allen Ortes verfügbar waren, die Wahrnehmung des Ostens im Westen vielleicht mehr geprägt und zugleich dabei seine Unterlegenheit gegenüber dem eigenen System symbolisiert als jene innerdeutsche Grenze und die Mauer in Berlin. . .</p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d76d31be3f424e1d81c628849edb103d" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brief aus dem Gefängnis</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 14:03:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Blaues Bild]]></category>

		<category><![CDATA[Frauenhaftanstalt Pankow]]></category>

		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieber S.,                                                      [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber S.,                                                                                               </p>
<p>eben habe ich die letzten Seiten Deines angefangenen Roman-Manuskriptes zu Ende gelesen, die Du mir ausgedruckt und hierher geschickt hast, und ich bin bereits sehr gespannt darauf, wie die Geschichte weiter geht.</p>
<p>Am Beginn war es schon etwas überraschend und seltsam für mich, darin auch von mir selbst, von uns beiden zu lesen und mir so plötzlich als Romanfigur gegenüber zu stehen. Ich selbst hatte ja zuvor keine genaue Vorstellung davon, wovon Dein Roman handeln wird.</p>
<p>Doch dann fand ich es schön, dass Dein Text beim Lesen wieder so viele Gedanken und Erinnerungen wach rief. Manches, was Du schreibst, war mir selber noch gut im Gedächtnis gewesen. Anderes hatte ich dagegen schon beinah vergessen, oder aber auch damals ganz anders wahrgenommen und erlebt.</p>
<p>Ich denke an bestimmte Tage und Nächte zurück, eine unbestimmte Suche nach einem anderen Leben, fernab von den Banalitäten des Alltags, einem Leben, das wir damals häufig jedoch nur in Negation ausdrücken konnten.</p>
<p>Und ich denke unsere Hoffnungen und Erwartungen zurück, den Versuch gemeinsam einen Weg zu finden, an die Texte, die wir zusammen gelesen haben, an Rimbaud und Artaud, an das Blaue Bild. Hast Du es eigentlich aufgehoben oder auch damals mit den übrigen Dingen weggetan?</p>
<p>Viel von dem, was wir damals geglaubt haben, mag aus heutiger Perspektive heraus vielleicht völlig utopisch und unrealistisch erscheinen, konnte letztlich vielleicht nur an den eigenen viel zu hoch angesetzten Ansprüchen scheitern.</p>
<p>Dennoch denke ich vielleicht weniger pessimistisch als Du an die Ereignisse der Vergangenheit zurück, wie sie damals geschehen sind und an das, was womöglich noch kommt.</p>
<p>Überall auf der Welt finden nach wie vor Auseinandersetzungen statt, kämpfen Menschen in ihrem Alltag, im Kleinen und Großen für bessere Lebensbedingungen, ihre Freiheit und persönlichen Rechte, im Augenblick gerade auch wieder hier.</p>
<p>Und vielleicht sind es genau diese kleinen alltäglichen Kämpfe und Dinge, die so wichtig sind für unser Leben, und die wir damals einfach in ihrer Bedeutung für uns verkannt haben.</p>
<p>Doch zurück nochmal zu Deinem Text. Die bei Dir eingegangenen Leserkommentare, die Du mit geschickt hattest, habe ich gelesen. Aber wie war denn sonst bisher so die Resonanz? Wieviele Leute lesen denn eigentlich so die Geschichte im Augenblick mit? Hat sich schon ein Verlag dafür interessiert? Und was sagen denn eigentlich Martin und Steffen dazu?</p>
<p>Liebe Grüße- auch an die Anderen- und bald mehr von mir,<br />
Carolin </p>
<p>27. Dezember 2009, Frauenhaftanstalt Berlin-Pankow</p>
<p>PS: Und was ist eigentlich aus der Geschichte mit Deiner Nachbarin geworden? Oder hast Du die nur erfunden?</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/e3845905a11a4726ae7faa5e3158e80e" width="1" height="1"></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Carolin</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/12/carolin/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 14:55:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Abschied]]></category>

		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[Von den zahlreichen Kritzelbildern, den Postkarten und den oftmals auf kleinen Zetteln oder aber auf der Rückseite eines silbernen Zigarettenpapiers von Carolin hinterlassenen Botschaften ist nur weniges erhalten geblieben. 
Doch ich habe noch ein paar Fotografien von ihr, manche davon in Farbe, andere in Schwarz-Weiß.
Heute habe ich einen Brief von ihr erhalten. Und nachdem ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von den zahlreichen Kritzelbildern, den Postkarten und den oftmals auf kleinen Zetteln oder aber auf der Rückseite eines silbernen Zigarettenpapiers von Carolin hinterlassenen Botschaften ist nur weniges erhalten geblieben. </p>
<p>Doch ich habe noch ein paar Fotografien von ihr, manche davon in Farbe, andere in Schwarz-Weiß.</p>
<p>Heute habe ich einen Brief von ihr erhalten. Und nachdem ich ihn gelesen habe, habe ich jene Fotos hervor gesucht, vielleicht, um den Strom der Erinnerung und der Ungewissheit darin, der mich plötzlich beim Lesen erfasst hatte, durch den Anblick dieser objektiven auf Papier gebannten Bilder einzudämmen, zu steuern und auf sicheren und beweisbaren Boden zurückzuführen.</p>
<p>Ich schaue auf Carolins junges, auf den Fotos kaum älter als zwanzig Jahre altes Gesicht, um mich noch einmal der vergangenen Zeitspanne zu versichern, die Ereignisse von damals klarer zu sehen, sie zunächst in die Ferne zu rücken und von dort aus allmählich heranzuholen, hierher.</p>
<p>So gehe ich in Gedanken noch einmal den gleichen Weg. </p>
<p>Ich kehre in jenes Zimmer zurück, jene winzige und kaum eingerichtete Wohnung in der Wrangelstraße, jene dort noch gemeinsam mit ihr verbrachte Nacht. </p>
<p>Ich sehe Carolins Gesicht am nächsten Morgen und die nachlässige Bewegung, mit der sie ihr Haar ordnet, ihre Hand, die sie beim Gähnen vor den Mund hält, sehe wie sie sich ein wenig fröstelnd schüttelt und dann auftsteht. </p>
<p>Ich erinnere mich an die Abwesenheit in ihrem Blick, an ein Stirnrunzeln, eine Falte um ihren Mund, die mir verraten, dass sie in Gedanken woanders ist, nicht in meiner Wohnung, bei mir, während wir uns beim Frühstück gegenüber sitzen.</p>
<p>Und ich erinnere mich an den Kuss, die Umarmung in der Tür, in deren Flüchtigkeit zugleich das Wissen um die Flüchtigkeit, die Entschuldigung dafür mitschwingen.</p>
<p>Noch im Türrahmen stehend höre ich das Geräusch ihrer Schritte, die die Treppenstufen hinab eilen und gleich darauf die Tür, die geöffnet wird, wieder zufällt.</p>
<p>Wie so oft, wenn wir so auseinander gehen, habe ich einen Augenblick lang das Gefühl, dass sie,  Carolin, nunmehr ganz und gar fort und verschwunden ist, dass es vollkommen offen und ungewiss ist, ob und falls ja, wann, unter welchen Umständen, wie und als wer wir uns dann wieder gegenüber stehen werden.</p>
<p>An diesem Morgen aber wird es tatsächlich das letzte Mal sein, werde ich Carolin nicht mehr wiedersehen. . .</p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/48b90026523949a9b98d33270a3f1992" width="1" height="1"></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wrangelstraße Teil 5</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/12/wrangelstrasse-teil-5/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 11:53:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>

		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>

		<category><![CDATA[Zen]]></category>

		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[„Im Leben des Menschen gibt es zwei Gefängnisse“, hatte Andreas damals während eines unserer Pausengespräche im Klinikum zu mir gesagt: “die Vergangenheit und die Zukunft.“ Ein Satz, der wohl ursprünglich von einem Zen-Meister stammte, von dem Andreas mir seinerzeit erzählt hatte, an dessen Namen ich mich jedoch nicht mehr erinnere.
Die Worte selbst aber sind mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Im Leben des Menschen gibt es zwei Gefängnisse“, hatte Andreas damals während eines unserer Pausengespräche im Klinikum zu mir gesagt: “die Vergangenheit und die Zukunft.“ Ein Satz, der wohl ursprünglich von einem Zen-Meister stammte, von dem Andreas mir seinerzeit erzählt hatte, an dessen Namen ich mich jedoch nicht mehr erinnere.</p>
<p>Die Worte selbst aber sind mir über die Jahre hinweg im Gedächtnis geblieben. Und sie haben im Laufe der Zeit dabei eine wechselnde, immer wieder andere Bedeutung angenommen, andere Fragen für mich aufgeworfen, andere Antworten darauf nach sich gezogen.</p>
<p>Heute denke ich, dass das Ungelöste und das Uneingelöste innerhalb des Vergangenen und die Hoffnungen, Ängste und Erwartungen, die wir mit dem noch Kommenden verbinden, es sind, die uns in unserer Gegenwart, unserem Leben gefangen nehmen.</p>
<p>Die Zukunft selbst jedoch ist offen. Und auch die Vergangenheit ist nichts Feststehendes. Denn auch das Zurückliegende, schon Geschehene muss immer wieder von neuem gefunden, geordnet, neu erzählt werden. . .</p>
<p>Damals, als ich mich in jener ersten Wohnung in der Wrangelstraße einzurichten begann, war ein großer Teil meiner Sachen und Habseligkeiten, die ich zuvor besessen hatte, wie gesagt, in meiner Abwesenheit während ich mich auf Reisen befand verloren gegangen. </p>
<p>Anderes habe ich später selbst weg geworfen oder aber verbrannt, angefangene und nie fertig gewordene Manuskripte, einen ganzen Karton voller Zeichnungen und Notizen, alter Fotografien, Postkarten und Briefe. </p>
<p>Die Vorstellung, der Gedanke, der mich dabei bewegt hatte, war gewesen, mich von allen Dingen, die mich allzusehr an das Vergangene binden mochten, befreien zu wollen. </p>
<p>Und vielleicht hatte ich auch gehofft, jener Müdigkeit, die mich selbst, meine Gegenwart damals umschloss, zu entrinnen, wenn ich nur den Ballast, der mein Leben, so schien es mir, beschwerte, hinter mir ließ.</p>
<p>Doch der Augenblick, das Gefühl der Befreiung, das ich damals empfand, war nur kurz. Und die Hoffnungen und Erwartungen, die ich insgeheim damit verbunden hatte, hatten sich nicht erfüllt.</p>
<p>Manchmal hätte ich gerne noch einmal eine jener Zeichnungen in die Hand genommen oder einen der Briefe gelesen, auch heute noch, jetzt. Dennoch habe ich diesen Schritt späterhin niemals wirklich bereut. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/7a04b614bd954f41ae61da4ee3ba264b" width="1" height="1"></p>
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		<title>Wrangelkiez</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 16:35:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Suche die Freuden nicht im Alkohol, sondern in der Schönheit in der Schöpfung geht es mir noch einmal durch den Kopf. 
Schön ist die Wrangelstraße, ist der Kiez zwischen Tabor und Skalitzer, Schlesischer und Görlitzer Straße in Kreuzberg nie gewesen, weder in jener längst vergessenen Zeit vor dem Mauerfall, noch in seiner gegenwärtigen neuen Gestalt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Suche die Freuden nicht im Alkohol, sondern in der Schönheit in der Schöpfung</em> geht es mir noch einmal durch den Kopf. </p>
<p>Schön ist die Wrangelstraße, ist der Kiez zwischen Tabor und Skalitzer, Schlesischer und Görlitzer Straße in Kreuzberg nie gewesen, weder in jener längst vergessenen Zeit vor dem Mauerfall, noch in seiner gegenwärtigen neuen Gestalt. </p>
<p>Eher schmucklos und schlicht sind die Gründerzeit-Fassaden der Altbauten, auch nachdem sie nun innerhalb der vergangenen Jahre beinahe komplett saniert worden sind, dunkel und beengt sind vielfach ihre Hinterhöfe und die Wrangelstraße selbst wirkt im Entlanggehen, ungeachtet ihres plötzlichen Aufschwunges, so wie eh und je etwas schmuddelig, nüchtern, grau.</p>
<p>Doch sie war, wie ich damals am Anfang empfand voller Leben: jener wundersamen und so schwer zu fassenden Kraft und Substanz, die die Grundlage ist der Schönheit. Und sie ist es noch immer.</p>
<p>Frau Berg hat ihr gesamtes Leben über in den gleichen zwei Zimmern ihrer Wohnung in der Wrangelstraße gewohnt. Sie selbst ist dort zur Welt gekommen, hat dort Kindheit und Jugend verbracht, später mit ihrem Mann dort gelebt, eigene Kinder bekommen. . .</p>
<p>Sie hat Krieg und Zerstörung und die mühsamen Jahre des Wiederaufbaus erlebt, dann in späterer Zeit den Leerstand und Verfall vieler Häuser, Hausbesetzungen und Proteste und den Zuzug der türkischen Zuwanderer, die als <em>Gastarbeiter</em>, wie sie damals genannt worden waren, auf der Suche nach Arbeit und bescheidenem Wohlstand hierher gekommen waren und sich wegen der erschwinglichen Mieten und weil man ihnen hier Wohnungen überließ im Wrangelkiez niedergelassen hatten.</p>
<p>Heute hört man auf der Wrangelstraße schon fast ebenso häufig Englisch, Spanisch und Französisch sprechende wie türkischsprachige Menschen. </p>
<p>Studenten aus den USA oder England, aus Spanien, Frankreich und Italien zieht es hierher, weil das Studium und die Lebenskosten hier günstiger sind als in anderen europäischen Metropolen, weil Berlin und gerade auch die Gegend um das Schlesische Tor herum mit ihren Szene-Treffs, Bars und Clubs zur Zeit als interessant gelten, wie zuvor in den 90er Jahren Prag, weil es <em>unproblematischer ist hier zu arbeiten, Jobs zu finden, zu leben,</em> wie eine junge Amerikanerin, die als Dolmetscherin und Übersetzerin hier arbeitet, mir vor einiger Zeit auf einer Party erzählte, <em>vieles einfacher als in London oder in New York. . .</em></p>
<p>Preise und Mieten steigen nun langsam an. Die neuen Zuwanderer beginnen das Straßenbild zu verändern, fangen nach und nach an die alten zu verdrängen. Die früheren Immigranten und ihre nachfolgenden Generationen wandern ab. Doch wohin?</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/542fee9e73bb4b1eab873a1e957abcd9" width="1" height="1"></p>
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		<title>Wrangelstraße Teil 4</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 11:50:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelstraße]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Bildern der neuen Wrangelstraße mit ihren Restaurants, Bars und Cafés, ihren neu eröffneten Geschäften, Bilder der alten: Längst ist das Haus, in dem sich einst das Kuckucksei, jener Ort also an dem seinerzeit die wöchentlichen Treffen des bereits erwähnten Autonomen Arbeitskreises stattgefunden hatten, abgerissen worden und an seiner Stelle ein Neubau entstanden.
Und längst ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen Bildern der neuen Wrangelstraße mit ihren Restaurants, Bars und Cafés, ihren neu eröffneten Geschäften, Bilder der alten: Längst ist das Haus, in dem sich einst das Kuckucksei, jener Ort also an dem seinerzeit die wöchentlichen Treffen des bereits erwähnten <em>Autonomen Arbeitskreises</em> stattgefunden hatten, abgerissen worden und an seiner Stelle ein Neubau entstanden.</p>
<p>Und längst ist auch die einstige Baulücke gegenüber davon verschwunden, in der früher ein winziger Wohnwagen mit einem türkischen Imbiss gestanden hatte, in welchem man neben Süßigkeiten und Getränken auch Döner und mit Fleisch oder Käse gefüllten Börek hatte kaufen können, der mit ein klein wenig Glück, frisch und knusprig gewesen war. . .</p>
<p>Verschwunden sind der Kohlenladen ein Stück weiter die Straße entlang, das Geschäft von Kartoffel-Krohn und der Laden von Eier-Schulz.</p>
<p>Doch der kleine Rewe-Markt an der Ecke zur Cuvry-Straße hat die Zeit überdauert und auch <em>Bizim Bakkal</em> mit seinen wunderbaren gefüllten Oliven, dessen Inhaber seine Kunden nach wie vor stets mit der gleichen sanften Freundlichkeit bedient, ganz egal, ob sie nun einen ganzen Korb mit Gemüse und Früchten bei ihm einkaufen, oder nur eine einzige Banane.</p>
<p>An den Kiosken kann man die Zigaretten, wenn das Geld für die ganze Schachtel nicht reicht, auch heute noch einzeln kaufen, und im Eingang des Köfte-Imbisses gegenüber von Bizim ist noch immer der gleiche Sinnspruch zu lesen, der den eintretenden Gast hier empfängt und zur Mäßigung mahnt:<em> Suche die Freuden nicht im Alkohol, sondern in der Schönheit der Schöpfung. . .</em></p>
<p>Mein Blick streift an den Schaufenstern, Häusern, Gesichtern entlang, wandert weiter. Mit den Bildern, den alten und neuen, aber kommen zugleich auch Gedanken und Erinnerungen zurück und mit ihnen die Sprache, eine andere Sprache: Worte, Sätze für eine andere Art von Text, nicht für eine Geschichte, wie die hier zu erzählen begonnene.</p>
<p>Im Weitergehen komme ich an meinem früheren Wohnhaus vorbei. Im Vorderhaus, so verrät mir ein Blick auf das Klingelbrett an der tür, wohnt noch immer die “Haustaube“, wie sie Martin einst genannt hatte.</p>
<p>Eine Etage tiefer hatte damals die alte Frau Berg gewohnt, die mir seinerzeit jedes Mal wenn sie mich draußen sah von ihrem Platz am Fenster aus zugewinkt hatte. </p>
<p>Heute lebt sie in einer betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz, wie ich neulich erfuhr.</p>
<p>Frau Berg aber hatte sie damals alle gekannt: Die kleinwüchsige Blumenhändlerin, den Apotheker und den Kioskbesitzer, die “jungen Leute“ aus der <em>Wrangel 90</em> ebenso wie die Stammgäste vom <em>Bierhaus 2</em>. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/6b7c67ba30234bd8adec5fce40eccc55" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 5</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 13:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alternative Subkultur]]></category>

