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	<title>Sebastian Kraus: Wrangelstraße</title>
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	<description>Blogroman aus Berlin Kreuzberg</description>
	<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 21:01:46 +0000</pubDate>
	
	<language>de-de</language>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 14:01:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bull Bar]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Umstrukturierung]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Später hat man das Obdachlosenheim in der Schlesischen Straße geschlossen und stattdessen im gleichen Gebäude das Standesamt untergebracht. . .
Seine ehemaligen Bewohner aber wurden aus dem Ihnen vertrauten Alltag und Umfeld herausgerissen und danach auf verschiedenste andere Heime und Unterkünfte quer über die ganze Stadt hinweg verteilt. 
So ist das Straßenbild in der Wrangelstraße heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Später hat man das Obdachlosenheim in der Schlesischen Straße geschlossen und stattdessen im gleichen Gebäude das Standesamt untergebracht. . .</p>
<p>Seine ehemaligen Bewohner aber wurden aus dem Ihnen vertrauten Alltag und Umfeld herausgerissen und danach auf verschiedenste andere Heime und Unterkünfte quer über die ganze Stadt hinweg verteilt. </p>
<p>So ist das Straßenbild in der Wrangelstraße heute &#8220;aufgewertet&#8221;, bereinigt und weitgehend frei vom Anblick der Obdachlosen: sieht man von den Besuchern der <em>Suppenküche</em> ab, deren Betreiber bislang allem Drängen und allen Versuchen von Außen, sie gleichfalls zu schließen, Stand gehalten haben.</p>
<p>Wie auch immer- Jene Stadtrundfahrten, von denen ich erzählte, und die zunehmend mit ihnen in den Kiez gelangenden Reisegruppen hatten damals in wachsendem Maße den Unmut und Zorn vieler Anwohner zu erwecken begonnen- nicht nur den der Autonomen aus der <em>Wrangel 90</em> und deren Umfeld.</p>
<p>Dies mag aus heutiger Sicht heraus den einen oder anderen Leser womöglich verwundern- in einer Zeit, in der das Private sich, wie mir mitunter scheint, auf dem Rückzug befindet und sich neu definiert, in der das Öffentliche privat und das Private öffentlich wird,  und in der man mittlerweile jederzeit allen Ortes gewahr sein muss, von irgendeinem Mobiltelefon aus gefilmt oder fotografiert zu werden. . .</p>
<p>Manche mögen es sonderbar finden, sich so fest an das eigene Bild zu klammern. </p>
<p>Und sie mögen sich hier vielleicht an den <em>Aberglauben </em>mancher Kulturen erinnert fühlen, in deren Kontext die Menschen davon überzeugt sind, mit dem eigenen Abbild zugleich auch die eigene Identität und Seele preis zugeben-  </p>
<p>Die Bewohnerinnen und Bewohner der Wrangel 90 jedenfalls hatten draußen an ihrem Haus zur Abschreckung und Warnung jenes genannte Transparent angebracht. </p>
<p>Und sie waren, gemeinsam mit den Gästen und Besuchern des <em>Wrangelladens</em>, einer Ladenwohnung im Haus, in der heute die<em> Bull Bar </em>untergebracht ist, und die damals noch als Nachbarschaftsladen genutzt wurde, zu guter Letzt zur Gegenwehr übergegangen. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/e5779ee865724ce78b92e83c3db44045" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Wrangelstraße - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 14:55:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Autonome]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Stift]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelstraße]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher, in der Zeit vor dem Mauerfall noch, waren, wie bereits am Anfang der Geschichte erzählt, kaum Besucher und Touristen in den Wrangelkiez und die Gegend um das Schlesische Tor herum gelangt.
Diejenigen aber, die hierher gefunden hatten, waren zumeist junge Rucksacktouristen gewesen: angezogen von der Szenekultur und dem anderen Leben im damaligen West-Berlin, von der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Früher, in der Zeit vor dem Mauerfall noch, waren, wie bereits am Anfang der Geschichte erzählt, kaum Besucher und Touristen in den Wrangelkiez und die Gegend um das Schlesische Tor herum gelangt.</p>
<p>Diejenigen aber, die hierher gefunden hatten, waren zumeist junge Rucksacktouristen gewesen: angezogen von der Szenekultur und dem anderen Leben im damaligen West-Berlin, von der  längst legendär gewordenen Atmosphäre in Kreuzberg und den Möglichkeiten, die sich damit für sie zu eröffnen schienen, so wie wir damals in der gleichen Zeit nach Amsterdam gefahren waren, nach Brixton oder nach Christiania.</p>
<p>Oder es hatte sich um vereinzelte Reisende gehandelt, die auf ihrer Suche nach dem “echten“ Berlin jenseits von Kurfürstendamm, von Europa-Center und Breitscheidplatz  bis nach Kreuzberg 36 gekommen und dabei schließlich über die Wiener Straße oder den Mariannenplatz hinaus bis in die Wrangelstraße hinein vorgedrungen waren. . .</p>
<p>Ungeachtet dieser eher geringen Anzahl von Menschen, hatte von der Häuserwand des von Autonomen bewohnten Hauses in der Wrangelstraße 90 herab ein Transparent gehangen, welches eigens zur Abschreckung allzu neugieriger Besucher dort angebracht worden war. </p>
<p>Auf diesem Transparent aber stand, diesen zur Warnung, in deutlichen, weithin sichtbaren Lettern geschrieben: <em>Scheiß Touris, verpisst Euch! Hier nix Zoo!</em> </p>
<p>Gemeint damit waren indessen wohl weniger die bereits erwähnten Besuchergruppen, als die Teilnehmer jener wiederkehrenden durch den Wrangelkiez führenden Stadtrundfahrten gewesen.  </p>
<p>Von ihren doppelstöckigen Reisebussen aus hatten diese, langsam, nur im Schritttempo durch die schmale Wrangelstraße fahrend, ihre Fotoapparate bereit, durch das Fensterglas auf die schadhaften alten Fassaden der Häuser blicken können: auf die fremdländisch, orientalisch anmutenden türkischen Läden, den schmutzigen Bürgersteig und das Straßenleben, das sich vor ihnen darauf abspielte.</p>
<p>Auf ihren Aufnahmen mögen Alteinwohner neben zugezogenen Migranten zu sehen sein, die vor ihren Geschäften sitzen, schwarz gekleidete Autonome neben bunt angezogenen<em> Ökos</em>, Studenten und Punks.</p>
<p>Oder aber die kleinen Grüppchen von Obdachlosen, die im Innenhof des <em>Stifts</em> auf die Essensausgabe der Suppenküche gewartet, oder auch, je nach Vorliebe und Gewohnheit, draußen vor dem Penny-Markt gesessen hatten, vor Kaisers oder Rewe. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/d07dddd1c2c94a17bf9a18587e369891" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kreise - Fortsetzung Teil 3</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 14:46:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[1.Mai Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Bolle]]></category>

		<category><![CDATA[Konsumterror]]></category>

		<category><![CDATA[RAF Kaufhausbrand]]></category>

		<category><![CDATA[Ton Steine Scherben]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bringt Menschen dazu ihre eigene Wirklichkeit und Geschichte, die politischen und sozialen Verhältnisse, unter denen sie leben, verändern zu wollen, was hält sie davon ab?
In Der eindimensionale Mensch hatte Herbert Marcuse die Freiheit von Mangel als konkrete Substanz aller Freiheit bezeichnet und zugleich die Befriedigung der vitalen Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu ihre eigene Wirklichkeit und Geschichte, die politischen und sozialen Verhältnisse, unter denen sie leben, verändern zu wollen, was hält sie davon ab?</p>
<p>In <em>Der eindimensionale Mensch</em> hatte Herbert Marcuse die<em> Freiheit von Mangel</em> als <em>konkrete Substanz aller Freiheit</em> bezeichnet und zugleich die <em>Befriedigung der vitalen Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung auf dem erreichbaren Kulturniveau</em> zur Vorbedingung für die Verwirklichung aller Bedürfnisse erklärt.</p>
<p>Der <em>Charakter menschlicher Bedürfnisse, die über das biologische Niveau hinausgehen</em>, sei dabei historisch bestimmt. </p>
<p><em>Falsch</em> seien dabei <em>diejenigen Bedürfnisse, die dem Individuum</em>, so Marcuse,<em> durch partikuläre gesellschaftliche Mächte, die an seiner Unterdrückung interessiert sind, auferlegt werden und die harte Arbeit, Aggressivität, Elend und Unterdrückung verewigen</em>. . .</p>
<p>Die hier vorgenommene Unterscheidung zwischen <em>wahren Bedürfnissen</em> auf der einen Seite und den <em>repressiven </em>und <em>falschen Bedürfnissen</em> auf der anderen findet auch in den späteren Losungen und politischen Aktionen der Studentenbewegung ihren Niederschlag. Und bleibt insgesamt problematisch.</p>
<p>Sie berührt- gerade auch im Hinblick auf die Außerparlamentarische Opposition der 68er-Bewegung - einen wesentlichen und zugleich wunden Punkt: Denn mit der Freiheit vom Mangel in der westlichen Industriegesellschaft war ja eben jene konkrete Substanz aller Freiheit bereits vorhanden, ohne dass sich daraus jedoch das Bedürfnis nach einer weitergehenden sozialen Befreiung bei der Mehrheit der Menschen entwickelt hatte.</p>
<p>So stand mit einem Mal, anders noch als bei Marx, nicht mehr länger die materielle Unterversorgung der Arbeiterklasse innerhalb der Gesellschaft im Focus der Kritik, sondern in gewisser Weise sogar deren Gegenteil: die Bedürfnisse, die von dieser entwickelt wurden. Und mit ihnen die Auswirkungen des Konsums.</p>
<p><em>Die Menschen erkennen sich in ihren Waren wieder;</em>  hatte Marcuse geschrieben, <em>sie finden ihre Seele in ihrem Auto, ihrem Hi-Fi-Empfänger, ihrem Küchengerät. . .</em></p>
<p><em>Macht kaputt was euch kaputt macht</em>, hatte die Berliner Band Ton Steine Scherben 1970 gesungen und damit die Konsum- und Gesellschaftskritik der Studentenbewegung auf den Punkt gebracht. Zwei Jahre zuvor bereits waren in Frankfurt am Main Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser verübt worden: die Geburtsstunde der späteren RAF.</p>
<p>Der in diesem Zusammenhang häufig gebrauchte Begriff des Konsumterrors war indessen auch damals bereits innerhalb der Linken keineswegs unumstritten gewesen. So hatte auch Peter-Paul Zahl sich in ironischer Anspielung darauf in den <em>Glücklichen</em> für eine andere Form der Verteilung ausgesprochen, einen besseren Zugang zu den Waren für Alle, anstatt diese zu zerstören.</p>
<p>Und knapp zwei Jahrzehnte nach jenen Kaufhausbränden in Frankfurt hatten Anwohner und Autonome in Berlin-Kreuzberg gemeinsam in der Nacht des 1. Mai 1987 den <em>Bolle-Markt</em> an der Wiener-Straße zunächst sorgsam bis in die letzten Regale und Kühlräume hinein ausgeräumt und geplündert, bevor dieser zuguterletzt leer in Brand gesetzt worden war.</p>
<p>Doch ich greife erneut der Erzählung voraus. . . </p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/6502aac371fe43b49f5ad1284fbcf76b" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 5</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 16:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte der sozialen Bewegungen]]></category>

		<category><![CDATA[Second Life]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Kämpfe]]></category>

		<category><![CDATA[Virtuelle Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[So mögen Vorstellungen vom Verschwinden der Geschichte und der darin handelnden Subjekte, vielleicht eher unsere persönliche Wahrnehmung der Realität beschreiben und die angesichts der globalen Entwicklungen verspürte eigene Machtlosigkeit wider spiegeln, als die Wirklichkeit geschichtlicher Prozesse.
Und manche Kritiker der postmodernen Philosophie, wie sie in den Schriften Beaudrillards zum Ausdruck kommt, mögen hier einen weiteren Anhaltspunkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So mögen Vorstellungen vom Verschwinden der Geschichte und der darin handelnden Subjekte, vielleicht eher unsere persönliche Wahrnehmung der Realität beschreiben und die angesichts der globalen Entwicklungen verspürte eigene Machtlosigkeit wider spiegeln, als die Wirklichkeit geschichtlicher Prozesse.</p>
<p>Und manche Kritiker der postmodernen Philosophie, wie sie in den Schriften Beaudrillards zum Ausdruck kommt, mögen hier einen weiteren Anhaltspunkt und Beweis dafür finden, dass es sich dabei eher um <em>Literatur </em>handle, als um wissenschaftlich begründete Analysen- sofern man dies überhaupt als Kritik auffassen mag.</p>
<p>Dennoch gibt es eine Tendenz der Entwirklichung innerhalb unserer Realität. </p>
<p>Und zugleich die Tendenz ihrer zunehmenden Sichtbarmachung, Abbildung und Erfassung, wie in <em>Google Earth </em>und in <em>Google Streetview</em>, ihrer Nachbildung und Vielfachung: So gibt es in der virtuellen Welt von <em> Second Life</em> auch einen virtuellen Gaza-Streifen, in dem wechselweise pro-israelische oder pro-palästinensische Proteste stattfinden und Kundgebungen abgehalten werden. . .  .</p>
<p><em>Ohne eigene Geschichte, keine eigene Identität</em>- als ich mit diesen Worten vor einiger Zeit eine der vorangegangenen Kapitelsequenzen abschloss, blieben am Ende Zweifel. </p>
<p>Dieser Schluss schien mir nachträglich allzu sicher zu klingen und zugleich, gerade auch im Zusammenhang mit einer möglichen Identität der Sozialen Bewegungen, zu optimistisch. </p>
<p>Sicher ist dabei Identität- genau wie Geschichte- auch hier das Ergebnis eines Prozesses, einer fortwährenden Suche. </p>
<p>Doch scheint hier die Geschichte rückblickend in viele einzelne unverbundene Abschnitte zu zerfallen, viele Anfänge und Enden, auf den ersten Blick kaum geeignet dazu eine Kontinuität und Gemeinsamkeit erkennen zu lassen, eine darauf basierende Identität. </p>
<p>Sie erscheint gleichermaßen als Geschichte voller Aufbrüche, von Kampagnen, Aktionen und sozialen Kämpfen, als Geschichte von  Hoffnungen, Sehnsüchten, hoch gesteckten Zielen und Erwartungen, von vereinzelten Erfolgen, einem wiederkehrenden Scheitern: an der Übermacht der gesellschaftlichen Gegenkräfte, an der Gleichgültigkeit der Bevölkerung. </p>
<p>Aber auch an sich selbst. </p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/1f0c045e1db3479ba1a6fe700f6344f5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/02/von-geschichten-und-geschichte-fortsetzung-teil-4/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 14:17:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Entindividualisierung]]></category>

		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeitsverlust der Politik]]></category>

		<category><![CDATA[Politisches Bewusstsein]]></category>

		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>

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		<description><![CDATA[Macht es tatsächlich Sinn von einem Verschwinden des Subjekts zu sprechen? Oder aber von einem Verschwinden der Geschichte? Ich denke, nein-
Auch wenn uns unsere eigene Gegenwart und Geschichte immer wieder entgleitet, aus den Händen gerät, die Vergangenheit uns im Rückblick darauf unbewiesen erscheinen mag  und vielleicht unbeweisbar.
Oder uns zuweilen das Gefühl eines Stillstands darin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Macht es tatsächlich Sinn von einem <em>Verschwinden des Subjekts </em>zu sprechen? Oder aber von einem <em>Verschwinden der Geschichte</em>? Ich denke, nein-</p>
<p>Auch wenn uns unsere eigene Gegenwart und Geschichte immer wieder entgleitet, aus den Händen gerät, die Vergangenheit uns im Rückblick darauf unbewiesen erscheinen mag  und vielleicht unbeweisbar.</p>
<p>Oder uns zuweilen das Gefühl eines Stillstands darin überkommt und wir selbst das Gefühl haben, dass in unserem Leben eigentlich nichts geschieht.</p>
<p>Und auch wenn die geschichtlichen Entwicklungen und Bewegungen um uns herum sich zu wiederholen scheinen oder aber  in sich zu kreisen, die Geschehnisse darin scheinbar selbst laufend und entkoppelt sind von den individuellen Akteuren.</p>
<p>Geschichte entsteht dort, wo sich Dinge ereignen, über die berichtet wird, wo Geschehenes überliefert wird. Ihr Verschwinden setzt ein Ende der Ereignisse voraus. Oder aber der Nachricht davon.</p>
<p>Was aber lässt uns annehmen, dass die Menschen in früheren Zeiten mehr Subjekt waren als jetzt? Dass sie in ihren Entscheidungen, ihrem Willen und Bewusstsein, ihrer Information, ihrer Wahrnehmung und Deutung der Welt autonomer waren und mehr Individuum als heute?</p>
<p>Wo liegt hier das Verschwundene, das Verschwinden?</p>
<p>Die von Herbert Marcuse beschriebenen Mechanismen der Manipulation durch das Fernsehen, durch Werbung und Politik zeigen wie die von Burroughs entworfenen alptraumhaften Bilder und Szenarien des modernen Amerikas den Zustand einer weitgehenden Entindividualisierung des Einzelnen in der Gesellschaft.</p>
<p>Mit der zunehmenden Flut an Informationen und Bildern durch die Medien findet mittlerweile indes zugleich auch eine fortschreitende Entwertung der darin transportierten Inhalte statt: eine wachsende Inflation der in ihnen enthaltenen Bedeutungen, die die Wirkungen jener manipulativen Mechanismen in gewisser Weise wieder aufhebt, und  in deren Kontext auch die Losungen und Versprechen der offiziellen Politik im Bewusstsein der Menschen zunehmend an Wahrheit verlieren, was im Umkehrschluss jedoch, wie Marcuse bemerkte, nicht bedeute, dass <em>die Macht der Berufspolitiker abgenommen</em> habe. . .</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1e4a84e99c6c40ca8d830156937d6403" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 3</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 19:32:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Verschwinden der Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Verschwinden des Subjekts]]></category>

		<category><![CDATA[W. S. Burroughs]]></category>

		<category><![CDATA[Wirklichkeitsfilm]]></category>

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		<description><![CDATA[Der seit seiner Emigration aus Deutschland in den USA lebende Herbert Marcuse hatte mit Blick auf die moderne westliche Industriegesellschaft von einer Gesellschaft ohne Opposition gesprochen, einer Einebnung des Gegensatzes zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen, in deren Folge auch die Möglichkeit der Veränderung der eigenen gesellschaftlichen Wirklichkeit aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinde.
Von diesen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der seit seiner Emigration aus Deutschland in den USA lebende Herbert Marcuse hatte mit Blick auf die moderne westliche Industriegesellschaft von einer <em>Gesellschaft ohne Opposition</em> gesprochen,<em> einer Einebnung des Gegensatzes zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen</em>, in deren Folge auch die Möglichkeit der Veränderung der eigenen gesellschaftlichen Wirklichkeit aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinde.</p>
<p>Von diesen Überlegungen aus scheint, aus heutiger Sicht betrachtet, der gedankliche Weg vielleicht nicht mehr allzu weit zu den späteren Thesen vom <em>Verschwinden des Subjekts</em> in der postmodernen Philosophie, vom <em>Verschwinden der Geschichte</em>. Dies aber hatte Marcuse selbst seinerzeit nicht gemeint.</p>
<p>Während Marcuse in <em>Der eindimensionale Mensch </em> von <em>hypnotischen Definitionen und Diktaten</em> schrieb, mit deren Hilfe seitens der Politik und der Massenmedien jenes <em>eindimensionale Denken systematisch gefördert </em>und das<em> individuelle aufgesogen werde</em>, hatte der ebenfalls in den USA lebende Schriftsteller <em>William S. Burroughs</em>, in seinem im gleichen Jahre veröffentlichten Roman <em>Nova Express</em> die amerikanische Realität als bizarren Alptraum beschrieben.</p>
<p>In Nova Express und dem einige Jahre zuvor erschienenen<em> Soft Machine </em> bestimmen Manipulation, Suggestion und soziale Kontrolle die Gegenwart, werden Lebenswelt und Bewußtsein der Menschen durch den Einfluss von Fernsehen, Werbung und Medien und die hinter ihnen stehenden Interessen von Aufsichtsräten, Politik und Polizei dabei nicht alleine beeinflusst und gleich geschaltet, sondern vollständig bestimmt.</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/424b8f7e14f04c50aa67856d2a44eb74" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>Die vom Einzelnen selbst erfahrbare und erlebbare Realität erscheint in Burroughs Romanwelt nur noch als Junk und als bloße Fiktion.</p>
<p>Die vermeintliche Wirklichkeit, in der das Leben sich abspielt, ist hier nichts weiter mehr als eine vorgegebene Endlosschleife aus wiederkehrenden Handlungen, Rollen, Bildern und Dialogen, ein Film.</p>
<p>Die in seinen Geschichten auftretenden Partisanen versuchen der Totalität der sie umgebenden Bilderwelt zu entfliehen, sie mit Mitteln der Sabotage anzugreifen, ihre eigene Gegenbotschaft zu verbreiten und dabei die verloren gegangene Realität zurück zu gewinnen.</p>
<p>Und erinnern damit in gewisser Weise an die Graffiti-Sprayer in Beaudrillards <em>Aufstand der Zeichen</em>. . .</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 15:09:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Der eindimensionale Mensch]]></category>

		<category><![CDATA[Frankfurter Schule]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Veränderung]]></category>

		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte verändern und die ihnen gesetzten Grenzen überschreiten zu wollen? Welche äußeren oder inneren Umstände und Ereignisse, welche individuellen oder kollektiven Bedürfnisse und Motive?
Oder anders gefragt: Was hält sie davon ab, die sozialen Verhältnisse und die vorgefundenen Bedingungen  ihres Alltags neu zu ordnen, und von sich aus, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte verändern und die ihnen gesetzten Grenzen überschreiten zu wollen? Welche äußeren oder inneren Umstände und Ereignisse, welche individuellen oder kollektiven Bedürfnisse und Motive?</p>
<p>Oder anders gefragt: Was hält sie davon ab, die sozialen Verhältnisse und die vorgefundenen Bedingungen  ihres Alltags neu zu ordnen, und <em>von sich aus</em>, wie es <em>Herbert Marcuse</em> in seinem 1964 erschienenen Buch <em>Der eindimensionale Mensch </em>formuliert hatte, <em>die Bedingungen der Freiheit herbeizuführen</em>?</p>
<p>Sind es Einverständnis und Zufriedenheit mit den eigenen Lebensbedingungen und dem Zustand der Welt oder eher der fehlende Glaube an ihre Veränderbarkeit? </p>
<p>Sind es Angst vor der Ungewissheit, vor der möglichen Gefahr, in die man sich begibt, sobald man existierende Normen, Gesetze und Regeln verletzt? Oder Gleichgültigkeit und Indolenz?</p>
<p>Welche Rolle spielen Erfahrungen mit dem Scheitern vergangener historischer Aufbrüche und dem individuellen Scheitern an eigenen Vorhaben und Plänen? </p>
<p>Welche Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem Geschichtenerzählen zu, der Erzählung und Deutung der Vergangenheit in ihrer geschichtlichen Möglichkeit? Welche Rolle der Sprache, als Raum, in dem Veränderbarkeit überhaupt erst einmal denkbar werden kann?</p>
<p>Ist das momentan herrschende <em>Universum der Sprache, in dem die Kategorien der Freiheit mit ihrem Gegenteil austauschbar, ja identisch geworden sind</em>, wie Marcuse schrieb, <em>die Grundlage für die Unterdrückung der eigenen Vergangenheit der Gesellschaft</em> und ihrer Zukunft?</p>
<p>Ist die Eindimensionalität im Bewusstsein, den von Menschen verspürten, an sich selbst wahrgenommenen Bedürfnissen eine Folge der Gleichschaltung und der Manipulationen durch die Werbung, durch Medien und Politik? </p>
<p>Ist sie tatsächlich Grund und Ursache für eine Stagnation unserer eigenen Gegenwart und Geschichte?</p>
<p>Und falls ja, welche Sprache, welcher Weg führt uns daraus hinaus?</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/aef3809cb0fd427db14b7dbbb60296d5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte - Fortsetzung</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2010/02/von-geschichten-und-geschichte-fortsetzung/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 16:21:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Anderes Leben]]></category>

		<category><![CDATA[Evolution]]></category>

		<category><![CDATA[Menschheitsgeschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Utopie]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte in Frage zu stellen?  Was lässt sie an den scheinbar unverrückbaren Bestimmungen ihres Daseins zweifeln, an der Selbstverständlichkeit, den Bedingungen ihrer Wirklichkeit, und mit einem Mal das Wagnis eingehen, sich ihnen entgegen zu stellen?
Sind es Vorstellungen von Gerechtigkeit und von solidarischem Handeln, eine Ahnung von Freiheit, einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu, ihre eigene Geschichte in Frage zu stellen?  Was lässt sie an den scheinbar unverrückbaren Bestimmungen ihres Daseins zweifeln, an der Selbstverständlichkeit, den Bedingungen ihrer Wirklichkeit, und mit einem Mal das Wagnis eingehen, sich ihnen entgegen zu stellen?</p>
<p>Sind es Vorstellungen von Gerechtigkeit und von solidarischem Handeln, eine Ahnung von Freiheit, einem möglichen Glück, die sie an einem bestimmten Punkt ihres Lebens zum Handeln bewegen und das Unerwartete tun lassen? Überzeugungen, Glauben, Wissen,  Ideen, Utopien und Ideale?</p>
<p>Oder letztendlich doch eher nackte Notwendigkeit, Überlebenstrieb, materieller Zwang, Armut, Hunger und Not?</p>
<p>Worauf gründen sich unsere Hoffnungen und Erwartungen auf das Nachfolgende? Woher rührt unsere Unzufriedenheit? Was erfüllt uns mit Unruhe, Sehnsucht, Wut und Verzweiflung? </p>
<p>Macht es tatsächlich Sinn, von einem richtigen oder falschen Leben zu sprechen, einem selbst bestimmten gegenüber einem entfremdeten? Und falls ja, wo verläuft zwischen beidem die Grenze?</p>
<p>Was ist fremd und was nah an uns selbst? Was sind elementare Bedürfnisse?</p>
<p>Welche Kraft lässt sich aus der gedachten Möglichkeit heraus entwickeln, der Vision eines anderen, freieren, überraschenderen, intensiveren Lebens, wie sie aus den Schriften der Situationisten hervor leuchtet, gegenüber der Trägheit und Macht des Bestehenden?</p>
<p>Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem bisher Geschehenen ziehen und dem bisher Versuchten, der Vergangenheit und der Gegenwart jetzt? Welche Aussichten und Prognosen?</p>
<p>Gibt es irgendeinen Zusammenhang zwischen evolutionärer Entwicklung und  Menschheitsgeschichte, ein gemeinsames, vielleicht beiden zu Grunde liegendes Entwicklungsgesetz? Und gibt es ein Voranschreiten, einen Fortschritt innerhalb der Geschichte, ein Ziel? </p>
<p>Oder gibt es das alles nicht? </p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/2ab47e3211ad462889520c27dc4ce1a0" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kreise - Fortsetzung Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 15:36:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Godesberger Programm]]></category>

		<category><![CDATA[Krisis]]></category>

		<category><![CDATA[Tendenzieller Fall der Profitrate]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor dem Hintergrund eines rasch sich vollziehenden Wiederaufbaus und prosperierenden Marktes aber schienen auch jene kritischen Stimmen, die nach Kriegsende mit Blick auf das Scheitern der Weimarer Republik eine zentrale Planung der Wirtschaft durch Staat und Gesellschaft im Westen Deutschlands und im gleichen Zug die Verstaatlichung wichtiger Schlüsselindustrien gefordert hatten, in ihren Mahnungen und Befürchtungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Hintergrund eines rasch sich vollziehenden Wiederaufbaus und prosperierenden Marktes aber schienen auch jene kritischen Stimmen, die nach Kriegsende mit Blick auf das Scheitern der Weimarer Republik eine zentrale Planung der Wirtschaft durch Staat und Gesellschaft im Westen Deutschlands und im gleichen Zug die Verstaatlichung wichtiger Schlüsselindustrien gefordert hatten, in ihren Mahnungen und Befürchtungen widerlegt.</p>
<p>So hatte sich schließlich auch die SPD in ihrem Godesberger Programm Ende der Fünfziger Jahre von ihren einstigen Forderungen und Zielen abgewandt und darin nunmehr offen zu einem freien Markt bekannt.</p>
<p>Die Erbitterung über die Verdrängung der eigenen Geschichte und die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft, eine der Ursachen, die ein Jahrzehnt später die 68er-Generation auf die Straße getrieben hatte, aber war auf eine kritische Minderheit im Lande beschränkt geblieben.</p>
<p>Die Empörung, der Protest gegenüber dem von den USA geführten und von ihren westlichen Verbündeten politisch und logistisch unterstützen Krieg in Vietnam, waren am Gros der Bevölkerung vorbei gegangen. Die Entstehung einer außerparlamentarischen Opposition hatte keinen grundsätzlichen Wandel der politischen und sozialen Verhältnisse auszulösen vermocht.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund hatten Teile jener oppositionellen Gegenbewegung innerhalb der Gesellschaft ihre Hoffnungen auf  eine künftige Veränderung des Bestehenden auf die kommende und in ihren Augen letztlich unvermeidbare ökonomische Krise hin verlagert: auf ein vorerst noch aufgeschobenes aber letztendlich unvermeidbares Scheitern des kapitalistischen Systems, welches ihrer Auffassung nach bereits in seinem innersten Kern, seiner ihm immanenten Gesetzlichkeit angelegt und vorher bestimmt war.</p>
<p>Andere aber hatten weder darauf vertrauen noch abwarten wollen, dass eine <em>Krisis</em> des Markts und ein <em>tendenzieller Fall der Profitrate </em>das bestehende System quasi irgendwann von allein zum Zusammenbruch führen würden. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/e9b075a7cbd04e9c9400b8e28c8b93d3" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kreise - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 13:24:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Deutsche Teilung]]></category>

		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Marktwirtschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Wirtschaftswunder]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Verlauf jenes mit der Teilung Deutschlands und der Bildung zweier deutscher Staaten einsetzenden Wettstreits der gegensätzlichen und miteinander konkurrierenden Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme war der Westen dem Osten auf ökonomischem Gebiet schließlich uneinholbar davon geeilt.  
Das aus konservativen Kreisen heraus nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Westdeutschland in aller Eile als Gegenmodell zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Verlauf jenes mit der Teilung Deutschlands und der Bildung zweier deutscher Staaten einsetzenden Wettstreits der gegensätzlichen und miteinander konkurrierenden Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme war der Westen dem Osten auf ökonomischem Gebiet schließlich uneinholbar davon geeilt.  </p>
<p>Das aus konservativen Kreisen heraus nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Westdeutschland in aller Eile als Gegenmodell zur sozialistischen Planwirtschaft entwickelte ideologische Konzept einer Sozialen Marktwirtschaft hatte sich in den Folgejahren als das wirtschaftlich effizientere erwiesen. </p>
<p>Das darin propagierte Programm der <em>Verbindung einer Freiheit des Marktes mit dem Prinzip eines sozialen Ausgleichs</em> war aus dieser Perspektive heraus betrachtet aufgegangen und erfolgreich gewesen. </p>
<p>Denn mit dem Wirtschaftswunder der Fünfziger Jahre hatte der beginnende Wohlstand nach den Zeiten des Mangels in den ersten Nachkriegsjahren nun auch die unteren Gesellschaftsschichten in Westdeutschland zu erreichen begonnen. </p>
<p>Und im gleichen Zug mit dem wirtschaftlichen Aufschwung waren auch die notwendigen Voraussetzungen und Spielräume für die Schaffung eines sozialen Netzes entstanden.</p>
<p>Was aber hätte die Überlegenheit jener westlichen Marktwirtschaft deutlicher zum Ausdruck bringen können, als die Tatsache, dass selbst Arbeitslose und Empfänger von Sozialleistungen im Westen materiell nicht schlechter gestellt waren, als die Masse der Werktätigen in der DDR?</p>
<p>Oder anders herum gefragt: Was konnte die Unterlegenheit jener Planwirtschaft in der DDR in den Augen der Meisten deutlicher demonstrieren, als die Tatsache, dass ein durchschnittlicher Werktätiger drüben mit seiner Arbeit keinen höheren Lebensstandard erreichen konnte als ein Arbeitsloser im Westen?</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/601804efc59a4e3180e44b2cae67eaa5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Zweiter Teil</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 13:25:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zweiter Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berliner Mauer]]></category>

