Kreuzberg - Anmerkungen zum 1. Mai Fortsetzung Teil 2

Später dann, in den Jahren danach aber hatten die Einsatzkräfte der Polizei die Situation in Kreuzberg am 1. Mai immer weiter unter ihre Kontrolle zu bringen vermocht. Mannschaftswagen der Polizei waren Tage im voraus bereits im Schrittempo fahrend die Straßen des Viertels entlang patrouilliert und die aus anderen Bundesländern zusammen gezogenen Hundertschaften waren vor ihrem Einsatz mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht worden.

Am 1. Mai selbst aber standen am frühen Morgen bereits Einsatzbereitschaften an allen wichtigen Straßen, Orten und Plätzen im SO36 genannten Teil Kreuzbergs. Ganze Straßenzüge waren von der Polizei abgeriegelt worden. Hubschrauber hatten das Geschehen aus der Luft überwacht, Wasserwerfer und Räumpanzer Hindernisse bei den Auseinandersetzungen beseitigt und die Gruppen von Menschen, die sich ihnen dabei auf den Straßen entgegen gestellt hatten, auseinander getrieben.

Der Berliner Senat und die Polizei waren so von Jahr zu Jahr immer besser vorbereitet gewesen auf die kommenden Ereignisse am 1. Mai. Auf der anderen Seite aber hatten sich die organisierteren Teile des linken und autonomen Spektrums zunehmend aus den Auseinandersetzungen am 1. Mai zurück gezogen.

Ein Grund dafür mag für manchen dabei die im Laufe der Jahre immer deutlicher verspürte Aussichtslosigkeit, sich daran zu beteiligen, gewesen sein angesichts der massiven Präsenz und Übermacht der Polizei, ein anderer und für viele womöglich noch wichtigerer aber hatte in der wahrgenommenen beginnenden “Entpolitisierung” der Ereignisse gelegen und der offensichtlichen Ziel- und Kopflosigkeit mit der einige Akteure dabei vorgegangen waren.

So waren teilweise auch alternative Läden und Geschäfte von Kleingewerbetreibenden aus dem Kiez angegriffen und beschädigt worden, was wiederum in weiten Teilen der autonomen Szene auf Ablehnung gestoßen und bisweilen auch scharf kritisiert worden war, manche der beteiligt gewesenen Akteure waren am Nachmittag beireits angetrunken gewesen und einige davon hatten Anwohner, Passanten oder aber auch die eigenen Mitdemonstranten dabei mit ihren unbedachten Steinwürfen verletzt.

Also hatte sich die Polizei in den späteren Jahren am 1.Mai in Kreuzberg einer gleichzeitig schwindenden Anzahl von Menschen und in ihrer Zusammensetzung dabei weniger geschlossenen als diffusen Menge von Kontrahenten gegenüber gesehen, unter ihnen viele Jugendliche, Schaulustige und Betrunkene.

Diese aber hatten sich bei den Vorstößen der Polizei während der Auseinandersetzungen, so schien es, im entscheidenden Augenblick mitunter zu spät zurück zu ziehen begonnen, wodurch sich dann auch jene stets große Menge an Festnahmen erklären mag, die am Tage danach dann in wiederkehrender Regelmäßigkeit von der Polizei gegenüber den Medien verkündet worden war. . .

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