		<category><![CDATA[K-Gruppen]]></category>

		<category><![CDATA[Neue Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Splitterparteien]]></category>

		<category><![CDATA[Spontis]]></category>

		<category><![CDATA[Undogmatische Linke]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Niedergang der Studentenbewegung heraus hatte sich in den Siebziger Jahren eine in sich gespaltene mehr von Gegensätzen als Gemeinsamkeiten geprägte gesellschaftliche Opposition heraus gebildet und weiter entwickelt.
Jenseits der DDR-nahen Deutschen Kommunistischen Partei und deren West-Berliner Ableger SEW hatte sich eine Neue Linke entwickelt, die ihrerseits jedoch keineswegs eine einheitliche politische Strömung darstellte.
Eher Sammelbegriff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem Niedergang der Studentenbewegung heraus hatte sich in den Siebziger Jahren eine in sich gespaltene mehr von Gegensätzen als Gemeinsamkeiten geprägte gesellschaftliche Opposition heraus gebildet und weiter entwickelt.</p>
<p>Jenseits der DDR-nahen<em> Deutschen Kommunistischen Partei</em> und deren West-Berliner Ableger <em>SEW </em>hatte sich eine <em>Neue Linke</em> entwickelt, die ihrerseits jedoch keineswegs eine einheitliche politische Strömung darstellte.</p>
<p>Eher Sammelbegriff als tatsächliches  Sammelbecken und gemeinsames politisches Lager, waren darunter all die übrigen linken Gruppen, Parteien und Initiativen links von der SPD gefasst worden, in ihrer gesamten Fülle und Vielzahl.</p>
<p>So hatte es unterschiedliche miteinander konkurrierende trotzkistische Gruppen gegeben, die verschiedenenen und einander bekämpfenden &#8220;Internationalen&#8221; angehört hatten. </p>
<p>Und es hatten sich nacheinander gleich mehrere maoistische Splitter- Parteien gegründet, die sich in ihren Namensbildungen irritierenderweise zum Teil auf die frühere <em>KPD </em> der Weimarer Republik bezogen hatten.</p>
<p>Diese sogenannten <em>K-Gruppen</em> hatten ihre politischen Leitbilder und Visionen dabei an Gesellschaften und politische Systeme wie das kommunistische China angelehnt, an Albanien oder auch an das &#8220;Demokratische Kampuchea&#8221; unter Pol Pot. </p>
<p>Auf der anderen Seite hatte es innerhalb jener Neuen Linken eine <em>Undogmatische Linke</em> gegeben, die sich als Gegenströmung zu den starr orthodox und an autoritären Vorbildern und Strukturen ausgerichteten kommunistischen Splittergruppen heraus gebildet hatte, und die ihrerseits wiederum in eine Vielzahl unterschiedlichster Gruppierungen zerfallen war: Ein für Außenstehende kaum überschaubares Nebeneinander und Geflecht aus <em>Spontis</em>, anarchistischen, libertären und sozialistischen Gruppen, Bürgerinitiativen, Stadtteilgruppen und Zeitungsprojekten usw. war entstanden: eingebunden in eine alternative Subkultur und mit dieser verschwimmend.</p>
<p>Hatte aus dieser in sich gespaltenen, kaum die Wahrnehmung und die Wirklichkeit der Bevölkerungsmehrheit berührenden damaligen Neuen Linken heraus ein glaubhafter Entwurf für ein anderes Leben, eine andere, neue Gesellschaft entstehen können?</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/ac388aa4f37e48a189c863a55f15c9ed" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 4</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 12:57:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Freie Gesellschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Veränderung]]></category>

		<category><![CDATA[Politische Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Statt sich enger zusammen zu schließen und sich neu zu vernetzen haben linke und soziale Bewegungen in den Phasen von Rückschlägen, des Zurückgeworfenseins und der eigenen Schwäche, so scheint es, gerade umgekehrt die Tendenz, sich noch mehr als zuvor aufzuspalten, zu zersplittern.
Nicht Gemeinsames, Mögliches wird gesucht sondern Trennendes und sich Ausschließendes, Unvereinbares. 
So scheint ausgerechnet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Statt sich enger zusammen zu schließen und sich neu zu vernetzen haben linke und soziale Bewegungen in den Phasen von Rückschlägen, des Zurückgeworfenseins und der eigenen Schwäche, so scheint es, gerade umgekehrt die Tendenz, sich noch mehr als zuvor aufzuspalten, zu zersplittern.</p>
<p>Nicht Gemeinsames, Mögliches wird gesucht sondern Trennendes und sich Ausschließendes, Unvereinbares. </p>
<p>So scheint ausgerechnet in den Zeiten des Stillstandes und der Flaute eine innere und dabei um sich selbst, um die eigenen Ziele und Positionen kreisende Kontroverse in den Vordergrund des Interesses zu geraten.</p>
<p>An die Stelle jener ursprünglich gesuchten Auseinandersetzung mit Staat und Gesellschaft und den ihnen zugrunde liegenden Strukturen, treten interne Macht- und Flügelkämpfe, tritt der Streit um die richtige Linie, um politische Führungsansprüche, Losungen und Parolen innerhalb des eigenen Lagers, treten wechselseitige Anschuldigungen, Konkurrenz und erbittert geführte Debatten.</p>
<p>Und je weiter die Wirklichkeit selbst von der konkreten Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit einer grundlegenden Veränderung der sozialen Verhältnisse entfernt ist, desto mehr verlagert sich jene Kontroverse auf die anzustrebende Ausgestaltung und Form einer irgendwann neu zu errichtenden Zukunftsgesellschaft. . .  </p>
<p>Für den außen stehenden daran unbeteiligten Betrachter mag dies unsinnig erscheinen, sonderbar und bizarr.</p>
<p>Skeptiker und politische Gegner mögen hier einen weiteren Beweis für die Unfähigkeit der politischen Linken sehen, die Probleme der Gegenwart und der Zukunft zu lösen, da sie doch, wie es scheint, offenbar nicht einmal in der Lage ist, ihre elementarsten eigenen zu lösen, mögen hier einen weiteren Grund dafür anführen, dass die Welt, die Verhältnisse, Dinge in ihr so bleiben müssen wie sie sind.</p>
<p>Doch nicht alleine für diese, auch für die Übrigen, für den kritischen aber selbst keiner jener Fraktionen angehörenden Teil der Gesellschaft, bietet sich angesichts jener Vielfalt und Fragmentierung, jener Vielzahl von kleinen und kleinsten miteinander verfeindeten Gruppen und Grüppchen, deren Flugblätter, Zeitungen und Broschüren auf der Straße und am Rande von Demonstrationen verteilt werden, ein seltsam anmutendes und zugleich auch ernüchterndes Bild. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/525459491ab145c881731465a0c1ef30" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/11/kreise-teil-3/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 12:55:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alt-68er]]></category>

		<category><![CDATA[Berufsverbote]]></category>

		<category><![CDATA[Deutscher Herbst]]></category>

		<category><![CDATA[Radikalenerlass]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir als später Geborene aber hatten weder den Aufbruch der 68er-Generation und der damaligen Studentenbewegung erlebt, noch jenen späteren Marsch durch die Institutionen, sondern selber nur noch deren Ausläufer mitbekommen.
Jene einstigen Marschierer waren uns indes als Sozialarbeiter und Pädagogen in Jugendzentren begegnet, als angehende Staatsdiener, junge Lehrer und Referendare.
Und aus der schonungslosen Sicht unserer eigenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir als später Geborene aber hatten weder den Aufbruch der 68er-Generation und der damaligen Studentenbewegung erlebt, noch jenen späteren Marsch durch die Institutionen, sondern selber nur noch deren Ausläufer mitbekommen.</p>
<p>Jene einstigen Marschierer waren uns indes als Sozialarbeiter und Pädagogen in Jugendzentren begegnet, als angehende Staatsdiener, junge Lehrer und Referendare.</p>
<p>Und aus der schonungslosen Sicht unserer eigenen Jugend heraus, hatten wir jene Zeichen der Anpassung an ihnen wahrgenommen, die die von ihnen angenommene Rolle innerhalb der Gesellschaft von ihnen verlangte: jene daraus erwachsenen Kompromisse  und die in ihnen sichtbar gewordene Kluft zwischen Anspruch und Realität. . .</p>
<p>Deutlich hatten wir ihre Vorsicht bemerkt, mit der sie, gerade sie, die wir anfangs noch in gewisser Weise als Verbündete betrachtet hatten, und von denen wir uns letztlich klare und unmissverständliche Antworten erwartet hatten, als Lehrer im Geschichts- oder Politikuntericht heikle Fragen und Themenbereiche mehr umschifft als beantwortet hatten.</p>
<p>Deutlich war auch bei ihnen der Druck, jene Sorge und Angst zu spüren gewesen, die in jenen Zeiten des Deutschen Herbstes, der Berufsverbote und des Radikalenerlasses auf ihnen gelastet hatten, und sie um ihre eigene berufliche Zukunft und spätere Existenz fürchten ließen.</p>
<p>Und deutlich war für uns dabei eine Widersprüchlichkeit innerhalb ihrer eigenen Position an den Tag getreten, während wir für uns selbst damals eine Klarheit und Eindeutigkeit, eine innere Konsequenz in der eigenen Identität gesucht hatten, in den eigenen Standpunkten und dem daraus folgenden Handeln.</p>
<p>In unseren Augen aber hatten sie, jene <em>Alt-68er</em> damals schon auf der anderen Seite gestanden, wenn auch auf eine Art und Weise, die sich von unserer Elterngeneration unterschied, hatten wir jenes Wohlwollen und Verständnis, dass uns in unserer eigenen Suche und Rebellion von ihrer Seite aus entgegen gebracht worden war, eher zwiespältig empfunden.</p>
<p>So waren uns gerade diejenigen, die uns in ihren Ansichten und Überzeugungen eigentlich näher gestanden hatten und weitaus ähnlicher gewesen waren als alle anderen um uns herum, in gewisser Weise noch ferner und fremder erschienen als diese. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/8ffc8e19c4114d7bbe62b4a55b98eb92" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 2</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/11/kreise-teil-2/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 13:07:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[68]]></category>

		<category><![CDATA[Apo]]></category>

		<category><![CDATA[Außerparlamentarische Opposition]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaftlicher Wandel]]></category>

		<category><![CDATA[Marsch durch die Institutionen]]></category>

		<category><![CDATA[Studentenbewegung]]></category>

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		<description><![CDATA[Was aber war tatsächlich geschehen? War jener versuchte Marsch durch die Institutionen der 68er-Generation nicht bereits von Beginn an illusionär und zum Scheitern verurteilt gewesen? 
Hatte damals eine wirkliche Chance des Gelingens bestanden und waren seine Protagonisten dabei womöglich nur vom Weg abgekommen? Oder hatte es einen solchen Weg nie gegeben?
Hatten sich die Marschierer nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was aber war tatsächlich geschehen? War jener versuchte Marsch durch die Institutionen der 68er-Generation nicht bereits von Beginn an illusionär und zum Scheitern verurteilt gewesen? </p>
<p>Hatte damals eine wirkliche Chance des Gelingens bestanden und waren seine Protagonisten dabei womöglich nur vom Weg abgekommen? Oder hatte es einen solchen Weg nie gegeben?</p>
<p>Hatten sich die Marschierer nicht zwangsläufig in den Netzen von Sachzwängen, Hierarchien und Regeln verfangen müssen? Oder hatte es ihnen nur an Mut, Konsequenz und Entschlossenheit gemangelt, war es nur ihre Angst vor dem Wagnis gewesen, die sie allzu schnell und bereitwillig hatte Kompromisse schließen lassen.</p>
<p>Hatte sich mit dem ganzen Projekt damals tatsächlich eine ernsthafte Utopie verbunden und ein ernstgemeinter Versuch, die Dinge zu ändern ? </p>
<p>Oder hatte es sich schon von vorne herein nur um eine Art Rückzugsgefecht gehandelt,  eine Selbsttäuschung, in der der eingeschlagene individuelle Weg der Anpassung an die bestehenden Verhältnisse eine positive Deutung bekam? Und in welcher sich  materielle Sicherheit,  Bequemlichkeit  und gesellschaftliche Karriere zugleich mit einem fortschrittlichen und kritischen, revolutionären und zu nichts verpflichtendem Gestus verknüpfen ließen?</p>
<p>Hatte sich jene Generation aufgerieben an bestehenden Machtverhältnissen und Strukturen, an Niederlagen, Rückschlägen und Entäuschungen, war sie irgendwann unterwegs müde geworden und resigniert? </p>
<p>Oder hatte sie vielleicht nur ihren Frieden gesucht mit sich selbst und der Welt, mit den eigenen uneingelösten Vorhaben und Versprechen und sich gleichzeitig eine günstige Position zu verschaffen gesucht: Ein Vorankommen, einen sicheren Platz für sich selbst innerhalb einer herrschenden Ordnung und eines Gesellschaftssystems, das sie ursprünglich einmal hatte verändern wollen und zu dessen Bestandteil sie nun schließlich selbst geworden war?</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/0cd5a0f272d148559dc24105ba17107b" width="1" height="1"></p>
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		</item>
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		<title>Kreise</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/10/kreise/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 16:19:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[68er-Generation]]></category>