		<category><![CDATA[DDR]]></category>

		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>

		<category><![CDATA[Real existierender Sozialismus]]></category>

		<category><![CDATA[Westpakete]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Wirklichkeit des real existierenden Sozialismus im anderen Teil Deutschlands konfrontiert hatten die Studentenbewegung der 68er oder aber die nach ihr entstehenden linken Strömungen in den Siebziger Jahren kaum eine reale Chance gehabt, die Bevölkerungsmehrheit in West-Deutschland und in West-Berlin für die eigenen Zielsetzungen zu gewinnen.
Angesichts einer Deutschen Demokratischen Republik, die eine weitere massive [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Wirklichkeit des<em> real existierenden Sozialismus</em> im anderen Teil Deutschlands konfrontiert hatten die Studentenbewegung der 68er oder aber die nach ihr entstehenden linken Strömungen in den Siebziger Jahren kaum eine reale Chance gehabt, die Bevölkerungsmehrheit in West-Deutschland und in West-Berlin für die eigenen Zielsetzungen zu gewinnen.</p>
<p>Angesichts einer <em>Deutschen Demokratischen Republik</em>, die eine weitere massive Abwanderung der eigenen Bevölkerung nur durch die Schaffung einer innerdeutschen Grenze mit Stacheldraht, Minenfeldern und Selbstschuss-Anlagen, zu verrhindern gewust hatte,  einer Mauer mit Wachttürmen und Todesstreifen in Berlin, die eine Flucht in den Westteil der Stadt nunmehr nahezu unmöglich gemacht hatte, schien das sozialistische Gesellschaftsmodell in den Augen der Meisten offenkundig gescheitert zu sein.</p>
<p>Doch es waren es nicht alleine die autoritäre Herrschaft von Staat und Partei gewesen, nicht die fehlende Freizügigkeit und die stark eingeschränkte persönliche Freiheit des Einzelnen, die Verfolgung von Andersdenkenden und die Existenz einer allgegenwärtigen Staatssicherheit, die die Perspektive der Menschen im Westen auf jene DDR bestimmt hatten, sondern nicht zuletzt auch der geringere Lebensstandard dort. </p>
<p>Denn zwischen Ost und West hatte sich in den Jahren des Kalten Krieges auch ein immer weiter aufklaffendes Wohlstandsgefälle heraus gebildet. </p>
<p><em>Westpakete</em> mit Kaffee, Schokolade, mit <em>West-Zigaretten</em> und mit anderen in der DDR raren und nur schwer erhältlichen Waren waren geschnürt und zu Weihnachten und Ostern den bedauernswerten Verwandten im Osten geschickt worden, bei <em>denen es ja drüben nichts gab.<br />
</em><br />
Die westdeutsche D-Mark aber war in der DDR zu einem begehrten Tauschmittel geworden, einer heimlichen Zweitwährung, die den Zugang und Weg zu sonst unerreichbaren Gütern eröffnete.</p>
<p>So hatten Vorstellungen von Unterversorgung und Mangel, hatten Bilder von Menschen, die in langen Schlangen vor Geschäften selbst nach einfachen Artikeln des täglichen Bedarfes anstehen mussten, Dingen, die im Westen in der Folge des Wirtschaftswunders mittlerweile ganz selbstverständlich und jederzeit allen Ortes verfügbar waren, die Wahrnehmung des Ostens im Westen vielleicht mehr geprägt und zugleich dabei seine Unterlegenheit gegenüber dem eigenen System symbolisiert als jene innerdeutsche Grenze und die Mauer in Berlin. . .</p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d76d31be3f424e1d81c628849edb103d" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Brief aus dem Gefängnis</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 14:03:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Blaues Bild]]></category>

		<category><![CDATA[Frauenhaftanstalt Pankow]]></category>

		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieber S.,                                                      [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber S.,                                                                                               </p>
<p>eben habe ich die letzten Seiten Deines angefangenen Roman-Manuskriptes zu Ende gelesen, die Du mir ausgedruckt und hierher geschickt hast, und ich bin bereits sehr gespannt darauf, wie die Geschichte weiter geht.</p>
<p>Am Beginn war es schon etwas überraschend und seltsam für mich, darin auch von mir selbst, von uns beiden zu lesen und mir so plötzlich als Romanfigur gegenüber zu stehen. Ich selbst hatte ja zuvor keine genaue Vorstellung davon, wovon Dein Roman handeln wird.</p>
<p>Doch dann fand ich es schön, dass Dein Text beim Lesen wieder so viele Gedanken und Erinnerungen wach rief. Manches, was Du schreibst, war mir selber noch gut im Gedächtnis gewesen. Anderes hatte ich dagegen schon beinah vergessen, oder aber auch damals ganz anders wahrgenommen und erlebt.</p>
<p>Ich denke an bestimmte Tage und Nächte zurück, eine unbestimmte Suche nach einem anderen Leben, fernab von den Banalitäten des Alltags, einem Leben, das wir damals häufig jedoch nur in Negation ausdrücken konnten.</p>
<p>Und ich denke unsere Hoffnungen und Erwartungen zurück, den Versuch gemeinsam einen Weg zu finden, an die Texte, die wir zusammen gelesen haben, an Rimbaud und Artaud, an das Blaue Bild. Hast Du es eigentlich aufgehoben oder auch damals mit den übrigen Dingen weggetan?</p>
<p>Viel von dem, was wir damals geglaubt haben, mag aus heutiger Perspektive heraus vielleicht völlig utopisch und unrealistisch erscheinen, konnte letztlich vielleicht nur an den eigenen viel zu hoch angesetzten Ansprüchen scheitern.</p>
<p>Dennoch denke ich vielleicht weniger pessimistisch als Du an die Ereignisse der Vergangenheit zurück, wie sie damals geschehen sind und an das, was womöglich noch kommt.</p>
<p>Überall auf der Welt finden nach wie vor Auseinandersetzungen statt, kämpfen Menschen in ihrem Alltag, im Kleinen und Großen für bessere Lebensbedingungen, ihre Freiheit und persönlichen Rechte, im Augenblick gerade auch wieder hier.</p>
<p>Und vielleicht sind es genau diese kleinen alltäglichen Kämpfe und Dinge, die so wichtig sind für unser Leben, und die wir damals einfach in ihrer Bedeutung für uns verkannt haben.</p>
<p>Doch zurück nochmal zu Deinem Text. Die bei Dir eingegangenen Leserkommentare, die Du mit geschickt hattest, habe ich gelesen. Aber wie war denn sonst bisher so die Resonanz? Wieviele Leute lesen denn eigentlich so die Geschichte im Augenblick mit? Hat sich schon ein Verlag dafür interessiert? Und was sagen denn eigentlich Martin und Steffen dazu?</p>
<p>Liebe Grüße- auch an die Anderen- und bald mehr von mir,<br />
Carolin </p>
<p>27. Dezember 2009, Frauenhaftanstalt Berlin-Pankow</p>
<p>PS: Und was ist eigentlich aus der Geschichte mit Deiner Nachbarin geworden? Oder hast Du die nur erfunden?</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/e3845905a11a4726ae7faa5e3158e80e" width="1" height="1"></p>
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		<title>Carolin</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 14:55:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Abschied]]></category>

		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[Von den zahlreichen Kritzelbildern, den Postkarten und den oftmals auf kleinen Zetteln oder aber auf der Rückseite eines silbernen Zigarettenpapiers von Carolin hinterlassenen Botschaften ist nur weniges erhalten geblieben. 
Doch ich habe noch ein paar Fotografien von ihr, manche davon in Farbe, andere in Schwarz-Weiß.
Heute habe ich einen Brief von ihr erhalten. Und nachdem ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von den zahlreichen Kritzelbildern, den Postkarten und den oftmals auf kleinen Zetteln oder aber auf der Rückseite eines silbernen Zigarettenpapiers von Carolin hinterlassenen Botschaften ist nur weniges erhalten geblieben. </p>
<p>Doch ich habe noch ein paar Fotografien von ihr, manche davon in Farbe, andere in Schwarz-Weiß.</p>
<p>Heute habe ich einen Brief von ihr erhalten. Und nachdem ich ihn gelesen habe, habe ich jene Fotos hervor gesucht, vielleicht, um den Strom der Erinnerung und der Ungewissheit darin, der mich plötzlich beim Lesen erfasst hatte, durch den Anblick dieser objektiven auf Papier gebannten Bilder einzudämmen, zu steuern und auf sicheren und beweisbaren Boden zurückzuführen.</p>
<p>Ich schaue auf Carolins junges, auf den Fotos kaum älter als zwanzig Jahre altes Gesicht, um mich noch einmal der vergangenen Zeitspanne zu versichern, die Ereignisse von damals klarer zu sehen, sie zunächst in die Ferne zu rücken und von dort aus allmählich heranzuholen, hierher.</p>
<p>So gehe ich in Gedanken noch einmal den gleichen Weg. </p>
<p>Ich kehre in jenes Zimmer zurück, jene winzige und kaum eingerichtete Wohnung in der Wrangelstraße, jene dort noch gemeinsam mit ihr verbrachte Nacht. </p>
<p>Ich sehe Carolins Gesicht am nächsten Morgen und die nachlässige Bewegung, mit der sie ihr Haar ordnet, ihre Hand, die sie beim Gähnen vor den Mund hält, sehe wie sie sich ein wenig fröstelnd schüttelt und dann auftsteht. </p>
<p>Ich erinnere mich an die Abwesenheit in ihrem Blick, an ein Stirnrunzeln, eine Falte um ihren Mund, die mir verraten, dass sie in Gedanken woanders ist, nicht in meiner Wohnung, bei mir, während wir uns beim Frühstück gegenüber sitzen.</p>
<p>Und ich erinnere mich an den Kuss, die Umarmung in der Tür, in deren Flüchtigkeit zugleich das Wissen um die Flüchtigkeit, die Entschuldigung dafür mitschwingen.</p>
<p>Noch im Türrahmen stehend höre ich das Geräusch ihrer Schritte, die die Treppenstufen hinab eilen und gleich darauf die Tür, die geöffnet wird, wieder zufällt.</p>
<p>Wie so oft, wenn wir so auseinander gehen, habe ich einen Augenblick lang das Gefühl, dass sie,  Carolin, nunmehr ganz und gar fort und verschwunden ist, dass es vollkommen offen und ungewiss ist, ob und falls ja, wann, unter welchen Umständen, wie und als wer wir uns dann wieder gegenüber stehen werden.</p>
<p>An diesem Morgen aber wird es tatsächlich das letzte Mal sein, werde ich Carolin nicht mehr wiedersehen. . .</p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/48b90026523949a9b98d33270a3f1992" width="1" height="1"></p>
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		<title>Wrangelstraße Teil 5</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/12/wrangelstrasse-teil-5/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 11:53:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>

		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>

		<category><![CDATA[Zen]]></category>

		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[„Im Leben des Menschen gibt es zwei Gefängnisse“, hatte Andreas damals während eines unserer Pausengespräche im Klinikum zu mir gesagt: “die Vergangenheit und die Zukunft.“ Ein Satz, der wohl ursprünglich von einem Zen-Meister stammte, von dem Andreas mir seinerzeit erzählt hatte, an dessen Namen ich mich jedoch nicht mehr erinnere.
Die Worte selbst aber sind mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Im Leben des Menschen gibt es zwei Gefängnisse“, hatte Andreas damals während eines unserer Pausengespräche im Klinikum zu mir gesagt: “die Vergangenheit und die Zukunft.“ Ein Satz, der wohl ursprünglich von einem Zen-Meister stammte, von dem Andreas mir seinerzeit erzählt hatte, an dessen Namen ich mich jedoch nicht mehr erinnere.</p>
<p>Die Worte selbst aber sind mir über die Jahre hinweg im Gedächtnis geblieben. Und sie haben im Laufe der Zeit dabei eine wechselnde, immer wieder andere Bedeutung angenommen, andere Fragen für mich aufgeworfen, andere Antworten darauf nach sich gezogen.</p>
<p>Heute denke ich, dass das Ungelöste und das Uneingelöste innerhalb des Vergangenen und die Hoffnungen, Ängste und Erwartungen, die wir mit dem noch Kommenden verbinden, es sind, die uns in unserer Gegenwart, unserem Leben gefangen nehmen.</p>
<p>Die Zukunft selbst jedoch ist offen. Und auch die Vergangenheit ist nichts Feststehendes. Denn auch das Zurückliegende, schon Geschehene muss immer wieder von neuem gefunden, geordnet, neu erzählt werden. . .</p>
<p>Damals, als ich mich in jener ersten Wohnung in der Wrangelstraße einzurichten begann, war ein großer Teil meiner Sachen und Habseligkeiten, die ich zuvor besessen hatte, wie gesagt, in meiner Abwesenheit während ich mich auf Reisen befand verloren gegangen. </p>
<p>Anderes habe ich später selbst weg geworfen oder aber verbrannt, angefangene und nie fertig gewordene Manuskripte, einen ganzen Karton voller Zeichnungen und Notizen, alter Fotografien, Postkarten und Briefe. </p>
<p>Die Vorstellung, der Gedanke, der mich dabei bewegt hatte, war gewesen, mich von allen Dingen, die mich allzusehr an das Vergangene binden mochten, befreien zu wollen. </p>
<p>Und vielleicht hatte ich auch gehofft, jener Müdigkeit, die mich selbst, meine Gegenwart damals umschloss, zu entrinnen, wenn ich nur den Ballast, der mein Leben, so schien es mir, beschwerte, hinter mir ließ.</p>
<p>Doch der Augenblick, das Gefühl der Befreiung, das ich damals empfand, war nur kurz. Und die Hoffnungen und Erwartungen, die ich insgeheim damit verbunden hatte, hatten sich nicht erfüllt.</p>
<p>Manchmal hätte ich gerne noch einmal eine jener Zeichnungen in die Hand genommen oder einen der Briefe gelesen, auch heute noch, jetzt. Dennoch habe ich diesen Schritt späterhin niemals wirklich bereut. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/7a04b614bd954f41ae61da4ee3ba264b" width="1" height="1"></p>
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		<item>
		<title>Wrangelkiez</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/12/wrangelkiez/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/12/wrangelkiez/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 16:35:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>

		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Suche die Freuden nicht im Alkohol, sondern in der Schönheit in der Schöpfung geht es mir noch einmal durch den Kopf. 
Schön ist die Wrangelstraße, ist der Kiez zwischen Tabor und Skalitzer, Schlesischer und Görlitzer Straße in Kreuzberg nie gewesen, weder in jener längst vergessenen Zeit vor dem Mauerfall, noch in seiner gegenwärtigen neuen Gestalt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Suche die Freuden nicht im Alkohol, sondern in der Schönheit in der Schöpfung</em> geht es mir noch einmal durch den Kopf. </p>
<p>Schön ist die Wrangelstraße, ist der Kiez zwischen Tabor und Skalitzer, Schlesischer und Görlitzer Straße in Kreuzberg nie gewesen, weder in jener längst vergessenen Zeit vor dem Mauerfall, noch in seiner gegenwärtigen neuen Gestalt. </p>
<p>Eher schmucklos und schlicht sind die Gründerzeit-Fassaden der Altbauten, auch nachdem sie nun innerhalb der vergangenen Jahre beinahe komplett saniert worden sind, dunkel und beengt sind vielfach ihre Hinterhöfe und die Wrangelstraße selbst wirkt im Entlanggehen, ungeachtet ihres plötzlichen Aufschwunges, so wie eh und je etwas schmuddelig, nüchtern, grau.</p>
<p>Doch sie war, wie ich damals am Anfang empfand voller Leben: jener wundersamen und so schwer zu fassenden Kraft und Substanz, die die Grundlage ist der Schönheit. Und sie ist es noch immer.</p>
<p>Frau Berg hat ihr gesamtes Leben über in den gleichen zwei Zimmern ihrer Wohnung in der Wrangelstraße gewohnt. Sie selbst ist dort zur Welt gekommen, hat dort Kindheit und Jugend verbracht, später mit ihrem Mann dort gelebt, eigene Kinder bekommen. . .</p>
<p>Sie hat Krieg und Zerstörung und die mühsamen Jahre des Wiederaufbaus erlebt, dann in späterer Zeit den Leerstand und Verfall vieler Häuser, Hausbesetzungen und Proteste und den Zuzug der türkischen Zuwanderer, die als <em>Gastarbeiter</em>, wie sie damals genannt worden waren, auf der Suche nach Arbeit und bescheidenem Wohlstand hierher gekommen waren und sich wegen der erschwinglichen Mieten und weil man ihnen hier Wohnungen überließ im Wrangelkiez niedergelassen hatten.</p>
<p>Heute hört man auf der Wrangelstraße schon fast ebenso häufig Englisch, Spanisch und Französisch sprechende wie türkischsprachige Menschen. </p>
<p>Studenten aus den USA oder England, aus Spanien, Frankreich und Italien zieht es hierher, weil das Studium und die Lebenskosten hier günstiger sind als in anderen europäischen Metropolen, weil Berlin und gerade auch die Gegend um das Schlesische Tor herum mit ihren Szene-Treffs, Bars und Clubs zur Zeit als interessant gelten, wie zuvor in den 90er Jahren Prag, weil es <em>unproblematischer ist hier zu arbeiten, Jobs zu finden, zu leben,</em> wie eine junge Amerikanerin, die als Dolmetscherin und Übersetzerin hier arbeitet, mir vor einiger Zeit auf einer Party erzählte, <em>vieles einfacher als in London oder in New York. . .</em></p>
<p>Preise und Mieten steigen nun langsam an. Die neuen Zuwanderer beginnen das Straßenbild zu verändern, fangen nach und nach an die alten zu verdrängen. Die früheren Immigranten und ihre nachfolgenden Generationen wandern ab. Doch wohin?</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/542fee9e73bb4b1eab873a1e957abcd9" width="1" height="1"></p>
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		<title>Wrangelstraße Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/12/wrangelstrasse-teil-4/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 11:50:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelstraße]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Bildern der neuen Wrangelstraße mit ihren Restaurants, Bars und Cafés, ihren neu eröffneten Geschäften, Bilder der alten: Längst ist das Haus, in dem sich einst das Kuckucksei, jener Ort also an dem seinerzeit die wöchentlichen Treffen des bereits erwähnten Autonomen Arbeitskreises stattgefunden hatten, abgerissen worden und an seiner Stelle ein Neubau entstanden.
Und längst ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen Bildern der neuen Wrangelstraße mit ihren Restaurants, Bars und Cafés, ihren neu eröffneten Geschäften, Bilder der alten: Längst ist das Haus, in dem sich einst das Kuckucksei, jener Ort also an dem seinerzeit die wöchentlichen Treffen des bereits erwähnten <em>Autonomen Arbeitskreises</em> stattgefunden hatten, abgerissen worden und an seiner Stelle ein Neubau entstanden.</p>
<p>Und längst ist auch die einstige Baulücke gegenüber davon verschwunden, in der früher ein winziger Wohnwagen mit einem türkischen Imbiss gestanden hatte, in welchem man neben Süßigkeiten und Getränken auch Döner und mit Fleisch oder Käse gefüllten Börek hatte kaufen können, der mit ein klein wenig Glück, frisch und knusprig gewesen war. . .</p>
<p>Verschwunden sind der Kohlenladen ein Stück weiter die Straße entlang, das Geschäft von Kartoffel-Krohn und der Laden von Eier-Schulz.</p>
<p>Doch der kleine Rewe-Markt an der Ecke zur Cuvry-Straße hat die Zeit überdauert und auch <em>Bizim Bakkal</em> mit seinen wunderbaren gefüllten Oliven, dessen Inhaber seine Kunden nach wie vor stets mit der gleichen sanften Freundlichkeit bedient, ganz egal, ob sie nun einen ganzen Korb mit Gemüse und Früchten bei ihm einkaufen, oder nur eine einzige Banane.</p>
<p>An den Kiosken kann man die Zigaretten, wenn das Geld für die ganze Schachtel nicht reicht, auch heute noch einzeln kaufen, und im Eingang des Köfte-Imbisses gegenüber von Bizim ist noch immer der gleiche Sinnspruch zu lesen, der den eintretenden Gast hier empfängt und zur Mäßigung mahnt:<em> Suche die Freuden nicht im Alkohol, sondern in der Schönheit der Schöpfung. . .</em></p>
<p>Mein Blick streift an den Schaufenstern, Häusern, Gesichtern entlang, wandert weiter. Mit den Bildern, den alten und neuen, aber kommen zugleich auch Gedanken und Erinnerungen zurück und mit ihnen die Sprache, eine andere Sprache: Worte, Sätze für eine andere Art von Text, nicht für eine Geschichte, wie die hier zu erzählen begonnene.</p>
<p>Im Weitergehen komme ich an meinem früheren Wohnhaus vorbei. Im Vorderhaus, so verrät mir ein Blick auf das Klingelbrett an der tür, wohnt noch immer die “Haustaube“, wie sie Martin einst genannt hatte.</p>
<p>Eine Etage tiefer hatte damals die alte Frau Berg gewohnt, die mir seinerzeit jedes Mal wenn sie mich draußen sah von ihrem Platz am Fenster aus zugewinkt hatte. </p>
<p>Heute lebt sie in einer betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz, wie ich neulich erfuhr.</p>
<p>Frau Berg aber hatte sie damals alle gekannt: Die kleinwüchsige Blumenhändlerin, den Apotheker und den Kioskbesitzer, die “jungen Leute“ aus der <em>Wrangel 90</em> ebenso wie die Stammgäste vom <em>Bierhaus 2</em>. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/6b7c67ba30234bd8adec5fce40eccc55" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 5</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 13:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alternative Subkultur]]></category>

		<category><![CDATA[K-Gruppen]]></category>

		<category><![CDATA[Neue Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Splitterparteien]]></category>

		<category><![CDATA[Spontis]]></category>

		<category><![CDATA[Undogmatische Linke]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Niedergang der Studentenbewegung heraus hatte sich in den Siebziger Jahren eine in sich gespaltene mehr von Gegensätzen als Gemeinsamkeiten geprägte gesellschaftliche Opposition heraus gebildet und weiter entwickelt.
Jenseits der DDR-nahen Deutschen Kommunistischen Partei und deren West-Berliner Ableger SEW hatte sich eine Neue Linke entwickelt, die ihrerseits jedoch keineswegs eine einheitliche politische Strömung darstellte.
Eher Sammelbegriff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem Niedergang der Studentenbewegung heraus hatte sich in den Siebziger Jahren eine in sich gespaltene mehr von Gegensätzen als Gemeinsamkeiten geprägte gesellschaftliche Opposition heraus gebildet und weiter entwickelt.</p>
<p>Jenseits der DDR-nahen<em> Deutschen Kommunistischen Partei</em> und deren West-Berliner Ableger <em>SEW </em>hatte sich eine <em>Neue Linke</em> entwickelt, die ihrerseits jedoch keineswegs eine einheitliche politische Strömung darstellte.</p>
<p>Eher Sammelbegriff als tatsächliches  Sammelbecken und gemeinsames politisches Lager, waren darunter all die übrigen linken Gruppen, Parteien und Initiativen links von der SPD gefasst worden, in ihrer gesamten Fülle und Vielzahl.</p>
<p>So hatte es unterschiedliche miteinander konkurrierende trotzkistische Gruppen gegeben, die verschiedenenen und einander bekämpfenden &#8220;Internationalen&#8221; angehört hatten. </p>
<p>Und es hatten sich nacheinander gleich mehrere maoistische Splitter- Parteien gegründet, die sich in ihren Namensbildungen irritierenderweise zum Teil auf die frühere <em>KPD </em> der Weimarer Republik bezogen hatten.</p>
<p>Diese sogenannten <em>K-Gruppen</em> hatten ihre politischen Leitbilder und Visionen dabei an Gesellschaften und politische Systeme wie das kommunistische China angelehnt, an Albanien oder auch an das &#8220;Demokratische Kampuchea&#8221; unter Pol Pot. </p>
<p>Auf der anderen Seite hatte es innerhalb jener Neuen Linken eine <em>Undogmatische Linke</em> gegeben, die sich als Gegenströmung zu den starr orthodox und an autoritären Vorbildern und Strukturen ausgerichteten kommunistischen Splittergruppen heraus gebildet hatte, und die ihrerseits wiederum in eine Vielzahl unterschiedlichster Gruppierungen zerfallen war: Ein für Außenstehende kaum überschaubares Nebeneinander und Geflecht aus <em>Spontis</em>, anarchistischen, libertären und sozialistischen Gruppen, Bürgerinitiativen, Stadtteilgruppen und Zeitungsprojekten usw. war entstanden: eingebunden in eine alternative Subkultur und mit dieser verschwimmend.</p>
<p>Hatte aus dieser in sich gespaltenen, kaum die Wahrnehmung und die Wirklichkeit der Bevölkerungsmehrheit berührenden damaligen Neuen Linken heraus ein glaubhafter Entwurf für ein anderes Leben, eine andere, neue Gesellschaft entstehen können?</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/ac388aa4f37e48a189c863a55f15c9ed" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 4</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 12:57:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Freie Gesellschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Veränderung]]></category>

		<category><![CDATA[Politische Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Statt sich enger zusammen zu schließen und sich neu zu vernetzen haben linke und soziale Bewegungen in den Phasen von Rückschlägen, des Zurückgeworfenseins und der eigenen Schwäche, so scheint es, gerade umgekehrt die Tendenz, sich noch mehr als zuvor aufzuspalten, zu zersplittern.
Nicht Gemeinsames, Mögliches wird gesucht sondern Trennendes und sich Ausschließendes, Unvereinbares. 
So scheint ausgerechnet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Statt sich enger zusammen zu schließen und sich neu zu vernetzen haben linke und soziale Bewegungen in den Phasen von Rückschlägen, des Zurückgeworfenseins und der eigenen Schwäche, so scheint es, gerade umgekehrt die Tendenz, sich noch mehr als zuvor aufzuspalten, zu zersplittern.</p>
<p>Nicht Gemeinsames, Mögliches wird gesucht sondern Trennendes und sich Ausschließendes, Unvereinbares. </p>
<p>So scheint ausgerechnet in den Zeiten des Stillstandes und der Flaute eine innere und dabei um sich selbst, um die eigenen Ziele und Positionen kreisende Kontroverse in den Vordergrund des Interesses zu geraten.</p>
<p>An die Stelle jener ursprünglich gesuchten Auseinandersetzung mit Staat und Gesellschaft und den ihnen zugrunde liegenden Strukturen, treten interne Macht- und Flügelkämpfe, tritt der Streit um die richtige Linie, um politische Führungsansprüche, Losungen und Parolen innerhalb des eigenen Lagers, treten wechselseitige Anschuldigungen, Konkurrenz und erbittert geführte Debatten.</p>
<p>Und je weiter die Wirklichkeit selbst von der konkreten Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit einer grundlegenden Veränderung der sozialen Verhältnisse entfernt ist, desto mehr verlagert sich jene Kontroverse auf die anzustrebende Ausgestaltung und Form einer irgendwann neu zu errichtenden Zukunftsgesellschaft. . .  </p>
<p>Für den außen stehenden daran unbeteiligten Betrachter mag dies unsinnig erscheinen, sonderbar und bizarr.</p>
<p>Skeptiker und politische Gegner mögen hier einen weiteren Beweis für die Unfähigkeit der politischen Linken sehen, die Probleme der Gegenwart und der Zukunft zu lösen, da sie doch, wie es scheint, offenbar nicht einmal in der Lage ist, ihre elementarsten eigenen zu lösen, mögen hier einen weiteren Grund dafür anführen, dass die Welt, die Verhältnisse, Dinge in ihr so bleiben müssen wie sie sind.</p>
<p>Doch nicht alleine für diese, auch für die Übrigen, für den kritischen aber selbst keiner jener Fraktionen angehörenden Teil der Gesellschaft, bietet sich angesichts jener Vielfalt und Fragmentierung, jener Vielzahl von kleinen und kleinsten miteinander verfeindeten Gruppen und Grüppchen, deren Flugblätter, Zeitungen und Broschüren auf der Straße und am Rande von Demonstrationen verteilt werden, ein seltsam anmutendes und zugleich auch ernüchterndes Bild. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/525459491ab145c881731465a0c1ef30" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 3</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 12:55:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alt-68er]]></category>

		<category><![CDATA[Berufsverbote]]></category>

		<category><![CDATA[Deutscher Herbst]]></category>

		<category><![CDATA[Radikalenerlass]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir als später Geborene aber hatten weder den Aufbruch der 68er-Generation und der damaligen Studentenbewegung erlebt, noch jenen späteren Marsch durch die Institutionen, sondern selber nur noch deren Ausläufer mitbekommen.
Jene einstigen Marschierer waren uns indes als Sozialarbeiter und Pädagogen in Jugendzentren begegnet, als angehende Staatsdiener, junge Lehrer und Referendare.
Und aus der schonungslosen Sicht unserer eigenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir als später Geborene aber hatten weder den Aufbruch der 68er-Generation und der damaligen Studentenbewegung erlebt, noch jenen späteren Marsch durch die Institutionen, sondern selber nur noch deren Ausläufer mitbekommen.</p>
<p>Jene einstigen Marschierer waren uns indes als Sozialarbeiter und Pädagogen in Jugendzentren begegnet, als angehende Staatsdiener, junge Lehrer und Referendare.</p>
<p>Und aus der schonungslosen Sicht unserer eigenen Jugend heraus, hatten wir jene Zeichen der Anpassung an ihnen wahrgenommen, die die von ihnen angenommene Rolle innerhalb der Gesellschaft von ihnen verlangte: jene daraus erwachsenen Kompromisse  und die in ihnen sichtbar gewordene Kluft zwischen Anspruch und Realität. . .</p>
<p>Deutlich hatten wir ihre Vorsicht bemerkt, mit der sie, gerade sie, die wir anfangs noch in gewisser Weise als Verbündete betrachtet hatten, und von denen wir uns letztlich klare und unmissverständliche Antworten erwartet hatten, als Lehrer im Geschichts- oder Politikuntericht heikle Fragen und Themenbereiche mehr umschifft als beantwortet hatten.</p>
<p>Deutlich war auch bei ihnen der Druck, jene Sorge und Angst zu spüren gewesen, die in jenen Zeiten des Deutschen Herbstes, der Berufsverbote und des Radikalenerlasses auf ihnen gelastet hatten, und sie um ihre eigene berufliche Zukunft und spätere Existenz fürchten ließen.</p>
<p>Und deutlich war für uns dabei eine Widersprüchlichkeit innerhalb ihrer eigenen Position an den Tag getreten, während wir für uns selbst damals eine Klarheit und Eindeutigkeit, eine innere Konsequenz in der eigenen Identität gesucht hatten, in den eigenen Standpunkten und dem daraus folgenden Handeln.</p>
<p>In unseren Augen aber hatten sie, jene <em>Alt-68er</em> damals schon auf der anderen Seite gestanden, wenn auch auf eine Art und Weise, die sich von unserer Elterngeneration unterschied, hatten wir jenes Wohlwollen und Verständnis, dass uns in unserer eigenen Suche und Rebellion von ihrer Seite aus entgegen gebracht worden war, eher zwiespältig empfunden.</p>
<p>So waren uns gerade diejenigen, die uns in ihren Ansichten und Überzeugungen eigentlich näher gestanden hatten und weitaus ähnlicher gewesen waren als alle anderen um uns herum, in gewisser Weise noch ferner und fremder erschienen als diese. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/8ffc8e19c4114d7bbe62b4a55b98eb92" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 13:07:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[68]]></category>

		<category><![CDATA[Außerparlamentarische Opposition]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaftlicher Wandel]]></category>

