Ernesto - Teil 2

Ich weiß noch, dass Matthias, der vor einiger Zeit angefangen hatte Trompete zu spielen, eine Schallplatte von Miles Davis aufgelegt hatte und danach wieder an unseren Tisch zurück gekehrt war.

Die Musik aber hatte jenes leere Gefühl in mir, das mich bei meiner Ankunft bereits erfasst hatte, noch verstärkt und mit ihm jenen Sog, den es auszulösen begann.

In der Kargheit und Reglosigkeit des Moments hatte sich meine Wahrnehmung, wie ich damals empfand, zu teilen begonnen, traten Einzelheiten darin klar und deutlich hervor, die Konturen von Gegenständen und Dingen im Raum, Schatten, Fugen im Mauerwerk während sich ihr Zusammenhang als Gesamtes zugleich aufzulösen begann.

Hatte ich dabei anfänglich noch geglaubt, irgendetwas tun oder sagen zu müssen, um zu intervenieren und die Situation, den begonnenen Tag noch zu retten, war mir nach und nach klar geworden, dass die Tragkraft des Augenblicks völlig ausreichend war.

Manchmal denke ich, dass die anderen beiden, dass Matthias und auch er, Ernesto, damals nur auf diesen Moment, meine eigene verspätete Ankunft darin gewartet und mir bis dahin Zeit gelassen hatten, selbst heraus zu finden, dass es keiner weiteren Dinge darin, keiner anderen Unterhaltung bedurfte.

Doch wer könnte das schon mit Sicherheit sagen?

So hatten wir der Musik lauschend einfach nur dort zusammen gesessen und getrunken, geraucht.

Ich selbst hatte dabei indes jene vage Gewissheit verspürt, schließlich an einem lange schon auf mich wartenden Punkt angekommen zu sein, einer Leerstelle, in die ich dabei eintrat, eine Gegenwart, die mich plötzlich umschloss, in der all die Ereignisse der Vergangenheit zusammenflossen und vor deren Hintergrund das Geschehene und Versäumte darin, Offenes, Ungelöstes und Erfahrenes dabei gleichermaßen bedeutungslos schienen.

Meine eigene unbewiesene Geschichte, jene Zeit unvollständiger Aufbrüche, ruheloser Gedanken, aufgegebener Vorhaben und nebelhafter Visionen, auf die ich nun zurücksah, aber lag, so schien es, abgetrennt, losgelöst von mir selbst hinter mir, ohne dass damit zugleich auch etwas Neues begann.

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