		<category><![CDATA[Apo]]></category>

		<category><![CDATA[Die Glücklichen]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Marsch durch die Institutionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der sogenannte Marsch durch die Institutionen, zu dem die 68er-Generation aufgebrochen war, war gescheitert. Denn nicht die Institutionen hatten sich dabei letzten Endes verändert, sondern nur die Marschierer, wie Peter-Paul Zahl in seinem Roman Die Glücklichen im Rückblick auf diese Zeit geschrieben hatte.
Der Versuch einer sanften Unterwanderung und einer grundlegenden Neuordnung der Gesellschaft von innen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der sogenannte <em>Marsch durch die Institutionen</em>, zu dem die 68er-Generation aufgebrochen war, war gescheitert. Denn <em>nicht die Institutionen </em>hatten sich dabei letzten Endes verändert, <em>sondern nur die Marschierer</em>, wie Peter-Paul Zahl in seinem Roman<em> Die Glücklichen</em> im Rückblick auf diese Zeit geschrieben hatte.</p>
<p>Der Versuch einer sanften Unterwanderung und einer grundlegenden Neuordnung der Gesellschaft von innen und aus ihren eigenen Strukturen heraus war fehlgeschlagen und die Visionäre und Aktivisten von einst waren dabei, so schien es, in ihren ursprünglichen  Zielsetzungen und Konzepten schon allzu bald von der Wirklichkeit eingeholt worden.</p>
<p>Dort aber wo es in der Folgezeit, etwa im Zuge der <em>Sexuellen Revolution</em>, gelungen war, einen Teil jener überkommenen gesellschaftlichen Schranken und Tabus zu aufzuheben, hatte dies keineswegs zu einer fundamentalen Veränderung der sozialen und politischen Verhältnisse im Lande geführt, sondern allenfalls zu deren Modifizierung und Modernisierung.  </p>
<p>Mittlerweile kann eine Frau an der Spitze der Bundesregierung und in anderen Schlüsselpositionen von Politik und Gesellschaft stehen und Politiker und Prominente bekennen sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Homosexualität. </p>
<p>Vier Jahrzehnte nach der <em>Kommune1</em> gibt es mittlerweile in nahezu jeder Seifenoper im Fernsehen auch eine Wohngemeinschaft.</p>
<p>Und Fidel Castro, Che Guevara und Marx machen in einem Fernsehspot gemeinsam Reklame für den neuen Renault&#8230;</p>
<p>Was also ist von der einstmals anvisierten radikalen Veränderung der Verhältnisse am Ende geblieben? </p>
<p>Hat jener damals versuchte Umbruch letztlich nur zu einer ohnehin bereits überfällig gewesenen Anpassung eines <em>Überbaus</em> der Gesellschaft geführt, zu einer, wenngleich ungewollten, Stabilisierung der bestehenden Ordnung?  </p>
<p>Und hat seinerzeit damit also letztlich nichts anderes stattgefunden, als ein gesellschaftliches Update, unter dem die gleichen sozialen, ökonomischen und politischen Prozesse und Strukturen weiter fortbestanden und vielleicht sogar reibungsloser und effizienter funktionierten als zuvor?</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ce9173010588439e9d258ca086571ffa" width="1" height="1"></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Immer radikal, niemals konsequent Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/10/immer-radikal-niemals-konsequent-teil-4/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 09:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Asta]]></category>

		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>

		<category><![CDATA[FU-Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Studentenparlament]]></category>

		<category><![CDATA[Studentenprotest]]></category>

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		<description><![CDATA[Anfangs noch als studentische Initiative und politische Hochschulgruppe gegründet, hatte sich jener Autonome Arbeitskreis, zu dessen wöchentlichem Plenum in der Wrangelstraße Carolin mich mitgenommen hatte, in der Folgezeit immer mehr von seinen ursprünglichen Tätigkeitsfeldern zu entfernen begonnen.
Nach und nach hatten sich mit den Zielsetzungen auch die praktischen Aktivitäten der Gruppe aus den Grenzen der Gremienarbeit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anfangs noch als studentische Initiative und politische Hochschulgruppe gegründet, hatte sich jener Autonome Arbeitskreis, zu dessen wöchentlichem Plenum in der Wrangelstraße Carolin mich mitgenommen hatte, in der Folgezeit immer mehr von seinen ursprünglichen Tätigkeitsfeldern zu entfernen begonnen.</p>
<p>Nach und nach hatten sich mit den Zielsetzungen auch die praktischen Aktivitäten der Gruppe aus den Grenzen der Gremienarbeit, aus den in sich kreisenden Flügelkämpfen, Diskussionen und Debatten eines hochschulinternen Studentenparlaments herausgelöst, dessen Abstimmungen und Beschlüsse keinerlei Relevanz, keinen messbaren Einfluss auf die Welt und die Wirklichkeit draußen hatten, sondern ausschließlich einen Schein von Bedeutung und von Mitbestimmung schufen.</p>
<p>Die eigentliche Aufgabe jener Gremien aber lag, wie man damals empfand, genau darin, ein Ventil für die Unzufriedenheit, den Protest der Studierenden zu schaffen, um diesen kanalisieren und in vorgegebene und geordnete Bahnen lenken zu können und im gleichen Zug eine Kaderschmiede neuer künftiger Generationen von Politikern zu schaffen, deren spätere Karrieren in Union, FDP, SPD oder aber den Grünen oftmals hier, in Studentenausschüssen- und Parlamenten, ihren Anfang nahmen.</p>
<p>Jene schrittweise vollzogene Abkehr von den ursprünglich hochschulpolitischen und studentischen Themen hin zu allgemeinen gesellschaftlichen Konflikten und Problemen aber hatte schließlich zu einer völligen Loslösung der Gruppe und ihrer Aktivitäten von der Universität geführt.</p>
<p>Zu jener Zeit, in der Carolin und dann wenig später auch ich zu der Gruppe gestoßen waren, war sie noch in verschiedenen Gremien, in den Fachschaften, im Studentenparlament und im Asta der Freien Universität aktiv gewesen.</p>
<p>Von ihren einstigen Initiatoren und Gründungsmitgliedern war indessen auch damals schon niemand mehr dabei gewesen.</p>
<p>Und mit ihnen war auch die einstige Losung der Gruppe verschwunden, jener zweifellos als ironische Reminiszenz an die bürgerlichen Glücksvorstellungen, Illusionen und Träume innerhalb der Gesellschaft gemeinte Slogan:<em> Frauen, Geld und schnelle Autos</em>.</p>
<p>Stattdessen war jener Satz auf Betreiben der Frauen innerhalb des Arbeitskreises, die darin keineswegs eine Form von humorvoller Anspielung gesehen hatten, sondern einzig und allein einen Ausdruck typisch patriarchal geprägter männlicher Phantasien, durch einen anderen ersetzt worden, eine ebenso knappe wie eingängliche Parole, die von nun auf den Flugschriften und Plakaten der Gruppe zu lesen war: <em>Immer radikal, niemals konsequent!</em></p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1607f461a7d44fdf8abb287ab610a4a0" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent Teil 3</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 14:11:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[FU-Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Kapital-Kurs]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Kuckucksei]]></category>

		<category><![CDATA[Studenten]]></category>

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		<description><![CDATA[Mehrfach schon hatte Carolin mir von einer neu gebildeten Studentengruppe erzählt, die sich einmal in der Woche in Kreuzberg traf und die zusammen gekommen war, um über politische Themen zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen.
So hatte ich Carolin, die nicht locker gelassen hatte, bis ich irgendwann zugestimmt hatte, einmal mitzukommen und an einem der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mehrfach schon hatte Carolin mir von einer neu gebildeten Studentengruppe erzählt, die sich einmal in der Woche in Kreuzberg traf und die zusammen gekommen war, um über politische Themen zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen.</p>
<p>So hatte ich Carolin, die nicht locker gelassen hatte, bis ich irgendwann zugestimmt hatte, einmal mitzukommen und an einem der Treffen teilzunehmen, zu guter Letzt eines Abends dorthin begleitet.</p>
<p>Als Adresse hatte Carolin mir das <em>Kuckucksei</em> genannt, eine Kneipe, die sich unweit vom Schlesischen Tor in der Wrangelstraße zwischen Cuvry- und Falckensteinstraße befinden sollte, und bei meiner Ankunft dort hatte Carolin bereits draußen vor dem Eingang gestanden und auf mich gewartet: “Hallo, na. Wie geht’s dir?“</p>
<p>Die Zusammenkunft hatte oberhalb des eigentlichen Kneipenraumes stattgefunden, in einem abgetrennten kleinen Raum, in dem man ungestört reden konnte, und in dem sich bei unserem Eintreffen bereits etwa zwei dutzend Menschen eingefunden hatten.</p>
<p>Unter all diesen unbekannten neuen Gesichtern hatte ich zu meiner Überraschung indes auch ein paar bekannte entdeckt.</p>
<p>So war ich dort nicht nur Klaus und Christian wieder begegnet, die ich seinerzeit, so wie Carolin damals auch, im ersten Semester in einer Vorlesung über <em>Politische Ökonomie und materialistische Bewußtseinstheorie </em>an der Freien Universität kennen gelernt hatte, in einer Arbeitsgruppe jenes legendären Kapital-Kurses von Professor Haug.</p>
<p>Neben ihnen hatte ich auch eine blasse und stille, stets ein klein wenig unsicher und nervös wirkende junge Frau dort entdeckt, mit der ich im vergangenen Semester noch ein Seminar am Institut für Philosophie besucht und gemeinsam ein Referat über <em>Das Schöne bei Kant</em> ausgearbeitet hatte, Sabrina, deren Anwesenheit ausgerechnet an diesem Ort ich keineswegs erwartet hatte.</p>
<p>Überraschend für mich aber war es vor allen Dingen gewesen, neben Steffen, von dessen Teilnahme an der Gruppe ich bereits gewusst hatte, auch Martin dort anzutreffen.</p>
<p>Martin aber hatte mich beim Hereinkommen mit einem skeptischen, leicht gequält wirkendem Lächeln angesehen und begrüßt, das mir ohne Zweifel verriet, das auch er, Martin, eher unverhofft der Begeisterung und der sanften Überredungskunst Carolins erlegen und am Ende gefolgt war, die auch mich schließlich hierher geführt hatte. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/d680bd650df64f64bff5e57991ced112" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 14:43:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Aufstand]]></category>

		<category><![CDATA[Hochsicherheitstrakt]]></category>

		<category><![CDATA[legal illegal]]></category>

		<category><![CDATA[Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Unsichtbare Revolte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn nun aber das persönliche und politische Handeln nicht länger durch die Grenze von legal oder illegal bestimmt werden konnte, mussten andere Kriterien darüber entscheiden, was sinnvoll war und machbar, was gerechtfertigt, richtig und erlaubt: ethische wie  auch taktische und strategische Gesichtspunkte, objektive wie gesellschaftliche und historisch bedingte Faktoren ebenso wie persönliche, subjektive Aspekte.
Schließlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn nun aber das persönliche und politische Handeln nicht länger durch die Grenze von legal oder illegal bestimmt werden konnte, mussten andere Kriterien darüber entscheiden, was sinnvoll war und machbar, was gerechtfertigt, richtig und erlaubt: ethische wie  auch taktische und strategische Gesichtspunkte, objektive wie gesellschaftliche und historisch bedingte Faktoren ebenso wie persönliche, subjektive Aspekte.</p>
<p>Schließlich stellte sich hier bei alledem auch die Frage nach dem Risiko und den möglichen Konsequenzen für das eigene künftige Leben, der Gefahr, der man sich auszusetzen bereit war, der Bereitschaft zum Wagnis. </p>
<p>Alles das aber, auch der mögliche Preis im Falle des Entdecktwerdens mit all seinen  daraus resultierenden Folgen, mit Verurteilung und mit möglicher Haft, musste dabei im Vorfeld jeder Entscheidung wohl bedacht sein.</p>
<p>Während ich jedoch damals im Hinblick auf jene Grenze zunächst erst einmal nur eine denkbare  von den jeweiligen Umständen und Konstellationen abhängige, in der jeweiligen Situation  abzuwägende Entscheidung gesehen hatte, war die Illegalität innerhalb mancher Teile der Linken selbst zum Gegenstand der Verklärung, zum Hauptinhalt und Mythos geworden.</p>
<p>Bereits kleine und kleinste Überschreitungen und Verletzungen der bestehenden Ordnung  wie das Schwarzfahren in der U-Bahn und der Ladendiebstahl im Kaufhaus oder Supermarkt  bedeuteten, glaubten manche, bereits das gesamte System selbst in Frage zu stellen.</p>
<p>Die aus heutiger Sicht vielleicht eher analog zu den Vorstellungen der Chaostheorie zu begreifende Idee einer  Erschütterung des Gesamten durch seine Teile aber hatte so das Konzept einer Tag für Tag überall an verschiedensten Orten zugleich unternommenen unsichtbaren Revolte vertreten, deren einzelne Akte sich in irgendeiner Form bündelten und übertrugen und deren unbekannte unabhängig voneinander agierende Akteure dadurch zu einer Art von gemeinsamer Bewegung zusammenführte. </p>
<p>War die Illegalität hier als Teil einer subversiven Praxis des Alltags propagiert worden und als Teil des normalen Lebens, hatten andere sie indessen zum eigentlichen Ziel des politischen Widerstandes erklärt.</p>
<p>Innerhalb eines Staats, einer modernen westlichen europäischen Gesellschaft wie der Bundesrepublik aber war ein Leben in der Illegalität nicht möglich gewesen, oder wenn, dann nur für kurze Zeit.</p>
<p>So war die letztliche Konsequenz jedes ernst gemeinten und über einen bloßen Protest hinaus gehenden politischen Engagements dieser Anschauung nach das Gefängnis gewesen, war die höchste Stufe und damit auch der wahre Ort jenes Kampfs um Befreiung der Hochsicherheitstrakt . . .  </p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/99edfa6459ac4ed0b158063eb29c49d8" width="1" height="1"></p>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 13:13:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Illegalität]]></category>