		<category><![CDATA[Marsch durch die Institutionen]]></category>

		<category><![CDATA[Studentenbewegung]]></category>

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		<description><![CDATA[Was aber war geschehen? War jener versuchte Marsch durch die Institutionen der 68er-Generation nicht bereits von Beginn an illusionär und zum Scheitern verurteilt gewesen? 
Hatte damals eine wirkliche Chance des Gelingens bestanden und waren seine Protagonisten dabei womöglich nur vom Weg abgekommen? Oder hatte es einen solchen Weg nie gegeben?
Hatten sich die Marschierer nicht zwangsläufig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was aber war geschehen? War jener versuchte Marsch durch die Institutionen der 68er-Generation nicht bereits von Beginn an illusionär und zum Scheitern verurteilt gewesen? </p>
<p>Hatte damals eine wirkliche Chance des Gelingens bestanden und waren seine Protagonisten dabei womöglich nur vom Weg abgekommen? Oder hatte es einen solchen Weg nie gegeben?</p>
<p>Hatten sich die Marschierer nicht zwangsläufig in den Netzen von Sachzwängen, Hierarchien und Regeln verfangen müssen? Oder hatte es ihnen nur an Mut, Konsequenz und Entschlossenheit gemangelt, war es nur ihre Angst vor dem Wagnis gewesen, die sie allzu schnell und bereitwillig hatte Kompromisse schließen lassen.</p>
<p>Hatte sich mit dem ganzen Projekt damals tatsächlich eine ernsthafte Utopie verbunden und ein ernstgemeinter Versuch, die Dinge zu ändern ? </p>
<p>Oder hatte es sich schon von vorne herein nur um eine Art Rückzugsgefecht gehandelt,  eine Selbsttäuschung, in der der eingeschlagene individuelle Weg der Anpassung an die bestehenden Verhältnisse eine positive Deutung bekam? Und in welcher sich  materielle Sicherheit,  Bequemlichkeit  und gesellschaftliche Karriere zugleich mit einem fortschrittlichen und kritischen, revolutionären und zu nichts verpflichtendem Gestus verknüpfen ließen?</p>
<p>Hatte sich jene Generation aufgerieben an bestehenden Machtverhältnissen und Strukturen, an Niederlagen, Rückschlägen und Entäuschungen, war sie irgendwann unterwegs müde geworden und resigniert? </p>
<p>Oder hatte sie vielleicht nur ihren Frieden gesucht mit sich selbst und der Welt, mit den eigenen uneingelösten Vorhaben und Versprechen und sich gleichzeitig eine günstige Position zu verschaffen gesucht: Ein Vorankommen, einen sicheren Platz für sich selbst innerhalb einer herrschenden Ordnung und eines Gesellschaftssystems, das sie ursprünglich einmal hatte verändern wollen und zu dessen Bestandteil sie nun schließlich selbst geworden war?</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/0cd5a0f272d148559dc24105ba17107b" width="1" height="1"></p>
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		<title>Kreise</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/10/kreise/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 16:19:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[68er-Generation]]></category>

		<category><![CDATA[Apo]]></category>

		<category><![CDATA[Die Glücklichen]]></category>

		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

		<category><![CDATA[Marsch durch die Institutionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der sogenannte Marsch durch die Institutionen, zu dem die 68er-Generation aufgebrochen war, war gescheitert. Denn nicht die Institutionen hatten sich dabei letzten Endes verändert, sondern nur die Marschierer, wie Peter-Paul Zahl in seinem Roman Die Glücklichen im Rückblick auf diese Zeit geschrieben hatte.
Der Versuch einer sanften Unterwanderung und einer grundlegenden Neuordnung der Gesellschaft von innen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der sogenannte <em>Marsch durch die Institutionen</em>, zu dem die 68er-Generation aufgebrochen war, war gescheitert. Denn <em>nicht die Institutionen </em>hatten sich dabei letzten Endes verändert, <em>sondern nur die Marschierer</em>, wie Peter-Paul Zahl in seinem Roman<em> Die Glücklichen</em> im Rückblick auf diese Zeit geschrieben hatte.</p>
<p>Der Versuch einer sanften Unterwanderung und einer grundlegenden Neuordnung der Gesellschaft von innen und aus ihren eigenen Strukturen heraus war fehlgeschlagen und die Visionäre und Aktivisten von einst waren dabei, so schien es, in ihren ursprünglichen  Zielsetzungen und Konzepten schon allzu bald von der Wirklichkeit eingeholt worden.</p>
<p>Dort aber wo es in der Folgezeit, etwa im Zuge der <em>Sexuellen Revolution</em>, gelungen war, einen Teil jener überkommenen gesellschaftlichen Schranken und Tabus zu aufzuheben, hatte dies keineswegs zu einer fundamentalen Veränderung der sozialen und politischen Verhältnisse im Lande geführt, sondern allenfalls zu deren Modifizierung und Modernisierung.  </p>
<p>Mittlerweile kann eine Frau an der Spitze der Bundesregierung und in anderen Schlüsselpositionen von Politik und Gesellschaft stehen und Politiker und Prominente bekennen sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Homosexualität. </p>
<p>Vier Jahrzehnte nach der <em>Kommune1</em> gibt es mittlerweile in nahezu jeder Seifenoper im Fernsehen auch eine Wohngemeinschaft.</p>
<p>Und Fidel Castro, Che Guevara und Marx machen in einem Fernsehspot gemeinsam Reklame für den neuen Renault&#8230;</p>
<p>Was also ist von der einstmals anvisierten radikalen Veränderung der Verhältnisse am Ende geblieben? </p>
<p>Hat jener damals versuchte Umbruch letztlich nur zu einer ohnehin bereits überfällig gewesenen Anpassung eines <em>Überbaus</em> der Gesellschaft geführt, zu einer, wenngleich ungewollten, Stabilisierung der bestehenden Ordnung?  </p>
<p>Und hat seinerzeit damit also letztlich nichts anderes stattgefunden, als ein gesellschaftliches Update, unter dem die gleichen sozialen, ökonomischen und politischen Prozesse und Strukturen weiter fortbestanden und vielleicht sogar reibungsloser und effizienter funktionierten als zuvor?</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ce9173010588439e9d258ca086571ffa" width="1" height="1"></p>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/10/immer-radikal-niemals-konsequent-teil-4/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 09:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Asta]]></category>

		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>

		<category><![CDATA[FU-Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Studentenparlament]]></category>

		<category><![CDATA[Studentenprotest]]></category>

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		<description><![CDATA[Anfangs noch als studentische Initiative und politische Hochschulgruppe gegründet, hatte sich jener Autonome Arbeitskreis, zu dessen wöchentlichem Plenum in der Wrangelstraße Carolin mich mitgenommen hatte, in der Folgezeit immer mehr von seinen ursprünglichen Tätigkeitsfeldern zu entfernen begonnen.
Nach und nach hatten sich mit den Zielsetzungen auch die praktischen Aktivitäten der Gruppe aus den Grenzen der Gremienarbeit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anfangs noch als studentische Initiative und politische Hochschulgruppe gegründet, hatte sich jener Autonome Arbeitskreis, zu dessen wöchentlichem Plenum in der Wrangelstraße Carolin mich mitgenommen hatte, in der Folgezeit immer mehr von seinen ursprünglichen Tätigkeitsfeldern zu entfernen begonnen.</p>
<p>Nach und nach hatten sich mit den Zielsetzungen auch die praktischen Aktivitäten der Gruppe aus den Grenzen der Gremienarbeit, aus den in sich kreisenden Flügelkämpfen, Diskussionen und Debatten eines hochschulinternen Studentenparlaments herausgelöst, dessen Abstimmungen und Beschlüsse keinerlei Relevanz, keinen messbaren Einfluss auf die Welt und die Wirklichkeit draußen hatten, sondern ausschließlich einen Schein von Bedeutung und von Mitbestimmung schufen.</p>
<p>Die eigentliche Aufgabe jener Gremien aber lag, wie man damals empfand, genau darin, ein Ventil für die Unzufriedenheit, den Protest der Studierenden zu schaffen, um diesen kanalisieren und in vorgegebene und geordnete Bahnen lenken zu können und im gleichen Zug eine Kaderschmiede neuer künftiger Generationen von Politikern zu schaffen, deren spätere Karrieren in Union, FDP, SPD oder aber den Grünen oftmals hier, in Studentenausschüssen- und Parlamenten, ihren Anfang nahmen.</p>
<p>Jene schrittweise vollzogene Abkehr von den ursprünglich hochschulpolitischen und studentischen Themen hin zu allgemeinen gesellschaftlichen Konflikten und Problemen aber hatte schließlich zu einer völligen Loslösung der Gruppe und ihrer Aktivitäten von der Universität geführt.</p>
<p>Zu jener Zeit, in der Carolin und dann wenig später auch ich zu der Gruppe gestoßen waren, war sie noch in verschiedenen Gremien, in den Fachschaften, im Studentenparlament und im Asta der Freien Universität aktiv gewesen.</p>
<p>Von ihren einstigen Initiatoren und Gründungsmitgliedern war indessen auch damals schon niemand mehr dabei gewesen.</p>
<p>Und mit ihnen war auch die einstige Losung der Gruppe verschwunden, jener zweifellos als ironische Reminiszenz an die bürgerlichen Glücksvorstellungen, Illusionen und Träume innerhalb der Gesellschaft gemeinte Slogan:<em> Frauen, Geld und schnelle Autos</em>.</p>
<p>Stattdessen war jener Satz auf Betreiben der Frauen innerhalb des Arbeitskreises, die darin keineswegs eine Form von humorvoller Anspielung gesehen hatten, sondern einzig und allein einen Ausdruck typisch patriarchal geprägter männlicher Phantasien, durch einen anderen ersetzt worden, eine ebenso knappe wie eingängliche Parole, die von nun auf den Flugschriften und Plakaten der Gruppe zu lesen war: <em>Immer radikal, niemals konsequent!</em></p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1607f461a7d44fdf8abb287ab610a4a0" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/10/immer-radikal-niemals-konsequent-teil-3/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 14:11:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[FU-Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Kapital-Kurs]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Kuckucksei]]></category>

		<category><![CDATA[Studenten]]></category>

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		<description><![CDATA[Mehrfach schon hatte Carolin mir von einer neu gebildeten Studentengruppe erzählt, die sich einmal in der Woche in Kreuzberg traf und die zusammen gekommen war, um über politische Themen zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen.
So hatte ich Carolin, die nicht locker gelassen hatte, bis ich irgendwann zugestimmt hatte, einmal mitzukommen und an einem der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mehrfach schon hatte Carolin mir von einer neu gebildeten Studentengruppe erzählt, die sich einmal in der Woche in Kreuzberg traf und die zusammen gekommen war, um über politische Themen zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen.</p>
<p>So hatte ich Carolin, die nicht locker gelassen hatte, bis ich irgendwann zugestimmt hatte, einmal mitzukommen und an einem der Treffen teilzunehmen, zu guter Letzt eines Abends dorthin begleitet.</p>
<p>Als Adresse hatte Carolin mir das <em>Kuckucksei</em> genannt, eine Kneipe, die sich unweit vom Schlesischen Tor in der Wrangelstraße zwischen Cuvry- und Falckensteinstraße befinden sollte, und bei meiner Ankunft dort hatte Carolin bereits draußen vor dem Eingang gestanden und auf mich gewartet: “Hallo, na. Wie geht’s dir?“</p>
<p>Die Zusammenkunft hatte oberhalb des eigentlichen Kneipenraumes stattgefunden, in einem abgetrennten kleinen Raum, in dem man ungestört reden konnte, und in dem sich bei unserem Eintreffen bereits etwa zwei dutzend Menschen eingefunden hatten.</p>
<p>Unter all diesen unbekannten neuen Gesichtern hatte ich zu meiner Überraschung indes auch ein paar bekannte entdeckt.</p>
<p>So war ich dort nicht nur Klaus und Christian wieder begegnet, die ich seinerzeit, so wie Carolin damals auch, im ersten Semester in einer Vorlesung über <em>Politische Ökonomie und materialistische Bewußtseinstheorie </em>an der Freien Universität kennen gelernt hatte, in einer Arbeitsgruppe jenes legendären Kapital-Kurses von Professor Haug.</p>
<p>Neben ihnen hatte ich auch eine blasse und stille, stets ein klein wenig unsicher und nervös wirkende junge Frau dort entdeckt, mit der ich im vergangenen Semester noch ein Seminar am Institut für Philosophie besucht und gemeinsam ein Referat über <em>Das Schöne bei Kant</em> ausgearbeitet hatte, Sabrina, deren Anwesenheit ausgerechnet an diesem Ort ich keineswegs erwartet hatte.</p>
<p>Überraschend für mich aber war es vor allen Dingen gewesen, neben Steffen, von dessen Teilnahme an der Gruppe ich bereits gewusst hatte, auch Martin dort anzutreffen.</p>
<p>Martin aber hatte mich beim Hereinkommen mit einem skeptischen, leicht gequält wirkendem Lächeln angesehen und begrüßt, das mir ohne Zweifel verriet, das auch er, Martin, eher unverhofft der Begeisterung und der sanften Überredungskunst Carolins erlegen und am Ende gefolgt war, die auch mich schließlich hierher geführt hatte. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/d680bd650df64f64bff5e57991ced112" alt="" width="1" height="1" /></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 14:43:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Aufstand]]></category>

		<category><![CDATA[Hochsicherheitstrakt]]></category>

		<category><![CDATA[legal illegal]]></category>

		<category><![CDATA[Linke]]></category>

		<category><![CDATA[Unsichtbare Revolte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn nun aber das persönliche und politische Handeln nicht länger durch die Grenze von legal oder illegal bestimmt werden konnte, mussten andere Kriterien darüber entscheiden, was sinnvoll war und machbar, was gerechtfertigt, richtig und erlaubt: ethische wie  auch taktische und strategische Gesichtspunkte, objektive wie gesellschaftliche und historisch bedingte Faktoren ebenso wie persönliche, subjektive Aspekte.
Schließlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn nun aber das persönliche und politische Handeln nicht länger durch die Grenze von legal oder illegal bestimmt werden konnte, mussten andere Kriterien darüber entscheiden, was sinnvoll war und machbar, was gerechtfertigt, richtig und erlaubt: ethische wie  auch taktische und strategische Gesichtspunkte, objektive wie gesellschaftliche und historisch bedingte Faktoren ebenso wie persönliche, subjektive Aspekte.</p>
<p>Schließlich stellte sich hier bei alledem auch die Frage nach dem Risiko und den möglichen Konsequenzen für das eigene künftige Leben, der Gefahr, der man sich auszusetzen bereit war, der Bereitschaft zum Wagnis. </p>
<p>Alles das aber, auch der mögliche Preis im Falle des Entdecktwerdens mit all seinen  daraus resultierenden Folgen, mit Verurteilung und mit möglicher Haft, musste dabei im Vorfeld jeder Entscheidung wohl bedacht sein.</p>
<p>Während ich jedoch damals im Hinblick auf jene Grenze zunächst erst einmal nur eine denkbare  von den jeweiligen Umständen und Konstellationen abhängige, in der jeweiligen Situation  abzuwägende Entscheidung gesehen hatte, war die Illegalität innerhalb mancher Teile der Linken selbst zum Gegenstand der Verklärung, zum Hauptinhalt und Mythos geworden.</p>
<p>Bereits kleine und kleinste Überschreitungen und Verletzungen der bestehenden Ordnung  wie das Schwarzfahren in der U-Bahn und der Ladendiebstahl im Kaufhaus oder Supermarkt  bedeuteten, glaubten manche, bereits das gesamte System selbst in Frage zu stellen.</p>
<p>Die aus heutiger Sicht vielleicht eher analog zu den Vorstellungen der Chaostheorie zu begreifende Idee einer  Erschütterung des Gesamten durch seine Teile aber hatte so das Konzept einer Tag für Tag überall an verschiedensten Orten zugleich unternommenen unsichtbaren Revolte vertreten, deren einzelne Akte sich in irgendeiner Form bündelten und übertrugen und deren unbekannte unabhängig voneinander agierende Akteure dadurch zu einer Art von gemeinsamer Bewegung zusammenführte. </p>
<p>War die Illegalität hier als Teil einer subversiven Praxis des Alltags propagiert worden und als Teil des normalen Lebens, hatten andere sie indessen zum eigentlichen Ziel des politischen Widerstandes erklärt.</p>
<p>Innerhalb eines Staats, einer modernen westlichen europäischen Gesellschaft wie der Bundesrepublik aber war ein Leben in der Illegalität nicht möglich gewesen, oder wenn, dann nur für kurze Zeit.</p>
<p>So war die letztliche Konsequenz jedes ernst gemeinten und über einen bloßen Protest hinaus gehenden politischen Engagements dieser Anschauung nach das Gefängnis gewesen, war die höchste Stufe und damit auch der wahre Ort jenes Kampfs um Befreiung der Hochsicherheitstrakt . . .  </p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/99edfa6459ac4ed0b158063eb29c49d8" width="1" height="1"></p>
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		<title>Immer radikal, niemals konsequent</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 13:13:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Illegalität]]></category>

		<category><![CDATA[Legalität]]></category>

		<category><![CDATA[Marx]]></category>

		<category><![CDATA[Radikalität]]></category>

		<category><![CDATA[Repression]]></category>

		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

		<category><![CDATA[Widerstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Um das Leben der Menschen zu verändern und aus seinen bestehenden Schranken lösen zu können, mussten nicht allein die vorhandenen politischen und sozialen Verhältnisse in Frage gestellt werden, sondern auch jene ihnen zugrunde liegende scheinbar unverrückbare Ordnung. 
Die Begrenzungen einer Wirklichkeit, eines Denkens, dessen ideologische Basis in jenem notwendig falschen Bewusstsein begründet lag, von dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um das Leben der Menschen zu verändern und aus seinen bestehenden Schranken lösen zu können, mussten nicht allein die vorhandenen politischen und sozialen Verhältnisse in Frage gestellt werden, sondern auch jene ihnen zugrunde liegende scheinbar unverrückbare Ordnung. </p>
<p>Die Begrenzungen einer Wirklichkeit, eines Denkens, dessen ideologische Basis in jenem<em> notwendig falschen Bewusstsein</em> begründet lag, von dem Marx einst geschrieben hatte, mussten notwendigerweise überwunden werden.</p>
<p>Und zugleich jene damit verbundene Vorstellung, die die Freiheit des Einzelnen mit der Freiheit des Marktes gleichgesetzt und die wirtschaftlichen und sozialen Priviliegien einer Minderheit innerhalb der Bevölkerung über die Interessen der Mehrheit gestellt hatte. </p>
<p>Die von Staat und Gesellschaft definierten Normen und Gesetze, die dem einzuleitenden Befreiungsprozess entgegen standen, aber galt es, wo es notwendig war, zu überschreiten.</p>
<p>Denn vor dem Hintergrund jenes <em>falschen Lebens</em> und einer von Grund auf neu zu schaffenden, neu zu ordnenden und gestaltenden Welt konnten Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Handelns nicht durch Regelwerke und durch Festlegungen und überkommene Verbote gerade jener definiert und bestimmt werden, deren einziges Interesse darin bestand, mit allen Mitteln und um jeden Preis am Bestehenden und der eigenen Macht festzuhalten.</p>
<p>Nicht die Frage von Legalität oder Illegalität konnte also im Zentrum der Entscheidungen über das politische Handeln und Vorgehen stehen, sondern einzig und allein dessen Legitimität und Verantwortbarkeit, dessen Notwendigkeit im bestimmten Moment.</p>
<p>Das Besetzen von leer stehendem und zu Spekulationszwecken missbrauchtem Wohnraum oder aber das Aufhalten von Atomtransporten ins Wendland aber waren vor diesem Hintergrund ethisch zulässige und begründete Formen des Protests und der Wiederaneignung gewesen.</p>
<p>Und der Widerstand gegen staatliche Repression, polizeiliche Übergriffe, gegen Willkür und Gewalt war ein untrennbarer Bestandteil eines elementaren Rechts der Menschen auf Veränderung der sozialen Verhältnisse, auf Verteidigung der persönlichen Freiheit, auf politische Selbstbestimmung und damit, wie ich damals befand, zweifellos legitim. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/ea0f07d5a4b640899f448fd0d90d7108" width="1" height="1"></p>
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		<title>Stimmen</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/stimmen-4/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 17:33:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Post-Popliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Sternzeichen]]></category>

		<category><![CDATA[Untermieter]]></category>

		<category><![CDATA[Wohnungssuche]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst beginnst du dein Kapitel über Waschsalons mit einem Satz über zufällige Begegnungen in der Großstadt und romantische Liebe undsoweiter und man wartet schon ganz gespannt darauf, was jetzt kommen wird, und dann folgt daraus wieder keine Geschichte, sondern letztendlich passiert überhaupt nichts, hält mir eine der Leserstimmen vor. 
Eine zweite Stimme räuspert sich vernehmlich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Erst beginnst du dein Kapitel über Waschsalons mit einem Satz über zufällige Begegnungen in der Großstadt und romantische Liebe undsoweiter und man wartet schon ganz gespannt darauf, was jetzt kommen wird, und dann folgt daraus wieder keine Geschichte, sondern letztendlich passiert überhaupt nichts</em>, hält mir eine der Leserstimmen vor. </p>
<p>Eine zweite Stimme räuspert sich vernehmlich, fügt hinzu : <em>Tja, es gibt eben offenbar auch eine Literatur, die sich eher mit dem beschäftigt, was nicht passiert, als mit dem was geschieht. . .</em></p>
<p>Ich aber denke an Beckett und Pessoa, an Proust, Thomas Mann und bin schon im Begriff, eine Lanze zu brechen für eine Literatur, die tatsächlich auch das, jenes Nebeneinander von Ereignissen und Versäumten, von Geschehnissen und von Ungeschehen gebliebenem aufgreift, das in jeder Geschichte und in jedem Leben existiert, eine Literatur, die vom Warten erzählt und den hundert Möglichkeiten des Tages, von denen eine dann schließlich Wirklichkeit wird, und mitunter noch nicht einmal diese, als ich von einer dritten Stimme unterbrochen werde:</p>
<p><em>Wieso, die Geschichte von der Waschmaschine ohne Waschpulver, Wasser und Strom war doch ganz amüsant. . .</em></p>
<p>Eine weitere Stimme kommt hinzu: <em>Mir hat vor allen Dingen der letzte Abschnitt mit dem Mann, der im Waschsalon wohnt, gefallen. </em></p>
<p><em>Ja mir auch, bloß für meinen Geschmack hättest du gerade diesen Teil der Geschichte wiederum etwas ausführlicher erzählen können. . .</em></p>
<p><em>Also ich hätte mir das gesamte Kapitel eher ein wenig knapper und kürzer gewünscht</em>, widerspricht eine weitere Stimme, und vielleicht, denke ich, sollte ich den Text in einer späteren Fassung tatsächlich anders ordnen und schneiden und die einzelnen Passagen eher einzeln und verstreut in den Zusammenhang der Erzählung einfügen.</p>
<p>Später. . .</p>
<p>Im Moment aber suche ich den geeigneten Punkt, den Beginn, um die angefangene Geschichte mit Carolin und den Anderen aus der Gruppe wieder aufzugreifen und dort fortzufahren. . .</p>
<p>Eines aber möchte ich zuvor noch erzählen: Gestern erst war ich wieder zum Waschen im Waschsalon in der Warschauer Straße und wie immer wenn ich dort bin habe ich auch die Zettel an der Pinwand am Eingang gelesen. </p>
<p>Auf einem davon fand ich nachfolgenden Text:</p>
<p> <em> Ich suche einen Untermietraum incl. wenig Strom/ Wasser u. Küchen/ Badbenutzung<br />
  zum insgesamten Preis von 110 Euro/ Monat und möchte keine Vermieter der Sternzeichen Löwe,<br />
  Widder, Krebs, Wassermann, Schütze, Zwilling bzw. Skorpion als Sternzeichen haben.<br />
  Bitte keine SMS und Anrufer ohne Telefonnummer. . .</em></p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5e12a6876f2d4d39bdf15657d302bdaa" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 12</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-12/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2009 09:16:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bartleby]]></category>

		<category><![CDATA[Begegnungen]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Sekt]]></category>

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		<description><![CDATA[Niemals habe ich es erlebt, dass  jener stille Bewohner des Waschsalons irgendetwas gesagt  hätte, sich mit einem der anderen Besucher dort unterhielt. Und ich habe auch nie beobachtet, dass er irgendwann einmal einen der von ihm gedrehten Joints anderen angeboten und mit ihnen geteilt hätte.
So war es offenbar nicht der Wunsch unter Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Niemals habe ich es erlebt, dass  jener stille Bewohner des Waschsalons irgendetwas gesagt  hätte, sich mit einem der anderen Besucher dort unterhielt. Und ich habe auch nie beobachtet, dass er irgendwann einmal einen der von ihm gedrehten Joints anderen angeboten und mit ihnen geteilt hätte.</p>
<p>So war es offenbar nicht der Wunsch unter Menschen zu kommen gewesen, nicht die Suche nach Gesellschaft, die ihn ausgerechnet hierher zog. Oder doch?</p>
<p>Von dem Geld, das er Tag für Tag für sein Marihuana ausgab, aber hätte er, denke ich, sicher wohl ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in der Nähe vom Ostkreuz oder irgendwo sonst in der Nähe mieten können. </p>
<p>Doch so kann man, ich weiß es, nicht rechnen.</p>
<p>Gerne hätte ich mich mit ihm unterhalten, ihn das eine oder andere gefragt, wenn die Situation und der Augenblick das erlaubt hätten. </p>
<p>Jener ruhige und ganz eigene Ausdruck in seinem Blick, seiner Miene, jene freundliche und stille Distanz die von ihm, seiner gesamten Erscheinung ausgingen jedoch, hatten es mir unmöglich gemacht, meiner Neugier zu folgen.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob er nachts einen festen Schlafplatz besaß oder nicht und ob er seine Tage vielleicht deswegen nur im Waschsalon verbrachte, weil die eigene Wohnung zu kalt und aus irgendeinem Grund nicht beheizbar gewesen war, weil die Heizung oder aber der Strom dort abgestellt worden waren.</p>
<p>Wozu aber hätte er dann, wenn er irgendwo in der Stadt eine Wohnung besaß, stets jene große und schwere Tasche mit sich herum schleppen sollen, die, so glaube ich, alles enthielt, was er an Dingen besaß?</p>
<p>Alles das war mir seinerzeit durch den Kopf gegangen. Mit dem Ende der Winterzeit und dem Kommen der wärmeren Tage aber war auch der Mann plötzlich eines Tages aus dem Waschsalon verschwunden und er tauchte von da an auch späterhin nicht mehr dort auf.</p>
<p>Ich erinnere mich noch an unsere Begegnung, an das letzte Mal als ich ihn dort gesehen hatte. </p>
<p>Statt des obligatorischen Joints in der Hand hatte er damals eine Flasche mit Sekt vor sich stehen gehabt, keine jener ganz billigen Sorten mit Schraubverschluss, sondern einen Freixenet seco, die bei meiner Ankunft bereits geöffnet und knapp zur Hälfte geleert gewesen war.</p>
<p>Der Mann aber hatte den Sekt keineswegs aus der Flasche getrunken, sondern sich dafür eigens ein Glas in den Waschsalon mitgebracht. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/6c8259c59fa64c22980bf3eedd0ffae8" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 11</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-11/</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Sep 2009 13:01:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bartleby]]></category>

		<category><![CDATA[Friedrichshain]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

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		<description><![CDATA[Über den Winter hinweg hatte ein Mann dort im Waschsalon gewohnt, gemeinsam mit einem großen und schwerfälligen alten Hund, der sich bei ihm befand, und mit dem er sein Leben zu teilen schien.
Der Mann war, so vermute ich, noch nicht älter als dreißig gewesen, eher jünger als das, schlank und groß, mit zu Rasta-Zöpfen geflochtenem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Winter hinweg hatte ein Mann dort im Waschsalon gewohnt, gemeinsam mit einem großen und schwerfälligen alten Hund, der sich bei ihm befand, und mit dem er sein Leben zu teilen schien.</p>
<p>Der Mann war, so vermute ich, noch nicht älter als dreißig gewesen, eher jünger als das, schlank und groß, mit zu Rasta-Zöpfen geflochtenem langen blonden Haar und einem Blick, der im gleichen Maß freundlich und unbeirrbar auf den Menschen und Dingen ruhte und dabei zu erklären schien, dass es keiner weiteren Erklärung bedarf: weder für seine eigene Existenz, für sein eigenes Leben dort, noch das Leben und Dasein der anderen.</p>
<p>Was er anschließend unternahm, wenn der Waschsalon irgendwann abends zu machte, wo er nach dessen Schließung verblieb und die Nächte verbrachte, ist mir immer ein Rätsel geblieben.</p>
<p>Tagsüber aber hatte er jedes Mal wenn ich selber dort eintraf am Ende des Gangs gegenüber vom Eingang des Waschsalons gesessen zwischen Waschmaschinen und Trocknern, vor sich eine Tasche mit seinen Sache, neben ihm auf dem Boden der Hund.</p>
<p>Seine einzige Aktivität und Beschäftigung, die die Tage und Stunden füllte, schien darin zu bestehen, Gras zu rauchen und den eigenen Gedanken dabei nachzugehen.</p>
<p>Zumindest sah ich ihn in der ganzen Zeit nie etwas anderes tun. Hatte er gerade aufgeraucht, begann er, wenig später zumeist, einen neuen Joint zu drehen und anschließend zu rauchen.</p>
<p>Währenddessen hatte sein Hund unbewegt und in vollkommener Ruhe an seiner Seite gelegen, aus einem angeborenem Phlegma, einer ihm eigenen Langsamkeit und vielleicht schon beginnenden Altersschwäche heraus oder aber, wie ich eher vermutete, infolge jenes unentwegt von ihm mit inhalierten Rauchs.</p>
<p>So hatten seine großen Augen ruhig und ein klein wenig glasig und trübe vor sich hin geblickt, in den Raum, das Geschehen darin und kaum aufgesehen, wenn ein neuer Kunde die Tür öffnete und herein kam.</p>
<p>Jener unverkennbare Marihuana-Geruch hatte indes den gesamten hinteren Teil des Waschsalons mit sich angefüllt und in Nebel gehüllt, sodass ich zumeist eine der Maschinen im vorderen Teil des Raumes gewählt hatte, nahe dem Eingang.</p>
<p>Andere Besucherinnen und Besucher waren in dieser Hinsicht jedoch offenbar etwas weniger empfindlich gewesen als ich oder, anders herum, vielleicht möglicherweise auch etwas eher empfänglich dafür.</p>
<p>So hatte manch einer dort völlig gleichmütig inmitten jener dichten Schwaden, jenes durchdringenden und betäubenden schweren Aroms ausgeharrt und dabei auf seine Wäsche gewartet. . .</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cb332d14689c4d5d9b565873a0229543" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Waschsalon Teil 10</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/09/waschsalon-teil-10/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 16:36:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Friedrichshain]]></category>

		<category><![CDATA[Ost-Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Rucksacktouristen]]></category>

		<category><![CDATA[Warschauer Strasse]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf der Suche nach einem neuen Waschsalon war ich eher zufällig im Vorbeifahren auf ein Waschcenter im benachbarten Friedrichshain gestoßen, im ehemaligen Ostteil also von Berlin. 
Das Waschcenter befand sich direkt an der Warschauer Straße und gehörte bereits zu jener neuen Generation von Waschsalons, wie man sie nunmehr nahezu überall antrifft. Der Automat, an dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Suche nach einem neuen Waschsalon war ich eher zufällig im Vorbeifahren auf ein Waschcenter im benachbarten Friedrichshain gestoßen, im ehemaligen Ostteil also von Berlin. </p>
<p>Das Waschcenter befand sich direkt an der Warschauer Straße und gehörte bereits zu jener neuen Generation von Waschsalons, wie man sie nunmehr nahezu überall antrifft. Der Automat, an dem die Maschinen bezahlt werden mussten, konnte Wechselgeld herausgeben und nahm außer Hartgeld auch Geldscheine an. </p>
<p>Die Maschinen konnten wahlweise mit oder aber auch ohne den gleichzeitigen Kauf von Waschpulver benutzt werden und die Wäsche kam am Ende des Waschvorgangs bereits soweit getrocknet aus der Maschine, dass man sie nicht mehr zuvor schleudern musste, bevor man sie in den Trockner tat.</p>
<p>Der Raum selbst aber war insgesamt keine fünfzig Quadratmeter groß gewesen. </p>
<p>Um Platz zu sparen, gab es in seinem Inneren keine Tische und Sitzbänke mehr und wer drinnen warten wollte, musste notgedrungen auf einer der Waschmaschinen Platz nehmen, sofern er nicht einen der beiden einzigen Stühle, die zu seiner Einrichtung gehörten, ergatterte. . .</p>
<p>Um vom Schlesischen Tor aus zum Waschsalon zu gelangen, brauchte ich nur die Oberbaum-Brücke zu überqueren, und ein kurzes Stück gerade aus mit der Straßenbahn zu fahren, sofern ich nicht das Rad nehmen oder aber die zwei Stationen bis dorthin zu Fuß laufen wollte.</p>
<p>Das Publikum dort in Friedrichshain wiederum war ein vollkommen anderes gewesen als zuvor in Neukölln und in Kreuzberg und bestand zu einem großen Teil aus ausländischen Rucksack-Touristen, die in einem der zahlreichen preiswerten Hostels rings um die Warschauer Straße und die East Side Gallery  untergekommen waren.</p>
<p>Diese waren jedoch unschwer an den mitgebrachten Gepäckstücken zu erkennen gewesen und zugleich an den ratlosen Mienen und Blicken, mit denen sie nach Betreten des Waschsalons die ausschließlich in Deutsch gehaltene Gebrauchsanweisung für die Waschmaschinen und die Nutzung des Geldautomaten betrachteten, manchmal noch eine Zeit lang zu deuten versuchten, bevor sie sich dann schließlich irgendwann suchend nach Hilfe umsahen. . .</p>
<p>Und so drehten sich auch die in unterschiedlichen Sprachen und Dialekten dort geführten Gespräche immer wieder um das eine Thema, die Entschlüsselung und Übersetzung jener rätselhaften Bedienungsanleitung. . . </p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/cf844b207fbb4b20b82e6568440ea4e4" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 9</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 12:57:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alltagsbegegnungen]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzkölln]]></category>