		<category><![CDATA[Legalität]]></category>

		<category><![CDATA[Marx]]></category>

		<category><![CDATA[Radikalität]]></category>

		<category><![CDATA[Repression]]></category>

		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

		<category><![CDATA[Widerstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Um das Leben der Menschen zu verändern und aus seinen bestehenden Schranken lösen zu können, mussten nicht allein die vorhandenen politischen und sozialen Verhältnisse in Frage gestellt werden, sondern auch jene ihnen zugrunde liegende scheinbar unverrückbare Ordnung. 
Die Begrenzungen einer Wirklichkeit, eines Denkens, dessen ideologische Basis in jenem notwendig falschen Bewusstsein begründet lag, von dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um das Leben der Menschen zu verändern und aus seinen bestehenden Schranken lösen zu können, mussten nicht allein die vorhandenen politischen und sozialen Verhältnisse in Frage gestellt werden, sondern auch jene ihnen zugrunde liegende scheinbar unverrückbare Ordnung. </p>
<p>Die Begrenzungen einer Wirklichkeit, eines Denkens, dessen ideologische Basis in jenem<em> notwendig falschen Bewusstsein</em> begründet lag, von dem Marx einst geschrieben hatte, mussten notwendigerweise überwunden werden.</p>
<p>Und zugleich jene damit verbundene Vorstellung, die die Freiheit des Einzelnen mit der Freiheit des Marktes gleichgesetzt und die wirtschaftlichen und sozialen Priviliegien einer Minderheit innerhalb der Bevölkerung über die Interessen der Mehrheit gestellt hatte. </p>
<p>Die von Staat und Gesellschaft definierten Normen und Gesetze, die dem einzuleitenden Befreiungsprozess entgegen standen, aber galt es, wo es notwendig war, zu überschreiten.</p>
<p>Denn vor dem Hintergrund jenes <em>falschen Lebens</em> und einer von Grund auf neu zu schaffenden, neu zu ordnenden und gestaltenden Welt konnten Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Handelns nicht durch Regelwerke und durch Festlegungen und überkommene Verbote gerade jener definiert und bestimmt werden, deren einziges Interesse darin bestand, mit allen Mitteln und um jeden Preis am Bestehenden und der eigenen Macht festzuhalten.</p>
<p>Nicht die Frage von Legalität oder Illegalität konnte also im Zentrum der Entscheidungen über das politische Handeln und Vorgehen stehen, sondern einzig und allein dessen Legitimität und Verantwortbarkeit, dessen Notwendigkeit im bestimmten Moment.</p>
<p>Das Besetzen von leer stehendem und zu Spekulationszwecken missbrauchtem Wohnraum oder aber das Aufhalten von Atomtransporten ins Wendland aber waren vor diesem Hintergrund ethisch zulässige und begründete Formen des Protests und der Wiederaneignung gewesen.</p>
<p>Und der Widerstand gegen staatliche Repression, polizeiliche Übergriffe, gegen Willkür und Gewalt war ein untrennbarer Bestandteil eines elementaren Rechts der Menschen auf Veränderung der sozialen Verhältnisse, auf Verteidigung der persönlichen Freiheit, auf politische Selbstbestimmung und damit, wie ich damals befand, zweifellos legitim. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/ea0f07d5a4b640899f448fd0d90d7108" width="1" height="1"></p>
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		<title>Stimmen</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 17:33:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Post-Popliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Sternzeichen]]></category>

		<category><![CDATA[Untermieter]]></category>

		<category><![CDATA[Wohnungssuche]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst beginnst du dein Kapitel über Waschsalons mit einem Satz über zufällige Begegnungen in der Großstadt und romantische Liebe undsoweiter und man wartet schon ganz gespannt darauf, was jetzt kommen wird, und dann folgt daraus wieder keine Geschichte, sondern letztendlich passiert überhaupt nichts, hält mir eine der Leserstimmen vor. 
Eine zweite Stimme räuspert sich vernehmlich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Erst beginnst du dein Kapitel über Waschsalons mit einem Satz über zufällige Begegnungen in der Großstadt und romantische Liebe undsoweiter und man wartet schon ganz gespannt darauf, was jetzt kommen wird, und dann folgt daraus wieder keine Geschichte, sondern letztendlich passiert überhaupt nichts</em>, hält mir eine der Leserstimmen vor. </p>
<p>Eine zweite Stimme räuspert sich vernehmlich, fügt hinzu : <em>Tja, es gibt eben offenbar auch eine Literatur, die sich eher mit dem beschäftigt, was nicht passiert, als mit dem was geschieht. . .</em></p>
<p>Ich aber denke an Beckett und Pessoa, an Proust, Thomas Mann und bin schon im Begriff, eine Lanze zu brechen für eine Literatur, die tatsächlich auch das, jenes Nebeneinander von Ereignissen und Versäumten, von Geschehnissen und von Ungeschehen gebliebenem aufgreift, das in jeder Geschichte und in jedem Leben existiert, eine Literatur, die vom Warten erzählt und den hundert Möglichkeiten des Tages, von denen eine dann schließlich Wirklichkeit wird, und mitunter noch nicht einmal diese, als ich von einer dritten Stimme unterbrochen werde:</p>
<p><em>Wieso, die Geschichte von der Waschmaschine ohne Waschpulver, Wasser und Strom war doch ganz amüsant. . .</em></p>
<p>Eine weitere Stimme kommt hinzu: <em>Mir hat vor allen Dingen der letzte Abschnitt mit dem Mann, der im Waschsalon wohnt, gefallen. </em></p>
<p><em>Ja mir auch, bloß für meinen Geschmack hättest du gerade diesen Teil der Geschichte wiederum etwas ausführlicher erzählen können. . .</em></p>
<p><em>Also ich hätte mir das gesamte Kapitel eher ein wenig knapper und kürzer gewünscht</em>, widerspricht eine weitere Stimme, und vielleicht, denke ich, sollte ich den Text in einer späteren Fassung tatsächlich anders ordnen und schneiden und die einzelnen Passagen eher einzeln und verstreut in den Zusammenhang der Erzählung einfügen.</p>
<p>Später. . .</p>
<p>Im Moment aber suche ich den geeigneten Punkt, den Beginn, um die angefangene Geschichte mit Carolin und den Anderen aus der Gruppe wieder aufzugreifen und dort fortzufahren. . .</p>
<p>Eines aber möchte ich zuvor noch erzählen: Gestern erst war ich wieder zum Waschen im Waschsalon in der Warschauer Straße und wie immer wenn ich dort bin habe ich auch die Zettel an der Pinwand am Eingang gelesen. </p>
<p>Auf einem davon fand ich nachfolgenden Text:</p>
<p> <em> Ich suche einen Untermietraum incl. wenig Strom/ Wasser u. Küchen/ Badbenutzung<br />
  zum insgesamten Preis von 110 Euro/ Monat und möchte keine Vermieter der Sternzeichen Löwe,<br />
  Widder, Krebs, Wassermann, Schütze, Zwilling bzw. Skorpion als Sternzeichen haben.<br />
  Bitte keine SMS und Anrufer ohne Telefonnummer. . .</em></p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5e12a6876f2d4d39bdf15657d302bdaa" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 12</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-12/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2009 09:16:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bartleby]]></category>

		<category><![CDATA[Begegnungen]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Sekt]]></category>

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		<description><![CDATA[Niemals habe ich es erlebt, dass  jener stille Bewohner des Waschsalons irgendetwas gesagt  hätte, sich mit einem der anderen Besucher dort unterhielt. Und ich habe auch nie beobachtet, dass er irgendwann einmal einen der von ihm gedrehten Joints anderen angeboten und mit ihnen geteilt hätte.
So war es offenbar nicht der Wunsch unter Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Niemals habe ich es erlebt, dass  jener stille Bewohner des Waschsalons irgendetwas gesagt  hätte, sich mit einem der anderen Besucher dort unterhielt. Und ich habe auch nie beobachtet, dass er irgendwann einmal einen der von ihm gedrehten Joints anderen angeboten und mit ihnen geteilt hätte.</p>
<p>So war es offenbar nicht der Wunsch unter Menschen zu kommen gewesen, nicht die Suche nach Gesellschaft, die ihn ausgerechnet hierher zog. Oder doch?</p>
<p>Von dem Geld, das er Tag für Tag für sein Marihuana ausgab, aber hätte er, denke ich, sicher wohl ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in der Nähe vom Ostkreuz oder irgendwo sonst in der Nähe mieten können. </p>
<p>Doch so kann man, ich weiß es, nicht rechnen.</p>
<p>Gerne hätte ich mich mit ihm unterhalten, ihn das eine oder andere gefragt, wenn die Situation und der Augenblick das erlaubt hätten. </p>
<p>Jener ruhige und ganz eigene Ausdruck in seinem Blick, seiner Miene, jene freundliche und stille Distanz die von ihm, seiner gesamten Erscheinung ausgingen jedoch, hatten es mir unmöglich gemacht, meiner Neugier zu folgen.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob er nachts einen festen Schlafplatz besaß oder nicht und ob er seine Tage vielleicht deswegen nur im Waschsalon verbrachte, weil die eigene Wohnung zu kalt und aus irgendeinem Grund nicht beheizbar gewesen war, weil die Heizung oder aber der Strom dort abgestellt worden waren.</p>
<p>Wozu aber hätte er dann, wenn er irgendwo in der Stadt eine Wohnung besaß, stets jene große und schwere Tasche mit sich herum schleppen sollen, die, so glaube ich, alles enthielt, was er an Dingen besaß?</p>
<p>Alles das war mir seinerzeit durch den Kopf gegangen. Mit dem Ende der Winterzeit und dem Kommen der wärmeren Tage aber war auch der Mann plötzlich eines Tages aus dem Waschsalon verschwunden und er tauchte von da an auch späterhin nicht mehr dort auf.</p>
<p>Ich erinnere mich noch an unsere Begegnung, an das letzte Mal als ich ihn dort gesehen hatte. </p>
<p>Statt des obligatorischen Joints in der Hand hatte er damals eine Flasche mit Sekt vor sich stehen gehabt, keine jener ganz billigen Sorten mit Schraubverschluss, sondern einen Freixenet seco, die bei meiner Ankunft bereits geöffnet und knapp zur Hälfte geleert gewesen war.</p>
<p>Der Mann aber hatte den Sekt keineswegs aus der Flasche getrunken, sondern sich dafür eigens ein Glas in den Waschsalon mitgebracht. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/6c8259c59fa64c22980bf3eedd0ffae8" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 11</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-11/</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Sep 2009 13:01:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bartleby]]></category>

		<category><![CDATA[Friedrichshain]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

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		<description><![CDATA[Über den Winter hinweg hatte ein Mann dort im Waschsalon gewohnt, gemeinsam mit einem großen und schwerfälligen alten Hund, der sich bei ihm befand, und mit dem er sein Leben zu teilen schien.
Der Mann war, so vermute ich, noch nicht älter als dreißig gewesen, eher jünger als das, schlank und groß, mit zu Rasta-Zöpfen geflochtenem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Winter hinweg hatte ein Mann dort im Waschsalon gewohnt, gemeinsam mit einem großen und schwerfälligen alten Hund, der sich bei ihm befand, und mit dem er sein Leben zu teilen schien.</p>
<p>Der Mann war, so vermute ich, noch nicht älter als dreißig gewesen, eher jünger als das, schlank und groß, mit zu Rasta-Zöpfen geflochtenem langen blonden Haar und einem Blick, der im gleichen Maß freundlich und unbeirrbar auf den Menschen und Dingen ruhte und dabei zu erklären schien, dass es keiner weiteren Erklärung bedarf: weder für seine eigene Existenz, für sein eigenes Leben dort, noch das Leben und Dasein der anderen.</p>
<p>Was er anschließend unternahm, wenn der Waschsalon irgendwann abends zu machte, wo er nach dessen Schließung verblieb und die Nächte verbrachte, ist mir immer ein Rätsel geblieben.</p>
<p>Tagsüber aber hatte er jedes Mal wenn ich selber dort eintraf am Ende des Gangs gegenüber vom Eingang des Waschsalons gesessen zwischen Waschmaschinen und Trocknern, vor sich eine Tasche mit seinen Sache, neben ihm auf dem Boden der Hund.</p>
<p>Seine einzige Aktivität und Beschäftigung, die die Tage und Stunden füllte, schien darin zu bestehen, Gras zu rauchen und den eigenen Gedanken dabei nachzugehen.</p>
<p>Zumindest sah ich ihn in der ganzen Zeit nie etwas anderes tun. Hatte er gerade aufgeraucht, begann er, wenig später zumeist, einen neuen Joint zu drehen und anschließend zu rauchen.</p>
<p>Währenddessen hatte sein Hund unbewegt und in vollkommener Ruhe an seiner Seite gelegen, aus einem angeborenem Phlegma, einer ihm eigenen Langsamkeit und vielleicht schon beginnenden Altersschwäche heraus oder aber, wie ich eher vermutete, infolge jenes unentwegt von ihm mit inhalierten Rauchs.</p>
<p>So hatten seine großen Augen ruhig und ein klein wenig glasig und trübe vor sich hin geblickt, in den Raum, das Geschehen darin und kaum aufgesehen, wenn ein neuer Kunde die Tür öffnete und herein kam.</p>
<p>Jener unverkennbare Marihuana-Geruch hatte indes den gesamten hinteren Teil des Waschsalons mit sich angefüllt und in Nebel gehüllt, sodass ich zumeist eine der Maschinen im vorderen Teil des Raumes gewählt hatte, nahe dem Eingang.</p>
<p>Andere Besucherinnen und Besucher waren in dieser Hinsicht jedoch offenbar etwas weniger empfindlich gewesen als ich oder, anders herum, vielleicht möglicherweise auch etwas eher empfänglich dafür.</p>
<p>So hatte manch einer dort völlig gleichmütig inmitten jener dichten Schwaden, jenes durchdringenden und betäubenden schweren Aroms ausgeharrt und dabei auf seine Wäsche gewartet. . .</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cb332d14689c4d5d9b565873a0229543" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Waschsalon Teil 10</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-10/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-10/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 16:36:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Friedrichshain]]></category>

		<category><![CDATA[Ost-Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Rucksacktouristen]]></category>

		<category><![CDATA[Warschauer Strasse]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf der Suche nach einem neuen Waschsalon war ich eher zufällig im Vorbeifahren auf ein Waschcenter im benachbarten Friedrichshain gestoßen, im ehemaligen Ostteil also von Berlin. 
Das Waschcenter befand sich direkt an der Warschauer Straße und gehörte bereits zu jener neuen Generation von Waschsalons, wie man sie nunmehr nahezu überall antrifft. Der Automat, an dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Suche nach einem neuen Waschsalon war ich eher zufällig im Vorbeifahren auf ein Waschcenter im benachbarten Friedrichshain gestoßen, im ehemaligen Ostteil also von Berlin. </p>
<p>Das Waschcenter befand sich direkt an der Warschauer Straße und gehörte bereits zu jener neuen Generation von Waschsalons, wie man sie nunmehr nahezu überall antrifft. Der Automat, an dem die Maschinen bezahlt werden mussten, konnte Wechselgeld herausgeben und nahm außer Hartgeld auch Geldscheine an. </p>
<p>Die Maschinen konnten wahlweise mit oder aber auch ohne den gleichzeitigen Kauf von Waschpulver benutzt werden und die Wäsche kam am Ende des Waschvorgangs bereits soweit getrocknet aus der Maschine, dass man sie nicht mehr zuvor schleudern musste, bevor man sie in den Trockner tat.</p>
<p>Der Raum selbst aber war insgesamt keine fünfzig Quadratmeter groß gewesen. </p>
<p>Um Platz zu sparen, gab es in seinem Inneren keine Tische und Sitzbänke mehr und wer drinnen warten wollte, musste notgedrungen auf einer der Waschmaschinen Platz nehmen, sofern er nicht einen der beiden einzigen Stühle, die zu seiner Einrichtung gehörten, ergatterte. . .</p>
<p>Um vom Schlesischen Tor aus zum Waschsalon zu gelangen, brauchte ich nur die Oberbaum-Brücke zu überqueren, und ein kurzes Stück gerade aus mit der Straßenbahn zu fahren, sofern ich nicht das Rad nehmen oder aber die zwei Stationen bis dorthin zu Fuß laufen wollte.</p>
<p>Das Publikum dort in Friedrichshain wiederum war ein vollkommen anderes gewesen als zuvor in Neukölln und in Kreuzberg und bestand zu einem großen Teil aus ausländischen Rucksack-Touristen, die in einem der zahlreichen preiswerten Hostels rings um die Warschauer Straße und die East Side Gallery  untergekommen waren.</p>
<p>Diese waren jedoch unschwer an den mitgebrachten Gepäckstücken zu erkennen gewesen und zugleich an den ratlosen Mienen und Blicken, mit denen sie nach Betreten des Waschsalons die ausschließlich in Deutsch gehaltene Gebrauchsanweisung für die Waschmaschinen und die Nutzung des Geldautomaten betrachteten, manchmal noch eine Zeit lang zu deuten versuchten, bevor sie sich dann schließlich irgendwann suchend nach Hilfe umsahen. . .</p>
<p>Und so drehten sich auch die in unterschiedlichen Sprachen und Dialekten dort geführten Gespräche immer wieder um das eine Thema, die Entschlüsselung und Übersetzung jener rätselhaften Bedienungsanleitung. . . </p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/cf844b207fbb4b20b82e6568440ea4e4" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 9</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 12:57:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alltagsbegegnungen]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzkölln]]></category>