		<category><![CDATA[Landwehrkanal]]></category>

		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Weg zum Waschsalon führte mich also fortan einmal in der Woche bis nach Neukölln: ein Umstand, den auch Martin, dem ich davon erzählte, damals nur mit einem Kopfschütteln quittiert hatte.
„Hm. Gibt es da denn nicht noch eine andere Lösung? Ich meine, gibts nicht irgendwo noch was anderes hier in der Nähe?“
„Nein, soweit ich weiß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Weg zum Waschsalon führte mich also fortan einmal in der Woche bis nach Neukölln: ein Umstand, den auch Martin, dem ich davon erzählte, damals nur mit einem Kopfschütteln quittiert hatte.</p>
<p>„Hm. Gibt es da denn nicht noch eine andere Lösung? Ich meine, gibts nicht irgendwo noch was anderes hier in der Nähe?“<br />
„Nein, soweit ich weiß nicht“, hatte ich ihm geantwortet. “Erst am Mehringdamm wieder.“<br />
„Am Mehringdamm- das ist schlecht und auf Dauer kein Zustand. Vielleicht solltest du dir ja doch nochmal überlegen, dir vielleicht eine andere Wohnung zu nehmen und dir dann endlich auch einmal eine eigene Waschmaschine zuzulegen. Ich mein ja nur, so als Tipp. . .“</p>
<p>Der neue Waschsalon aber hatte sich in der Reuterstraße befunden, nicht weit vom Reuterplatz entfernt, in jener Gegend zwischen Sonnenallee und Landwehrkanal also, die von einigen heute auch als <em>Kreuzkölln</em> bezeichnet wird, und mit dem Fahrrad, das ich für diese Strecke benutzte, war ich kaum länger unterwegs gewesen, als zuvor in die Wiener Straße, wie ich zu meiner Überraschung feststellte.</p>
<p>Die Einrichtung dort war vergleichsweise neu und modern gewesen und man brauchte für die Benutzung der Waschmaschinen, Schleudern und Trockner auch keine Waschpoletten mehr zu kaufen. Gleich nebenan hatte es einen kleinen Laden und Kiosk gegeben, wo man gegebenenfalls auch Geld wechseln konnte, und schräg gegenüber davon einen Bäcker mit belegten Baguettes, knusprigen Croissants und frisch bereitetem Kaffee.</p>
<p>So hatte ich meinen wöchentlichen Weg schließlich als eine Art unvermeidbaren Preis zu betrachten begonnen, als Tribut an jene äußeren Umstände, um deren Koordinaten herum ich mein Leben geordnet und organisiert hatte und mit denen ich mich, meine eigene Existenz damals auf untrennbare Art und Weise verwoben sah. </p>
<p>Und zugleich hatte ich darin eine Art von Anknüpfung, von Reminiszenz an jene allererste Zeit in Berlin zu erkennen geglaubt, eine Zeit, in der ich damals ebenfalls ja eine Weile lang in Neukölln gewohnt hatte. . .</p>
<p>Doch auch dieser Waschsalon sollte nach einiger Zeit schließen, infolge einer Insolvenz seines Betreibers und zunächst nur vorüber gehend, wie ein Schild dort im Schaufenster verkündete. Ob, und falls ja aber, wann dort einmal wieder geöffnet sein würde, war damals unklar gewesen.</p>
<p>So musste ich meine Suche von Neuem beginnen.</p>
<p>Weder dort, in Neukölln, noch in einem der anderen Waschsalons aber hatte sich bislang eines jener schicksalhaften Zusammentreffen ereignet, deren Vorstellung zuweilen auch meine Phantasie bewegt hatte.</p>
<p>Inwieweit dieses Ausbleiben jedoch mit den jeweiligen Konstellationen zusammen hing, mit den konkreten Umständen, mit dem Fehlen geeigneter Situationen, Begegnungen und Momente, oder aber vielmehr in mir selbst, meiner unzureichenden Fähigkeit, solche Augenblicke zu erkennen seine Ursache hatte, wer weiß. . .</p>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/d392e02ac43a42b19fdf819f08dd2423" width="1" height="1"></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Waschsalon Teil 8</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/08/waschsalon-teil-8/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/08/waschsalon-teil-8/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 12:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Schneller als ich selbst es am Anfang geglaubt hatte, hatte ich mich an den neuen Ort zu gewöhnen begonnen, ohne damals zu ahnen, dass auch der Waschsalon in der Wiener Straße nach einiger Zeit geschlossen werden würde.
Über den tatsächlichen Hintergrund jener späteren Schließung kann ich dabei indes auch in diesem Fall nichts Gewisses sagen. 
Sicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schneller als ich selbst es am Anfang geglaubt hatte, hatte ich mich an den neuen Ort zu gewöhnen begonnen, ohne damals zu ahnen, dass auch der Waschsalon in der Wiener Straße nach einiger Zeit geschlossen werden würde.</p>
<p>Über den tatsächlichen Hintergrund jener späteren Schließung kann ich dabei indes auch in diesem Fall nichts Gewisses sagen. </p>
<p>Sicher scheint mir nur, dass die Gründe hierfür nicht alleine in einem Mangel an Kundschaft gelegen haben konnten, war der Waschsalon doch, wie gesagt, zumeist gut besucht gewesen.</p>
<p>Ob und inwieweit die Ursache aber in einem plötzlichen Anstieg der Ladenmiete bestanden hatte, einem Auslaufen des bestehenden Mietvertrages oder aber in Zusammenhang mit den Drogengeschäften, die eine Weile lang um den Waschsalon herum abgewickelt worden waren, ist mir unbekannt.</p>
<p>Ich denke jedoch, dass es wohl auch die wiederkehrenden Verwüstungen gewesen sein mögen, die den Betreiber des Waschsalons irgendwann schließlich zur Aufgabe bewegt hatten. </p>
<p>So waren in der letzten Zeit immer wieder die Glasscheiben der Trockner zerstört und die gläsernen Luken der Waschmaschinen abgerissen worden. . .</p>
<p>Also hatte ich eines Tages auch dort vor verschlossenen Türen gestanden.</p>
<p>Dies aber hatte mich in der Folgezeit nicht nur dazu gezwungen, auf dem Weg in den nächstgelegenen Waschsalon das Gebiet um den Wrangelkiez zu verlassen, sondern weit über den Görlitzer Park und die Wiener Straße hinaus nunmehr auch meinen eigenen Bezirk.</p>
<p>Denn jener neue Waschsalon, den ich von nun an aufsuchen musste, befand sich bereits hinter jener Grenze, die der Landwehrkanal beschrieb, um die eine Welt von der anderen zu trennen.</p>
<p>Und lag damit schon in einem Teil und Gebiet der Stadt, das ein Mensch, der in Kreuzberg wohnte, damals allenfalls eilig durchquerte, um auf kürzestem Wege von einem Teil Kreuzbergs zum anderen zu gelangen, das er sonst aber eigentlich nie ohne besonderen Grund und Anlass betrat, wenn nicht dringende, unvermeidbare Umstände ihn denn doch dazu zwangen, Neukölln. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/1b8f32d59f6e4f81bcba057bd839a540" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 7</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 12:24:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Alltagsritual]]></category>

		<category><![CDATA[Gewohnheiten]]></category>

		<category><![CDATA[Gino]]></category>

		<category><![CDATA[Rituale]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Rituale, weiß die vielwissende Wikipedia zu berichten, vereinfachen  die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Situationen. Dabei geht es jedoch keineswegs nur darum, unseren Handlungen einen tieferen Symbol- und Bedeutungsgehalt zu verleihen. 
Denn vielmehr noch als das versöhnen Rituale uns mit uns selbst, mit dem Leben, dem Gleichlauf und der Wiederkehr von Ereignissen, Handlungen, Dingen.
So entschärfen sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rituale, weiß die vielwissende Wikipedia zu berichten, vereinfachen <em> die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Situationen</em>. Dabei geht es jedoch keineswegs nur darum, unseren Handlungen einen tieferen Symbol- und Bedeutungsgehalt zu verleihen. </p>
<p>Denn vielmehr noch als das versöhnen Rituale uns mit uns selbst, mit dem Leben, dem Gleichlauf und der Wiederkehr von Ereignissen, Handlungen, Dingen.</p>
<p>So entschärfen sie in Gefühl und Bewusstsein nicht nur das, was sich unvermeidbarer Weise wiederholt, immer wieder getan werden muss, sondern tragen uns auf dem Grund des Bekannten und Vertrauten sanft durch unseren Alltag. . .</p>
<p>Direkt gegenüber vom Waschsalon befand sich praktischer Weise ein türkischer Mini-Markt, der auch am Wochenende geöffnet hatte, und in welchem man neben Lebensmitteln auch Tabak, Zigarettenpapier und Getränke bekam. </p>
<p>Und ein kleines Stück weiter nur gab es in der Wiener Straße eine Stehpizzeria, ähnlich der, mit der Gino damals sein Geschäft in der Wrangelstraße begonnen hatte, von dessen Aufstieg und Niedergang später noch zu erzählen sein wird.</p>
<p>Im Inneren des Waschsalons war das Schild eines Wachschutzunternehmens angebracht gewesen, offenbar mit dem Ziel, alle diejenigen abzuschrecken, die nicht wegen des Waschens hierher kamen. Doch ich selbst habe nie einen Mitarbeiter eines Wachschutzes dort gesehen. </p>
<p>Die Obdachlosen aus dem Wrangelkiez aber hatten nach der Schließung des alten Waschsalons in der Oppelner Straße den Weg über den Görlitzer Park hinweg bis hierher offenbar nicht gefunden.</p>
<p>Nur eine einzelne obdachlose Frau, deren Revier damals in der Wiener Straße lag, hatte von Zeit zu Zeit da gesessen oder auf einer Bank dort geschlafen, den Einkaufswagen mit ihren Habseligkeiten und Tüten stets in ihrer Nähe.</p>
<p>Die Frau mochte etwa um die fünfzig herum gewesen sein. Doch vielleicht war sie auch in Wirklichkeit um ein paar Jahre jünger gewesen und nur vorzeitig gealtert. Wenn sie schlief, ließ man ihr ihren Platz auf der Bank, waren alle dort sogar sichtlich bemüht gewesen, sie dabei nicht versehentlich zu wecken.</p>
<p>Denn war sie erstmal wach, begann sie manchmal völlig unvermittelt aus dem Nichts heraus ohne sichtbaren Anlass und Grund laut zu schreien und zu schimpfen, sodass man unwillkürlich erschrocken zusammen fuhr, wenn man neben ihr saß.</p>
<p>Ob diese Frau aber aus einer plötzlichen Angst oder Wut heraus zu schreien begann und ob sie sich dabei an ein unsichtbares aber in ihrer Wahrnehmung existierendes Gegenüber wandte, oder aber auch an die ganze Welt war dabei indes nie ganz klar gewesen. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/87d7f01a7c244f92a22797afe2a4499a" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 6</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Aug 2009 11:55:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[1.Mai Demo]]></category>

		<category><![CDATA[Barrikaden]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Polizei]]></category>

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		<description><![CDATA[Anders als mein früherer  Waschsalon war der Waschsalon in der Wiener Straße an den meisten Tagen gut besucht gewesen, sodass es nicht selten vorkam, dass ich mit meiner Wäsche dort warten musste, bis schließlich eine der Maschinen oder Schleudern dort frei wurde.
Türkischstämmige Frauen kamen mit ihren Kindern und mit großen voll gepackten Taschen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anders als mein früherer  Waschsalon war der Waschsalon in der Wiener Straße an den meisten Tagen gut besucht gewesen, sodass es nicht selten vorkam, dass ich mit meiner Wäsche dort warten musste, bis schließlich eine der Maschinen oder Schleudern dort frei wurde.</p>
<p>Türkischstämmige Frauen kamen mit ihren Kindern und mit großen voll gepackten Taschen und Körben voll Wäsche, Studenten lasen Zeitungen oder Bücher.</p>
<p>Ältere Damen glätteten ihre frisch gewaschenen Laken und Bezüge in der Wäschemangel, für deren Betrieb zuvor ebenfalls erst eine Polette gezogen werden musste, und legten ihre sauber gefalteten Wäschestücke sorgfältig aufeinander.</p>
<p>Punks saßen in Unterhosen und Stiefeln auf den Holzbänken während ihre Wäsche sich in der Waschmaschine vor ihnen drehte. . .</p>
<p>Ich erinnere mich im Nachhinein kaum mehr an einzelne Tage, an bestimmte Momente und Situationen dort. Ein Ereignis jedoch ist mir deutlich im Gedächtnis geblieben. </p>
<p>Es muss 89 gewesen sein oder möglicherweise auch ein Jahr später, im Verlauf jedenfalls einer jener zahlreichen kleinen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, die es damals häufig noch am Anschluss  an die <em>Revolutionäre 1. Mai Demonstration </em>in Kreuzberg in den nachfolgenden Tagen gegeben hatte.</p>
<p>Diese Nachbeben des 1. Mais hatten mitunter einen heftigen und stürmischen Verlauf genommen. Manchmal aber hatte es sich dabei auch nur um ein eher unbedeutendes Geplänkel gehandelt.</p>
<p>Von meinem Platz auf der Bank aus hatte ich durch das Fenster des Waschsalons einen einzelnen Mann auf der Straße beobachtet, der, offenbar mit dem Ziel Material für den Bau einer Barrikade zu gewinnen, dort versucht hatte, mit bloßen Händen einen auf dem Bürgersteig stehenden grauen Stromkasten aus seiner  Verankerung heraus zu reißen: Ein von vorne herein völlig hoffnungsloses Unterfangen.</p>
<p>Dies hatte irgendwann, wenn auch spät und mit einiger Verzögerung erst, auch jener Mann eingesehen, der sich nach ein Weile vergeblicher Anstrengung zu guter Letzt ratlos um geblickt hatte.</p>
<p>Kurz darauf war der Mann durch die Tür in den Waschsalon getreten, wo er sich, etwas atemlos noch, mit leuchtendem Blick und begeisterter Miene an das Publikum drinnen wandte: „Sagt mal, wollen wir nicht alle zusammen jetzt rausgehen und Widerstand leisten?“</p>
<p>Während die übrigen Anwesenden im Raum dazu schwiegen, hatte ich seinen Blick erwidert und ihm zugenickt, mit der Hand aber auf meine laufende Waschmaschine gedeutet und dazu mit den Achseln gezuckt und erklärt, meine Wäsche sei noch nicht fertig. </p>
<p>Dieser Einwand indes hatte ihm, wie es schien, sogleich eingeleuchtet. </p>
<p>So war er ebenso unversehens und schnell schon im nächsten Moment wieder nach draußen geeilt.</p>
<p>Wenig später aber hatte ich gesehen, wie er statt des Stromkastens nunmehr einen anderen Gegenstand entdeckt hatte, um den Bau jener Barrikade zu beginnen:  einen Pappkarton, den er  in seinen Armen trug und den er auf der Mitte der Straße platzierte, als Barriere und Wall gegen die unter Blaulicht und Sirenen nahende in Mercedes-Transportern heran rollende Polizeimacht. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d82dabe2efdf45fc8c8bb930835a01f7" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 5</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 13:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg 36]]></category>

		<category><![CDATA[Poletten]]></category>

		<category><![CDATA[Waschpoletten]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalons]]></category>

		<category><![CDATA[Wiener Straße]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Waschsalon in der Wiener Straße gehörte, so wie der zuvor in der Oppelner Straße auch, noch zu einem Typ, einer Generation von Waschsalons, wie man sie heutzutage schon längst nicht mehr antrifft.
Um dort waschen und eine der Maschinen starten zu können, musste man zunächst eine sogenannte Waschpolette kaufen, eine Art Münze, die man vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Waschsalon in der Wiener Straße gehörte, so wie der zuvor in der Oppelner Straße auch, noch zu einem Typ, einer Generation von Waschsalons, wie man sie heutzutage schon längst nicht mehr antrifft.</p>
<p>Um dort waschen und eine der Maschinen starten zu können, musste man zunächst eine sogenannte Waschpolette kaufen, eine Art Münze, die man vor dem Waschen in einen Münzschlitz an der Maschine einwerfen musste.  </p>
<p>Diese Waschpoletten mussten wiederum an einem Automaten gezogen werden, der weder Geldscheine annehmen, noch Wechselgeld herausgeben konnte. </p>
<p>So drehte sich stets ein nicht unerheblicher Teil der Gespräche und Aktivitäten der dort anwesenden Personen um die Suche und das gegenseitige Tauschen und Wechseln von passendem Kleingeld. </p>
<p>Den Poletten selbst aber kam somit, ähnlich wie den italienischen Telefonmünzen, den Gettoni, quasi die Funktion einer Art Zweitwährung zu. Und mitunter kam es vor, dass man sie weit entfernt von ihrem eigentlichen Bestimmungsort, etwa an einem Kiosk, auch als Wechselgeld in die Hand bekam. </p>
<p>Auch sollen findige Menschen sie von Zeit zu Zeit kopiert und durch passende Rohlinge ersetzt haben, so sagt man. . .</p>
<p>Der Erfolg und das jeweilige Resultat des Waschganges war auch hier ebenso  unvorhersehbar gewesen wie zuvor in der Oppelner Straße. Stets aber war die Wäsche am Ende des Waschens noch so nass gewesen, dass man nicht umhin kam, sie in einer der tonnenförmigen Schleudern im Anschluss daran noch zu schleudern. </p>
<p>Dafür musste zunächst eine weitere, dieses Mal jedoch eine andere Art von Polette am Automaten gezogen werden. Die nasse Wäsche wiederum konnte nicht einfach so in die Schleuder getan und geschleudert werden, sondern musste zuvor erst noch sorgsam darin verteilt werden.</p>
<p>Waren aber leichte und schwerere Wäschestücke innerhalb der Trommel nicht in einem ausgewogenen und genau berechnetem Verhältnis verteilt, kam es vor, dass die Schleuder sich gar nicht erst in Betrieb zu setzen begann.</p>
<p>Tat sie es aber doch, geschah dies unter einem zuweilen nahezu infernalischen Lärm, einem Ruckeln und Schütteln, Brummen und Vibrieren, dass nicht alleine die eigenen Nerven strapazierte, sondern einem zugleich auch die vorwurfsvollen und missbilligenden<br />
Blicke aller übrigen Anwesenden einbrachte. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/8c4c9d97977744c1b942df830f76b0d5" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 4</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 06:09:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Waschmaschine]]></category>

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		<description><![CDATA[„Das Prinzip ist ganz einfach“, hatte Steffen erklärt und mich in den hinteren Teil seines Zimmers geführt. Dort hatte an einer Wand ein Karton auf dem Boden gestanden, in dem sich, wie ich sah, bereits ein paar gebrauchte Wäschestücke  befanden. 
„Also gut, pass auf. Du nimmst dir einen Pappkarton, so wie diesen hier, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Das Prinzip ist ganz einfach“, hatte Steffen erklärt und mich in den hinteren Teil seines Zimmers geführt. Dort hatte an einer Wand ein Karton auf dem Boden gestanden, in dem sich, wie ich sah, bereits ein paar gebrauchte Wäschestücke  befanden. </p>
<p>„Also gut, pass auf. Du nimmst dir einen Pappkarton, so wie diesen hier, und tust deine gebrauchten Sachen nachdem du sie gewechselt hast immer anschließend dort hinein. Danach wartest du solange ab, bis der Karton schließlich irgendwann bis oben voll ist.“<br />
„ Schön. Und dann?“<br />
„Wenn er schließlich ganz voll ist, und nichts mehr oben hinein passt, fasst du mit deinen Händen hinein und fängst an die gesamte Wäsche darin ein paar Mal um zudrehen und von unten nach oben zu wenden“, hatte Steffen geantwortet und zugleich dabei mit seinen Armen und  Händen, das zuvor von ihm beschriebene Verfahren demonstriert.<br />
 „Also, ungefähr so.“<br />
„Ich verstehe. Und dann?“<br />
„Danach nimmst du die Wäsche wieder heraus. Fertig!“</p>
<p><em>Die Erinnerung an &#8220;Steffens Waschmaschine&#8221; lässt mich nun, wo ich darüber schreibe, zugleich unweigerlich auch andere Geschichten zurück denken, die er damals bei unterschiedlichen Gelegenheiten erzählt hatte, stets im gleichen und ganz nüchtern berichtenden Ton und mit vollkommen ernster Miene, wie etwa die ebenso legendäre Geschichte vom toten Hund. . .</p>
<p>Und sie führt mich zurück in weit zurück liegende Abende und Nächte, zu vergangenen Partys und Festen, auf denen wir, Steffen und ich,  manchmal einfach so , ohne dass wir uns dabei abgesprochen oder irgendeine bestimmte Absicht damit verfolgt hatten, völlig frei erfundene Geschichten zu erzählen begonnen hatten, über uns, unser Leben, über Dinge die angeblich passiert waren, die wir beide beruflich taten . . .</p>
<p>Doch geschah dies im Allgemeinen nur dann, wenn die Abende sonst eher schleppend verlaufen und die anwesenden Gäste dort, sagen wir, etwas spröde gewesen waren, wenn ich mich recht entsinne, sodass Rausch und Fiktion dort die einzigen Fluchtwege bildeten&#8230;</p>
<p>Ich erinnere mich noch an gelegentliche Proteste, die mich mitunter später erreichten: „Sag mal, Steffen war ja neulich Abend mal wieder vollkommen besoffen und hat die ganze Zeit über wieder nichts als Unsinn erzählt. Und du übrigens auch. . .“</p>
<p>Wenn jedoch nichts dergleichen geschehen war, wenn also Steffen keine seiner eigenwilligen kleinen und lakonischen aber mitunter auch einfach wunderbaren Geschichten erzählt hatte oder mitten in der Nacht eine leidenschaftliche Debatte über Literatur und Poesie, Malerei, Politik oder Boxkämpfe zu entfachen begann, waren sämtliche Anwesenden gleichermaßen enttäuscht.</p>
<p>Dann hieß es mit einem Mal umgekehrt: „Sag mal, mit Steffen ist ja heute Abend überhaupt nichts los. Und du? Was ist mit dir? Du bist heute so schweigsam. . .“</em></p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/78221c3dcce64db9a205774de367a9d0" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/08/waschsalon-teil-3/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 11:53:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Energiesparende Waschmaschine]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Madonna]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalon]]></category>

		<category><![CDATA[Wiener Straße]]></category>

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		<description><![CDATA[In meiner kleinen und nur aus einem einzigen Raum bestehenden Wohnung hatte es damals schlichtweg nirgendwo einen möglichen Platz gegeben, um dort zusätzlich noch eine Waschmaschine unterzubringen, selbst wenn ich mir, was ich kurze Zeit überlegt hatte, eine eigene hätte anschaffen wollen.
So war mir schließlich nichts anderes übrig geblieben, als meine Wäsche von da an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In meiner kleinen und nur aus einem einzigen Raum bestehenden Wohnung hatte es damals schlichtweg nirgendwo einen möglichen Platz gegeben, um dort zusätzlich noch eine Waschmaschine unterzubringen, selbst wenn ich mir, was ich kurze Zeit überlegt hatte, eine eigene hätte anschaffen wollen.</p>
<p>So war mir schließlich nichts anderes übrig geblieben, als meine Wäsche von da an entweder bei Freunden und Bekannten zu waschen, oder auf einen anderen Waschsalon auszuweichen.</p>
<p>Beide Möglichkeiten aber waren mit einem größeren Aufwand und Weg verbunden gewesen, als zuvor, führten mich gleichermaßen weit fort aus dem mir gewohnten und vertrauten Terrain. . .</p>
<p>Ein Besuch bei Freunden musste zudem im Vorfeld verabredet, ein Termin dafür ausgemacht werden und so weiter.</p>
<p>Hinzu kam, dass die meisten gewöhnlichen Waschmaschinen über weniger Fassungsvermögen verfügten, als die großen Maschinen im Waschsalon, an die ich gewohnt war, was mich wiederum dazu zwang, öfter waschen zu gehen, oder immer gleich zwei Maschinen nacheinander zu waschen, was mehr Zeit kostete. </p>
<p>Und mitunter hatte ich dabei auch einen unausgesprochenen Vorwurf wahrzunehmen geglaubt, den Verdacht, dass ich eigentlich nur noch zum Waschen und Essen vorbeikommen und mich ansonsten überhaupt nicht mehr sehen lassen würde. . .</p>
<p>So wusch ich meine Wäsche dort meistens nur, wenn Freunde und Bekannte verreist waren und mir die Schlüssel zu ihren Wohnungen hinterlassen hatten, damit ich in der Zwischenzeit nach der Post und den Blumen sehen konnte.</p>
<p>In der übrigen Zeit aber war ich nunmehr mit meiner Tasche voll Wäsche bis zum nächst gelegenen Waschsalon gelaufen, der sich auf der anderen Seite des Görlitzer Parks, in der Wiener Straße befunden hatte, nur ein kurzes Stück vom <em>Madonna</em> entfernt. </p>
<p>Steffen, der ja selbst einmal eine Zeit über ganz in der Nähe gewohnt, und dem ich von der Schließung des ehemaligen Waschsalons in der Oppelner Straße erzählt hatte, hatte dazu indes nur mit den Achseln gezuckt und mir anschließend von seiner neuesten Erfindung erzählt: Einer Waschmaschine, die nicht allein ohne Strom funktioniere, sondern auch ohne Wasser und Waschpulver. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fdf93ff2b2d440218eaa272834024bba" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon Teil 2</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 11:05:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Görlitzer Park]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[Oppelner Straße]]></category>

		<category><![CDATA[SO 36]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelstraße]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher, also in jener  weit zurück liegenden  Zeit, von der ich bereits am Beginn der Geschichte zu erzählen begonnen hatte, um dann zu anderen Dingen zu kommen. . .  
Früher gab es noch einen eigenen Waschsalon hier im Kiez, in der Oppelner Straße, einer  Seitenstraße, die vom U-Bahnhof Schlesisches Tor auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Früher, also in jener  weit zurück liegenden  Zeit, von der ich bereits am Beginn der Geschichte zu erzählen begonnen hatte, um dann zu anderen Dingen zu kommen. . .  </p>
<p>Früher gab es noch einen eigenen Waschsalon hier im Kiez, in der Oppelner Straße, einer  Seitenstraße, die vom U-Bahnhof Schlesisches Tor auf die Wrangelstraße führt, diese kreuzt, auf die Görlitzer Straße zu läuft und an dieser dann endet.</p>
<p>Heute befindet sich an der gleichen Stelle, an der sich der Waschsalon damals befand, die <em>Getränkeoase</em>, ein Getränkemarkt, in dem sich neben Anwohnern aus der Nachbarschaft jetzt zur Sommerzeit die vorbeikommenden Scharen von Menschen auf dem Weg in den Görlitzer Park mit Getränken versorgen, sofern sie dies nicht bereits zuvor bei Shisha getan haben.</p>
<p>Seinerzeit aber brauchte ich nur das kurze Stück von zu Hause bis dorthin zu laufen, trug ich allwöchentlich meine Wäsche dorthin: immer ungewiss, in welchem Zustand und wie sauber, wie trocken oder nass, eingelaufen, verfärbt oder unversehrt sie am Ende des Waschganges wieder daraus hervorgehen würde.</p>
<p>Oftmals war ich mit einem Fehlbestand an Wäsche von dort zurückgekehrt, einem einzelnen Strumpf, dessen Gegenstück gegen alle Vernunft und Naturgesetze irgendwo auf dem Weg zwischen Waschen, Schleudern und Trocknen auf rätselhafte Weise verloren gegangen war. </p>
<p>Manchmal aber auch hatte sich genau umgekehrt auf genauso verwirrende Art und Weise ein fremdes Wäschestück zwischen meine Sachen verirrt, was zumindest in einem Falle später einmal zu einem Missverständnis geführt hatte . . .</p>
<p>Doch das rätselhafte Verschwinden mancher Wäschestücke und der immer ein wenig ungewisse Erfolg des Waschvorgangs selbst waren seinerzeit kaum der Grund  gewesen für die spätere Schließung des Waschsalons.</p>
<p>Deren Ursache dürfte vielmehr in der Tatsache gelegen haben, dass im Laufe der Jahre und der langsam voranschreitenden Modernisierung der Häuser nicht alleine die  Wohnungen im Wrangelkiez nach und nach mit Zentralheizungen, Badewannen und Duschen ausgestattet worden waren, sondern sich zugleich immer mehr Menschen, die dort lebten, eine eigene Waschmaschine angeschafft hatten.</p>
<p>Mit dem zunehmenden Ausbleiben von Kunden aber war der Waschsalon insbesondere in den Wintermonaten in steigendem Maße zu einer Zuflucht der Obdachlosen geworden, die von ihrer Unterkunft in der Schlesischen Straße aus tagsüber hierher wanderten oder aber auf die Öffnung der Suppenküche im nahe gelegenen <em>Stift</em> warteten und sich dort in der Zwischenzeit vor der Kälte schützten.</p>
<p>Dann kam es mitunter vor, dass es in seinem Inneren so voll gewesen war, dass es unmöglich gewesen war, einen freien Platz auf einer der Holzbänke zu finden zwischen all jenen wartenden, sitzenden oder liegenden Menschen, die mich neugierig und verwundert betrachteten, wenn ich selbst dort herein kam und eine der verwaisten Waschmaschinen mit Wäsche zu füllen begann. . . </p>
<p>Dieses ungewohnte Szenario aber wird dem einen oder anderen noch verbliebenen potentiellen Besucher Grund und Anlass gewesen sein, seine Wäsche künftig an einem anderem Orte zu waschen.</p>
<p>So mag die irgendwann unvermeidbar gewesene Schließung des Waschsalons am Ende beides zugleich gewesen sein: eine Folge des zunehmenden Wohlstandes und des sozialen Aufstiegs der Einen und des sozialen Abstiegs der Anderen. . .</p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c9a14ccb492e46e0b84d11499c283408" width="1" height="1"></p>
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		<title>Waschsalon</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/07/waschsalon/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/07/waschsalon/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 17:28:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Romantische Liebe]]></category>