		<category><![CDATA[Landwehrkanal]]></category>

		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Weg zum Waschsalon führte mich also fortan einmal in der Woche bis nach Neukölln: ein Umstand, den auch Martin, dem ich davon erzählte, damals nur mit einem Kopfschütteln quittiert hatte.
„Hm. Gibt es da denn nicht noch eine andere Lösung? Ich meine, gibts nicht irgendwo noch was anderes hier in der Nähe?“
„Nein, soweit ich weiß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Weg zum Waschsalon führte mich also fortan einmal in der Woche bis nach Neukölln: ein Umstand, den auch Martin, dem ich davon erzählte, damals nur mit einem Kopfschütteln quittiert hatte.</p>
<p>„Hm. Gibt es da denn nicht noch eine andere Lösung? Ich meine, gibts nicht irgendwo noch was anderes hier in der Nähe?“<br />
„Nein, soweit ich weiß nicht“, hatte ich ihm geantwortet. “Erst am Mehringdamm wieder.“<br />
„Am Mehringdamm- das ist schlecht und auf Dauer kein Zustand. Vielleicht solltest du dir ja doch nochmal überlegen, dir vielleicht eine andere Wohnung zu nehmen und dir dann endlich auch einmal eine eigene Waschmaschine zuzulegen. Ich mein ja nur, so als Tipp. . .“</p>
<p>Der neue Waschsalon aber hatte sich in der Reuterstraße befunden, nicht weit vom Reuterplatz entfernt, in jener Gegend zwischen Sonnenallee und Landwehrkanal also, die von einigen heute auch als <em>Kreuzkölln</em> bezeichnet wird, und mit dem Fahrrad, das ich für diese Strecke benutzte, war ich kaum länger unterwegs gewesen, als zuvor in die Wiener Straße, wie ich zu meiner Überraschung feststellte.</p>
<p>Die Einrichtung dort war vergleichsweise neu und modern gewesen und man brauchte für die Benutzung der Waschmaschinen, Schleudern und Trockner auch keine Waschpoletten mehr zu kaufen. Gleich nebenan hatte es einen kleinen Laden und Kiosk gegeben, wo man gegebenenfalls auch Geld wechseln konnte, und schräg gegenüber davon einen Bäcker mit belegten Baguettes, knusprigen Croissants und frisch bereitetem Kaffee.</p>
<p>So hatte ich meinen wöchentlichen Weg schließlich als eine Art unvermeidbaren Preis zu betrachten begonnen, als Tribut an jene äußeren Umstände, um deren Koordinaten herum ich mein Leben geordnet und organisiert hatte und mit denen ich mich, meine eigene Existenz damals auf untrennbare Art und Weise verwoben sah. </p>
<p>Und zugleich hatte ich darin eine Art von Anknüpfung, von Reminiszenz an jene allererste Zeit in Berlin zu erkennen geglaubt, eine Zeit, in der ich damals ebenfalls ja eine Weile lang in Neukölln gewohnt hatte. . .</p>
<p>Doch auch dieser Waschsalon sollte nach einiger Zeit schließen, infolge einer Insolvenz seines Betreibers und zunächst nur vorüber gehend, wie ein Schild dort im Schaufenster verkündete. Ob, und falls ja aber, wann dort einmal wieder geöffnet sein würde, war damals unklar gewesen.</p>
<p>So musste ich meine Suche von Neuem beginnen.</p>
<p>Weder dort, in Neukölln, noch in einem der anderen Waschsalons aber hatte sich bislang eines jener schicksalhaften Zusammentreffen ereignet, deren Vorstellung zuweilen auch meine Phantasie bewegt hatte.</p>
<p>Inwieweit dieses Ausbleiben jedoch mit den jeweiligen Konstellationen zusammen hing, mit den konkreten Umständen, mit dem Fehlen geeigneter Situationen, Begegnungen und Momente, oder aber vielmehr in mir selbst, meiner unzureichenden Fähigkeit, solche Augenblicke zu erkennen seine Ursache hatte, wer weiß. . .</p>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/d392e02ac43a42b19fdf819f08dd2423" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 8</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 12:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

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		<description><![CDATA[Schneller als ich selbst es am Anfang geglaubt hatte, hatte ich mich an den neuen Ort zu gewöhnen begonnen, ohne damals zu ahnen, dass auch der Waschsalon in der Wiener Straße nach einiger Zeit geschlossen werden würde.
Über den tatsächlichen Hintergrund jener späteren Schließung kann ich dabei indes auch in diesem Fall nichts Gewisses sagen. 
Sicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schneller als ich selbst es am Anfang geglaubt hatte, hatte ich mich an den neuen Ort zu gewöhnen begonnen, ohne damals zu ahnen, dass auch der Waschsalon in der Wiener Straße nach einiger Zeit geschlossen werden würde.</p>
<p>Über den tatsächlichen Hintergrund jener späteren Schließung kann ich dabei indes auch in diesem Fall nichts Gewisses sagen. </p>
<p>Sicher scheint mir nur, dass die Gründe hierfür nicht alleine in einem Mangel an Kundschaft gelegen haben konnten, war der Waschsalon doch, wie gesagt, zumeist gut besucht gewesen.</p>
<p>Ob und inwieweit die Ursache aber in einem plötzlichen Anstieg der Ladenmiete bestanden hatte, einem Auslaufen des bestehenden Mietvertrages oder aber in Zusammenhang mit den Drogengeschäften, die eine Weile lang um den Waschsalon herum abgewickelt worden waren, ist mir unbekannt.</p>
<p>Ich denke jedoch, dass es wohl auch die wiederkehrenden Verwüstungen gewesen sein mögen, die den Betreiber des Waschsalons irgendwann schließlich zur Aufgabe bewegt hatten. </p>
<p>So waren in der letzten Zeit immer wieder die Glasscheiben der Trockner zerstört und die gläsernen Luken der Waschmaschinen abgerissen worden. . .</p>
<p>Also hatte ich eines Tages auch dort vor verschlossenen Türen gestanden.</p>
<p>Dies aber hatte mich in der Folgezeit nicht nur dazu gezwungen, auf dem Weg in den nächstgelegenen Waschsalon das Gebiet um den Wrangelkiez zu verlassen, sondern weit über den Görlitzer Park und die Wiener Straße hinaus nunmehr auch meinen eigenen Bezirk.</p>
<p>Denn jener neue Waschsalon, den ich von nun an aufsuchen musste, befand sich bereits hinter jener Grenze, die der Landwehrkanal beschrieb, um die eine Welt von der anderen zu trennen.</p>
<p>Und lag damit schon in einem Teil und Gebiet der Stadt, das ein Mensch, der in Kreuzberg wohnte, damals allenfalls eilig durchquerte, um auf kürzestem Wege von einem Teil Kreuzbergs zum anderen zu gelangen, das er sonst aber eigentlich nie ohne besonderen Grund und Anlass betrat, wenn nicht dringende, unvermeidbare Umstände ihn denn doch dazu zwangen, Neukölln. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/1b8f32d59f6e4f81bcba057bd839a540" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 7</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 12:24:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Alltagsritual]]></category>

		<category><![CDATA[Gewohnheiten]]></category>

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		<category><![CDATA[Rituale]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Rituale, weiß die vielwissende Wikipedia zu berichten, vereinfachen  die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Situationen. Dabei geht es jedoch keineswegs nur darum, unseren Handlungen einen tieferen Symbol- und Bedeutungsgehalt zu verleihen. 
Denn vielmehr noch als das versöhnen Rituale uns mit uns selbst, mit dem Leben, dem Gleichlauf und der Wiederkehr von Ereignissen, Handlungen, Dingen.
So entschärfen sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rituale, weiß die vielwissende Wikipedia zu berichten, vereinfachen <em> die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Situationen</em>. Dabei geht es jedoch keineswegs nur darum, unseren Handlungen einen tieferen Symbol- und Bedeutungsgehalt zu verleihen. </p>
<p>Denn vielmehr noch als das versöhnen Rituale uns mit uns selbst, mit dem Leben, dem Gleichlauf und der Wiederkehr von Ereignissen, Handlungen, Dingen.</p>
<p>So entschärfen sie in Gefühl und Bewusstsein nicht nur das, was sich unvermeidbarer Weise wiederholt, immer wieder getan werden muss, sondern tragen uns auf dem Grund des Bekannten und Vertrauten sanft durch unseren Alltag. . .</p>
<p>Direkt gegenüber vom Waschsalon befand sich praktischer Weise ein türkischer Mini-Markt, der auch am Wochenende geöffnet hatte, und in welchem man neben Lebensmitteln auch Tabak, Zigarettenpapier und Getränke bekam. </p>
<p>Und ein kleines Stück weiter nur gab es in der Wiener Straße eine Stehpizzeria, ähnlich der, mit der Gino damals sein Geschäft in der Wrangelstraße begonnen hatte, von dessen Aufstieg und Niedergang später noch zu erzählen sein wird.</p>
<p>Im Inneren des Waschsalons war das Schild eines Wachschutzunternehmens angebracht gewesen, offenbar mit dem Ziel, alle diejenigen abzuschrecken, die nicht wegen des Waschens hierher kamen. Doch ich selbst habe nie einen Mitarbeiter eines Wachschutzes dort gesehen. </p>
<p>Die Obdachlosen aus dem Wrangelkiez aber hatten nach der Schließung des alten Waschsalons in der Oppelner Straße den Weg über den Görlitzer Park hinweg bis hierher offenbar nicht gefunden.</p>
<p>Nur eine einzelne obdachlose Frau, deren Revier damals in der Wiener Straße lag, hatte von Zeit zu Zeit da gesessen oder auf einer Bank dort geschlafen, den Einkaufswagen mit ihren Habseligkeiten und Tüten stets in ihrer Nähe.</p>
<p>Die Frau mochte etwa um die fünfzig herum gewesen sein. Doch vielleicht war sie auch in Wirklichkeit um ein paar Jahre jünger gewesen und nur vorzeitig gealtert. Wenn sie schlief, ließ man ihr ihren Platz auf der Bank, waren alle dort sogar sichtlich bemüht gewesen, sie dabei nicht versehentlich zu wecken.</p>
<p>Denn war sie erstmal wach, begann sie manchmal völlig unvermittelt aus dem Nichts heraus ohne sichtbaren Anlass und Grund laut zu schreien und zu schimpfen, sodass man unwillkürlich erschrocken zusammen fuhr, wenn man neben ihr saß.</p>
<p>Ob diese Frau aber aus einer plötzlichen Angst oder Wut heraus zu schreien begann und ob sie sich dabei an ein unsichtbares aber in ihrer Wahrnehmung existierendes Gegenüber wandte, oder aber auch an die ganze Welt war dabei indes nie ganz klar gewesen. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/87d7f01a7c244f92a22797afe2a4499a" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 6</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Aug 2009 11:55:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[1.Mai Demo]]></category>

		<category><![CDATA[Barrikaden]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Polizei]]></category>

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		<description><![CDATA[Anders als mein früherer  Waschsalon war der Waschsalon in der Wiener Straße an den meisten Tagen gut besucht gewesen, sodass es nicht selten vorkam, dass ich mit meiner Wäsche dort warten musste, bis schließlich eine der Maschinen oder Schleudern dort frei wurde.
Türkischstämmige Frauen kamen mit ihren Kindern und mit großen voll gepackten Taschen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anders als mein früherer  Waschsalon war der Waschsalon in der Wiener Straße an den meisten Tagen gut besucht gewesen, sodass es nicht selten vorkam, dass ich mit meiner Wäsche dort warten musste, bis schließlich eine der Maschinen oder Schleudern dort frei wurde.</p>
<p>Türkischstämmige Frauen kamen mit ihren Kindern und mit großen voll gepackten Taschen und Körben voll Wäsche, Studenten lasen Zeitungen oder Bücher.</p>
<p>Ältere Damen glätteten ihre frisch gewaschenen Laken und Bezüge in der Wäschemangel, für deren Betrieb zuvor ebenfalls erst eine Polette gezogen werden musste, und legten ihre sauber gefalteten Wäschestücke sorgfältig aufeinander.</p>
<p>Punks saßen in Unterhosen und Stiefeln auf den Holzbänken während ihre Wäsche sich in der Waschmaschine vor ihnen drehte. . .</p>
<p>Ich erinnere mich im Nachhinein kaum mehr an einzelne Tage, an bestimmte Momente und Situationen dort. Ein Ereignis jedoch ist mir deutlich im Gedächtnis geblieben. </p>
<p>Es muss 89 gewesen sein oder möglicherweise auch ein Jahr später, im Verlauf jedenfalls einer jener zahlreichen kleinen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, die es damals häufig noch am Anschluss  an die <em>Revolutionäre 1. Mai Demonstration </em>in Kreuzberg in den nachfolgenden Tagen gegeben hatte.</p>
<p>Diese Nachbeben des 1. Mais hatten mitunter einen heftigen und stürmischen Verlauf genommen. Manchmal aber hatte es sich dabei auch nur um ein eher unbedeutendes Geplänkel gehandelt.</p>
<p>Von meinem Platz auf der Bank aus hatte ich durch das Fenster des Waschsalons einen einzelnen Mann auf der Straße beobachtet, der, offenbar mit dem Ziel Material für den Bau einer Barrikade zu gewinnen, dort versucht hatte, mit bloßen Händen einen auf dem Bürgersteig stehenden grauen Stromkasten aus seiner  Verankerung heraus zu reißen: Ein von vorne herein völlig hoffnungsloses Unterfangen.</p>
<p>Dies hatte irgendwann, wenn auch spät und mit einiger Verzögerung erst, auch jener Mann eingesehen, der sich nach ein Weile vergeblicher Anstrengung zu guter Letzt ratlos um geblickt hatte.</p>
<p>Kurz darauf war der Mann durch die Tür in den Waschsalon getreten, wo er sich, etwas atemlos noch, mit leuchtendem Blick und begeisterter Miene an das Publikum drinnen wandte: „Sagt mal, wollen wir nicht alle zusammen jetzt rausgehen und Widerstand leisten?“</p>
<p>Während die übrigen Anwesenden im Raum dazu schwiegen, hatte ich seinen Blick erwidert und ihm zugenickt, mit der Hand aber auf meine laufende Waschmaschine gedeutet und dazu mit den Achseln gezuckt und erklärt, meine Wäsche sei noch nicht fertig. </p>
<p>Dieser Einwand indes hatte ihm, wie es schien, sogleich eingeleuchtet. </p>
<p>So war er ebenso unversehens und schnell schon im nächsten Moment wieder nach draußen geeilt.</p>
<p>Wenig später aber hatte ich gesehen, wie er statt des Stromkastens nunmehr einen anderen Gegenstand entdeckt hatte, um den Bau jener Barrikade zu beginnen:  einen Pappkarton, den er  in seinen Armen trug und den er auf der Mitte der Straße platzierte, als Barriere und Wall gegen die unter Blaulicht und Sirenen nahende in Mercedes-Transportern heran rollende Polizeimacht. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d82dabe2efdf45fc8c8bb930835a01f7" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 5</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/08/waschsalon-teil-5/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 13:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg 36]]></category>

		<category><![CDATA[Poletten]]></category>

		<category><![CDATA[Waschpoletten]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalons]]></category>

		<category><![CDATA[Wiener Straße]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Waschsalon in der Wiener Straße gehörte, so wie der zuvor in der Oppelner Straße auch, noch zu einem Typ, einer Generation von Waschsalons, wie man sie heutzutage schon längst nicht mehr antrifft.
Um dort waschen und eine der Maschinen starten zu können, musste man zunächst eine sogenannte Waschpolette kaufen, eine Art Münze, die man vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Waschsalon in der Wiener Straße gehörte, so wie der zuvor in der Oppelner Straße auch, noch zu einem Typ, einer Generation von Waschsalons, wie man sie heutzutage schon längst nicht mehr antrifft.</p>
<p>Um dort waschen und eine der Maschinen starten zu können, musste man zunächst eine sogenannte Waschpolette kaufen, eine Art Münze, die man vor dem Waschen in einen Münzschlitz an der Maschine einwerfen musste.  </p>
<p>Diese Waschpoletten mussten wiederum an einem Automaten gezogen werden, der weder Geldscheine annehmen, noch Wechselgeld herausgeben konnte. </p>
<p>So drehte sich stets ein nicht unerheblicher Teil der Gespräche und Aktivitäten der dort anwesenden Personen um die Suche und das gegenseitige Tauschen und Wechseln von passendem Kleingeld. </p>
<p>Den Poletten selbst aber kam somit, ähnlich wie den italienischen Telefonmünzen, den Gettoni, quasi die Funktion einer Art Zweitwährung zu. Und mitunter kam es vor, dass man sie weit entfernt von ihrem eigentlichen Bestimmungsort, etwa an einem Kiosk, auch als Wechselgeld in die Hand bekam. </p>
<p>Auch sollen findige Menschen sie von Zeit zu Zeit kopiert und durch passende Rohlinge ersetzt haben, so sagt man. . .</p>
<p>Der Erfolg und das jeweilige Resultat des Waschganges war auch hier ebenso  unvorhersehbar gewesen wie zuvor in der Oppelner Straße. Stets aber war die Wäsche am Ende des Waschens noch so nass gewesen, dass man nicht umhin kam, sie in einer der tonnenförmigen Schleudern im Anschluss daran noch zu schleudern. </p>
<p>Dafür musste zunächst eine weitere, dieses Mal jedoch eine andere Art von Polette am Automaten gezogen werden. Die nasse Wäsche wiederum konnte nicht einfach so in die Schleuder getan und geschleudert werden, sondern musste zuvor erst noch sorgsam darin verteilt werden.</p>
<p>Waren aber leichte und schwerere Wäschestücke innerhalb der Trommel nicht in einem ausgewogenen und genau berechnetem Verhältnis verteilt, kam es vor, dass die Schleuder sich gar nicht erst in Betrieb zu setzen begann.</p>
<p>Tat sie es aber doch, geschah dies unter einem zuweilen nahezu infernalischen Lärm, einem Ruckeln und Schütteln, Brummen und Vibrieren, dass nicht alleine die eigenen Nerven strapazierte, sondern einem zugleich auch die vorwurfsvollen und missbilligenden<br />
Blicke aller übrigen Anwesenden einbrachte. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/8c4c9d97977744c1b942df830f76b0d5" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/08/waschsalon-teil-4/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 06:09:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Waschmaschine]]></category>

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		<description><![CDATA[„Das Prinzip ist ganz einfach“, hatte Steffen erklärt und mich in den hinteren Teil seines Zimmers geführt. Dort hatte an einer Wand ein Karton auf dem Boden gestanden, in dem sich, wie ich sah, bereits ein paar gebrauchte Wäschestücke  befanden. 
„Also gut, pass auf. Du nimmst dir einen Pappkarton, so wie diesen hier, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Das Prinzip ist ganz einfach“, hatte Steffen erklärt und mich in den hinteren Teil seines Zimmers geführt. Dort hatte an einer Wand ein Karton auf dem Boden gestanden, in dem sich, wie ich sah, bereits ein paar gebrauchte Wäschestücke  befanden. </p>
<p>„Also gut, pass auf. Du nimmst dir einen Pappkarton, so wie diesen hier, und tust deine gebrauchten Sachen nachdem du sie gewechselt hast immer anschließend dort hinein. Danach wartest du solange ab, bis der Karton schließlich irgendwann bis oben voll ist.“<br />
„ Schön. Und dann?“<br />
„Wenn er schließlich ganz voll ist, und nichts mehr oben hinein passt, fasst du mit deinen Händen hinein und fängst an die gesamte Wäsche darin ein paar Mal um zudrehen und von unten nach oben zu wenden“, hatte Steffen geantwortet und zugleich dabei mit seinen Armen und  Händen, das zuvor von ihm beschriebene Verfahren demonstriert.<br />
 „Also, ungefähr so.“<br />
„Ich verstehe. Und dann?“<br />
„Danach nimmst du die Wäsche wieder heraus. Fertig!“</p>
<p><em>Die Erinnerung an &#8220;Steffens Waschmaschine&#8221; lässt mich nun, wo ich darüber schreibe, zugleich unweigerlich auch andere Geschichten zurück denken, die er damals bei unterschiedlichen Gelegenheiten erzählt hatte, stets im gleichen und ganz nüchtern berichtenden Ton und mit vollkommen ernster Miene, wie etwa die ebenso legendäre Geschichte vom toten Hund. . .</p>
<p>Und sie führt mich zurück in weit zurück liegende Abende und Nächte, zu vergangenen Partys und Festen, auf denen wir, Steffen und ich,  manchmal einfach so , ohne dass wir uns dabei abgesprochen oder irgendeine bestimmte Absicht damit verfolgt hatten, völlig frei erfundene Geschichten zu erzählen begonnen hatten, über uns, unser Leben, über Dinge die angeblich passiert waren, die wir beide beruflich taten . . .</p>
<p>Doch geschah dies im Allgemeinen nur dann, wenn die Abende sonst eher schleppend verlaufen und die anwesenden Gäste dort, sagen wir, etwas spröde gewesen waren, wenn ich mich recht entsinne, sodass Rausch und Fiktion dort die einzigen Fluchtwege bildeten&#8230;</p>
<p>Ich erinnere mich noch an gelegentliche Proteste, die mich mitunter später erreichten: „Sag mal, Steffen war ja neulich Abend mal wieder vollkommen besoffen und hat die ganze Zeit über wieder nichts als Unsinn erzählt. Und du übrigens auch. . .“</p>
<p>Wenn jedoch nichts dergleichen geschehen war, wenn also Steffen keine seiner eigenwilligen kleinen und lakonischen aber mitunter auch einfach wunderbaren Geschichten erzählt hatte oder mitten in der Nacht eine leidenschaftliche Debatte über Literatur und Poesie, Malerei, Politik oder Boxkämpfe zu entfachen begann, waren sämtliche Anwesenden gleichermaßen enttäuscht.</p>
<p>Dann hieß es mit einem Mal umgekehrt: „Sag mal, mit Steffen ist ja heute Abend überhaupt nichts los. Und du? Was ist mit dir? Du bist heute so schweigsam. . .“</em></p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/78221c3dcce64db9a205774de367a9d0" width="1" height="1"></p>
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		<item>
		<title>Waschsalon Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/08/waschsalon-teil-3/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 11:53:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Energiesparende Waschmaschine]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Madonna]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

		<category><![CDATA[Wiener Straße]]></category>

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		<description><![CDATA[In meiner kleinen und nur aus einem einzigen Raum bestehenden Wohnung hatte es damals nirgendwo einen möglichen Platz gegeben, um dort zusätzlich noch eine Waschmaschine unterzubringen.
So war mir schließlich nichts anderes übrig geblieben, als meine Wäsche von nun an entweder bei Freunden und Bekannten zu waschen, oder auf einen anderen Waschsalon auszuweichen.
Beide Möglichkeiten aber waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In meiner kleinen und nur aus einem einzigen Raum bestehenden Wohnung hatte es damals nirgendwo einen möglichen Platz gegeben, um dort zusätzlich noch eine Waschmaschine unterzubringen.</p>
<p>So war mir schließlich nichts anderes übrig geblieben, als meine Wäsche von nun an entweder bei Freunden und Bekannten zu waschen, oder auf einen anderen Waschsalon auszuweichen.</p>
<p>Beide Möglichkeiten aber waren mit einem größeren Aufwand und Weg verbunden gewesen, als zuvor, führten mich gleichermaßen weit fort aus dem mir gewohnten und vertrauten Terrain. . .</p>
<p>Ein Besuch bei Freunden musste zudem im Vorfeld verabredet, ein Termin dafür ausgemacht werden und so weiter.</p>
<p>Hinzu kam, dass die meisten gewöhnlichen Waschmaschinen über weniger Fassungsvermögen verfügten, als die großen Maschinen im Waschsalon, an die ich gewohnt war, was mich wiederum dazu zwang, öfter waschen zu gehen, oder immer gleich zwei Maschinen nacheinander zu waschen, was mehr Zeit kostete. </p>
<p>Und mitunter hatte ich dabei auch einen unausgesprochenen Vorwurf wahrzunehmen geglaubt, den Verdacht, dass ich eigentlich nur noch zum Waschen und Essen vorbeikommen und mich ansonsten überhaupt nicht mehr sehen lassen würde. . .</p>
<p>So wusch ich meine Wäsche dort meistens nur, wenn Freunde und Bekannte verreist waren und mir die Schlüssel zu ihren Wohnungen hinterlassen hatten, damit ich in der Zwischenzeit nach der Post und den Blumen sehen konnte.</p>
<p>In der übrigen Zeit aber war ich nunmehr mit meiner Tasche voll Wäsche bis zum nächst gelegenen Waschsalon gelaufen, der sich auf der anderen Seite des Görlitzer Parks, in der Wiener Straße befunden hatte, nur ein kurzes Stück vom <em>Madonna</em> entfernt. </p>
<p>Steffen, der ja selbst einmal eine Zeit über ganz in der Nähe gewohnt, und dem ich von der Schließung des ehemaligen Waschsalons in der Oppelner Straße erzählt hatte, hatte dazu indes nur mit den Achseln gezuckt und mir anschließend von seiner neuesten Erfindung erzählt: Einer Waschmaschine, die, wie er sagte, nicht allein ohne Strom funktioniere, sondern auch ohne Wasser und Waschpulver. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fdf93ff2b2d440218eaa272834024bba" width="1" height="1"></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Waschsalon Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 11:05:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Görlitzer Park]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Oppelner Straße]]></category>

		<category><![CDATA[SO 36]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelstraße]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher, also in jener  weit zurück liegenden  Zeit, von der ich bereits am Beginn der Geschichte zu erzählen begonnen hatte, um dann zu anderen Dingen zu kommen. . .  
Früher gab es noch einen eigenen Waschsalon hier im Kiez, in der Oppelner Straße, einer  Seitenstraße, die vom U-Bahnhof Schlesisches Tor auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Früher, also in jener  weit zurück liegenden  Zeit, von der ich bereits am Beginn der Geschichte zu erzählen begonnen hatte, um dann zu anderen Dingen zu kommen. . .  </p>
<p>Früher gab es noch einen eigenen Waschsalon hier im Kiez, in der Oppelner Straße, einer  Seitenstraße, die vom U-Bahnhof Schlesisches Tor auf die Wrangelstraße führt, diese kreuzt, auf die Görlitzer Straße zu läuft und an dieser dann endet.</p>
<p>Heute befindet sich an der gleichen Stelle, an der sich der Waschsalon damals befand, die <em>Getränkeoase</em>, ein Getränkemarkt, in dem sich neben Anwohnern aus der Nachbarschaft jetzt zur Sommerzeit die vorbeikommenden Scharen von Menschen auf dem Weg in den Görlitzer Park mit Getränken versorgen, sofern sie dies nicht bereits zuvor bei Shisha getan haben.</p>
<p>Seinerzeit aber brauchte ich nur das kurze Stück von zu Hause bis dorthin zu laufen, trug ich allwöchentlich meine Wäsche dorthin: immer ungewiss, in welchem Zustand und wie sauber, wie trocken oder nass, eingelaufen, verfärbt oder unversehrt sie am Ende des Waschganges wieder daraus hervorgehen würde.</p>
<p>Oftmals war ich mit einem Fehlbestand an Wäsche von dort zurückgekehrt, einem einzelnen Strumpf, dessen Gegenstück gegen alle Vernunft und Naturgesetze irgendwo auf dem Weg zwischen Waschen, Schleudern und Trocknen auf rätselhafte Weise verloren gegangen war. </p>
<p>Manchmal aber auch hatte sich genau umgekehrt auf genauso verwirrende Art und Weise ein fremdes Wäschestück zwischen meine Sachen verirrt, was zumindest in einem Falle später einmal zu einem Missverständnis geführt hatte . . .</p>
<p>Doch das rätselhafte Verschwinden mancher Wäschestücke und der immer ein wenig ungewisse Erfolg des Waschvorgangs selbst waren seinerzeit kaum der Grund  gewesen für die spätere Schließung des Waschsalons.</p>
<p>Deren Ursache dürfte vielmehr in der Tatsache gelegen haben, dass im Laufe der Jahre und der langsam voranschreitenden Modernisierung der Häuser nicht alleine die  Wohnungen im Wrangelkiez nach und nach mit Zentralheizungen, Badewannen und Duschen ausgestattet worden waren, sondern sich zugleich immer mehr Menschen, die dort lebten, eine eigene Waschmaschine angeschafft hatten.</p>
<p>Mit dem zunehmenden Ausbleiben von Kunden aber war der Waschsalon insbesondere in den Wintermonaten in steigendem Maße zu einer Zuflucht der Obdachlosen geworden, die von ihrer Unterkunft in der Schlesischen Straße aus tagsüber hierher wanderten oder aber auf die Öffnung der Suppenküche im nahe gelegenen <em>Stift</em> warteten und sich dort in der Zwischenzeit vor der Kälte schützten.</p>
<p>Dann kam es mitunter vor, dass es in seinem Inneren so voll gewesen war, dass es unmöglich gewesen war, einen freien Platz auf einer der Holzbänke zu finden zwischen all jenen wartenden, sitzenden oder liegenden Menschen, die mich neugierig und verwundert betrachteten, wenn ich selbst dort herein kam und eine der verwaisten Waschmaschinen mit Wäsche zu füllen begann. . . </p>
<p>Dieses ungewohnte Szenario aber wird dem einen oder anderen noch verbliebenen potentiellen Besucher Grund und Anlass gewesen sein, seine Wäsche künftig an einem anderem Orte zu waschen.</p>
<p>So mag die irgendwann unvermeidbar gewesene Schließung des Waschsalons am Ende beides zugleich gewesen sein: eine Folge des zunehmenden Wohlstandes und des sozialen Aufstiegs der Einen und des sozialen Abstiegs der Anderen. . .</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c9a14ccb492e46e0b84d11499c283408" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 17:28:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Romantische Liebe]]></category>