		<category><![CDATA[Schicksal]]></category>

		<category><![CDATA[Urbaner Mythos]]></category>

		<category><![CDATA[Waschsalons]]></category>

		<category><![CDATA[Zufall]]></category>

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		<description><![CDATA[Waschsalons oder Bushaltestellen, Warteschlangen in Supermärkten, Straßenbahnen oder U-Bahnwaggons, in denen Menschen sich gegenüber sitzen, gehören zu den möglichen Orten zufälliger Begegnungen im Alltag großer Städte. Und als solche zugleich in unsere kollektive Phantasie von romantischer Liebe.
Denn erstaunlicher Weise sind wir eher bereit, in der zufälligen Begegnung zweier Menschen etwas Schicksalhaftes zu erkennen, als in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Waschsalons oder Bushaltestellen, Warteschlangen in Supermärkten, Straßenbahnen oder U-Bahnwaggons, in denen Menschen sich gegenüber sitzen, gehören zu den möglichen Orten zufälliger Begegnungen im Alltag großer Städte. Und als solche zugleich in unsere kollektive Phantasie von romantischer Liebe.</p>
<p>Denn erstaunlicher Weise sind wir eher bereit, in der zufälligen Begegnung zweier Menschen etwas Schicksalhaftes zu erkennen, als in der vielleicht zu erwarten gewesenen. Und im gleichen Maß erscheint uns das Voraussehbare und das Naheliegende als etwas Zufälliges.</p>
<p>So mag uns die Begegnung mit einem fremden Menschen während einer Bahnfahrt, aus der späterhin eine Freundschaft oder Liebesgeschichte entsteht, als etwas quasi Vorbestimmtes und unvermeidbar gewesenes erscheinen, so als wäre unser ganzes bisheriges Leben nur auf diesen einen Moment zugelaufen.</p>
<p>Zugleich jedoch erscheint uns das Kennenlernen eines Freundes oder einer Freundin eines uns bekannten Menschen, aus dem vielleicht ebenfalls eine Liebesbeziehung erwachsen mag, nur auf Zufall zu beruhen und allein durch diesen Freund oder Bekannten von uns vermittelt und entstanden zu sein. . .</p>
<p>Waschsalons sind  Teil der Legendenbildung und des urbanen Mythos, auch wenn die wirklichen Begegnungen dort zumeist flüchtig sind und die Kürze des Aufenthalts dort  nur in ganz seltenen Fällen überdauern.</p>
<p>Der Waschsalon ist jedoch nicht allein Ort unser Alltagsphantasien und Sehnsüchte sondern zugleich auch realer Handlungen, Situationen und des zwischenmenschlichen Geschehens in seinen vielfältigen Formen und Facetten.</p>
<p>Ort der Hilfsbereitschaft:<em> Kann ich helfen? Nein der Automat nimmt zur Zeit keine Geldscheine an, sehen Sie, wenn das rote Licht brennt, heißt das . . .</em><br />
Ort der Anteilnahme: <em>Geht die Maschine nicht? Ist mir neulich auch schon passiert. . .</em><br />
Ort kleiner winziger Egoismen: <em>So, ich schnapp mir den Korb, bevor der sich den einfach nimmt.</em></p>
<p>Und auch Ort, an dem Anonymität und Intimität sich auf unvergleichbare Art und Weise miteinander vermischen, Öffentliches und Privates. Denn wo sonst sehe ich, welche Handtücher, welche Bettbezüge meine Mitmenschen zu Hause benutzen, welche  Wäsche  sie unter ihrer Kleidung tragen?</p>
<p>Er ist Schauplatz und Bühne, Raum des Öffentlichen, in dem manches zu Tage tritt, sichtbar wird, was im sonstigen Leben verborgen bleibt und für uns nur erahnbar:  Sorgfalt, Ungeschick, Planhaftigkeit und Zerstreutheit,  Pedanterie oder Nachlässigkeit, kleine Angewohnheiten, Rituale und Ticks. . .</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/b542e6caf30349a6894b0225ccd2b543" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte Teil 2</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/07/von-geschichten-und-geschichte-teil-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 16:59:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Achtziger Jahre]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Geschichte weist bestimmten Geschehnissen eine Bedeutung zu. Andere bleiben ungenannt. 
In den Medien, die gewissermaßen eine Vorstufe der Geschichte bilden, einen ersten Filter, den der Strom der Ereignisse und der Informationen auf dem Wege dorthin zu durchlaufen hat, kommen bei der Entscheidung, was am Ende zur Nachricht wird, nicht zuletzt ökonomische Aspekte zum tragen.
Schließlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Geschichte weist bestimmten Geschehnissen eine Bedeutung zu. Andere bleiben ungenannt. </p>
<p>In den Medien, die gewissermaßen eine Vorstufe der Geschichte bilden, einen ersten Filter, den der Strom der Ereignisse und der Informationen auf dem Wege dorthin zu durchlaufen hat, kommen bei der Entscheidung, was am Ende zur Nachricht wird, nicht zuletzt ökonomische Aspekte zum tragen.</p>
<p>Schließlich geht es hier nicht alleine um  Einflussnahme, um politische Ziele und Zwecke, sondern gleichzetiig auch um Auflagen und Quoten, die erreicht werden müssen.</p>
<p>So bestimmen die Gesetzmäßigkeiten und Regeln des Marktes nicht nur bis zu einem gewissen Grade das jeweilige politische Geschehen selbst, sondern auch dessen spätere  Darstellung und Deutung. </p>
<p>Die Geschichte der politischen und sozialen Bewegungen am Beginn der achtziger Jahre ist eine weitgehend unbekannt gebliebene. </p>
<p>Sie hat keine Anführer oder Wortführer hervorgebracht, keinen Kult um bestimmte Personen, keine Vordenker und Prominenten, keinen zweiten Rudi Dutschke oder Daniel Cohn-Bendit.</p>
<p>So ist ihre Geschichte, ganz egal, ob es darin um Hausbesetzungen ging oder um Lateinamerika, um Nicaragua oder El Salvador, um Abrüstung oder Atomkraft, auch im Nachhinein das geblieben, als was sie begann: kollektiv und anonym. </p>
<p>Wenn ich aber mit Blick auf die Achtziger Jahre von einer Bewegung der Namenlosen sprechen möchte, so  waren doch dann und wann Menschen aus jener Anonymität heraus gerissen worden und ins Licht der Öffentlichkeit geraten.</p>
<p>Etwa diejenigen, die in in jenen Jahren in der Folge von Polizeieinsätzen ums Leben gekommen waren wie Klaus-Jürgen Rattay 1981 in Berlin.</p>
<p>Andere wiederum waren für politisch motivierte Taten vor Gericht gestellt worden und so waren ihre Prozessgeschichten und Fälle mitunter bekannt geworden und auch durch die Medien gegangen.</p>
<p>Die verschiedenen politischen Strömungen, Gruppen und Fraktionen innerhalb jener Bewegungen aber waren nach außen hin je nach eigener Zielsetzung und Struktur namenlos aufgetreten oder aber auch nicht.</p>
<p>Davon mehr und genaueres zu erzählen wäre eher die Aufgabe einer eigenen Geschichte der sozialen Bewegungen jener Zeit, ihrer damaligen Theorien und Praxis.</p>
<p>Doch ich werde im Folgenden nicht umhin können, hier und dort im Verlauf des Romans darauf einzugehen und zurück zu kommen, auch wenn es darin nur um die Geschichte einer kleinen Gruppe von Menschen gehen soll. </p>
<p>Und um eine Straße am äußeren Ende von Kreuzberg. . .<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/736e61f6ba1249b99dcab84821113484" width="1" height="1"></p>
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		<title>Von Geschichten und Geschichte</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 14:34:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Historische Identität]]></category>

		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum werden manche Ereignisse zu Geschichte und andere nicht? Und warum gehen manche Menschen späterhin darin ein, während andere in Vergessenheit geraten? 
Hängst dies tatsächlich nur von der Tragweite des Geschehenen ab? Von der jeweiligen Bedeutung der beteiligt gewesenen Akteure? 
 Und falls ja, was verleiht den Ereignissen und den in sie verwickelten Personen letztendlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum werden manche Ereignisse zu Geschichte und andere nicht? Und warum gehen manche Menschen späterhin darin ein, während andere in Vergessenheit geraten? </p>
<p>Hängst dies tatsächlich nur von der Tragweite des Geschehenen ab? Von der jeweiligen Bedeutung der beteiligt gewesenen Akteure? </p>
<p> Und falls ja, was verleiht den Ereignissen und den in sie verwickelten Personen letztendlich Bedeutung? Wer entscheidet darüber? Welche Merkmale? Und warum?</p>
<p>„Die Geschichte der Massen ist doch niemals erzählt worden, zu keiner Zeit“, hatte mir unlängst ein Freund während eines Gespräches gesagt, und dazu nur die Achseln gezuckt, und ich hatte bei diesem Satz unwillkürlich an Bertolt Brecht denken müsssen und seine <em>Fragen eines lesenden Arbeiters</em>. </p>
<p>Ich selbst aber möchte im Folgenden lieber von einer Geschichte der Namenlosen sprechen oder besser vielleicht noch: von einer Geschichte der namenlos gebliebenen. </p>
<p>Denn es sind ja nicht immer nur Massen gewesen, sondern oftmals nur Minderheiten, kleine Gruppen von Menschen und mitunter nur einzelne Personen, von denen später noch in diesem Zusammenhang hier zu erzählen sein wird.  </p>
<p>Doch vielleicht sollte ich zunächst an einem anderen Punkt ansetzen, bei der Sprache, dem Wort selbst in seiner Doppelbedeutung. </p>
<p>Denn Geschichte wird ja beides genannt: die Historie aber ebenso auch die Erzählung. </p>
<p>Sie ist Deutung, Überlieferung, Chronik und Bericht des Vergangenen, oder Vision des Kommenden, Aufgeschriebenes,  oder auch nur Gehörtes und Gesagtes, auf tatsächlich Geschehenem beruhend oder aber auf Fiktion. </p>
<p>So kann es vorkommen, dass sich Dinge ereignen, ohne dass sie dabei zur Geschichte werden, weil sie niemand erzählt. </p>
<p>Und dass Dinge Geschichte werden, die sich gar nicht ereignet haben.</p>
<p>Leichter ist es dabei für den Autor und Erzähler die Geschichte, ganz gleich welche er zu erzählen gedenkt, an einzelnen Personen und Schicksalen festzumachen und dann einfach nur deren Spuren zu folgen.</p>
<p>Denn die Wirklichkeit lässt sich nicht eins zu eins wiedergeben und abbilden, sondern stets nur in Ausschnitten: großen Überblicken oder winzigen Teilen.</p>
<p>Ohne einen Erzähler aber gibt es keine Geschichte. Und ohne eigene Geschichte, keine eigene Identität. . .</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/5f14c37c0aa14094b8594b49a32c45ec" width="1" height="1"></p>
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		<title>Stimmen</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 15:09:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Blogroman]]></category>

		<category><![CDATA[Interaktive Literatur]]></category>

		<category><![CDATA[Interaktiver Roman]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind das hier alles eigentlich wirklich Sachen, die die Leute dir so persönlich gesagt haben oder per Email geschrieben, oder denkst du dir das in Wahrheit nur aus?, fragt mich eine der Leserstimmen. Ja, das wollte ich eigentlich auch schon mal fragen, höre ich eine zweite Stimme sagen.
Eine dritte Stimme kommt hinzu: Wenn ich jetzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sind das hier alles eigentlich wirklich Sachen, die die Leute dir so persönlich gesagt haben oder per Email geschrieben, oder denkst du dir das in Wahrheit nur aus?</em>, fragt mich eine der Leserstimmen. <em>Ja, das wollte ich eigentlich auch schon mal fragen</em>, höre ich eine zweite Stimme sagen.</p>
<p>Eine dritte Stimme kommt hinzu: <em>Wenn ich jetzt völlig falsch liegen sollte damit, korrigiert mich bitte. Aber wenn ich euch beide jetzt tatsächlich richtig verstanden habe, diskutiert ihr im Augenblick gerade darüber, ob es euch eigentlich wirklich gibt oder nicht. </em><em>Ob es uns eigentlich gibt</em>, korrigiert ihn die erste Stimme. <em>Ganz genau</em>, stimmt die zweite ihr zu.</p>
<p><em>Vielleicht gibt es ja gar keinen Autor</em>, lässt sich gleich darauf eine vierte Stimme bedeutungsvoll vernehmen, <em>vielleicht schreibt sich der Text ja von selbst. . . </em></p>
<p><em>Unsinn!</em> höre ich eine weitere Stimme sagen. <em>Postmodernes Geschwätz</em>, ergänzt eine andere: <em>Außerdem sind Erzähler und Autor bekanntlich nicht immer identisch. </em></p>
<p>Eine Pause entsteht.</p>
<p><em>Ist doch völlig ega</em>l, meldet sich eine neue Stimme zu Wort, und als niemand darauf etwas antwortet, fährt sie fort: <em>Das einzige, was mich persönlich interessiert, ist, wie die ganze Geschichte jetzt weitergeht.</em></p>
<p>Eine neuerliche Pause entsteht.</p>
<p><em>Was mir sehr gut gefallen hat, war die Geschichte in der Bar, ich meine die mit dem Mann, der geflohen ist und dem anderen Mann und der Frau, die ihm gefolgt sind</em>, sagt schließlich eine Stimme, die bislang geschwiegen hat.</p>
<p><em>Zunächst hab ich ja wirklich gedacht, dass das Ganze jetzt ganz anders weiter geht, und dass jetzt vielleicht irgendetwas mit RAF oder Bewegung 2.Juni kommt irgendetwas mit Terrorismus oder so. Von deiner späteren Auflösung war ich dann wirklich vollkommen überrascht. . .</em></p>
<p><em>Na ja</em>, widerspricht eine andere Stimme mit zweifelndem Unterton,<em> kann man so oder so sehen. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich diese ganzen Kapitel zuletzt nur noch überflogen. . .</em></p>
<p>Ich selbst aber denke noch über das gerade zuvor Gehörte nach. Nein, der Text hat sich, glaube ich, nicht selbst geschrieben und: Gewiss, Autor und Erzähler sind tatsächlich zweierlei und nicht immer identisch. . .</p>
<p>Womit aber nun fortfahren? Über den Zusammenhang von Geschichten und Geschichte, von Erzähltem und vom Nichterzählten hatte ich eigentlich erst an viel späterer Stelle nachdenken und auch ein wenig schreiben wollen.</p>
<p>Doch warum, denke ich, warum nicht vielleicht jetzt bereits, gleich?<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bf88d02a52864a7ebf5bbc76b72a031f" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Elektronische Post Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/07/elektronische-post-teil-3/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 14:56:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Das Große Glück]]></category>

		<category><![CDATA[Elektronische Post]]></category>

		<category><![CDATA[Email]]></category>

		<category><![CDATA[Lottoglück]]></category>

		<category><![CDATA[Lottomillion]]></category>

		<category><![CDATA[Spam]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der nächsten Mail aber kommt schließlich das Große Glück auch zu mir: Sie haben eine Million Euro gewonnen, so die freudige Mitteilung, die ich erhalte:  Wir sind glücklich Ihnen sagen zu können das Ihre E-Mail Adresse gezogen worden ist und Sie der Gewinner von €1.000.000.00 Euros(Eine Millionen Euro) sind.  
Um Ihren Gewinn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der nächsten Mail aber kommt schließlich das Große Glück auch zu mir: <em>Sie haben eine Million Euro gewonnen</em>, so die freudige Mitteilung, die ich erhalte: <em> Wir sind glücklich Ihnen sagen zu können das Ihre E-Mail Adresse gezogen worden ist und Sie der Gewinner von €1.000.000.00 Euros(Eine Millionen Euro) sind.  </p>
<p>Um Ihren Gewinn in Anspruch nehmen zu können, kontaktieren Sie bitte die Zahlungsabteilung per E-Mail oder per Telefon. Beachten Sie bitte das Promotions Datum, die Referenz und Losnummer. . . . Denken Sie bitte daran, bei allen Korrespondenzen mit Ihrem Bearbeiter anzugeben, Ihren Namen, Ihre Telefon Nummer, Handy-Nummer, Ihr Alter, Geschlecht, Ihren Beruf. . .</em></p>
<p>Es gibt unterschiedliche Spamfilter, die das Eindringen solcher Nachrichten in die Mailboxen oder Kommentare von Weblogs eindämmen sollen, Firmen, die sich damit beschäftigen, Software zur Erkennung und Abwehr unerwünschter Emails zu entwickeln und Firmen, die sich umgekehrt ganz auf deren Versand spezialisiert haben und die zahllosen Seiten des Internets unablässig nach Mailadressen auslesen lassen.</p>
<p>Es gibt Informationsportale und Foren im Netz, in denen sich von Spam geplagte Menschen Rat und Unterstützung holen können. </p>
<p>Und es gibt eigene Seiten im Netz, die den Spam liebevoll archivieren und thematisch geordnet dem Publikum zugänglich machen: digitale Museen dieser wundersamen oft mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen erstellten und mit Google translate oder Babel Fish  erschaffenen Wortgefüge. </p>
<p>Auch ich habe mir einen eigenen Ordner angelegt, in dem ich all diese bei mir anlangenden Emails sammle und aufbewahre.</p>
<p>Ich betrachte sie wie die Abfälle, wie das schillernde Treibgut, das mitunter an Meeresstränden angespült wird: Plastikflaschen, alte Farbeimer oder rostige Dosen, in einsamen und unbeobachteten Nächten von den Küstenbewohnern von kleinen Booten aus ins Meer geworfen oder aber auch von vorüber fahrenden Schiffen achtlos dort entsorgt. </p>
<p>Ich betrachte sie ohne wirkliche Ungeduld oder Unmut: Text, der in Datenpaketen versandt in den elektronischen Ozean eingespeist wird und zu mir gelangt, wahllos, blind abgesandt. </p>
<p>Text, der sich in jenen feinmaschigen eigens für ihn geschaffenen Filternetzen meist verfängt und der bisweilen doch zu mir durchdringt. Text, der wie ich manchmal glaube, nach Text sucht . . .<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/2cd27453469442f0bf6d1ba757894859" width="1" height="1"></p>
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		<title>Elektronische Post Teil 2</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/elektronische-post-teil-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 15:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Emails]]></category>

		<category><![CDATA[Pudding]]></category>

		<category><![CDATA[Spam]]></category>

		<category><![CDATA[Spam-Mails]]></category>

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		<description><![CDATA[Guten Tag, begrüßt mich Mr. Barrister Kyeretwie Opoku, der sich in seiner Email als Rechtsanwalt bei der Law Trust Company  in Afrika vorstellt, in diesem Schreiben möchte ich Sie mit einem etwas ungewöhnlichen Anliegen betrauen.
Es geht um folgendes:  Ich brauche eine Vertrauensperson, die mir hilft, das Vermögen, das mein Klient, der gemeinsam mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Guten Tag</em>, begrüßt mich Mr. Barrister Kyeretwie Opoku, der sich in seiner Email als Rechtsanwalt bei der <em>Law Trust Company</em>  in Afrika vorstellt, <em>in diesem Schreiben möchte ich Sie mit einem etwas ungewöhnlichen Anliegen betrauen.</p>
<p>Es geht um folgendes:  Ich brauche eine Vertrauensperson, die mir hilft, das Vermögen, das mein Klient, der gemeinsam mit seiner Frau im Oktober bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, als Erbe zu beanspruchen.  Mein Klient befand sich gemeinsam mit anderen Passagieren an Bord einer Egyptian Airline 990. Seit diesem Vorfall ist niemand seiner nächsten Verwandten mehr am Leben, der Anspruch auf sein hinterlassenes Vermögen erheben könnte. </p>
<p>Aufgrund dieser unglücklichen Umstände, möchte ich Sie nun um Ihre Erlaubnis bitten, Sie als nächsten Angehörigen des Verstorbenen anzugeben.  . .  </em></p>
<p>Ähnlich hört sich auch die Geschichte von Herrn Williams an, der mich in seinem Anschreiben gleich vertrauensvoll als lieben Freund anspricht: </p>
<p><em>Lieber Freund! Ich vermute das diese E-Mail eine Überraschung für Sie sein wird, aber es ist wahr. Ich bin bei einer Routinenüberprüfung in meiner Bank (Chartered Bank von Süd Afrika) wo ich arbeite, auf einem Konto gestoßen, was nicht in Anspruch genommen worden ist, wo derzeit  $14.300,00 (vierzehnmillionendreihundert US Dollar) gutgeschrieben sind.</p>
<p>Dieses Konto gehörte einem Kunden unserer Bank,der leider verstorben ist. Damit es mir möglich ist dieses Geld $14.300,000 in Anspruch zu nehmen, benötige ich die Zusammenarbeit eines Ausländischen Partners wie Sie. .  .<br />
</em><br />
Eine dritte Mail erreicht mich wenig später aus Hongkong. Ihr Absender Mr. Lee stellt sich erst einmal vor:</p>
<p><em>Ich bin 58years alt und glücklich verheiratet mit erwachsene Kinder, und ich bin ein Direktor der Bank of China in Hong Kong für die Abteilung Internationale Überweisung. </p>
<p>Ich muss Sie bitten mir bei der Ausführung eines Unternehmens Projekt von unserer Bank im Wert von US $ 30,5 Millionen zu helfen. Diese Mittel wurden bei unserer Bank von einem Kunden unseres Bank hinterlegt, ist eine nationale  Bürger Ihres Landes, die leider gestorben in Asien im Dezember 2004 Tsunami-Katastrophe. . .</em></p>
<p>Auch Herr Lee bittet in seinem Schreiben um Diskretion, da sein Leben sonst in Gefahr sei, erklärt jedoch bereits im folgenden Satz: <em> Aber, wer nichts wagt der nichts gewinnt,</em> und: <em>der Geschmack des Puddings erweise sich schließlich beim Essen . . .</em></p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/47edaae3eb1342a8a9a2e64a5d90073a" width="1" height="1"></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Elektronische Post</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/elektronische-post/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 16:39:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Digitale Literatur]]></category>

		<category><![CDATA[Elektronische Post]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Netzroman]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Herr, beginnt die an mich adressierte Email eines ausländischen Studenten,  für meine Abschlussarbeit im Fach Linguistik  bitte ich um ihr  Einverständnis als Autor, darin auch Ihren derzeit erscheinenden Romantext wissenschaftlich untersuchen zu dürfen. . .
Ich aber denke sogleich an syntaktische und an grammatikalische Auffälligkeiten des Textes, an mir bislang verborgen gebliebene Abnormitäten darin, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Mein Herr</em>, beginnt die an mich adressierte Email eines ausländischen Studenten, <em> für meine Abschlussarbeit im Fach Linguistik  bitte ich um ihr  Einverständnis als Autor, darin auch Ihren derzeit erscheinenden Romantext wissenschaftlich untersuchen zu dürfen. . .</em></p>
<p>Ich aber denke sogleich an syntaktische und an grammatikalische Auffälligkeiten des Textes, an mir bislang verborgen gebliebene Abnormitäten darin, die das Forschungsinteresse geweckt haben mochten, an Absonderlichkeiten in der Wortwahl, eine dann und wann eher willkürlich vorgenommene Interpunktion. . .</p>
<p>Und obwohl ich im Grunde weiß, dass nichts davon der Anlass gewesen sein wird für die Anfrage, denke ich an mein eigenes unschlüssiges Schwanken  zwischen alter und neuer Rechtschreibung und an Nachlässigkeiten bei der Arbeit, an die Tippfehler, die nun unweigerlich mit dem übrigen Text ins Licht der Forschung geraten werden.</p>
<p>Ein paar Wochen darauf wendet sich eine Journalistik-Studentin aus Darmstadt an mich. Derzeit arbeite sie, so schreibt sie mir in ihrer Email, im Rahmen eines Studien-Projektes an einer <em>Tageszeitung der Zukunft</em>.</p>
<p>Dabei sei sie im Zuge ihrer Recherchen auf meinen Blogroman gestoßen. Gerne hätte sie von mir die Erlaubnis dazu, einen meinen Texte daraus zu wissenschaftlichen Zwecken abdrucken zu dürfen.</p>
<p>Dann wieder schreibt ein Autoren-Kollege und Kabarettist und schlägt mir eine wechselseitige Vernetzung und Zusammenarbeit vor und ich denke mir, ja, das könnten wir eigentlich machen. . .</p>
<p>Von Zeit zu Zeit aber erreicht mich eine ganz andere Art elektronischer Post, deren Inhalt mich mitunter in Erstaunen versetzt und mich gleichzeitig an die unwahrscheinlichen Anzeigentexte denken lässt, die man früher in den Innenseiten von Groschenromanen finden konnte.</p>
<p>In diesen klein gedruckten Annoncen aber waren dem Leser diskrete Unterstützung und Hilfe bei der Lösung verschiedenster Lebensprobleme versprochen worden:  schneller Muskelaufbau und Gewichtsabnahme in nur wenigen Tagen, spezielle Bruchbänder oder Schuhe mit einer kaum bemerkbar erhöhten Sohle bei geringer Körpergröße, Sofortkredite ohne vorhergehende Prüfung, Hilfe bei beginnendem Haarausfall oder abstehenden Ohren. . .</p>
<p>Ich erinnere mich noch an jene immer wieder in den Heften auftauchende Kleinanzeige mit dem einprägsamen Slogan: <em>Sommersprossen wirken hässlich, Drula-Bleichwachs hilft verlässlich</em>.</p>
<p>Und an das ebenso wiederkehrende Inserat einer nur über Postfach erreichbaren Firma, bei der man sich Ausweiskarten mit dem eigenen Namen und Lichtbild darauf hatte anfertigen lassen können, die den Inhaber wahlweise als Privatdetektiv oder als Geheimagenten auswiesen.</p>
<p>Diese Ausweise hatten jedoch, laut Anzeigentext, die unfehlbare Wirkung haben sollen, der eigenen Existenz eine abenteuerliche und geheimnisvolle Note zu verleihen, die es Männern erleichtern würde, Frauen zu beeindrucken und kennen zu lernen. . .</p>
<p>Heutzutage finden ebenso unwahrscheinliche Offerten beinah unvermeidbarer Weise  ihren Weg in unsere Mailboxen.</p>
<p>Doch es geht darin nicht mehr um Haarwuchsmittel, oder aber um Heimtrainer oder Schlankheitskuren, sondern eher um Dinge wie Viagra und Online-Poker, um vermeintliche Millionengewinne bei Lotteriespielen oder dubiose Finanztransaktionen zwischen Afrika und  Europa. . .<br />
<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/bd283ac94ce7445b84ef5b88cfa97cfb" alt="" width="1" height="1" /></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/elektronische-post/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Osram Letzter Teil</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/osram-letzter-teil/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/osram-letzter-teil/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 16:41:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bandarbeiter]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdetes Arbeiten]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdung]]></category>

		<category><![CDATA[Marktwirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Über die persönlichen Lebensumstände und Schicksale jener anderen Arbeiterinnen und Arbeiter habe ich so damals kaum etwas erfahren. Doch ich habe die Müdigkeit und die Leere gesehen, die die eintönige Arbeit am Band in ihren Mienen und Blicken hinterließ.
Entfremdete Arbeit bedeutete in diesem Zusammenhang nicht allein, immer nur einen winzigen Teilschritt innerhalb der Produktion auszuführen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über die persönlichen Lebensumstände und Schicksale jener anderen Arbeiterinnen und Arbeiter habe ich so damals kaum etwas erfahren. Doch ich habe die Müdigkeit und die Leere gesehen, die die eintönige Arbeit am Band in ihren Mienen und Blicken hinterließ.</p>
<p>Entfremdete Arbeit bedeutete in diesem Zusammenhang nicht allein, immer nur einen winzigen Teilschritt innerhalb der Produktion auszuführen und womöglich den ganzen Tag über nur einen einzigen immer gleichen Handgriff auszuführen. Sie bedeutete zugleich  fremd zu sein auch im sonstigen Alltag, im Leben. </p>
<p>Denn jene innere Leere, die auch ich bei der Arbeit am Band empfunden hatte, hatte sich keineswegs nur allein auf die Stunden der Arbeit bezogen, an die ich oftmals keine wirkliche Erinnerung mehr besaß, wenn ich hinterher benommen und wie betäubt die Fabrik verließ und auf die Straße hinaus trat.</p>
<p>Vielmehr wirkte sie zugleich auch in das Kommende, in den restlichen Tag hinein. So hatte ich danach oftmals weder die Konzentration dafür aufbringen können, um noch etwas Anspruchsvolleres zu lesen, noch die Kraft und den Antrieb dazu, irgendetwas anderes  zu tun. </p>
<p>Stattdessen hatte ich eine seltsame Fühllosigkeit gegenüber den Ereignissen und Dingen um mich herum verspürt, so als läge die übrige Welt, das Geschehen darin von mir abgelöst, abgetrennt hinter Glas. . .</p>
<p><em>Nach der Logik, den Regeln des Marktes wurden diese Arbeiterinnen und Arbeiter für jene furchtbar monotone, meist auch physisch anstrengende und zugleich die Gesundheit angreifende Arbeit, der sie Tag für Tag ausgesetzt waren, weder durch einen besseren Lohn entschädigt, noch durch Freizeitausgleich oder längeren Urlaub.</p>
<p>Auf der anderen Seite aber erhielten jene, die das Privileg besaßen, innerhalb der Gesellschaft einer anspruchsvolleren, abwechslungsreicheren und vielseitigeren Tätigkeit nachgehen zu dürfen, einer Arbeit, die sie ebenfalls anstrengen, stark beanspruchen und ermüden mochte, aber in ihrem Innersten dabei unzerstört ließ, dafür gleichzeitig auch die höheren Gehälter.</p>
<p>So waren die Fließbandarbeiter gleich in mehrfacher Hinsicht bestraft gewesen, wie ich damals empfand: durch die körperlichen und psychischen Folgen ihrer Arbeit, durch geringe, gerade einmal zum Leben ausreichende Löhne und ein ebenso geringes soziales Ansehen. . .</em><br />
<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/14e0f3bd784f4f3e87f1af470bc344a0" width="1" height="1"></p>
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		<title>Osram Teil 8</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 15:50:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdung]]></category>

		<category><![CDATA[Fabrik]]></category>

		<category><![CDATA[Isolation]]></category>

		<category><![CDATA[Leiharbeiter]]></category>

		<category><![CDATA[Zeitarbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Von den anderen Menschen, die wie ich am Band arbeiteten, habe ich damals nie jemanden näher kennen gelernt, weder in jenen Monaten bei Osram, noch anderswo. Lag das an einer fehlenden Neugier, einem mangelnden Interesse? An der Tatsache, dass  mein sonstiges Leben sich zu sehr von ihrem unterschied und im Gegenzug ihres von meinem, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von den anderen Menschen, die wie ich am Band arbeiteten, habe ich damals nie jemanden näher kennen gelernt, weder in jenen Monaten bei Osram, noch anderswo. Lag das an einer fehlenden Neugier, einem mangelnden Interesse? An der Tatsache, dass  mein sonstiges Leben sich zu sehr von ihrem unterschied und im Gegenzug ihres von meinem, so dass man sich einfach nichts zu sagen und mitzuteilen gewusst hatte?</p>
<p>Lag es möglicherweise daran, dass ich seinerzeit als Aushilfe und Student in ihren Augen als quasi privilegiert gegolten hatte? Als jemand, der nach einiger Zeit ohnehin wieder fortgehen und in seinem späteren Leben etwas ganz anderes machen und sein würde, als sie selbst? Als jemand also, der nicht wirklich dazu gehört hatte?</p>
<p>Oder hatte darin nur ein Kennzeichen der Vereinzelung und Entfremdung durch eben jene Art der Arbeit selbst gelegen?</p>
<p>Ich erinnere mich noch an Hilde, mit der ich damals knapp ein halbes Jahr lang zusammen in der Spirituosenfabrik gearbeitet hatte, und die während der Schicht stets den vorderen Teil des Bands überwacht hatte, während ich für den hinteren zuständig gewesen war.</p>
<p>Ich erinnere mich daran, dass sie morgens am Schichtbeginn immer schon vor mir da gewesen war, dort gewartet hatte, in einem ärmellosen kurzen Kittel, den sie während der Arbeit stets trug. </p>
<p>Und ich weiß noch, dass ihr mögliches Alter mir damals ebenso schwer bestimmbar erschienen war, wie die Farbe ihres Haares, die, je nach Lichteinfall, irgendwo zwischen rostrot und lila changiert hatte.</p>
<p>So hatte sie während unserer Schicht vielleicht zwanzig Meter entfernt von mir auf ihrem Hocker gesessen, die Beine meist übereinander geschlagen, durch die dunklen Gläser ihrer Brille auf das Band vor ihr schauend. Und so hatte auch sie mich von ihrem Platz aus gesehen, Schicht für Schicht, Tag für Tag.</p>
<p>Doch außer „Morgen“ oder „Mahlzeit“  zu sagen, wenn sich früh oder später am Mittag unsere Wege gekreuzt hatten, haben wir in der ganzen Zeit, glaube ich, nie ein Wort miteinander gewechselt.</p>
<p>Bei Osram aber hatte unweit von meinem Platz eine Gruppe von Leiharbeitern gearbeitet und während einer der Maschinenpausen, in denen das Band eine Weile lang stillgestanden hatte, hatte ich versucht, ein Gespräch mit ihnen anzuknüpfen</p>
<p>Doch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die über Leihfirmen und auf Zeit damals bei Osram beschäftigt gewesen waren, waren innerhalb der übrigen Belegschaft isoliert gewesen. </p>
<p>Und gewohnt unter sich zu bleiben, hatte mein plötzliches Erscheinen bei ihnen eher Unbehagen und Misstrauen geweckt, wie ich deutlich zu spüren geglaubt hatte.</p>
<p><em>Später wurde mir erzählt, dass manche Zeitarbeitsfirmen den Kontakt ihrer Mitarbeiter zu den fest angestellten Kollegen bewusst einzuschränken versuchen und zugleich ihren Angestellten verbieten, anderen gegenüber über die Höhe der ihnen ausgezahlten Stundenlöhne oder ihre tatsächlichen Arbeitsbedingungen dort zu sprechen. . .</em><br />
<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4d9a1693a5664a4bbbf78606dcb7dc87" width="1" height="1"></p>
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		<title>Osram Teil 7</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 13:25:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>