		<category><![CDATA[Schicksal]]></category>

		<category><![CDATA[Urbaner Mythos]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalons]]></category>

		<category><![CDATA[Zufall]]></category>

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		<description><![CDATA[Waschsalons oder Bushaltestellen, Warteschlangen in Supermärkten, Straßenbahnen oder U-Bahnwaggons, in denen Menschen sich gegenüber sitzen, gehören zu den möglichen Orten zufälliger Begegnungen im Alltag großer Städte. Und als solche zugleich in unsere kollektive Phantasie von romantischer Liebe.
Denn erstaunlicher Weise sind wir eher bereit, in der zufälligen Begegnung zweier Menschen etwas Schicksalhaftes zu erkennen, als in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Waschsalons oder Bushaltestellen, Warteschlangen in Supermärkten, Straßenbahnen oder U-Bahnwaggons, in denen Menschen sich gegenüber sitzen, gehören zu den möglichen Orten zufälliger Begegnungen im Alltag großer Städte. Und als solche zugleich in unsere kollektive Phantasie von romantischer Liebe.</p>
<p>Denn erstaunlicher Weise sind wir eher bereit, in der zufälligen Begegnung zweier Menschen etwas Schicksalhaftes zu erkennen, als in der vielleicht zu erwarten gewesenen. Und im gleichen Maß erscheint uns das Voraussehbare und das Naheliegende als etwas Zufälliges.</p>
<p>So mag uns die Begegnung mit einem fremden Menschen während einer Bahnfahrt, aus der späterhin eine Freundschaft oder Liebesgeschichte entsteht, als etwas quasi Vorbestimmtes und unvermeidbar gewesenes erscheinen, so als wäre unser ganzes bisheriges Leben nur auf diesen einen Moment zugelaufen.</p>
<p>Zugleich jedoch erscheint uns das Kennenlernen eines Freundes oder einer Freundin eines uns bekannten Menschen, aus dem vielleicht ebenfalls eine Liebesbeziehung erwachsen mag, nur auf Zufall zu beruhen und allein durch diesen Freund oder Bekannten von uns vermittelt und entstanden zu sein. . .</p>
<p>Waschsalons sind  Teil der Legendenbildung und des urbanen Mythos, auch wenn die wirklichen Begegnungen dort zumeist flüchtig sind und die Kürze des Aufenthalts dort  nur in ganz seltenen Fällen überdauern.</p>
<p>Der Waschsalon ist jedoch nicht allein Ort unser Alltagsphantasien und Sehnsüchte sondern zugleich auch realer Handlungen, Situationen und des zwischenmenschlichen Geschehens in seinen vielfältigen Formen und Facetten.</p>
<p>Ort der Hilfsbereitschaft:<em> Kann ich helfen? Nein der Automat nimmt zur Zeit keine Geldscheine an, sehen Sie, wenn das rote Licht brennt, heißt das . . .</em><br />
Ort der Anteilnahme: <em>Geht die Maschine nicht? Ist mir neulich auch schon passiert. . .</em><br />
Ort kleiner Egoismen: <em>So, ich schnapp mir den Korb, bevor der sich den einfach nimmt. . .</em></p>
<p>Und auch Ort, an dem Anonymität und Intimität sich auf unvergleichbare Art und Weise miteinander vermischen, Öffentliches und Privates. Denn wo sonst sehe ich, welche Handtücher, welche Bettbezüge meine Mitmenschen zu Hause benutzen, welche  Wäsche  sie unter ihrer Kleidung tragen?</p>
<p>Er ist Schauplatz und Bühne, Raum des Öffentlichen, in dem manches zu Tage tritt, sichtbar wird, was im sonstigen Leben verborgen bleibt und für uns nur erahnbar:  Sorgfalt, Ungeschick, Planhaftigkeit und Zerstreutheit,  Pedanterie oder Nachlässigkeit, kleine Angewohnheiten, Rituale und Ticks. . .<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/b542e6caf30349a6894b0225ccd2b543" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Von Geschichten und Geschichte Teil 2</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 16:59:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Achtziger Jahre]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Geschichte weist bestimmten Geschehnissen eine Bedeutung zu. Andere bleiben ungenannt. 
In den Medien, die gewissermaßen eine Vorstufe der Geschichte bilden, einen ersten Filter, den der Strom der Ereignisse und der Informationen auf dem Wege dorthin zu durchlaufen hat, kommen bei der Entscheidung, was am Ende zur Nachricht wird, nicht zuletzt ökonomische Aspekte zum tragen.
Schließlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Geschichte weist bestimmten Geschehnissen eine Bedeutung zu. Andere bleiben ungenannt. </p>
<p>In den Medien, die gewissermaßen eine Vorstufe der Geschichte bilden, einen ersten Filter, den der Strom der Ereignisse und der Informationen auf dem Wege dorthin zu durchlaufen hat, kommen bei der Entscheidung, was am Ende zur Nachricht wird, nicht zuletzt ökonomische Aspekte zum tragen.</p>
<p>Schließlich geht es hier nicht alleine um  Einflussnahme, um politische Ziele und Zwecke, sondern gleichzetiig auch um Auflagen und Quoten, die erreicht werden müssen.</p>
<p>So bestimmen die Gesetzmäßigkeiten und Regeln des Marktes nicht nur bis zu einem gewissen Grade das jeweilige politische Geschehen selbst, sondern auch dessen spätere  Darstellung und Deutung. </p>
<p>Die Geschichte der politischen und sozialen Bewegungen am Beginn der achtziger Jahre ist eine weitgehend unbekannt gebliebene. </p>
<p>Sie hat keine Anführer oder Wortführer hervorgebracht, keinen Kult um bestimmte Personen, keine Vordenker und Prominenten, keinen zweiten Rudi Dutschke oder Daniel Cohn-Bendit.</p>
<p>So ist ihre Geschichte, ganz egal, ob es darin um Hausbesetzungen ging oder um Lateinamerika, um Nicaragua oder El Salvador, um Abrüstung oder Atomkraft, auch im Nachhinein das geblieben, als was sie begann: kollektiv und anonym. </p>
<p>Wenn ich aber mit Blick auf die Achtziger Jahre von einer Bewegung der Namenlosen sprechen möchte, so  waren doch dann und wann Menschen aus jener Anonymität heraus gerissen worden und ins Licht der Öffentlichkeit geraten.</p>
<p>Etwa diejenigen, die in in jenen Jahren in der Folge von Polizeieinsätzen ums Leben gekommen waren wie Klaus-Jürgen Rattay 1981 in Berlin.</p>
<p>Andere wiederum waren für politisch motivierte Taten vor Gericht gestellt worden und so waren ihre Prozessgeschichten und Fälle mitunter bekannt geworden und auch durch die Medien gegangen.</p>
<p>Die verschiedenen politischen Strömungen, Gruppen und Fraktionen innerhalb jener Bewegungen aber waren nach außen hin je nach eigener Zielsetzung und Struktur namenlos aufgetreten oder aber auch nicht.</p>
<p>Davon mehr und genaueres zu erzählen wäre eher die Aufgabe einer eigenen Geschichte der sozialen Bewegungen jener Zeit, ihrer damaligen Theorien und Praxis.</p>
<p>Doch ich werde im Folgenden nicht umhin können, hier und dort im Verlauf des Romans darauf einzugehen und zurück zu kommen, auch wenn es darin nur um die Geschichte einer kleinen Gruppe von Menschen gehen soll. </p>
<p>Und um eine Straße am äußeren Ende von Kreuzberg. . .<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/736e61f6ba1249b99dcab84821113484" width="1" height="1"></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/07/von-geschichten-und-geschichte/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 14:34:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Historische Identität]]></category>

		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum werden manche Ereignisse zu Geschichte und andere nicht? Und warum gehen manche Menschen späterhin darin ein, während andere in Vergessenheit geraten? 
Hängst dies tatsächlich nur von der Tragweite des Geschehenen ab? Von der jeweiligen Bedeutung der beteiligt gewesenen Akteure? 
 Und falls ja, was verleiht den Ereignissen und den in sie verwickelten Personen letztendlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum werden manche Ereignisse zu Geschichte und andere nicht? Und warum gehen manche Menschen späterhin darin ein, während andere in Vergessenheit geraten? </p>
<p>Hängst dies tatsächlich nur von der Tragweite des Geschehenen ab? Von der jeweiligen Bedeutung der beteiligt gewesenen Akteure? </p>
<p> Und falls ja, was verleiht den Ereignissen und den in sie verwickelten Personen letztendlich Bedeutung? Wer entscheidet darüber? Welche Merkmale? Und warum?</p>
<p>„Die Geschichte der Massen ist doch niemals erzählt worden, zu keiner Zeit“, hatte mir unlängst ein Freund während eines Gespräches gesagt, und dazu nur die Achseln gezuckt, und ich hatte bei diesem Satz unwillkürlich an Bertolt Brecht denken müsssen und seine <em>Fragen eines lesenden Arbeiters</em>. </p>
<p>Ich selbst aber möchte im Folgenden lieber von einer Geschichte der Namenlosen sprechen oder besser vielleicht noch: von einer Geschichte der namenlos gebliebenen. </p>
<p>Denn es sind ja nicht immer nur Massen gewesen, sondern oftmals nur Minderheiten, kleine Gruppen von Menschen und mitunter nur einzelne Personen, von denen später noch in diesem Zusammenhang hier zu erzählen sein wird.  </p>
<p>Doch vielleicht sollte ich zunächst an einem anderen Punkt ansetzen, bei der Sprache, dem Wort selbst in seiner Doppelbedeutung. </p>
<p>Denn Geschichte wird ja beides genannt: die Historie aber ebenso auch die Erzählung. </p>
<p>Sie ist Deutung, Überlieferung, Chronik und Bericht des Vergangenen, oder Vision des Kommenden, Aufgeschriebenes,  oder auch nur Gehörtes und Gesagtes, auf tatsächlich Geschehenem beruhend oder aber auf Fiktion. </p>
<p>So kann es vorkommen, dass sich Dinge ereignen, ohne dass sie dabei zur Geschichte werden, weil sie niemand erzählt. </p>
<p>Und dass Dinge Geschichte werden, die sich gar nicht ereignet haben.</p>
<p>Leichter ist es dabei für den Autor und Erzähler die Geschichte, ganz gleich welche er zu erzählen gedenkt, an einzelnen Personen und Schicksalen festzumachen und dann einfach nur deren Spuren zu folgen.</p>
<p>Denn die Wirklichkeit lässt sich nicht eins zu eins wiedergeben und abbilden, sondern stets nur in Ausschnitten: großen Überblicken oder winzigen Teilen.</p>
<p>Ohne einen Erzähler aber gibt es keine Geschichte. Und ohne eigene Geschichte, keine eigene Identität. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/5f14c37c0aa14094b8594b49a32c45ec" width="1" height="1"></p>
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		</item>
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		<title>Stimmen</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 15:09:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Blogroman]]></category>

		<category><![CDATA[Interaktive Literatur]]></category>

		<category><![CDATA[Interaktiver Roman]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind das hier alles eigentlich wirklich Sachen, die die Leute dir so persönlich gesagt haben oder per Email geschrieben, oder denkst du dir das in Wahrheit nur aus?, fragt mich eine der Leserstimmen. Ja, das wollte ich eigentlich auch schon mal fragen, höre ich eine zweite Stimme sagen.
Eine dritte Stimme kommt hinzu: Wenn ich jetzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sind das hier alles eigentlich wirklich Sachen, die die Leute dir so persönlich gesagt haben oder per Email geschrieben, oder denkst du dir das in Wahrheit nur aus?</em>, fragt mich eine der Leserstimmen. <em>Ja, das wollte ich eigentlich auch schon mal fragen</em>, höre ich eine zweite Stimme sagen.</p>
<p>Eine dritte Stimme kommt hinzu: <em>Wenn ich jetzt völlig falsch liegen sollte damit, korrigiert mich bitte. Aber wenn ich euch beide jetzt tatsächlich richtig verstanden habe, diskutiert ihr im Augenblick gerade darüber, ob es euch eigentlich wirklich gibt oder nicht. </em><em>Ob es uns eigentlich gibt</em>, korrigiert ihn die erste Stimme. <em>Ganz genau</em>, stimmt die zweite ihr zu.</p>
<p><em>Vielleicht gibt es ja gar keinen Autor</em>, lässt sich gleich darauf eine vierte Stimme bedeutungsvoll vernehmen, <em>vielleicht schreibt sich der Text ja von selbst. . . </em></p>
<p><em>Unsinn!</em> höre ich eine weitere Stimme sagen. <em>Postmodernes Geschwätz</em>, ergänzt eine andere: <em>Außerdem sind Erzähler und Autor bekanntlich nicht immer identisch. </em></p>
<p>Eine Pause entsteht.</p>
<p><em>Ist doch völlig ega</em>l, meldet sich eine neue Stimme zu Wort, und als niemand darauf etwas antwortet, fährt sie fort: <em>Das einzige, was mich persönlich interessiert, ist, wie die ganze Geschichte jetzt weitergeht.</em></p>
<p>Eine neuerliche Pause entsteht.</p>
<p><em>Was mir sehr gut gefallen hat, war die Geschichte in der Bar, ich meine die mit dem Mann, der geflohen ist und dem anderen Mann und der Frau, die ihm gefolgt sind</em>, sagt schließlich eine Stimme, die bislang geschwiegen hat.</p>
<p><em>Zunächst hab ich ja wirklich gedacht, dass das Ganze jetzt ganz anders weiter geht, und dass jetzt vielleicht irgendetwas mit RAF oder Bewegung 2.Juni kommt irgendetwas mit Terrorismus oder so. Von deiner späteren Auflösung war ich dann wirklich vollkommen überrascht. . .</em></p>
<p><em>Na ja</em>, widerspricht eine andere Stimme mit zweifelndem Unterton,<em> kann man so oder so sehen. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich diese ganzen Kapitel zuletzt nur noch überflogen. . .</em></p>
<p>Ich selbst aber denke noch über das gerade zuvor Gehörte nach. Nein, der Text hat sich, glaube ich, nicht selbst geschrieben und: Gewiss, Autor und Erzähler sind tatsächlich zweierlei und nicht immer identisch. . .</p>
<p>Womit aber nun fortfahren? Über den Zusammenhang von Geschichten und Geschichte, von Erzähltem und vom Nichterzählten hatte ich eigentlich erst an viel späterer Stelle nachdenken und auch ein wenig schreiben wollen.</p>
<p>Doch warum, denke ich, warum nicht vielleicht jetzt bereits, gleich?<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bf88d02a52864a7ebf5bbc76b72a031f" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Elektronische Post Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/07/elektronische-post-teil-3/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 14:56:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Das Große Glück]]></category>