		<category><![CDATA[Geschichten aus der Produktion]]></category>

		<category><![CDATA[Industrie]]></category>

		<category><![CDATA[Rationalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch bei Osram  waren die Anlagen und Maschinen hin und wieder ausgefallen, war mitunter das Band eine Zeit lang zum Stillstand gekommen.
Hatte ich aber anfänglich noch jene plötzlich eintretenden Pausen manchmal insgeheim in Gedanken herbei gesehnt, sollte ich diese Unterbrechungen späterhin fast als störend empfinden. 
Denn da im Voraus nie abzusehen gewesen war, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch bei Osram  waren die Anlagen und Maschinen hin und wieder ausgefallen, war mitunter das Band eine Zeit lang zum Stillstand gekommen.</p>
<p>Hatte ich aber anfänglich noch jene plötzlich eintretenden Pausen manchmal insgeheim in Gedanken herbei gesehnt, sollte ich diese Unterbrechungen späterhin fast als störend empfinden. </p>
<p>Denn da im Voraus nie abzusehen gewesen war, wie lange es dauern würde, um die aufgetretene Störung zu beseitigen und nie klar gewesen war, wann das Band wieder weiter laufen würde, war es nicht möglich gewesen, sich in der Zwischenzeit von der Maschine zu entfernen, oder gar an die frische Luft zu gehen und draußen zu rauchen.</p>
<p>Also hatte ich mit jener unverhofft gewonnenen freien Zeit letztlich nichts wirklich anzufangen gewusst. </p>
<p>Und ich hatte das gleiche Gefühl, jene Ungeduld, fast Gereiztheit, die sich statt der erwarteten Erleichterung in mir einstellte, auch in den Mienen der anderen Bandarbeiter zu erkennen geglaubt, die wie ich darauf warteten, dass es weiter ging. </p>
<p>Sie aber hatten schweigend, starr auf das stehende Band geblickt, auf die ausgefallene Maschine, manchmal ungläubig mit dem Kopf schüttelnd, fast verärgert, empört. . . </p>
<p>Um nicht andauernd nach der Uhrzeit zu schauen, hatte ich mich zu zwingen versucht, nur in Abständen noch und nicht öfter als halb stündlich meinen Blick auf die Werksuhr zu richten.</p>
<p>Doch auch dann, wenn ich selbst bereits glaubte, in der Zwischenzeit sei genug Zeit vergangen und wieder hinauf sah, waren es jedes Mal doch wieder nur fünf oder maximal zehn Minuten gewesen, die der Uhrzeiger weiter vorgerückt war.</p>
<p>Manchmal waren die Glaskolben, die ich jenem Karton neben mir entnahm, schon zerbrochen gewesen, sodass ich immer aufpassen musste, mit der Hand nicht in Scherben zu greifen.</p>
<p>Und vielleicht hatte in jener Empfindlichkeit und Zerbrechlichkeit der Glühbirnen auch der Grund  dafür gelegen, dass ihre Herstellung noch nicht vollständig automatisiert worden war, sondern immer noch teilweise manuell von Menschen ausgeführt wurde. </p>
<p>Vielleicht aber war hier auch nur die menschliche Arbeitskraft billiger gewesen als die Anschaffung neuer Maschinen. </p>
<p><em>Als ich später noch einmal bei Jacobs arbeiten sollte, war mein früherer Arbeitsplatz dort verschwunden gewesen. An der gleichen Stelle, an der ich ein paar Jahre zuvor noch die Kartons mit der Hand vom Band abgenommen hatte, waren nun die Paletten automatisch bepackt worden und dann fertig vom Band gelaufen  . . . </em><br />
<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4f625ae3ab884428b719183541f7b0bb" width="1" height="1"></p>
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		<title>Osram Teil 6</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Jun 2009 11:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Fließbandarbeiten]]></category>

		<category><![CDATA[Glühbirnenproduktion]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor ich in die Mittagspause gehen konnte, musste ich zunächst auf die Ablösung warten, den Springer, der im Laufe der  Schicht von Platz zu  Platz wechselte, um die Arbeiter während ihrer Pausenzeiten zu ersetzen.
Gleich am ersten Tag hatte man mir erklärt, dass ich punktgenau mit dem Ende der Pause wieder an meinem Platz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich in die Mittagspause gehen konnte, musste ich zunächst auf die Ablösung warten, den Springer, der im Laufe der  Schicht von Platz zu  Platz wechselte, um die Arbeiter während ihrer Pausenzeiten zu ersetzen.</p>
<p>Gleich am ersten Tag hatte man mir erklärt, dass ich punktgenau mit dem Ende der Pause wieder an meinem Platz am Band zurückgekehrt sein müsse, und dass jede Minute, die ich länger brauchen und zu spät kommen würde, dann dem nachfolgenden Kollegen von dessen Pause abgezogen werden würde.</p>
<p>Um von meiner Halle aus bis in die Werkskantine zu gelangen, hatte ich zuvor erst noch   einen längeren Weg, der durch mehrere angrenzende Fabrikhallen hindurch führte, zurücklegen müssen, bis ich am Ende dort angelangt war.</p>
<p>Wenn sich dann, was nicht selten geschah, eine Schlange vor mir an der Kasse gebildet hatte, und ich warten musste, war die eigentliche Zeit, die zum Essen verblieb, bereits knapp geworden.</p>
<p>Wollte ich nach dem Mittagessen noch rauchen, musste ich das noch heiße Essen auf dem Teller vor mir rasch hinunter schlingen, um anschließend noch schnell ein paar hastige Züge von meiner Zigarette rauchen zu können. Dann aber musste ich bereits wieder zurück eilen.</p>
<p>So waren auch jene Pausen nur wenig erholsam gewesen. </p>
<p>Nach ein paar Tagen am Band hatte ich es schließlich geschafft, mit jeder Hand jeweils zwei oder manchmal auch gleich drei der Glaskolben gleichzeitig aufzunehmen und das laufende Band damit zu bestücken.</p>
<p>Hatte ich aber anfangs geglaubt, meine Arbeit würde mir damit leichter fallen, sollte ich damit nur zum Teil Recht behalten.</p>
<p>Zwar hatte ich nunmehr weniger Mühe dabei, der Geschwindigkeit des Fließbands zu folgen. </p>
<p>Doch mit einem Mal waren innerhalb jenes Ablaufes an Bewegungen, aus denen meine Arbeit bestand, winzige Pausen und Lücken entstanden: zu kurz, viel zu kurz um in dieser Zeit etwas Sinnvolles anfangen, tun oder denken zu können, lang genug jedoch, um immer wieder zu der großen Werksuhr hinauf schauen zu können, die dort links von mir an der Hallenwand angebracht gewesen war.</p>
<p>Dadurch aber waren mir meine Zeit, die acht Stunden der Schicht noch viel länger erschienen als zuvor. . .<br />
<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d78d75e7270d4cf3a597e006e18ce8c9" width="1" height="1"></p>
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		<title>Osram Teil 5</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 13:49:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Fließbandfertigung]]></category>

		<category><![CDATA[Mensch und Maschine]]></category>

		<category><![CDATA[Moderne Zeiten]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Osram hatte ich ein paar Monate über als Produktionshelfer in der Glühlampen-Produktion gearbeitet. Dort hatte ich in einer lang gezogenen und lauten, dicht an dicht mit Maschinen gefüllten Fabrikhalle das laufende Fließband vor mir mit den birnenförmigen Glaskolben bestückt, die dann in einem späteren Produktionsschritt maschinell mit den Schraubfassungen und den Glühfäden zu fertigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Osram hatte ich ein paar Monate über als Produktionshelfer in der Glühlampen-Produktion gearbeitet. Dort hatte ich in einer lang gezogenen und lauten, dicht an dicht mit Maschinen gefüllten Fabrikhalle das laufende Fließband vor mir mit den birnenförmigen Glaskolben bestückt, die dann in einem späteren Produktionsschritt maschinell mit den Schraubfassungen und den Glühfäden zu fertigen Glühbirnen zusammen gesetzt worden waren.</p>
<p>Meine einzige Tätigkeit  hatte darin bestanden, jene Glaskolben einem neben mir auf dem Boden stehenden großen Pappkarton zu entnehmen, und sie anschließend in die hierfür vorgesehenen runden Aussparungen des vorbei laufenden Bandes zu stecken.</p>
<p>Die Laufgeschwindigkeit der Maschine war dabei so eingestellt worden, dass es keineswegs ausreichend war, mit der linken und rechten Hand jeweils einen der Kolben zu umfassen, herauszunehmen und danach dann aufs Band zu setzen.</p>
<p>Stattdessen war es notwendig gewesen, mit den Fingern jeder Hand jeweils zwei oder besser noch drei Glaskolben auf einmal zu fassen zu bekommen, um mit dem Band wirklich Schritt halten zu können.</p>
<p>Dies aber erforderte einige Übung und Geschick und war mir in der Anfangszeit nicht gelungen.</p>
<p>Also war ich zunächst auf ein anderes Verfahren ausgewichen, bei dem ich mit beiden Händen zusammen zumindest drei statt mit jeder einzelnen Hand nur einen der Kolben fassen und aufnehmen konnte, was aber noch immer nicht ausreichend gewesen war und mich unweigerlich dazu zwang, mich dafür umso schneller zwischen Band und Karton und Karton und Band hin- und her zu bewegen.</p>
<p>Dennoch und trotz aller Eile drohte ich auf diese Weise stets zurück zu fallen. Und mitunter war ich mit meinen Armen und Händen fast in die Maschine hinein geraten, wenn das Band mir von neuem enteilt war und ich selbst angestrengt und verzweifelt versuchte, es wieder einzuholen.</p>
<p>Jener vom Band vorgegebene Takt aber hatte mir nicht erlaubt, auch nur einen Moment über inne zuhalten oder mich zwischendurch auch nur einen Schritt von meinem Platz daran zu entfernen.</p>
<p>So war ich hier schließlich quasi zu einem lebenden Teil der Maschine geworden. . . <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/67690611d4ca436fb3e7deb31130238c" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Osram Teil 4</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/osram-teil-4/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 13:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>

		<category><![CDATA[Fließbandproduktion]]></category>

		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Bis der entstandene Rückstau der Kartons auf dem Band vor mir schließlich irgendwann wieder abgearbeitet und der frühere Zustand wieder hergestellt worden war, musste ich indes immer gleich zwei Kartons auf einmal vom Band abnehmen, denn nur so konnte ich überhaupt die verloren gegangene Zeit wieder aufholen.
Wenn der Stau aber erst einmal eine bestimmte Länge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bis der entstandene Rückstau der Kartons auf dem Band vor mir schließlich irgendwann wieder abgearbeitet und der frühere Zustand wieder hergestellt worden war, musste ich indes immer gleich zwei Kartons auf einmal vom Band abnehmen, denn nur so konnte ich überhaupt die verloren gegangene Zeit wieder aufholen.</p>
<p>Wenn der Stau aber erst einmal eine bestimmte Länge überschritten hatte und die hinteren Kartons in der wenige Meter nur von mir entfernten Lichtschranke stehen blieben, wurde das gesamte Band automatisch gestoppt.</p>
<p>Dann begann sogleich eine bis weithin sichtbare gelbe Warnlampe auf zu leuchten, die den Vorarbeiter, der von seinem Büro aus die Produktion in der ganzen Halle überblicken konnte, nicht nur über den plötzlich eingetretenen Ausfall und Stillstand des Bandes in Kenntnis setzte, sondern gleichzeitig auch über Ort und Stelle, an der er verursacht worden war . . .</p>
<p>So war der Zeitpunkt der Fertigstellung und des anschließend erfolgenden Austausches einer Palette stets mit der Sorge verbunden gewesen, jenen unterdessen entstehenden Stau und Rückstand hinterher wieder wett zu machen und dadurch einen möglichen Ausfall des Bands zu vermeiden.</p>
<p>Die Zeit selbst aber hatte so wenigstens eine gewisse Unterteilung und die darin geleistete Arbeit etwas messbares bekommen, während jener immerfort an mir vorbei ziehende Strom der abgefüllten und etikettierten Flaschen in der Weinbrand-Abfüllerei weder Anfang noch Ende gehabt hatte.</p>
<p>Und ich hatte so die Gelegenheit gehabt, dann und wann, wenngleich auch nur vorübergehend, für eine kurze Weile vom Band los zu kommen.</p>
<p>Dennoch waren mir die Stunden vom Beginn der Schicht bis zur Frühstückspause, vom Frühstück bis zum Mittag und vom Mittag bis zum Schichtende schier endlos erschienen.</p>
<p>Durch die oberhalb unter der Decke angebrachten Glasscheiben, zu denen ich dabei mitunter hinauf geblickt hatte, war indessen von draußen das Tageslicht in die Halle hinein gedrungen.</p>
<p>Und mit ihm jener Sog, das Gefühl eines gleichzeitig stattfindenden möglichen und nahen und doch unerreichbaren Lebens.</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/1dfeff1770ea44e1ac049422e23969f7" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Osram Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/06/osram-teil-3/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 11:47:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Automatisierung]]></category>

		<category><![CDATA[Industrielle Produktion]]></category>

		<category><![CDATA[Taylorismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Jacobs hatte ich über acht Stunden hinweg Kartons mit je zwanzig Packungen Kaffee vom Band genommen und auf Holzpaletten gestapelt.
Die Fabrikhalle und die darin enthaltenen Anlagen und Maschinen waren neuer und moderner gewesen als in der Spirituosenfabrik und der intensive Geruch des frisch gerösteten Kaffees, der hier zunächst geröstet, gemahlen und verpackt wurde und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Jacobs hatte ich über acht Stunden hinweg Kartons mit je zwanzig Packungen Kaffee vom Band genommen und auf Holzpaletten gestapelt.</p>
<p>Die Fabrikhalle und die darin enthaltenen Anlagen und Maschinen waren neuer und moderner gewesen als in der Spirituosenfabrik und der intensive Geruch des frisch gerösteten Kaffees, der hier zunächst geröstet, gemahlen und verpackt wurde und am Ende dann übers Band lief, war angenehmer gewesen als der vormalige Weinbrandgeruch.</p>
<p>Den Arbeitern war es erlaubt, während der Schicht kostenlos Kaffee zu trinken. Es gab saubere Umkleideräume, eine Mitarbeiter-Kantine und einen werkseigenen Laden, in dem man die hier hergestellten Produkte günstiger kaufen konnte als draußen im Geschäft.</p>
<p>Doch die Arbeit am Band war dort in gewisser Weise noch gleichförmiger und noch eintöniger gewesen als zuvor.</p>
<p>Bestimmte Abläufe und Produktionsschritte wie die Endkontrolle der fertig abgefüllten und verschlossenen Kaffee-Packungen hatte man hier bereits automatisiert.</p>
<p>Sogenannte Weichpakete etwa, also Packungen, die beim Abfüllen nicht vollständig Vakuum verschlossen worden waren und sich von außen schlaff und weich angefühlt hatten, statt die übliche Spannung aufzuweisen, wurden maschinell erkannt, vorher aussortiert und gelangten so gar nicht erst bis ans Ende des Bandes zu mir</p>
<p>So hatte ich damit zwar keine Mühe gehabt, zugleich aber reduzierte sich meine Tätigkeit dadurch nahezu vollständig auf das bloße unentwegte Abnehmen, Tragen und Aufstapeln der Kartons.</p>
<p>Hatte eine Palette schließlich eine gewisse Menge und Höhe an Lagen erreicht, mussten die Kartons darauf mit einem Band befestigt und zuletzt dann mit Folie umwickelt werden. Danach wurde sie in einen Gang gefahren, wo ein Gabelstapler sie später aufnahm und abtransportierte, und eine neue Palette musste an ihrer Stelle ausgelegt werden.</p>
<p>Unterdessen war das Band jedoch stetig weiter gelaufen. Und die Kartons darauf hatten sich in der Zwischenzeit bereits anzusammeln und zu stauen begonnen. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/a7c96c78db314bce8881a46efc8e40de" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>Osram Teil 2</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/05/osram-teil-2/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 11:47:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Bandarbeit]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdung]]></category>

		<category><![CDATA[Fabrikarbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Mitunter war die Verpackungsmaschine am Ende der Bandstraße plötzlich ausgefallen. Dann hatte sie, statt die eingelegten Pappen aufzunehmen, danach zu Kartons zu falten und die Flaschen anschließend dort einzusetzen, plötzlich angefangen die Pappen zu zerreißen, zu zerknüllen.
Immer wenn dies geschah, hatte ich sogleich einen Alarmknopf zu betätigen, der den Betriebsschlosser informierte und herbei rief.
Ich aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitunter war die Verpackungsmaschine am Ende der Bandstraße plötzlich ausgefallen. Dann hatte sie, statt die eingelegten Pappen aufzunehmen, danach zu Kartons zu falten und die Flaschen anschließend dort einzusetzen, plötzlich angefangen die Pappen zu zerreißen, zu zerknüllen.</p>
<p>Immer wenn dies geschah, hatte ich sogleich einen Alarmknopf zu betätigen, der den Betriebsschlosser informierte und herbei rief.</p>
<p>Ich aber musste in der Zwischenzeit und solange die Maschine ausfiel, die Kartons, in denen die Flaschen verpackt wurden, per Hand aufs Band setzen.</p>
<p>Für diesen Fall hatte ich immer vorgesorgt und schon einen gewissen Vorrat an fertigen Kartons vorbereitet, auf den ich zurückgreifen konnte. Doch es gab nicht genügend Lagerfläche und Platz in der Halle, um ausreichend Kartons für den möglichen Notfall bereit halten zu können.</p>
<p>So musste ich, wenn die Reparatur der Maschine längere Zeit in Anspruch nahm und mein Vorrat erschöpft war, nun in rasendem Tempo die Kartons mit der Hand falten und das weiterlaufende Band damit bestücken.</p>
<p>Zugleich musste ich jedoch auch weiterhin die Flaschen auf dem Band kontrollieren und die fehlerhaften darunter herunter nehmen, um zu verhindern, dass eine offene, halb leere oder falsch etikettierte Flasche in einen der mit hinein Kartons gelangte und mit ausgeliefert wurde.</p>
<p>Kam ich aber mit dem Falten und Einsetzen der Kartons nicht schnell genug nach, begannen sich die abgefüllten Flaschen vor mir allmählich zu stauen: zunächst nach und nach erst am Anfang, dann aber irgendwann bis zur Mitte hin und schließlich bis bedrohlich nah an das andere Ende des Bandes heran, wo die abgefüllten Flaschen maschinell aufgesetzt wurden und wo sie schließlich bei einem weiteren Stau mit gewaltigem Klirren zu Boden gehen mussten.</p>
<p>Und wenngleich dieses im Verlauf meiner Schicht schließlich niemals geschehen sollte, lag die Drohung davon dennoch stets in der Luft.</p>
<p>Jener zwischenzeitliche Gleichlauf des Bands, der Maschinen, die zuweilen ja über Stunden hinweg völlig störungsfrei funktionierten, aber hatte vor diesem Hintergrund etwas Trügerisches erhalten. . .</p>
<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/c4574d0f6344421bba0ca697f6cb5a4e" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>Osram</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/05/osram/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/05/osram/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 May 2009 13:02:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Entfremdete Arbeit]]></category>

		<category><![CDATA[Fabrik]]></category>

		<category><![CDATA[Fließband]]></category>

		<category><![CDATA[Fließbandarbeit]]></category>

		<category><![CDATA[Glühbirne]]></category>

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		<description><![CDATA[Was entfremdete Arbeit bedeutet und wie tief greifend jene Spuren waren, die sie im Dasein eines Menschen hinterließ, hatte ich bei meinen wechselnden Jobs und Tätigkeiten am Fließband zu erahnen begonnen, bei Jacobs oder Osram.
Am Beginn meines Studiums hatte ich als Student nebenbei an zwei Tagen der Woche in einer Spirituosenfabrik gearbeitet, einer Weinbrand-Abfüllerei.
In einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was entfremdete Arbeit bedeutet und wie tief greifend jene Spuren waren, die sie im Dasein eines Menschen hinterließ, hatte ich bei meinen wechselnden Jobs und Tätigkeiten am Fließband zu erahnen begonnen, bei Jacobs oder Osram.</p>
<p>Am Beginn meines Studiums hatte ich als Student nebenbei an zwei Tagen der Woche in einer Spirituosenfabrik gearbeitet, einer Weinbrand-Abfüllerei.</p>
<p>In einem Teil der Fabrik war die Verpackung der fertig abgefüllten, verschlossenen und etikettierten Flaschen in Kartons damals noch manuell erfolgt. Im anderen Teil war die Produktion dagegen bereits weitgehend automatisiert worden. Dort hatte ich gearbeitet.</p>
<p>Meine Tätigkeit hatte darin bestanden, den Produktionsverlauf auf etwaige Störungen und Fehler hin zu überwachen und sofern diese auftraten, einzugreifen.</p>
<p>So hatte ich von meinem Hocker aus, inmitten des Maschinenlärms und des alles durchdringenden Weinbrandgeruchs, der die ganze Fabrik bis in die Umkleideräume hinein erfüllt hatte, den gesamten Tag über den Lauf der auf dem Band vorüber ziehenden Flaschen beobachtet.</p>
<p>Was mir meinem ersten Tage dort anfangs noch als vergleichsweise leicht und einfach erschienen war, sollte sich jedoch bald schon als mühsam erweisen.</p>
<p>Denn mitunter war eine Flasche nicht bis oben gefüllt, fehlte eines der Etiketten an Bauch oder Flaschenhals, war es falsch angeklebt oder aber beim Kleben leicht angerissen. Oder eine der Flaschen hatte nach dem Abfüllen keinen Schraubverschluss erhalten und lief nun zwischen all den anderen Flaschen unverschlossen mit übers Band.</p>
<p>Dann hatte ich meinen Platz verlassen und die entsprechende Flasche aussortieren müssen.</p>
<p>Das Problem dabei aber hatte darin bestanden, stets die nötige Konzentration zu bewahren, um auch kleinste, nur geringfügigste Fehler in der Produktion zu erkennen, während gleichzeitig jener unausgesetzt an mir vorbei fließende Strom von Flaschen, auf den ich sah, nach einer gewissen Zeit immer wieder vor meinen Augen zu verschwimmen begann.</p>
<p>Und je seltener solche Produktionsfehler auftraten und je länger stattdessen das Band dafür einfach weiter und weiter lief, desto mehr sank zugleich meine Spannung und Aufmerksamkeit, wuchs in mir ein Gefühl, das mehr Leere als Müdigkeit war. . .</p>
<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/bf473eb63e244ca5a01aef223bbda0c2" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Aufstand der Zeichen Teil 3</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 13:24:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<category><![CDATA[Subversion]]></category>

		<category><![CDATA[Wahlplakate]]></category>

		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Bereits kleine und kleinste Veränderungen, etwas Schwarz, ein hinzugefügtes oder durchgestrichenes Wort, konnten ausreichen, um die Botschaft eines Wahl- oder Werbeplakats zu verändern oder gar in ihr Gegenteil umzukehren.
Eine mit schwarzem Filzstift gemalte Zahnlücke ließ das zuversichtliche und vertrauenerweckend gemeinte Lächeln eines Politikers plötzlich zweifelhaft erscheinen und zugleich das Versprechen, die Zielsetzung, für die es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits kleine und kleinste Veränderungen, etwas Schwarz, ein hinzugefügtes oder durchgestrichenes Wort, konnten ausreichen, um die Botschaft eines Wahl- oder Werbeplakats zu verändern oder gar in ihr Gegenteil umzukehren.</p>
<p>Eine mit schwarzem Filzstift gemalte Zahnlücke ließ das zuversichtliche und vertrauenerweckend gemeinte Lächeln eines Politikers plötzlich zweifelhaft erscheinen und zugleich das Versprechen, die Zielsetzung, für die es stand.</p>
<p>Ein überraschender Satz, der einer braun gebrannten Frau, die auf einem Plakat für Sonnenöl oder Fernreisen warb, in den Mund gelegt wurde, konnte an Stelle der für die Meisten stets unerreichbar bleibenden Illusion eines sorgenfreien Lebens auf fernen Inselparadiesen mit Traumstränden, in den Menschen die Sehnsucht nach einem anderen und besseren Leben hier und jetzt wecken.</p>
<p>Auf diese Weise konnte man, wie wir glaubten, der allgegenwärtigen Propaganda und Manipulation durch Werbung, Medien und Politik nicht nur entgegen wirken, sondern diese sogar für sich nutzbar machen, und für die notwendige Veränderung der bestehenden Lebens- und Produktionsverhältnisse innerhalb der Gesellschaft einsetzen.</p>
<p>Alles was man dafür benötigte, waren ein schwarzer Filzstift, eine Sprühdose, eine vorbereitete aus Papier zugeschnittene Sprechblase und etwas Kleister, um sie auf dem Plakat anzubringen.</p>
<p>Ein als Graffiti an eine Wand angebrachtes Bild aber konnte wie eine Variable wirken, eine Unbekannte, die den zufällig dort vorübergehenden Passanten überraschen, irritieren und womöglich dem Lauf seiner Gedanken, seines angefangenen Tages eine neue und unbekannte Richtung verleihen konnte. . .</p>
<p>Heute denke ich, dass die Losungen und Parolen, die wir seinerzeit im Verlauf unserer nächtlichen Streifzüge in den Straßen hinterließen, jene Zeichen und Bilder, für uns immer auch eine zweite und zugleich darin mitschwingende Bedeutung gehabt hatten, ohne dass es uns damals selbst bewusst war: dass sie gleichzeitig eine Liebeserklärung enthielten, die wir uns in verschlüsselter Weise mitgeteilt und an Mauern und Wände gesprüht hatten. . .</p>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/3ca90a4d152a42e3ad8b6b1c7cc524c3" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Aufstand der Zeichen Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 23 May 2009 14:35:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Der Aufstand der Zeichen]]></category>

		<category><![CDATA[Graffiti]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Manche Graffiti wie jene mit Schablone gesprühten Mao-Portraits, von denen ich bereits sprach, und die immer noch mancherorts hier in den Straßen in Kreuzberg zu sehen sind, überdauern die Jahre. Andere hingegen werden bald darauf wieder entfernt, übermalt.
Von den Losungen und Parolen und den einfachen, rasch mit wenigen Punkten und Strichen erstellten Bildern, die wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Graffiti wie jene mit Schablone gesprühten Mao-Portraits, von denen ich bereits sprach, und die immer noch mancherorts hier in den Straßen in Kreuzberg zu sehen sind, überdauern die Jahre. Andere hingegen werden bald darauf wieder entfernt, übermalt.</p>
<p>Von den Losungen und Parolen und den einfachen, rasch mit wenigen Punkten und Strichen erstellten Bildern, die wir damals an Mauern und Häuserwände gesprüht hatten, ist wohl nichts mehr erhalten geblieben. Jedenfalls habe ich weder hier, in der Wrangelstraße und der Gegend um das Schlesische Tor herum, noch anderswo in den letzten Jahren mehr eine Spur davon zu entdecken vermocht.</p>
<p>Doch nach all dieser Zeit wüsste ich heute auch nicht mehr mit Gewissheit zu sagen, wo an welchen Stellen genau, welchen Straßen und Plätzen der Stadt wir gewesen waren und wo ich im Einzelnen noch danach suchen müsste.</p>
<p>Manche Orte aber, an die ich mich noch entsinnen kann, wie die leer stehenden alten Bahn-Gebäude an den Gleisen des Südgeländes habe ich schon seit Jahren nicht mehr besucht</p>
<p>So weiß ich nicht einmal mit Gewissheit zu sagen, ob man sie nicht vielleicht längst in der Zwischenzeit abgerissen hat.</p>
<p>In Gedanken suche ich die Erinnerung an jene nächtlichen Treffen mit Carolin, an die Stunden, das Warten auf die Dunkelheit und die Zeit wenn die Straßen schließlich leer genug waren, um ungestört handeln zu können.</p>
<p>Ich erinnere mich an die Vorbereitungen, an das Zuschneiden der Schablonen, das Geräusch, das beim Schütteln der Dosen entstand.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Farbnebel beim Sprühen, den Geruch der frischen Farbe und die selbst gedrehten Zigaretten, die Carolin im Gehen angezündet, angeraucht und mir danach gereicht hatte, und an denen mitunter eine winzige Spur roten Lippenstifts haftete.</p>
<p>Und ich erinnere mich an die Spannung und an die in der Aufregung stockenden, knappen Gespräche, an den Rausch, das Gefühl der Gefahr und des möglichen Entdecktwerdens und zugleich das Gefühl der Verbundenheit und des unbedingten Vertrauens, wenn ich Carolin hinter mir wusste, die die Straße im Auge behielt, während ich mit der Sprühdose arbeitete.</p>
<p>Deutlich ist mir die Sorge im Gedächtnis geblieben, die ich damals jedes Mal dann empfand, wenn ich selbst hinter Carolin stand und nach allen Seiten hin Ausschau hielt und aufpasste, während sie eine Graffiti an die Wand sprühte.</p>
<p>Und klar, so als läge all das nicht bereits mehr als zwei Jahrzehnte zurück, sehe ich dabei jenes Bild vor mir, Carolin und mich selbst: fieberhaft und übernächtigt, zuversichtlich und jung. . .</p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/da4fb7d357154f26bc7297826d903b29" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Wrangelstraße Teil 3</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 11:44:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal scheint es mir so, als wenn viele der Umwege, Irrtümer und Fehler innerhalb meiner eigenen Vergangenheit und Geschichte, gerade dann aufgetreten sind, wenn ich selbst versucht habe, dem Verlauf der Ereignisse eine andere Richtung zu geben und die Welt um mich herum neu zu ordnen.
Ist das Leben nicht steuerbar? Oder trifft dies nur auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal scheint es mir so, als wenn viele der Umwege, Irrtümer und Fehler innerhalb meiner eigenen Vergangenheit und Geschichte, gerade dann aufgetreten sind, wenn ich selbst versucht habe, dem Verlauf der Ereignisse eine andere Richtung zu geben und die Welt um mich herum neu zu ordnen.</p>
<p>Ist das Leben nicht steuerbar? Oder trifft dies nur auf mein eigenes zu?</p>
<p>Von den unterschiedlichen Vorhaben und Plänen und den wechselhaften Entschlüssen darin, auf die ich nun zurück blicke, habe ich manches aus- und zu Ende geführt, anderes wieder aufgegeben, hat sich manches als machbar, als brauchbar erwiesen und anderes nicht. Eine insgesamt, wie ich denke, geteilte Bilanz. Doch das meine ich nicht.</p>
<p>Ich denke eher zurück an Versuche, das Leben an bestimmten Konzepten und Prinzipien auszurichten, an Bestrebungen, eigene Fehler zu vermeiden und die Anderer nicht zu wiederholen.</p>
<p>Ich denke an vergangene Geschichten von Freundschaft und Liebe und daran, dass vielleicht manches anders und glücklicher darin verlaufen wäre, hätte ich mich dabei weniger auf meine eigene Voraussicht verlassen, meine eigenen Deutungen und Urteile. . .</p>
<p>Alles das geht mir von Zeit zu Zeit durch den Kopf. Ich versuche nicht, dem Geschehenen nun im Nachhinein eine andere Wendung zu geben, und mir vorzustellen was im Einzelnen wohl gewesen wäre, wenn. Und so suche ich in Gedanken auch nicht mehr nach anderen Anfängen und Enden, anderen Worten und Situationen innerhalb eines denkbaren und unter günstigeren Koordinaten und Konstellationen womöglich ganz anders verlaufenen Lebens.</p>
<p>Ich versuche nicht, innerhalb meiner Vorstellung Teile dessen, was war, ungeschehen zu machen oder dem, was geschah, irgendetwas hinzuzufügen, was vielleicht hätte sein können.</p>
<p>Denn was hätte das für einen Sinn?</p>
<p>Alles Wesentliche und Entscheidende aber, was in jenem Leben, das zu meinem geworden ist, passieren sollte, geschah, wie es mir nun erscheint, immer dann, wenn die Wirklichkeit mich überraschte, den vorausgesehenen Verlauf der Ereignisse unterbrach, sanft durchkreuzte, und ich mich zugleich von dem, was war und was kam, einfach tragen ließ.</p>
<p>Um dies, wenngleich spät, schließlich irgendwann zu begreifen, musste ich, wie mir heute klar ist, jedoch zunächst erst einmal hierher in die Wrangelstraße gelangen.</p>
<p>Doch ich greife schon wieder den Dingen voraus. . .</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/8462fdd89f7546a7aa8365c7acc2d6ea" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Wrangelstrasse-Blogroman: Podcast</title>
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		<pubDate>Sun, 17 May 2009 18:20:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>

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		<description><![CDATA[An dieser Stelle können Sie die Anfangssequenz des Blog-Romanes nun auch als Audio-Datei hören:
Wrangelstrasse-Blogroman-Podcast: Prolog
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			<content:encoded><![CDATA[<p>An dieser Stelle können Sie die Anfangssequenz des Blog-Romanes nun auch als Audio-Datei hören:</p>
<p><a href='http://wrangelstrasse-blog.de/wp-content/uploads/2009/05/wrangelstrasse-blogroman-teil1.mp3'>Wrangelstrasse-Blogroman-Podcast: Prolog</a></p>
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 9</title>
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		<pubDate>Sun, 17 May 2009 09:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Kritzelbilder]]></category>

		<category><![CDATA[Kritzelei]]></category>

		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Während ich allen anderen gegenüber zunächst nichts von meinen neuen Vorhaben und Plänen erzählte, hatte ich mich mit Carolin getroffen und mit ihr über Stanislwaski gesprochen und das Unsichtbare Theater.
Und ich hatte ihr die aus New York mitgebrachten Zeichnungen und Skizzen gezeigt und nicht ohne eine gewisse Spannung und Unruhe auf ihre Meinung und ihr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während ich allen anderen gegenüber zunächst nichts von meinen neuen Vorhaben und Plänen erzählte, hatte ich mich mit Carolin getroffen und mit ihr über Stanislwaski gesprochen und das Unsichtbare Theater.</p>
<p>Und ich hatte ihr die aus New York mitgebrachten Zeichnungen und Skizzen gezeigt und nicht ohne eine gewisse Spannung und Unruhe auf ihre Meinung und ihr Urteil darüber gewartet. Schließlich hatte sie die Letzte davon aus der Hand gelegt und mich angesehen: „Manche davon sind sehr schön.“ „Findest du?“ „Ja.“</p>
<p>Bei meinem nächsten Besuch hatte Carolin einen Pappkarton voller Zeichnungen hervor gesucht, die ich zuvor noch nie gesehen hatte.</p>
<p>Diese meist auf Notizblättern entstandenen oder manchmal auch von ihr auf den Rückseiten von Zigarettenschachteln und Silberpapieren hinterlassenen und vielleicht irgendwo unterwegs rasch mit schwarzem Stift oder Kugelschreiber angefertigten Bilder hatten mich in ihrer Einfachheit und Symbolik unwillkürlich an manche Zeichnungen Klees denken lassen, oder auch an die Arbeiten von A.R. Penck.</p>
<p>„Ich wusste gar nicht, dass du auch zeichnest.“, hatte ich zu ihr gesagt, überrascht und zugleich angesogen und fasziniert von den winzigen Bildern und den rätselhaften Geschichten, die sie erzählten.</p>
<p>Carolin hatte dazu jedoch nur gelächelt:“Ach, das sind doch nur Kritzeleien. . .“</p>
<p>Vor ein paar Tagen erst habe ich eines dieser Kritzelbilder in einer Schublade gefunden und ich habe es meinem Brief an Carolin beigelegt. Ob sie sich wohl noch daran erinnert?</p>
<p>Auf dem Bild sind zwei Figuren zu sehen, nur sehr knapp und mit wenigen Strichen umrissen. Ihre Arme, wie bei einer liegenden Acht mit nur einer sich überschneidenden durchgehenden Linie dargestellt, gehen unmittelbar ineinander über.</p>
<p>Beide, so scheint es mir, halten sich aneinander fest, scheinen sich zu umarmen und zugleich miteinander zu ringen.</p>
<p>Beide stehen getrennt und sind untrennbar doch miteinander verschlungen.</p>
<p>Was aber, frage ich mich, welches Bild, hätte unsere gemeinsame Geschichte, Carolins und auch meine, wohl besser darzustellen vermocht?</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/c6aef584815348518b4649dc3a496a0b" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 8</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 09:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<category><![CDATA[Schauspiel]]></category>

		<category><![CDATA[Unsichtbares Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Anders als Martin es damals wahrgenommen hatte, hatte ich jene vor unseren Augen gespielte und in der Tat täuschend echt simulierte dramatische Szene in der O-Bar in erster Linie als Möglichkeit und als interessante Option betrachtet.
Und während dabei in Martins Augen die Grenze des Zulässigen überschritten worden war, hatte ich selbst die Frage nach der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anders als Martin es damals wahrgenommen hatte, hatte ich jene vor unseren Augen gespielte und in der Tat täuschend echt simulierte dramatische Szene in der O-Bar in erster Linie als Möglichkeit und als interessante Option betrachtet.</p>
<p>Und während dabei in Martins Augen die Grenze des Zulässigen überschritten worden war, hatte ich selbst die Frage nach der Legitimität einer solchen künstlerischen Aktion weniger grundsätzlich betrachtet als er, sondern vielmehr von den jeweiligen damit verbundenen Zwecken und Zielen abhängig gemacht.</p>
<p>Eine Intervention in reale Situationen des Alltags mit den Mitteln des Unsichtbaren Theaters schien mir insbesondere dort gerechtfertigt, wo es galt die bestehende Wirklichkeit zu durchbrechen und in Frage zu stellen, wo es galt aufzuklären, zu verändern.</p>
<p>So hatte ich, der ich mich bislang wenig mit Theater und Schauspiel befasst hatte, mich mit einem Mal nun für beides zu interessieren begonnen. . .</p>
<p>Auch darüber hatte ich seinerzeit Martin gegenüber geschwiegen. Denn er hätte darin, wie ich bereits vorauszusehen glaubte, sicher nur eine Laune erblickt, einen Ausdruck meiner eigentlichen Unentschlossenheit und Ziellosigkeit, einen mehr oder weniger zufällig unternommenen und vermutlich nur kurzlebigen weiteren neuen Versuch im Künstlerischen.</p>
<p>Ich aber hatte in Stanislawskis Buch über Die Arbeit des Schauspielers an sich selbst nicht allein eine Anleitung zum Schauspiel gesehen, sondern mehr als das, einen Anlass und Weg um die unterschiedlichen Möglichkeiten, Eigenschaften und Facetten meiner eigenen Persönlichkeit auszuloten, um mir klarer, bewusster zu werden, wer und was ich war, was ich sein wollte und konnte.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund hatte ich damit angefangen, kleine Dialoge und Spielszenen zu entwerfen, die im Sinn jenes Unsichtbaren Theaters in den unterschiedlichen Alltagssituationen zum Einsatz gebracht werden konnten: in der U-Bahn, auf der Straße, im Bus.</p>
<p>Und zugleich nahm ich mir für das Kommende vor, mit der eigenen Rolle und Identität mehr zu experimentieren, vieles auszuprobieren und dabei nicht nur eines der möglichen sondern viele Leben zu leben. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/51702e0a4f244234bb841cefec7d0647" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 7</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/05/vom-leben-als-kunstwerk-teil-7/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 May 2009 13:02:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Politisches Theater]]></category>

		<category><![CDATA[Unsichtbares Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles das hatte sich binnen weniger Sekunden vor uns abgespielt. Ich erinnere mich noch daran, dass Martin und ich uns von unseren Plätzen erhoben hatten und zusammen mit uns ein paar weitere Gäste aufgestanden waren, ohne dass es uns dabei jedoch wirklich klar gewesen war, was zu tun war, was wir in dieser Situation unternehmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles das hatte sich binnen weniger Sekunden vor uns abgespielt. Ich erinnere mich noch daran, dass Martin und ich uns von unseren Plätzen erhoben hatten und zusammen mit uns ein paar weitere Gäste aufgestanden waren, ohne dass es uns dabei jedoch wirklich klar gewesen war, was zu tun war, was wir in dieser Situation unternehmen sollten und welche Folgen unser Eingreifen schließlich haben würde.</p>
<p>So hatten wir alle wartend und unschlüssig auf die Tür geblickt. Doch an Stelle von Schreien, von Stimmen oder auch eines Schusses, war es dahinter seltsam ruhig geblieben und kein Laut, kein Geräusch war von dort zu vernehmen gewesen.</p>
<p>Stattdessen hatte eine unheilvolle Spannung und Stille geherrscht und den ganzen Raum mit sich angefüllt.</p>
<p>Dann endlich war die Tür wieder aufgegangen und die drei Personen waren gemeinsam hinaus getreten, vorneweg die junge Frau mit den kurzen blonden Haaren.</p>
<p>Zu meiner nicht geringen Überraschung schienen alle drei sich jedoch mit einem Mal in bestem Einvernehmen miteinander zu befinden.</p>
<p>Und bevor ich noch Zeit hatte darüber nachzudenken, hatte die Frau ihrer Handtasche einen Schwung mit Handzetteln entnommen und diese an den Tischen zu verteilen begonnen.</p>
<p>Auf jenen Zetteln aber war die Ankündigung einer Theateraufführung zu lesen gewesen, eines irgendwo heute Abend noch in einem Off-Theater gespielten Kriminalstückes. . .</p>
<p>Ich weiß noch, dass es darüber damals anschließend zwischen Martin und mir beinahe zu einem Streit gekommen war.</p>
<p>„Ich fass es nicht“, hatte Martin gesagt, zutiefst aufgebracht und empört, „das kann doch jetzt wirklich nicht wahr sein. Dass die Leute einem erst so nen Schrecken einjagen und das alles am Ende nur für so ne blöde Reklame.“</p>
<p>Und als ich daraufhin nur mit den Achseln gezuckt und “Na ja“ gesagt hatte, statt ihm zuzustimmen, hatte er nur verständnislos den Kopf geschüttelt und mich mit einem wütenden Blick bedacht.</p>
<p>„Was heißt, hier na ja? Und am Ende greift niemand mehr ein, wenn dann wirklich mal was passiert, weil sie alle dann denken, das Ganze sei vielleicht wieder mal nur gestellt. . .“</p>
<p>Die drei Schauspieler der Theatergruppe indes waren in der Zwischenzeit längst verschwunden und weiter gezogen. . .</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/854abe18ddf14997ab7186aff7827ad3" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 6</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/05/vom-leben-als-kunstwerk-teil-6/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 12:28:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<category><![CDATA[New York Reise]]></category>

		<category><![CDATA[Oranien-Bar]]></category>

		<category><![CDATA[Unsichtbares Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein paar Tage nach meiner Rückkehr aus New York hatte ich mich am Nachmittag mit Martin in der O-Bar verabredet. Auf dem Wege dorthin hatte ich mich entschlossen, Martin gegenüber über alles das, was meine künftigen Vorhaben und Pläne betraf, zu schweigen, solange diese noch so im Unklaren lagen.
Stattdessen hatte ich ihm von der Stadt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein paar Tage nach meiner Rückkehr aus New York hatte ich mich am Nachmittag mit Martin in der O-Bar verabredet. Auf dem Wege dorthin hatte ich mich entschlossen, Martin gegenüber über alles das, was meine künftigen Vorhaben und Pläne betraf, zu schweigen, solange diese noch so im Unklaren lagen.</p>
<p>Stattdessen hatte ich ihm von der Stadt erzählt, von New York, von Soho und von China-Town, von den jüdischen Imbissen und den russischen Restaurants im East-Village, vom Pyramid-Club und vom CBGB´s.</p>
<p>Beide hatten wir vor einer Tasse mit Michkaffee gesessen und geredet, geraucht als mit einem Mal von draußen die Tür aufgerissen worden war und ein Mann von der Straße herein kam, der ganz offensichtlich gerannt war, und der sich beim Hereinkommen hastig um geblickt hatte: atemlos und gehetzt wirkend, so als würde ihn jemand verfolgen.</p>
<p>Ich erinnere mich noch genau daran,dass im gleichen Moment die Gespräche an sämtlichen Tischen um uns herum verstummt waren, und dass alle anwesenden Gäste, auch wir, wie gebannt auf den Mann geblickt hatten, in dessen Miene sich eine geradezu panische Angst widergespiegelt hatte.</p>
<p>Der Mann hatte sich einen Augenblick über verzweifelt umgesehen, so als suche er einen Platz, an dem er sich verbergen könne. Dann war er hinter der Tür, die zu den Toiletten führte, verschwunden.</p>
<p>Keine zwanzig Sekunden später waren ein weiterer Mann und eine junge Frau mit blond gefärbten kurzen Haaren von draußen herein gestürzt, offenbar die Verfolger, vor denen der Mann geflohen war.</p>
<p>Beide waren zunächst vorn am Eingang stehen geblieben, um von dort aus den Raum zu überblicken.</p>
<p>Die Frau aber hatte eine Waffe bei sich geführt und in der Hand gehalten, eine dunkle Pistole, welche sie, mit dem Arm dabei ringsherum an den Menschen und Tischen entlang schwenkend, auf die Anwesenden gerichtet hielt, während sie zugleich nach dem Flüchtigen Ausschau hielt.</p>
<p>Schließlich hatte sie ihrem Begleiter ein Zeichen gegeben und schweigend auf die Tür gedeutet, hinter der kurz zuvor der Geflohene verschwunden war. Und im nächsten Moment waren beide ihm dorthin nach geeilt. . .</p>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/993d3bc485624f78bdb7ce16b18c7a70" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 5</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 10:36:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Inspiration]]></category>

		<category><![CDATA[Kreatives Arbeiten]]></category>

		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Von meiner Reise hatte ich einen ganzen Stapel mit Zeitschriften, Skizzen und Manuskripten mitgebracht und zugleich eine Vielzahl von Vorhaben und Plänen. 
Doch zurück in Berlin, im alltäglichen Leben hatte sich jene anfängliche Zuversicht, mit der ich auf das Kommende geblickt hatte, rasch gelegt und war bald darauf einem Zustand der Ernüchterung gewichen.
Eher ratlos als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Von meiner Reise hatte ich einen ganzen Stapel mit Zeitschriften, Skizzen und Manuskripten mitgebracht und zugleich eine Vielzahl von Vorhaben und Plänen. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Doch zurück in Berlin, im alltäglichen Leben hatte sich jene anfängliche Zuversicht, mit der ich auf das Kommende geblickt hatte, rasch gelegt und war bald darauf einem Zustand der Ernüchterung gewichen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Eher ratlos als inspiriert hatte ich bei einer ersten Durchsicht auf die Zettel mit meinen Notizen gesehen, auf die hastig niedergeschriebenen Worte und Sätze, die ich selbst  manchmal kaum noch entziffern konnte, und deren Sinn und Bedeutung mir plötzlich vage und unklar erschienen: schemenhaft wie die Überreste eines Traumes, an den man zurück denkt, und von dem man das Wichtigste beim Aufwachen vergessen hat.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Skeptisch hatte ich jene ebenso schnell entstandenen, flüchtig hin geworfenen und teilweise auf Packpapier oder einem abgerissen Stück eines Werbeplakats hinterlassenen Zeichnungen und Skizzen betrachtet, die mir nun seltsam unbeholfen und nur wenig geglückt vorgekommen waren, ohne wirkliche Aussage- und Beweiskraft.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Wie so oft, wenn der Augenblick der Idee, des Entwurfes vorbei war und mit ihm jene erste Phase der Begeisterung, hatten mich, als es nun um die eigentliche Ausarbeitung und Umsetzung des Gedachten ging, plötzlich Zweifel überkommen, was den Sinn und die Machbarkeit des Projektes betraf.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und zugleich stellte sich mir die Frage, inwieweit  meine eigenen Fähigkeiten dazu ausreichen würden, das Geplante auch tatsächlich auszuführen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Wo aber lag das Problem? Fehlte mir hierbei nur die Geduld dafür und der innere Antrieb? Oder womöglich doch das Talent und die Eignung?</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Oder war es mir letztlich insgeheim nur um die Möglichkeit gegangen, um die bloße Option, um den Rausch des Moments und das Spiel mit dem Einfall und der schönen Idee, und nie wirklich darum, irgendetwas davon später wirklich auch in die Tat umzusetzen?</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Ohne sichere Antwort darauf aber hatte ich mich hin und her gerissen gefühlt zwischen wechselnden Überlegungen und Schlussfolgerungen, zwischen Unruhe und Ermüdung, Ungewissheit und Überzeugung. . .<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/b37367f4768849b4908edccb6e1baab9" alt="" width="1" height="1" /></span></p>
<p style="0cm;">
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 4</title>
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		<pubDate>Sat, 02 May 2009 13:03:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Antonin Artaud]]></category>

		<category><![CDATA[John Cage]]></category>

		<category><![CDATA[Kunst und Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Um das  tägliche Leben aus seinen Begrenzungen lösen zu können, aus Gleichlauf und Routine, aus vorhandenen und überkommenen Normen und Konventionen mussten diese überwunden und aufgehoben werden.
Dabei galt es im gleichen Maße äußere wie innere, gesellschaftliche und persönliche Grenzen zu erkennen und zu überschreiten, wie mir damals schien.
Die Vision einer möglichen Verschmelzung von Alltag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Um das  tägliche Leben aus seinen Begrenzungen lösen zu können, aus Gleichlauf und Routine, aus vorhandenen und überkommenen Normen und Konventionen mussten diese überwunden und aufgehoben werden.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Dabei galt es im gleichen Maße äußere wie innere, gesellschaftliche und persönliche Grenzen zu erkennen und zu überschreiten, wie mir damals schien.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Die Vision einer möglichen Verschmelzung von Alltag und Kunst war indessen nicht vollkommen neu und bereits vor den <em>Situationisten</em> war damit schon in früherer Zeit in verschiedenerlei Form und Gestalt experimentiert worden.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">So hatte sich </span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Antonin Artaud</span></span><span style="Arial,sans-serif;"><em> </em></span><span style="Arial,sans-serif;">in seinen Schriften zum Theater gegen eine Trennung von Leben und Kultur und von Bühne und Zuschauerraum gewandt.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und er hatte im gleichen Zuge gefordert, die jetzigen Theatersäle aufzugeben und in Zukunft in </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Scheunen und Schuppen </em></span><span style="Arial,sans-serif;">zu spielen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Statt an künstlerischen Formen zu haften, aber sollten die Kulturschaffenden sich laut Artaud </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>dessen bemächtigen was noch nicht ist </em></span><span style="Arial,sans-serif;">und dabei sein </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>wie Verurteilte, die von ihrem Scheiterhaufen herab Zeichen machen . . .</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">John Cage hatte in seinen Kompositionen mit Geräuschen und Zufallsoperationen zu experimentieren begonnen und in seinem Stück </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>4,33 </em></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">eine Gruppe von Musikern die Bühne betreten und nach 4 Minuten und 33 Sekunden wieder verlassen lassen, ohne dass dabei irgendein Instrument gespielt worden war.</span></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">An Stelle dessen hatten ausschließlich die Geräusche, die von draußen herein drangen, den Raum erfüllt und zugleich die Geräusche des Publikums selbst: sein Atem, Rascheln oder Husten, sein Protest und sein Tuscheln und Flüstern. . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Alle diese Versuche indes hatten den der Kunst zugestandenen Raum zwar erweitert, ihn dabei aber tatsächlich nie verlassen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Eine radikale Befreiung von Leben und Kunst jedoch konnte, so glaubte ich, nicht ohne eine gleichzeitige radikale Veränderung und Befreiung der ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse geschehen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Kunst musste also demnach nicht allein mit dem Alltag und Leben verschmelzen, sondern gleichzeitig auch mit Politik.</span></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Und politische Aktion musste sich in ihren Handlungen auch künstlerischer und kreativer Ausdrucksmittel und Elemente bedienen.</span></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Unser Leben aber fand hier und jetzt in der Gegenwart statt, konnte nicht darauf warten, bis die Welt um uns herum sich vielleicht in ferner Zukunft verändern würde, sondern musste diesen Zustand der Befreiung in gewisser Weise schon vorweg nehmen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">So hatte ich gehofft, jener Falle zu entgehen, die sich unweigerlich, wie es mir damals schien, vor mir auftat: einem vorgezeichneten und mir zugedachten schon im voraus absehbaren Leben, dessen Bogen sich von seinem Beginn, von Geburt bereits an unsichtbar über Schule und Studium, Arbeit und Beruf, Familie und Karriere hinweg bis zum Ende hin spannte. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/0034dbdee261471ab7ba779aabd1dff1" alt="" width="1" height="1" />. .<br />
</span></p>
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		<title>Vom Leben als Kunstwerk Teil 3</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/vom-leben-als-kunstwerk-teil-3/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 09:03:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Graffiti]]></category>

		<category><![CDATA[Rekuperation]]></category>

		<category><![CDATA[Subversion]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn eine mögliche Verschmelzung von Alltag und Kunst das Leben von Grund auf verändern sollte, durfte Kunst sich, wie ich damals glaubte, weder kommerzialisieren, noch anderweitig vereinnahmen lassen.
Sie durfte weder zur Ware werden, noch sich selbst an der Mystifizierung von künstlerischer Arbeit und Identität beteiligen.
Und sie durfte sich dabei nicht auf die ihr zugewiesenen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn eine mögliche Verschmelzung von Alltag und Kunst das Leben von Grund auf verändern sollte, durfte Kunst sich, wie ich damals glaubte, weder kommerzialisieren, noch anderweitig vereinnahmen lassen.</p>
<p>Sie durfte weder zur Ware werden, noch sich selbst an der Mystifizierung von künstlerischer Arbeit und Identität beteiligen.</p>
<p>Und sie durfte sich dabei nicht auf die ihr zugewiesenen und zugestandenen Orte und Räume innerhalb des gesellschaftlichen Lebens beschränken, sondern musste vielmehr den öffentlichen Raum und das gesamte Feld der Wirklichkeit miteinbeziehen.</p>
<p>Baudrillard hatte von einem Aufstand der Zeichen gesprochen und durch seine Beschreibung, Zuordnung und Deutung des Phänomens, wie mir schien, genau jene Ordnung wieder herzustellen geholfen, die ja gerade in Frage gestellt und vielleicht sogar ganz kurze Zeit über auch tatsächlich erschüttert worden war. . .</p>
<p>Die Gefahr, in die sich jede neue Idee und Bewegung bei ihrem Erscheinen begab, bestand also keineswegs allein darin, wie im Falle der Graffiti-Sprayer bei verbotenen Aktionen wie dem Sprühen eines Bildes oder einer Botschaft an eine Wand überrascht und deswegen belangt zu werden.</p>
<p>Sie schien ebenso darin zu liegen, entdeckt zu werden, in den Fokus von interessierten Wissenschaftlern zu geraten, von Soziologen und Philosophen, in den Blickpunkt der Medien und zuletzt dann des Marktes und damit quasi unweigerlich wieder Teil genau dessen zu werden, gegen dass man sich vorher aufgelehnt hatte.</p>
<p>Die Situationisten hatten diesen Prozess der Wiedervereinnahmung als Rekuperation bezeichnet.</p>
<p>Und in der Tat hatten Streetart und Graffiti nur ein paar Jahre darauf ihren Einzug in den offiziellen Kunstmarkt gehalten, werden heute als kostbar erachtete Graffities mittlerweile vorsichtig aus dem Mauerwerk heraus getrennt und anschließend in Galerien ausgestellt und verkauft. . .</p>
<p>Künstlerische Aktion, die den Alltag revolutionieren wollte, musste also, so glaubte ich, wandlungsfähig bleiben, auf gesellschaftliche Veränderungen und Prozesse ebenso rasch wie flexibel reagieren.</p>
<p>Sie musste mit den Mitteln des Spiels und des Zufalls arbeiten, der Anonymität und der Überraschung, der Guerilla.</p>
<p>Und sie musste zugleich, wie mir schien, überall wo sie in Erscheinung getreten war, ihre eigenen Spuren wieder sorgfältig verwischen. . .</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/f22f7b640b7b44ebb4be1692c33dacee" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Vom Aufstand der Zeichen</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/vom-aufstand-der-zeichen/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 09:39:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Jean Baudrillard]]></category>

		<category><![CDATA[New York]]></category>

		<category><![CDATA[Signifikanten]]></category>

		<category><![CDATA[Streetart]]></category>

		<category><![CDATA[Urbaner Raum]]></category>

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		<description><![CDATA[In seinem einige Jahre zuvor erschienenen Aufsatz über den Aufstand der Zeichen hatte Jean Baudrillard bereits über die subversive Wirkung von Graffiti in den Städten Amerikas geschrieben und über die dadurch ausgelöste Unterwanderung der bestehenden Ordnung.
Anders jedoch als Baudrillard hatte ich in einigen jener Schriftzüge, Bilder und Hieroglyphen in den Straßen New Yorks etwas Weitergehenderes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem einige Jahre zuvor erschienenen Aufsatz über den Aufstand der Zeichen hatte Jean Baudrillard bereits über die subversive Wirkung von Graffiti in den Städten Amerikas geschrieben und über die dadurch ausgelöste Unterwanderung der bestehenden Ordnung.</p>
<p>Anders jedoch als Baudrillard hatte ich in einigen jener Schriftzüge, Bilder und Hieroglyphen in den Straßen New Yorks etwas Weitergehenderes zu erkennen geglaubt, als bloß leere Signifikanten.</p>
<p>Sie erschienen mir vielmehr wie Vorboten einer neuartigen und zugleich wie Fragmente einer wieder gefundenen und im Grunde viel älteren und elementareren Sprache . . .</p>
<p>Denn viele dieser einfachen, rasch mit wenigen Punkten und Strichen mit Markern oder Sprühdosen auf den Mauern und Wänden hinterlassenen Zeichen und Bilder erinnerten mich an die Höhlenmalereien prähistorischer Zeiten, frühe Schriftzeichen, Chiffren und Symbole.</p>
<p>In dieser keineswegs also leeren, sondern, wie mir schien, nur verschlüsselten und noch unentzifferten Zeichensprache und Schrift fanden sich so gewissermaßen die Botschaften und Spuren neuer urbaner Sammler und Jäger. Und mit ihnen die Hinweise auf eine begonnene Wiederaneignung und Rückeroberung des städtischen Raumes.</p>
<p>Ich aber hatte die Straßen Manhattans auf der Suche nach weiteren dieser Spuren abgesucht und durchquert, wie ein Ärchaologe oder ein Ethnologe auf der Suche nach Hinweisen auf einen irgendwo im Verborgenen lebenden und bislang noch unbekannten neuen Stamm.</p>
<p>Und ich hatte die Stadt in ihrer fieberhaften Betriebsamkeit, ihrer rauschhaften Größe und Schönheit, ihren Straßenschluchten, Gebäuden, unterirdischen Tunneln, zugleich wie einen einzigen und zusammen hängenden lebenden Organismus wahrgenommen: einen Körper, der atmet, dessen Herz pocht und schlägt und dessen Blut warm in den Adern pulsiert.</p>
<p>So hatte ich in New York, wie ich damals geglaubt hatte, einen Blick in die kommende Zeit getan. Und zugleich auch nach Hinweisen auf die eigene Zukunft gesucht, auf mein eigenes künftiges Leben. . .</p>
<p></span><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/e61c15adde064b72bec74c8528af2aaf" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>New York</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/new-york/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 08:38:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[New York]]></category>

		<category><![CDATA[Südgelände]]></category>

		<category><![CDATA[Urbane Zeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch im gleichen Jahr 1984 hatte ich während eines Aufenthalts in New York in der dort von mir wahrgenommenen Widersprüchlichkeit und Beschleunigung des gesamten Alltags eine Vision des Künftigen zu erkennen geglaubt: ein Szenario, eine mögliche Vorwegnahme eines so oder aber in ähnlicher Weise vielleicht auf uns zu kommenden Lebens auch in West-Europa, in Berlin.
Auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Noch im gleichen Jahr 1984 hatte ich während eines Aufenthalts in New York in der dort von mir wahrgenommenen Widersprüchlichkeit und Beschleunigung des gesamten Alltags eine Vision des Künftigen zu erkennen geglaubt: ein Szenario, eine mögliche Vorwegnahme eines so oder aber in ähnlicher Weise vielleicht auf uns zu kommenden Lebens auch in West-Europa, in Berlin.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Auf der Bowery hatte ich Angestellte und Geschäftsleute mit Anzug und Krawatte und mit Aktentaschen in den Händen gesehen, die vollkommen gleichgültig und unbeirrt über die vor ihnen auf dem Bürgersteig liegenden Körper der Obdachlosen hinweg gestiegen waren.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Am Union-Square hatte ein Mann mit über gezogener Strumpfmaske auf dem Bahnsteig des U-Bahnhofes neben mir auf der Bank Platz genommen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">In den Straßen der Stadt hatten Menschen in riesigen durchsichtigen Plastiksäcken, die sie hinter sich her zogen, Getränkedosen gesammelt, für die es ganze 2 Cent Pfandgeld gab.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Vor einem eleganten Appartementhaus in der Nähe des Central Parks hatte indessen ein Bediensteter in Livree und mit Schirmmütze mit einer Reinigungsmaschine das Pflaster des Gehweges poliert. . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Nicht allein in der Bronx sondern auch in Manhattan, inmitten des Stadtzentrums also von New York,  hatte ich den Verfall ganzer Straßenzüge beobachtet, scheinbar aufgegebener Gegenden und Gebiete, in denen sich die Stadt wieder zurück zu entwickeln schien, und die quasi bereits außerhalb jeder wirklichen sozialen Kontrollle lagen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Diese brach liegenden und sich selbst überlassenen urbanen Bereiche hatten mich damals  unweigerlich an Berlin denken lassen, an das Südgelände, jenes seit der Zeit des Mauerbaus in Teilen stillgelegten und seitdem immer weiter verfallenden S-Bahn-Geländes im West-Teil der Stadt,  mit seinen verlassenen Anlagen, Schienensträngen,  Gebäuden und seinen längst von Bäumen und Sträuchern überwachsenen Gleisen. . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">In einem Buchladen im East-Village aber hatte ich ein Fanzine mit dem Titel </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Urban Primitives </em></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">entdeckt und ich war darin auf die gleichen Zeichen, Bilder und Symbole gestoßen, die ich zuvor bereits in den Straßen der Stadt gesehen hatte, an den Mauern von Parkhäusern, Lagerhallen und Fabrikgebäuden. . .<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/07e35aa8379e4d43af05ac83d80ad719" alt="" width="1" height="1" /></span></span></p>
<p style="normal;">
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Heute Spaß und morgen Tod. . .</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/heute-spass-und-morgen-tod/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Apr 2009 11:24:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Achtziger Jahre]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Lebensgefühl]]></category>

		<category><![CDATA[No Future]]></category>

		<category><![CDATA[Punk]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wäre sicher falsch, das Lebensgefühl einer ganzen Generation allein auf jene damals von vielen empfundene Bedrohung durch einen möglicherweise bevorstehenden  Atom-Krieg zurückzuführen. Oder auf die  Angst vor einer kommenden Umweltkatastrophe, wie sie sich dann nur zwei Jahre später in Tschernobyl  ja auch tatsächlich ereignen sollte. 
Doch die Wahrnehmung, das Gefühl einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Es wäre sicher falsch, das Lebensgefühl einer ganzen Generation allein auf jene damals von vielen empfundene Bedrohung durch einen möglicherweise bevorstehenden  Atom-Krieg zurückzuführen. Oder auf die  Angst vor einer kommenden Umweltkatastrophe, wie sie sich dann nur zwei Jahre später in Tschernobyl  ja auch tatsächlich ereignen sollte. </span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Doch die Wahrnehmung, das Gefühl einer ungewissen und vermeintlich nichts Gutes verheißenden Zukunft hatte zweifellos das Bewusstsein der  Menschen geprägt und zugleich ihre Lebensplanungen- und Wege.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Eine Folge davon war nicht zuletzt eine mitunter auch selbst zerstörerische und exzessiv ausgelebte Hinwendung zur Gegenwart gewesen und den Möglichkeiten des  Augenblicks. </span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Die zweite Hälfte des Himmels könnt ihr haben</span><span style="Arial,sans-serif;">, hatten die </span><span style="Arial,sans-serif;">Fehlfarben </span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">auf ihrem Album </span>Monarchie und Alltag </span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">gesungen</span></span><span style="Arial,sans-serif;">, das Hier und das Jetzt, das behalte ich</span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">, und sie hatten damit am Beginn der Achtziger Jahre nicht alleine den Nerv der Zeit getroffen, sondern gleichzeitig auch die Losung für eine ganze nach folgende Epoche ausgegeben.</span></span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Die Gruppe </span><span style="Arial,sans-serif;">Deutsch Amerikanische Freundschaft </span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;"> hatte mit </span></span><span style="Arial,sans-serif;">Nimm dir was du willst, solange du noch kannst in Verschwende deine Jugend </span><span style="Arial,sans-serif;">jene zeitlich begrenzte und womöglich nur kurze noch verbleibende Lebensspanne des Einzelnen angesprochen.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Und die aus Berlin kommende Punk-Band </span></span><span style="Arial,sans-serif;">Vorkriegsjugend </span><span style="Arial,sans-serif;"> hatte alles das auf einen einfachen Nenner gebracht und in ihrem gleichnamigen Stück skandiert: </span><span style="Arial,sans-serif;">Heute Spaß und morgen Tod</span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">. </span></span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Dort, in West-Berlin aber hatte es ein politisch geschickt und mit Umsicht agierender Regierender Bürgermeister und späterer Bundespräsident zuvor verstanden, die im Zuge der Hausbesetzerbewegung entstandenen sozialen Wogen zu glätten. </span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Ihm war es schließlich gelungen, die angespannte Situation zu entschärfen, zu befrieden und im gleichen Zug alle damit verbunden gewesenen Illusionen und Hoffnungen auf einen radikalen gesellschaftlichen Umbruch und Neuanfang sanft zu begraben.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Nicht ganz zutreffend scheint es mir auch, im Rückblick auf das Lebensgefühl jener frühen Achtziger Jahre von einem Geist des Hedonismus zu sprechen. </span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Denn was die Menschen, oder sagen wir besser, was viele damals umtrieb und bewegte, war vielleicht weniger das Streben nach Wohlstand und Geld, nach Genuss und nach Luxus, wie es manche Chronisten im Nachhinein und im Resümee jener Zeit zu erkennen glauben, als vielmehr eine Suche nach Intensität und vielleicht jenem richtigen Leben im falschen, von dem Adorno in seinen Minima Moralia  geschrieben hatte. . .<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c8d2bdee2fb8482f943d4a8c1dabdfef" alt="" width="1" height="1" /></span></em></p>
<p style="0cm;">
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Stimmen</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/stimmen-2/</link>
		<comments>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/stimmen-2/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 10:59:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Leser]]></category>