		<category><![CDATA[Elektronische Post]]></category>

		<category><![CDATA[Email]]></category>

		<category><![CDATA[Lottoglück]]></category>

		<category><![CDATA[Lottomillion]]></category>

		<category><![CDATA[Spam]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der nächsten Mail aber kommt schließlich das Große Glück auch zu mir: Sie haben eine Million Euro gewonnen, so die freudige Mitteilung, die ich erhalte:  Wir sind glücklich Ihnen sagen zu können das Ihre E-Mail Adresse gezogen worden ist und Sie der Gewinner von €1.000.000.00 Euros(Eine Millionen Euro) sind.  
Um Ihren Gewinn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der nächsten Mail aber kommt schließlich das Große Glück auch zu mir: <em>Sie haben eine Million Euro gewonnen</em>, so die freudige Mitteilung, die ich erhalte: <em> Wir sind glücklich Ihnen sagen zu können das Ihre E-Mail Adresse gezogen worden ist und Sie der Gewinner von €1.000.000.00 Euros(Eine Millionen Euro) sind.  </p>
<p>Um Ihren Gewinn in Anspruch nehmen zu können, kontaktieren Sie bitte die Zahlungsabteilung per E-Mail oder per Telefon. Beachten Sie bitte das Promotions Datum, die Referenz und Losnummer. . . . Denken Sie bitte daran, bei allen Korrespondenzen mit Ihrem Bearbeiter anzugeben, Ihren Namen, Ihre Telefon Nummer, Handy-Nummer, Ihr Alter, Geschlecht, Ihren Beruf. . .</em></p>
<p>Es gibt unterschiedliche Spamfilter, die das Eindringen solcher Nachrichten in die Mailboxen oder Kommentare von Weblogs eindämmen sollen, Firmen, die sich damit beschäftigen, Software zur Erkennung und Abwehr unerwünschter Emails zu entwickeln und Firmen, die sich umgekehrt ganz auf deren Versand spezialisiert haben und die zahllosen Seiten des Internets unablässig nach Mailadressen auslesen lassen.</p>
<p>Es gibt Informationsportale und Foren im Netz, in denen sich von Spam geplagte Menschen Rat und Unterstützung holen können. </p>
<p>Und es gibt eigene Seiten im Netz, die den Spam liebevoll archivieren und thematisch geordnet dem Publikum zugänglich machen: digitale Museen dieser wundersamen oft mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen erstellten und mit Google translate oder Babel Fish  erschaffenen Wortgefüge. </p>
<p>Auch ich habe mir einen eigenen Ordner angelegt, in dem ich all diese bei mir anlangenden Emails sammle und aufbewahre.</p>
<p>Ich betrachte sie wie die Abfälle, wie das schillernde Treibgut, das mitunter an Meeresstränden angespült wird: Plastikflaschen, alte Farbeimer oder rostige Dosen, in einsamen und unbeobachteten Nächten von den Küstenbewohnern von kleinen Booten aus ins Meer geworfen oder aber auch von vorüber fahrenden Schiffen achtlos dort entsorgt. </p>
<p>Ich betrachte sie ohne wirkliche Ungeduld oder Unmut: Text, der in Datenpaketen versandt in den elektronischen Ozean eingespeist wird und zu mir gelangt, wahllos, blind abgesandt. </p>
<p>Text, der sich in jenen feinmaschigen eigens für ihn geschaffenen Filternetzen meist verfängt und der bisweilen doch zu mir durchdringt. Text, der wie ich manchmal glaube, nach Text sucht . . .<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/2cd27453469442f0bf6d1ba757894859" width="1" height="1"></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Elektronische Post Teil 2</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/elektronische-post-teil-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 15:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Emails]]></category>

		<category><![CDATA[Pudding]]></category>

		<category><![CDATA[Spam]]></category>

		<category><![CDATA[Spam-Mails]]></category>

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		<description><![CDATA[Guten Tag, begrüßt mich Mr. Barrister Kyeretwie Opoku, der sich in seiner Email als Rechtsanwalt bei der Law Trust Company  in Afrika vorstellt, in diesem Schreiben möchte ich Sie mit einem etwas ungewöhnlichen Anliegen betrauen.
Es geht um folgendes:  Ich brauche eine Vertrauensperson, die mir hilft, das Vermögen, das mein Klient, der gemeinsam mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Guten Tag</em>, begrüßt mich Mr. Barrister Kyeretwie Opoku, der sich in seiner Email als Rechtsanwalt bei der <em>Law Trust Company</em>  in Afrika vorstellt, <em>in diesem Schreiben möchte ich Sie mit einem etwas ungewöhnlichen Anliegen betrauen.</p>
<p>Es geht um folgendes:  Ich brauche eine Vertrauensperson, die mir hilft, das Vermögen, das mein Klient, der gemeinsam mit seiner Frau im Oktober bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, als Erbe zu beanspruchen.  Mein Klient befand sich gemeinsam mit anderen Passagieren an Bord einer Egyptian Airline 990. Seit diesem Vorfall ist niemand seiner nächsten Verwandten mehr am Leben, der Anspruch auf sein hinterlassenes Vermögen erheben könnte. </p>
<p>Aufgrund dieser unglücklichen Umstände, möchte ich Sie nun um Ihre Erlaubnis bitten, Sie als nächsten Angehörigen des Verstorbenen anzugeben.  . .  </em></p>
<p>Ähnlich hört sich auch die Geschichte von Herrn Williams an, der mich in seinem Anschreiben gleich vertrauensvoll als lieben Freund anspricht: </p>
<p><em>Lieber Freund! Ich vermute das diese E-Mail eine Überraschung für Sie sein wird, aber es ist wahr. Ich bin bei einer Routinenüberprüfung in meiner Bank (Chartered Bank von Süd Afrika) wo ich arbeite, auf einem Konto gestoßen, was nicht in Anspruch genommen worden ist, wo derzeit  $14.300,00 (vierzehnmillionendreihundert US Dollar) gutgeschrieben sind.</p>
<p>Dieses Konto gehörte einem Kunden unserer Bank,der leider verstorben ist. Damit es mir möglich ist dieses Geld $14.300,000 in Anspruch zu nehmen, benötige ich die Zusammenarbeit eines Ausländischen Partners wie Sie. .  .<br />
</em><br />
Eine dritte Mail erreicht mich wenig später aus Hongkong. Ihr Absender Mr. Lee stellt sich erst einmal vor:</p>
<p><em>Ich bin 58years alt und glücklich verheiratet mit erwachsene Kinder, und ich bin ein Direktor der Bank of China in Hong Kong für die Abteilung Internationale Überweisung. </p>
<p>Ich muss Sie bitten mir bei der Ausführung eines Unternehmens Projekt von unserer Bank im Wert von US $ 30,5 Millionen zu helfen. Diese Mittel wurden bei unserer Bank von einem Kunden unseres Bank hinterlegt, ist eine nationale  Bürger Ihres Landes, die leider gestorben in Asien im Dezember 2004 Tsunami-Katastrophe. . .</em></p>
<p>Auch Herr Lee bittet in seinem Schreiben um Diskretion, da sein Leben sonst in Gefahr sei, erklärt jedoch bereits im folgenden Satz: <em> Aber, wer nichts wagt der nichts gewinnt,</em> und: <em>der Geschmack des Puddings erweise sich schließlich beim Essen . . .</em></p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/47edaae3eb1342a8a9a2e64a5d90073a" width="1" height="1"></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Elektronische Post</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/elektronische-post/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 16:39:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Digitale Literatur]]></category>

		<category><![CDATA[Elektronische Post]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Netzroman]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Herr, beginnt die an mich adressierte Email eines ausländischen Studenten,  für meine Abschlussarbeit im Fach Linguistik  bitte ich um ihr  Einverständnis als Autor, darin auch Ihren derzeit erscheinenden Romantext wissenschaftlich untersuchen zu dürfen. . .
Ich aber denke sogleich an syntaktische und an grammatikalische Auffälligkeiten des Textes, an mir bislang verborgen gebliebene Abnormitäten darin, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Mein Herr</em>, beginnt die an mich adressierte Email eines ausländischen Studenten, <em> für meine Abschlussarbeit im Fach Linguistik  bitte ich um ihr  Einverständnis als Autor, darin auch Ihren derzeit erscheinenden Romantext wissenschaftlich untersuchen zu dürfen. . .</em></p>
<p>Ich aber denke sogleich an syntaktische und an grammatikalische Auffälligkeiten des Textes, an mir bislang verborgen gebliebene Abnormitäten darin, die das Forschungsinteresse geweckt haben mochten, an Absonderlichkeiten in der Wortwahl, eine dann und wann eher willkürlich vorgenommene Interpunktion. . .</p>
<p>Und obwohl ich im Grunde weiß, dass nichts davon der Anlass gewesen sein wird für die Anfrage, denke ich an mein eigenes unschlüssiges Schwanken  zwischen alter und neuer Rechtschreibung und an Nachlässigkeiten bei der Arbeit, an die Tippfehler, die nun unweigerlich mit dem übrigen Text ins Licht der Forschung geraten werden.</p>
<p>Ein paar Wochen darauf wendet sich eine Journalistik-Studentin aus Darmstadt an mich. Derzeit arbeite sie, so schreibt sie mir in ihrer Email, im Rahmen eines Studien-Projektes an einer <em>Tageszeitung der Zukunft</em>.</p>
<p>Dabei sei sie im Zuge ihrer Recherchen auf meinen Blogroman gestoßen. Gerne hätte sie von mir die Erlaubnis dazu, einen meinen Texte daraus zu wissenschaftlichen Zwecken abdrucken zu dürfen.</p>
<p>Dann wieder schreibt ein Autoren-Kollege und Kabarettist und schlägt mir eine wechselseitige Vernetzung und Zusammenarbeit vor und ich denke mir, ja, das könnten wir eigentlich machen. . .</p>
<p>Von Zeit zu Zeit aber erreicht mich eine ganz andere Art elektronischer Post, deren Inhalt mich mitunter in Erstaunen versetzt und mich gleichzeitig an die unwahrscheinlichen Anzeigentexte denken lässt, die man früher in den Innenseiten von Groschenromanen finden konnte.</p>
<p>In diesen klein gedruckten Annoncen aber waren dem Leser diskrete Unterstützung und Hilfe bei der Lösung verschiedenster Lebensprobleme versprochen worden:  schneller Muskelaufbau und Gewichtsabnahme in nur wenigen Tagen, spezielle Bruchbänder oder Schuhe mit einer kaum bemerkbar erhöhten Sohle bei geringer Körpergröße, Sofortkredite ohne vorhergehende Prüfung, Hilfe bei beginnendem Haarausfall oder abstehenden Ohren. . .</p>
<p>Ich erinnere mich noch an jene immer wieder in den Heften auftauchende Kleinanzeige mit dem einprägsamen Slogan: <em>Sommersprossen wirken hässlich, Drula-Bleichwachs hilft verlässlich</em>.</p>
<p>Und an das ebenso wiederkehrende Inserat einer nur über Postfach erreichbaren Firma, bei der man sich Ausweiskarten mit dem eigenen Namen und Lichtbild darauf hatte anfertigen lassen können, die den Inhaber wahlweise als Privatdetektiv oder als Geheimagenten auswiesen.</p>
<p>Diese Ausweise hatten jedoch, laut Anzeigentext, die unfehlbare Wirkung haben sollen, der eigenen Existenz eine abenteuerliche und geheimnisvolle Note zu verleihen, die es Männern erleichtern würde, Frauen zu beeindrucken und kennen zu lernen. . .</p>
<p>Heutzutage finden ebenso unwahrscheinliche Offerten beinah unvermeidbarer Weise  ihren Weg in unsere Mailboxen.</p>
<p>Doch es geht darin nicht mehr um Haarwuchsmittel, oder aber um Heimtrainer oder Schlankheitskuren, sondern eher um Dinge wie Viagra und Online-Poker, um vermeintliche Millionengewinne bei Lotteriespielen oder dubiose Finanztransaktionen zwischen Afrika und  Europa. . .<br />
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		<title>Osram Letzter Teil</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 16:41:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bandarbeiter]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdetes Arbeiten]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdung]]></category>

		<category><![CDATA[Marktwirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Über die persönlichen Lebensumstände und Schicksale jener anderen Arbeiterinnen und Arbeiter habe ich so damals kaum etwas erfahren. Doch ich habe die Müdigkeit und die Leere gesehen, die die eintönige Arbeit am Band in ihren Mienen und Blicken hinterließ.
Entfremdete Arbeit bedeutete in diesem Zusammenhang nicht allein, immer nur einen winzigen Teilschritt innerhalb der Produktion auszuführen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über die persönlichen Lebensumstände und Schicksale jener anderen Arbeiterinnen und Arbeiter habe ich so damals kaum etwas erfahren. Doch ich habe die Müdigkeit und die Leere gesehen, die die eintönige Arbeit am Band in ihren Mienen und Blicken hinterließ.</p>
<p>Entfremdete Arbeit bedeutete in diesem Zusammenhang nicht allein, immer nur einen winzigen Teilschritt innerhalb der Produktion auszuführen und womöglich den ganzen Tag über nur einen einzigen immer gleichen Handgriff auszuführen. Sie bedeutete zugleich  fremd zu sein auch im sonstigen Alltag, im Leben. </p>
<p>Denn jene innere Leere, die auch ich bei der Arbeit am Band empfunden hatte, hatte sich keineswegs nur allein auf die Stunden der Arbeit bezogen, an die ich oftmals keine wirkliche Erinnerung mehr besaß, wenn ich hinterher benommen und wie betäubt die Fabrik verließ und auf die Straße hinaus trat.</p>
<p>Vielmehr wirkte sie zugleich auch in das Kommende, in den restlichen Tag hinein. So hatte ich danach oftmals weder die Konzentration dafür aufbringen können, um noch etwas Anspruchsvolleres zu lesen, noch die Kraft und den Antrieb dazu, irgendetwas anderes  zu tun. </p>
<p>Stattdessen hatte ich eine seltsame Fühllosigkeit gegenüber den Ereignissen und Dingen um mich herum verspürt, so als läge die übrige Welt, das Geschehen darin von mir abgelöst, abgetrennt hinter Glas. . .</p>
<p><em>Nach der Logik, den Regeln des Marktes wurden diese Arbeiterinnen und Arbeiter für jene furchtbar monotone, meist auch physisch anstrengende und zugleich die Gesundheit angreifende Arbeit, der sie Tag für Tag ausgesetzt waren, weder durch einen besseren Lohn entschädigt, noch durch Freizeitausgleich oder längeren Urlaub.</p>
<p>Auf der anderen Seite aber erhielten jene, die das Privileg besaßen, innerhalb der Gesellschaft einer anspruchsvolleren, abwechslungsreicheren und vielseitigeren Tätigkeit nachgehen zu dürfen, einer Arbeit, die sie ebenfalls anstrengen, stark beanspruchen und ermüden mochte, aber in ihrem Innersten dabei unzerstört ließ, dafür gleichzeitig auch die höheren Gehälter.</p>
<p>So waren die Fließbandarbeiter gleich in mehrfacher Hinsicht bestraft gewesen, wie ich damals empfand: durch die körperlichen und psychischen Folgen ihrer Arbeit, durch geringe, gerade einmal zum Leben ausreichende Löhne und ein ebenso geringes soziales Ansehen. . .</em><br />
<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/14e0f3bd784f4f3e87f1af470bc344a0" width="1" height="1"></p>
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