		<category><![CDATA[Netzliteratur]]></category>

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		<description><![CDATA[Sag mal, wird das jetzt eigentlich ein Geschichtsroman, woran du hier arbeitest? Und wenn ja, warum setzt du denn dann nicht viel früher schon an? Ende 80 zum Beispiel bei den ersten Hausbesetzungen in Berlin und nicht irgendwann 84, wo doch gar nichts mehr war?
Und warum nicht vielleicht dann sogar noch etwas früher beginnen, 78 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><em>Sag mal, wird das jetzt eigentlich ein Geschichtsroman, woran du hier arbeitest?</em></span><span style="Arial,sans-serif;"> </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Und wenn ja, warum setzt du denn dann nicht viel früher schon an? Ende 80 zum Beispiel bei den ersten Hausbesetzungen in Berlin und nicht irgendwann 84, wo doch gar nichts mehr war?</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><em>Und warum nicht vielleicht dann sogar noch etwas früher beginnen, 78 zum Beispiel mit der Gründung der Taz? </em></span><span style="Arial,sans-serif;">schlägt eine andere Stimme vor. </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>War doch auch eigentlich ein ganz wichtiges Datum. . .<br />
</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Eine dritte Stimme mischt sich ein und widerspricht, nicht ohne einen leicht gereizt klingenden Unterton: </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Und warum dann nicht gleich bei der Apo anfangen?  Außerdem, gibt es da denn nicht sowieso schon ein Buch drüber? Mir fällt bloß jetzt nicht ein, wie das heißt. . .</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Etwas reitet  mich, lockt mich, jetzt darauf zu erwidern:“Warum eigentlich nicht? Und warum nicht tatsächlich bereits bei der Apo anfangen?“ Doch ich ahne bereits, was dann kommen wird. Und zudem war das ein wenig vor meiner Zeit. . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Stattdessen schweige ich also, warte ab.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Bald darauf meldet sich eine neue Stimme zu Wort: I</span><span style="Arial,sans-serif;"><em>ch war auch damals mit in Bonn.</em></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;"> Eine</span></span><span style="Arial,sans-serif;"><em> </em></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">zweite erwidert</span></span><span style="Arial,sans-serif;"><em>: Mensch, du auch? Ja. Und was ist mit dir?</em></span><span style="Arial,sans-serif;"> fragen mich beide Stimmen zugleich. „Nein, ich war damals nur auf der Reagan-Demo in Berlin, und das eigentlich auch nur so halb . . . “</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Eine Pause entsteht. Dann mit einem Mal lässt sich eine der Stimmen vom Anfang von neuem vernehmen: </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Ja, ich weiß noch,die Friedensdemo in Bonn damals, 500 000 Idioten in Bonn. . .</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><em>Was soll das denn jetzt heißen? </em></span><span style="Arial,sans-serif;">kommt es daraufhin sogleich entrüstet zurück. </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Ja, erkläre doch mal, was das heißen soll</em></span><span style="Arial,sans-serif;">. </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>Ich find auch, dass du uns das vielleicht mal erklären solltest. . .find ich übrigens auch. . . und überhaupt, selber Idiot!</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><em>Wieso? </em></span><span style="Arial,sans-serif;">fragt die Stimme zurück, nun schon einiges weniger überzeugt klingend und bereits in der Defensive: </span><span style="Arial,sans-serif;"><em>War doch wirklich vollkommener Blödsinn damals, da mit hin zu fahren und für den Frieden zu protestieren. . .</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;"><em>Und was war daran bitte Blödsinn? Und was war mit dir selbst? Wo bist du denn gewesen? Bestimmt bei der Marxistischen Gruppe. . .Kenn ich gar nicht . . . War das nicht so ne halbe Sekte damals? Keine Ahnung, nie gehört davon . . .</em></span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Ich aber kehre in Gedanken noch einmal an den Anfang zurück.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Eine quasi historischen Roman über Deutsche Geschichte im ausgehenden 20. Jahrhundert hatte ich ja eigentlich nie wirklich im Sinn gehabt,  zu schreiben. . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Wie aber, frage ich mich, kann ich im Folgenden nun von Carolin, von Andreas, von Martin und all den anderen Menschen hier berichten, ohne  gleichzeitig auch darüber zu schreiben, was außerdem war und was um uns herum?</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Denn nur so, denke ich, lässt sich alles das, alles das, was geschah und was nicht geschah, begreifen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Also fahre ich fort zu erzählen . . .<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c8e7f1d63d8540f89fdc7a152128d1ff" alt="" width="1" height="1" /></span></p>
<p style="0cm;">
]]></content:encoded>
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		<title>1984 - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Apr 2009 11:49:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

		<category><![CDATA[Bonn]]></category>

		<category><![CDATA[Friedensdemonstration]]></category>

		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>

		<category><![CDATA[Ronald Reagan]]></category>

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		<description><![CDATA[Seltsam mag es aus späterer Sicht auch erscheinen, dass so viele Menschen damals die Welt nah am Rand einer Katastrophe geglaubt hatten, die sich dann, wie wir heute wissen, doch nicht ereignet hatte. Doch die Angst vor einem atomaren Erstschlag  und  einem möglicherweise drohenden Dritten Weltkrieg hatte seinerzeit einen durchaus realen Hintergrund gehabt.
In [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Seltsam mag es aus späterer Sicht auch erscheinen, dass so viele Menschen damals die Welt nah am Rand einer Katastrophe geglaubt hatten, die sich dann, wie wir heute wissen, doch nicht ereignet hatte. Doch die Angst vor einem atomaren Erstschlag  und  einem möglicherweise drohenden Dritten Weltkrieg hatte seinerzeit einen durchaus realen Hintergrund gehabt.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">In den USA war mit Ronald Reagan ein ehemaliger B-Film-Held und Western-Darsteller zum Präsidenten gewählt worden, der als konservativer Republikaner für eine Politik der militärischen Abschreckung und der weiteren Aufrüstung gestanden hatte.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Zudem hatte sich mit dem Nato-Doppelbeschluss und der Stationierung neuer nuklearer Mittelstreckenraketen in West-Europa eine ganz neue Dimension einer möglichen Kriegsführung ergeben. </span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Denn mit einem Mal tat sich hier nun die Möglichkeit auf, einen denkbaren Kriegsschauplatz auf Europa zu begrenzen und die USA selbst vor den Folgen eines mit nuklearen Waffen geführten Krieges zu bewahren . . .</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Das geteilte Deutschland  in der Mitte Europas und in ihm das geteilte Berlin wären dabei hingegen die ersten Ziele eines kommenden atomaren Schlages gewesen und in Folge davon aller Wahrscheinlichkeit nach weitestgehend zerstört worden.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Michail Gorbatschow, der in wesentlicher Weise jenen späteren Entspannungsprozess zwischen Ost und West einleiten und prägen sollte, sollte indes erst im Folgejahr zum </span><span style="Arial,Helvetica,sans-serif;">Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gewählt werden und an die Macht gelangen.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,Helvetica,sans-serif;">So war es dann nicht zuletzt jene Sorge, jene tief empfundene Bedrohung gewesen, die zwei Jahre zuvor im Jahr 1982 eine halbe Million Menschen auf die Straße getrieben und zu einer gemeinsamen Friedensdemonstration in Bonn  versammelt hatte.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,Helvetica,sans-serif;">Und nur einen Tag später waren es etwa einhunderttausend Menschen gewesen, die  anlässlich des  Besuchs Ronald Reagans in West-Berlin demonstriert hatten, deutlich mehr Menschen als seinerzeit etwa während der Studentenproteste der 68er-Generation. </span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,Helvetica,sans-serif;">Dennoch, und auch dieses mag seltsam anmuten, sind  von jenen Ereignissen späterhin kaum mehr Spuren geblieben, ist von jener Bewegung und den Menschen, die sie damals getragen hatten, nur vergleichsweise wenig im Gedächtnis geblieben. . . <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/82aec00f509b48ae910ee1c483140b04" alt="" width="1" height="1" /></span></em></p>
<p style="0cm;">
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		<title>1984</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 11:50:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Anhang]]></category>

		<category><![CDATA[Big Brother]]></category>

		<category><![CDATA[Deutscher Herbst]]></category>

		<category><![CDATA[George Orwell]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist seltsam in einem Zukunftsroman zu lesen, der bereits von der Zeit überholt worden ist. Denn das Buch, das man vor sich hat, die Geschichte darin ist zugleich Utopie und Vision und gehört doch bereits der Vergangenheit an.
Wir hatten in jener Nacht von Silvester auf Neujahr das Jahr 1984 erreicht und es hatte keinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Es ist seltsam in einem Zukunftsroman zu lesen, der bereits von der Zeit überholt worden ist. Denn das Buch, das man vor sich hat, die Geschichte darin ist zugleich Utopie und Vision und gehört doch bereits der Vergangenheit an.</span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Wir hatten in jener Nacht von Silvester auf Neujahr das Jahr 1984 erreicht und es hatte keinen Großen Bruder<span style="normal;"> gegeben, der uns überall von Plakaten und Bildschirmen aus anblickte, wie in Orwells berühmter Fiktion, keine Videokameras, die in jeder Wohnung unser Leben überwachten, keine tägliche </span>Zwei-Minuten-Hassendung<span style="normal;"> im Fernsehen. </span></span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Doch es gab nach wie vor einen Kalten Krieg zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion und den jeweils von ihnen dominierten militärischen und politischen Bündnissen, der in den Ländern der Peripherie und der dritten Welt teils offen und teils im Verborgenen geführt wurde, in Afrika, Asien und Lateinamerika.</span></span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Im Osten Deutschlands hatte ein M</span>inisterium für Staatssicherheit <span style="normal;">versucht, die politischen Überzeugungen und Äußerungen jedes Einzelnen dort im Auge zu behalten und mithilfe eines unsichtbaren und quasi allgegenwärtigen Netzes informeller Mitarbeiter zu kontrollieren.</span></span></em></p>
<p style="0cm;"><em><span style="Arial,sans-serif;"><span style="normal;">Im Westen hatten sich </span>polizeilicher Staatsschutz und<span style="normal;"> </span>Verfassungsschutz<span style="normal;"> dagegen auf die Überwachung einer kritischen Minderheit innerhalb der Gesellschaft konzentriert und dabei unter anderem Anhänger und Mitglieder linksgerichteter Parteien und Gruppierungen beobachtet, Hausbesetzer, Umweltaktivisten, Pazifisten und Atomkraftgegner. . . </span> </span></em></p>
<p style="normal;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Ein paar Jahre zuvor bereits hatte ein Deutscher Herbst mit Rasterfahndungen und Hochsicherheitstrakten, mit Berufsverboten und einem Paragraph 129a das politische und gesellschaftliche Klima im Lande spürbar verschärft. </span></em></p>
<p style="normal;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Und </span><span style="Arial,sans-serif;">nach den Toten von Stammheim waren es </span><span style="Arial,sans-serif;">mit Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar nunmehr zwei Personen gewesen, zwei Gesichter, die von jetzt an quasi stellverstretend für die gesamte Rote Armee Fraktion das Feindbild der offenen Gesellschaft und ihrer politischen Ordnung zu verkörpern schienen.</span></em></p>
<p style="normal;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Anders als Emmanuel Goldstein </span><span style="Arial,sans-serif;">in Orwells Roman jedoch hatten diese beiden im wirklichen, nun begonnenen Jahr 1984 nicht verborgen im Untergrund gelebt, sondern sich in Haft befunden und waren dort, als Gefangene, Teil einer Legende geworden. </span></em></p>
<p style="normal;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Diese war in der Folgezeit von beiden Seiten, Gegnern wie Unterstützern der RAF, für ihre jeweiligen politischen Zwecke und Ziele verwandt worden. </span></em></p>
<p style="normal;"><em><span style="Arial,sans-serif;">Doch der Ausgangspunkt jenes späteren Mythos hatte nicht zuletzt in der Form der Berichterstattung in den Medien gelegen: einer suggestiv eingesetzten Sprache und Bildsprache, einer wohldosierten Mischung aus Andeutungen, Schweigen, Erzählen.<br />
</span></em></p>
<p style="normal;"><span style="Arial,sans-serif;"><em>Und in einer erstaunlichen Dialektik und Umkehrung des Geschehenen sollten eben jene Zeitungen, jene Medien, die sie seinerzeit erst zu negativen Ikonen stilisiert und gemacht hatten, Jahre später mit der gleichen Vehemenz eine Entmythologisierung der RAF in der Öffentlichkeit fordern.   . .  <img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/1e918e1d9ed74c9f82f4360efeaee991" alt="" width="1" height="1" /></em> <em> </em> </span></p>
<p style="normal;">
<p style="0cm;">
<p><em></em></p>
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		<title>Der Morgen danach   Letzter Teil</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 14:02:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Liebe und Freundschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Etwas war geschehen, hatte uns zugleich neu und tiefer miteinander verbunden als zuvor. Das Geheimnis jener hinter uns liegenden und gemeinsam verbrachten Nacht hatte uns zu Vertrauten gemacht, zu Verbündeten, zu Verschwörern. . . 
Jener Sog, jene Spannung und Anziehungskraft aber die von Carolin für mich ausgegangen war, hatte sich, wie mir schien, gleichermaßen bestätigt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Etwas war geschehen, hatte uns zugleich neu und tiefer miteinander verbunden als zuvor. Das Geheimnis jener hinter uns liegenden und gemeinsam verbrachten Nacht hatte uns zu Vertrauten gemacht, zu Verbündeten, zu Verschwörern. . . </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Jener Sog, jene Spannung und Anziehungskraft aber die von Carolin für mich ausgegangen war, hatte sich, wie mir schien, gleichermaßen bestätigt und als Irrtum erwiesen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Wir waren Freunde, so glaubte ich nun zu erkennen, keine Liebenden. Und war das nicht am Ende viel mehr?</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Heute, während ich an meine Zeit mit Carolin und dabei an die zahlreichen  kleinen und großen Katastrophen, die sich darin ereigneten, zurück denke, an die Abschiede und vorübergehenden Trennungen, aber auch an die Augenblicke des Glücks, wundere ich mich mitunter, warum unsere Geschichte, die doch unweigerlich hatte zueinander führen müssen, damals erst einmal noch diesen Umweg genommen hatte.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Doch in der Wirklichkeit, im Leben ist die kürzeste Entfernung und Verbindung zwischen zwei Menschen nicht immer die Gerade und womöglich konnte sich jene spätere Liebesgeschichte, so denke ich jetzt, gerade in jener Unverfänglichkeit und im Schatten und Schutz der Freundschaft erst entwickeln.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Vielleicht konnte sie überhaupt erst beginnen, als niemand, weder Carolin, noch ich selbst, mehr daran gedacht und geglaubt hatte. Und vielleicht, wie ich ebenfalls manchmal denke, auch erst dann, als es eigentlich schon unmöglich geworden war. Doch auch dies soll an späterer Stelle erzählt werden. . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Nach dieser Nacht, diesem Morgen in Carolins Wohnung aber hatte ich zunächst fest geglaubt, dass die Dinge sich zwischen uns nun geklärt hätten. Wir waren Freunde.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und als wollte sie jenes neu entstandene Band zwischen uns zugleich auch in symbolischer Form besiegeln, hatte Carolin, noch bevor ich gegangen war, ihren Pullover, der weit und groß genug gewesen war, um auch mir zu passen, abgestreift: „Sag mal, willst du nicht meinen Pullover anziehen und ich deinen?“</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">So war ich, müde und zerschlagen von der Nacht, von den wenigen Stunden Schlaf und im Inneren zugleich aufgewühlt und voller Gedanken, durch den angefangenen Tag draußen nach Hause gelaufen: den Pullover von Carolin auf meiner Haut, der noch voll ihrer Gegenwart gewesen war.<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/080668d65af6487fa9fbd12eb91457d6" alt="" width="1" height="1" /></span></p>
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		<title>Der Morgen danach - Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Apr 2009 13:21:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Glück]]></category>

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		<description><![CDATA[Nichts also hatte sich in jener Nacht noch ereignet. Dennoch war irgendetwas geschehen. Denn am kommenden Morgen waren wir verwandelt gewesen.
Die Welt schien auf trügerische Art und Weise die gleiche zu sein wie am Vortag. Und war doch eine andere. Und auch wir, Carolin und ich selbst, waren andere geworden.
Carolin musste bereits eine Weile vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Nichts also hatte sich in jener Nacht noch ereignet. Dennoch war irgendetwas geschehen. Denn am kommenden Morgen waren wir verwandelt gewesen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Die Welt schien auf trügerische Art und Weise die gleiche zu sein wie am Vortag. Und war doch eine andere. Und auch wir, Carolin und ich selbst, waren andere geworden.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Carolin musste bereits eine Weile vor mir wach geworden sein, denn als ich aufgewacht war, war sie schon angezogen und gerade damit beschäftigt gewesen, den Kachelofen, der das Zimmer beheizte, zu schüren und mit neuen Briketts zu versorgen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Blinzelnd hatte ich aus der Helligkeit, aus dem Tageslicht, das von draußen herein drang, auf die mögliche Uhrzeit zu schließen versucht.</span></p>
<p style="0cm;">„<span style="Arial,sans-serif;">Habe ich dich geweckt?“, hatte Carolin mich gefragt.“Wie spät ist es denn jetzt?“ “Gleich zwölf. Du kannst ruhig noch weiter schlafen.“</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Ich aber hatte mir die Augen gerieben, und war kurz darauf ebenfalls aufgestanden.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Aus dem Bad kommend hatte ich das Klappern und Klirren von Besteck und Geschirr vernommen und als ich gleich darauf in der Küche stand, war der Tisch für uns schon gedeckt.</span></p>
<p style="0cm;">„<span style="Arial,sans-serif;">Ich war unten beim türkischen Bäcker“, hatte Carolin gesagt  und sie hatte dort, wie ich sah, Mandelhörnchen gekauft und frisches Weißbrot.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Dazu hatte sie Obst auf den Tisch gestellt, einen Teller mit frisch aufgeschnittenen Tomaten, Butter, Honig und Marmelade,  Schafskäse und Oliven und dazu auch noch eine Tafel Schokolade. „Setz dich doch, ich bin gleich so weit. Magst du auch einen Milchkaffee? “</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Von meinem Platz aus hatte ich Carolin beobachtet, die den Rücken zu mir gewandt am Herd stand, und die kochende Milch mit dem Schneebesen rührend auf schäumen ließ.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Doch gerade dies, jene Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit mit der Carolin dort hantierte, schien mir seltsamer Weise ein Ausdruck zu sein, ein Beweis eben jener Verwandlung, deren Ursprung und Ausgangspunkt Carolin war.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und als hätte sie eben jenen Gedanken erraten, jene letzten noch vorhandenen Zweifel in mir zu zerstreuen versucht, hatte Carolin mich angesehen und gelächelt, als sie mir wenig später am Tisch gegenüber saß. </span></p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und das Glück und die Ratlosigkeit, die ich in diesem Augenblick gleichermaßen empfand, ob nun unbewusst oder aber mit Absicht, wie ich einen Moment lang argwöhnte, noch vertiefend, hatte Carolin eine von den runden und großen Orangen vor mir in die Hand genommen und geschält, in zwei Hälften zerteilt: „Hier. Möchtest du?“<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/a33dde8a056b46a2bca5188111b352fa" width="1" height="1" alt=""/></span></p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Der Morgen danach</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Apr 2009 12:18:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Erste gemeinsame Nacht]]></category>

		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

		<category><![CDATA[Verliebtsein]]></category>

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		<description><![CDATA[Was aber war im Verlauf jener Nacht zwischen Carolin und mir noch geschehen? Nichts. Dennoch zögere ich mit der Antwort, wenn ich daran zurück denke, jetzt. 
Denn so vieles was später kam, noch passieren sollte und im Weiteren noch erzählt werden wird, lässt sich so nicht erklären. 
Vielleicht sollte die Frage deshalb lauten: Was geschah [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Was aber war im Verlauf jener Nacht zwischen Carolin und mir noch geschehen? Nichts. Dennoch zögere ich mit der Antwort, wenn ich daran zurück denke, jetzt. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Denn so vieles was später kam, noch passieren sollte und im Weiteren noch erzählt werden wird, lässt sich so nicht erklären. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Vielleicht sollte die Frage deshalb lauten: Was geschah also in jener Nacht, während sich doch im Grunde genommen nichts ereignete? Oder  anders herum gefragt: Was ereignete sich, während eigentlich nichts geschah?</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Carolin war voraus gegangen und ich war ihr ins Zimmer gefolgt, wo sie sich sogleich auszukleiden begann, den  Pullover, Schuhe, Strümpfe und Hose auszog und anschließend im Bad verschwand.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">In der Zwischenzeit hatte ich gleichfalls angefangen, mich auszuziehen und mich nach einem geeigneten Platz umgesehen, an dem ich meine Sachen ablegen konnte. Dann war Carolin in das Zimmer zurückgekehrt und sie hatte mich angesehen und gelächelt:“Na- Du kannst meine Zahnbürste benutzen.“ </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Als ich wenig später aus dem Bad zurück gekommen war, hatte Carolin bereits im Bett gelegen, auf der Seite, mit dem Rücken zum Raum, das Gesicht hin zur Wand. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Ich aber war neben ihr unter die Decke geglitten, hatte noch einen Augenblick lang gewartet, gehorcht, bis ich sicher gewesen war, dass sie tatsächlich bereits schlief.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Menschen, die von einem Moment auf den anderen einschlafen können, haben mich Zeit meines Lebens in Erstaunen versetzt und ich habe sie oftmals um diese Fähigkeit beneidet. . . </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Während Carolin also schlief, hatte ich eine ganze Weile noch wach gelegen und dabei ihrem Atem gelauscht, den Geruch ihrer Haut, ihres Haars neben mir auf dem Kopfkissen in mich aufgenommen. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und ich hatte dabei an das Wunder gedacht, das uns beide an diesem Ort, in dieser Nacht, heute, hier und jetzt zusammengeführt hatte, wenn auch nicht ganz . . .</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Vorsichtig darum bemüht, sie nicht aufzuwecken dabei, hatte ich mich von Zeit zu Zeit im Bett umgedreht, meine Lage verändert, ohne dass es mir dabei gelang, in den Schlaf zu finden. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Schon war das erste Tageslicht durch das Fenster von draußen herein gedrungen. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Wände, Umrisse, Dinge hatten sich nach und nach aus der Dunkelheit um mich herum zu lösen begonnen, in der ich die gleichmäßigen Atemzüge Carolins vernahm: dann und wann unterbrochen von einem winzigen und im Schlaf von ihr ausgestoßenen Laut, keinem wirklichen Wort. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Dann war auch ich schließlich eingeschlafen . . . <img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/eca7e7dcc1a245bdbade8914b44ef30e" alt="" width="1" height="1" /></span></p>
<p style="0cm;">
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Von Genialen Dilettanten und anderen wunderbaren Menschen Letzter Teil</title>
		<link>http://wrangelstrasse-blog.de/2009/04/von-genialen-dilettanten-und-an-anderen-wunderbaren-menschen-letzter-teil/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Apr 2009 11:58:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Sylvesterparty]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann mich noch entsinnen, dass es bei unserem Eintreffen auf der Party so voll gewesen war, dass wir Mühe gehabt hatten, durch das dichte Gedränge hindurch vorwärts zu kommen und vom Eingang aus weiter vorzudringen hin zum eigentlichen Geschehen. 
Und ich erinnere mich noch daran, dass ich damals beeindruckt gewesen war von der unerwarteten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Ich kann mich noch entsinnen, dass es bei unserem Eintreffen auf der Party so voll gewesen war, dass wir Mühe gehabt hatten, durch das dichte Gedränge hindurch vorwärts zu kommen und vom Eingang aus weiter vorzudringen hin zum eigentlichen Geschehen. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und ich erinnere mich noch daran, dass ich damals beeindruckt gewesen war von der unerwarteten Weitläufigkeit des Raumes, seiner hohen Decke, seinen lang gezogenen weißen Wänden und den großen fast bis oben hinauf reichenden Fabrikfenstern.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Während man den hinteren Teil der Etage durch eine Fensterwand abgetrennt hatte und offensichtlich als Schlaf- und als Wohnraum benutzte, schien der vordere Bereich gleichermaßen als Werkstatt, Küche und Atelier zu dienen. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Dort hatten sich bei unserer Ankunft vielleicht an die einhundertfünfzig bis zweihundert Menschen aufgehalten.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Carolin, die auch hier wieder irgendwelche Leute, die sie kannte, getroffen und begrüßt hatte, war bereits beim Hereinkommen hinter uns zurück geblieben und von da an aus  unserem Blickfeld verschwunden. Wir aber waren bis zu einem improvisierten Tresen am anderen Ende des Raumes gelangt, an dem es Getränke gab.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Heute weiß ich nicht mehr, was im Einzelnen noch geschehen war und worüber wir sprachen. Martin, dem es von Anfang an viel zu voll und zu laut gewesen war auf der Party, war bereits früh gegangen und auch Steffen und Michael waren irgendwann später aufgebrochen. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Das Fest hatte um diesen Zeitpunkt herum bereits seinen Höhepunkt überschritten und der Raum hatte sich nach und nach schon zu leeren begonnen. Ich aber hatte mich nicht von dort los lösen können und von Zeit zu Zeit Ausschau gehalten nach Carolin.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Schließlich waren wir uns wieder begegnet. Carolin hatte an einem der Fenster gelehnt, die zum Wasser hinaus gingen, und ich war auf sie zu getreten, nachdem sie mich gleichfalls erkannt hatte.</span></p>
<p style="0cm;">„<span style="Arial,sans-serif;">Na.“ „Na“ „Und gefällt es dir hier?“„Ja-  Und dir?“ „Mir auch. Ist es nicht total schön hier?““Ja“, hatte ich ihr geantwortet und ich hatte sie, auf den Becher in ihrer Hand blickend, gefragt „Kaffee?“ „Ja, ich glaube, ich werde langsam müde- Vielleicht sollten wir bald mal aufbrechen . . . “</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Damals hatte Carolin nur ein paar Straßen entfernt von mir gewohnt und so waren wir  vom Schlesischen Tor aus gemeinsam mit der U-Bahn gefahren und am Ende der Fahrt an der gleichen Station ausgestiegen.</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Ich hatte Carolin, die sogleich wieder draußen zu frösteln begonnen hatte, angeboten, sie noch bis zu ihrer Haustür zu begleiten und als wir vor dem Haus angelangt waren, hatte sie mich gefragt: „Sag mal hast du nicht auch noch Lust, einen Kaffee zu trinken?“</span></p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Oben in ihrer Wohnung hatte Carolin eine kleine Espresso-Kanne auf den Herd gesetzt.  Beide hatten wir in der Küche gesessen und den starken Kaffee getrunken. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Und wie zuvor auf der Fahrt zu der Party als sie neben mir saß im Auto, hatte Carolin eine Zigarette zu drehen begonnen und sie angezündet, mir gereicht: „Möchtest du?“</span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Bald darauf, nachdem wir beide auf geraucht hatten, hatte Carolin sich von ihrem Platz erhoben und gestreckt: „Mensch, ich bin total müde. Ich glaube, ich muss jetzt allmählich mal wirklich ins Bett“, und ich hatte genickt  und war ebenfalls aufgestanden, um mich zu verabschieden. </span></p>
<p style="0cm;"><span style="Arial,sans-serif;">Dann, einen Augenblick später aber hatte Carolin sich noch einmal zu mir umgewandt. Und mit anderer Stimme, nachlässig, träge, weich hatte sie noch hinzu gefügt: „Du kannst hier schlafen, wenn du magst. . .“<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/96b6cdc6a2de46e3bf97de1db0fe1c82" alt="" width="1" height="1" /> </span></p>
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		<title>Von Genialen Dilettanten und anderen wunderbaren Menschen Teil 7</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:14:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Kraus</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erster Teil]]></category>

		<category><![CDATA[Dead Kennedys]]></category>

		<category><![CDATA[Oberbaumbrücke]]></category>

		<category><![CDATA[Sektorengrenze]]></category>

		<category><![CDATA[Spree]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer abwechselnd daraus trinkend hatten wir die Sektflasche im Wagen herum gereicht, die Steffen hinter mir auf der Rückbank geöffnet hatte, und ich war dabei immerfort geradeaus an der Hochbahn entlang gefahren, an der Möckernbrücke und am Halleschen Tor, an der Prinzenstraße vorbei. . .
Kurz bevor wir das Schlesische Tor erreicht hatten, hatte sich Michael [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Immer abwechselnd daraus trinkend hatten wir die Sektflasche im Wagen herum gereicht, die Steffen hinter mir auf der Rückbank geöffnet hatte, und ich war dabei immerfort geradeaus an der Hochbahn entlang gefahren, an der Möckernbrücke und am Halleschen Tor, an der Prinzenstraße vorbei. . .</span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Kurz bevor wir das Schlesische Tor erreicht hatten, hatte sich Michael wieder zu mir nach vorne gebeugt:„Du musst vorn an der Ampel links abbiegen und dann gleich wieder rechts in die Pfuelstraße.“ „Und zu welcher Hausnummer müssen wir genau hin?“, hatte ich ihn gefragt. „Nummer fünf.“ </span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Unweit davon entfernt hatten wir einen Parkplatz gefunden, direkt an der Spree, und  vom Ufer aus hatten wir, angesogen, durchdrungen vielleicht von dem gleichen Gefühl,  auf das vor uns liegende Wasser geblickt, auf die andere Seite herüber, die, wie die gesamte Spree an dieser Stelle schon zum Ostteil gehörte. </span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Drüben, nah am anderen Ufer, war ein Patrouillenboot der Grenztruppen langsam den Fluss hinauf gefahren, und in Abständen hatte man dort die Wachttürme an der Mauer  gesehen. Vor uns am Uferrand aber hatte ein Schild gestanden mit der Aufschrift </span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><em>Achtung Lebensgefahr</em></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">! Wasserstrasse </span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><em>gehört zum Ostsektor von Berlin</em></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><span style="normal;">.</span></span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify">„<span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Sagt mal ist euch nicht auch langsam kalt“, hatte Carolin schließlich gefragt, wollen wir nicht langsam reingehen?“ „Ja“, hatte Michael zugestimmt, „lasst uns reingehen.“ </span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Ich aber hatte noch einen Augenblick dort verweilt und die Krananlagen und alten Speichergebäude drüben betrachtet, auf die halb zerstörte, halb zerfallene und für den Verkehr gesperrte Oberbaumbrücke geschaut, deren angegriffenes Mauerwerk, deren abgebrochene stumpfe Türme im fahlen Licht gleichsam irreal, märchenhaft und verwunschen erschienen.</span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">In der Pfuelstraße Nr.5  befand sich ein aus mehreren ineinander mündenden Höfen bestehendes altes Gewerbegelände und die Party, von der Michael erfahren hatte, sollte irgendwo hier in einer der Fabriketagen stattfinden.</span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Suchend hatten wir zunächst den vorderen und zur Straße gelegenen Innenhof durchquert,  an den dunklen und  zum Teil auch erleuchteten Fensterreihen hinauf gesehen.</span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify">„<span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Weißt du noch welcher Aufgang und Hof es sein sollte?“ hatte ich Michael gefragt  „Eben nicht“, hatte Michael geantwortet. „Tja, da können wir jetzt lange suchen“, hatte Martin erwidert.</span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Dann aber war im angrenzenden Nachbarhof das entfernte Geräusch von Musik und von Stimmen zu uns herüber gedrungen und Carolin, die ein paar Meter vor uns ging, hatte sich zu uns umgewandt: „Los, da vorn muss es irgendwo sein.“</span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify">
<p style="0cm;" align="justify"><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Gleich darauf hatten wir auch den richtigen Aufgang gefunden. Und schon von unten, während ich hinter Carolin und den Anderen her die Stufen hinauf zu steigen begann, hatte ich die Musik </span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><span style="normal;"><span style="normal;">dort</span></span></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><em> </em></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><span style="normal;">im Treppenhaus vernommen, die unverkennbare </span></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;">Stimme von </span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><em>Jello Biafra</em></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><span style="normal;">, der gerade</span></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><em> Holiday in Cambodia </em></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><span style="normal;">von den</span></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><em> Dead Kennedys </em></span></span><span style="Arial,sans-serif;"><span style="small;"><span style="normal;">sang . . .<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b3f76f240f8048db99d874f5a9f49161" width="1" height="1"></span></span></span></p>
<p style="0cm;" align="justify">
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